Donnerstag, 24. September 2026

Max Nagl Quintett im Schloss Puchberg, Wels

Es gibt Bands, die ich mir gerne mehrmals anhöre, auch wenn wie in diesem Fall nur ein gutes halbes Jahr vergangen ist, seit ich sie im Salzburger Jazzit gehört habe. Es hat sich auch gegenüber diesem Konzert nicht viel geändert. Die Besetzung (Georg Vogel am E-Piano, Gregor Aufmesser am Kontrabass, Phil Yaeger an der Posaune, Max Nagl am Altsax und Martin Eberle an der Trompete) ist die gleiche und auch das Programm. Der Raum allerdings, so optisch schön der Spiegelsaal im Schloss Puchberg auch sein mag, kann dem Jazzit akustisch bei Weitem nicht das Wasser reichen. Max Nagl ist in erster Linie ein Komponist kurzer, kompexer Stücke mit sonderbaren Titeln wie Shoklad, Schalf oder Vascolita. Ohne unterstützende Notenblätter sind sie nicht zu bewältigen. Dennoch bieten sie auch  Freiraum für kollektives oder solistisches Improvisieren, wobei mich vor allem Georg Vogel's Klavierspiel immer wieder stark beeindruckt. Stilistisch enthalten die Kompositionen Einflüsse aus unterschiedlichsten Bereichen von der Volksmusik über Salonmusik und Big-Band-Jazz bis zu Neuer Musik. Emotional am meisten sprechen mich dabei die lyrischen Passagen an, insgesamt wirken Nagl's Stücke allerdings eher intellektuell. Auch beim zweiten Hören bleibt die Darbietung für mich spannend wie beim ersten Mal und auch das Publikum im vollen Schlosssaal bringt seine Begeisterung durch viel Applaus zum Ausdruck.

 

Freitag, 18. September 2026

"Rising Stars" im ProDiagonal Lambach

Das Bildungshaus ProDiagonal in Lambach bietet jungen, aufstrebenden Musiker:innen immer wieder eine Bühne, um sich vor Publikum mit ihrer Kunst zu präsentieren. "Rising Stars" nennt sich diese Konzertreihe, an der dieses Mal ein Duo aus Cello (Luisa Gerner) und Akkordeon (Joana Frischer) sowie zwei Pianisten (Alexander Vounelakos und Elias Tiefenbacher) beteiligt sind. Mit drei Stücken von Astor Piazzolla im Programm machen mir Luisa Gerner und Joana Frischer eine besondere Freude und auch die anderen Kompositionen (jüdische Musik von Ernest Bloch und Schottisches) trägt das Duo gekonnt und mit viel Gefühl vor. Die beiden Pianisten spielen sowohl Eigenkompositionen (Alexander Vounelakos hat sogar schon ein Soloalbum im ProDiagonal eingespielt) als auch gemeinsam Standards wie z. B. Cole Porter's "What Is This Thing Called Love" und zeigen damit ihr Können und ihre Reife. Bisweilen etwas ungestüm und mit viel Spielfreude können auch sie das Publikum im intimen Rahmen des wunderbaren Hauses in Lambach für sich gewinnen. Schön, dass dieses Haus auch immer wieder dem musikalischen Nachwuchs Auftrittsmöglichkeiten bietet.
 

Mittwoch, 16. September 2026

DAHAM im Schl8hof Wels

DAHAM nennt sich ein Frauen-Sextett aus Tirol, das mittels A-Capella-Gesang Volksliedhaftes zur Aufführung bringt. Das bekannte Volkslied "Wenn du durchgehst durchs Tal" zu Beginn des Konzerts signalisiert auch gleich die musikalische Richtung. Allerdings werden auch bald Einflüsse vor allem aus dem Jazzbereich hörbar und kurz dürfen auch ein Flügelhorn und ein Saxophon unterstützend erklingen. Die Lieder stammen von der Leiterin des Ensembles, Katharina Kurz, sind in Mundart gehalten und thematisieren Natur, menschliche Beziehungen und Gefühlswelten. Am Beginn der Lieder werden oft  dazu passende poetische Texte zitiert, u. a. das mir bekannte "Wanderers Nachtlied" von Goethe. Den Stimmen kommen unterschiedliche Funktionen zu: den Text zum Ausdruck zu bringen einerseits und das Ganze lautlich zu begleiten und zu untermalen andererseits. DAHAM ist weniger in der Welt der lauten Ausbrüche zuhause und kommt eher subtil-klangmalerisch daher. Es entsteht dabei eine für mich recht angenehme Stimmung und eine Musik, der ich mich am liebsten mit geschlossenen Augen hingebe. DAHAM haben somit einen recht eigenwillig-eigenständigen Stil kreiert, der mit dem der traditionellen Jazz-a-capella-Gruppen wenig zu tun hat. Was Eigenes zu schaffen ist das, was ich an den mir bekannten Musiker:innen sehr hoch einschätze, egal ob es meinen Hörgewohnheiten entspricht oder auch nicht. Das Jazz-Publikum der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof hat ebenfalls für alles ein offenes Ohr und spendet reichlich Applaus.

 

Dienstag, 15. September 2026

Brad Mehldau & Kirill Gerstein im Brucknerhaus Linz

Brad Mehldau ist wahrscheinlich einer der vielseitigsten Jazz-Pianisten, denn seine künstlerische Tätigkeit erstreckt sich auch in die Welt der Popmusik und in die der klassischen Musik, in der er auch ausgebildet worden ist. Im großen Saal des Linzer Brucknerhauses führt er einen musikalischen Dialog mit Kirill Gerstein, einem Pianisten des klassischen Genres, dem Jazz allerdings auch keineswegs fremd ist, da er schon als Teenager eine Ausbildung zum Jazzmusiker absolviert hat, bevor er sich später der Klassik zugewendet hat. So bekommt man an diesem Abend eine Mischung aus notierter und improvisierter Musik zu Gehör, wobei die Grenzen dazwischen verschwimmen und an Bedeutung verlieren. Brad Mehldau trägt mehrere Eigenkompositionen dazu bei, die wiederum angeregt worden sind durch Werke von Gabriel Fauré oder György Ligeti. Eine Bearbeitung einer Stücks von Anton Bruckner darf aus gegebenem Anlass (Brucknerfest) natürlich auch nicht fehlen. Musikalisch geht es dabei weniger bombastisch als viel mehr subtil-virtuos zu, wobei ich von den improvisatorischen Fähigkeiten von Kirill Gerstein besonders überrascht bin. Die Musik der Beiden geht sowohl über Jazz als auch über Klassik weit hinaus, indem beide Spielweisen gleichberechtigt nebeneinander und miteinander verwoben ihren Ausdruck finden. Mir gefällt das und dem Publikum im fast ausverkauften Brucknerhaus wohl auch.
 

Freitag, 11. September 2026

A Love Electric & Lisa Hofmaninger im OKH Vöcklabruck

Der US-Gitarrist und Sänger Todd Clouser, jetzt in Mexiko lebend, war mit seinen mexikanischen Begleitern (Aaron Cruz am E-Bass und Jorge Servin am Schlagzeug - zusammen A Love Electric) vor ca. anderthalb Jahren schon einmal zu Gast im OKH Vöcklabruck, musikalisch unterstützt von Lisa Hofmaninger (Sopransax und Bassklarinette). Gemeinsam haben A Love Electric und Lisa Hofmanninger ein Album eingespielt ("Modern Medicine"), das sie nun präsentieren. Es ist recht vielseitig geworden und enthält mexikanische Cumbia ebenso wie amerikanischen Blues und moderne Jazz- und Rockelemente. Der Instrumentalklang erhält durch Todd Clouser's poetischen Sprechgesang eine zusätzliche Dimension. Bass und Schlagzeug sind das rhythmische Getriebe und Gitarre und Saxophon erschaffen kunstvolle Melodien und kommunizieren miteinander auf einfühlsame Art. Die Unisono-Passagen der Beiden haben mich dabei besonders berührt. In der Band herrscht Gleichberechtigung, das Miteinander hat Vorrang vor exaltierten Einzelaktionen. So entsteht ein charakteristisches Gesamtklangbild mit eigenständiger musikalischer Handschrift und leichtem Tex-Mex-Touch, das von der Zuhörerschaft einiges an Aufmerksamkeit erfordert. Feinsten Hörgenuss bekommt man dafür als Belohnung.
 

Samstag, 5. September 2026

Willy Bell solo im OKH Vöcklabruck

Ich kenne die meisten der Songs, die Willy Bell, ein vor der Einberufung zum Militärdienst in Vietnam nach Vöcklabruck geflüchteter Amerikaner, im Programm hat, allerdings nicht so, wie er sie singt. Das Repertoire besteht aus Folk-, Country-, Blues-, Rock 'n Roll und Pop-Nummern bekannter Künstler wie Bob Dylan, Lou Reed, Chuck Berry, Steve Earle, Jim Croce, Kris Kristofferson, Leonard Cohen, Paul Simon, den Rolling Stones u. a. Dazu kommen noch vereinzelt eigene Kompositionen. Willy Bell ist ein wunderbarer Sänger und ein perfekter Begleiter auf der akustischen Gitarre. Und er macht die Lieder, die er interpretiert zu etwas Eigenem: Durch seine Stimme, seine Intonation und seine eigenwillige Phrasierung entsteht etwas Neues, etwas So-noch-nicht-Gehörtes. Mit Erstaunen stelle ich fest, wie man sich gewohnte Klassiker wie "Walk on the Wild Side" (Lou Reed) oder "Suzanne" (Leonard Cohen) zu eigen machen und quasi neu erfinden kann. Auch wenn Willy Bell hauptsächlich Coverversionen zum Besten gibt, so ist es seine starke Musiker-Persönlichkeit, die dabei in Erscheinung tritt und konzentrierte Aufmerksamkeit verdient. Das zahlreich erschienene Publikum weiß das, so wie ich, zu schätzen.
 

Freitag, 4. September 2026

Andrew Dewar spielt "Dancing Pipes" im Mariendom Linz

Beim letzten Konzert des "Domorgelsommer 2026" im Linzer Mariendom bin ich wieder dabei. Den Organisten gibt dieses Mal der Engländer Andrew Dewar, zurzeit Titularorganist an der Pariser American Cathedral. Das Programm ist der musikalischen Form der Chaconne gewidmet, die im 16. Jhdt. aus einem mexikanischen Tanz hervorgegangen sein soll. Barocke Komponisten haben dazu Orgelwerke verfasst, Dieterich Buxtehude, John Blow oder auch Johann Sebastian Bach. Auch modernere Künstler haben das auf Wiederholung setzende Harmonieschema der Chaconne verwendet. So stehen auch ein Werk von Johann Nepomuk David aus dem 20. Jhdt. und ein Stück des zeitgenössischen englischen Künstlers Jonathan Dove auf dem Programm des Abends. Nach diesem letzten Musikstück - dem musikalischen Höhepunkt des Konzerts - ist dieses auch benannt: The Dancing Pipes (aus dem Jahr 2014). Ein ständig präsentes, sich immer wiederholendes Thema wird umrankt sowohl von klangfarbenreichen, sanften Melodien als auch von mächtigen Soundgebilden, bei denen alle Register gezogen werden. Obwohl die Chaconne ursprünglich als Tanzmusik verwendet worden ist, so sind die Stücke dieses Abends weit davon entfernt, tanzbar zu sein, sondern es sind anspruchsvolle, klanglich-harmonisch virtuos gestaltete Kunstwerke, die alles andere als leichte Kost darstellen. Die musikalische Wirkung des Abends empfinde ich als reinigend und befreiend. Das Publikum zeigt sich so wie ich jedenfalls davon schwer beeindruckt.
 

Dienstag, 1. September 2026

"Jazz" bei den Musiktagen im Schloss Mondsee

Schon seit 1989 gibt es Ende August, Anfang September das Kammermusik-Festival Musiktage Mondsee im Schloss Mondsee. Zum ersten Mal hat es mich dieses Jahr hingezogen, wahrscheinlich wegen dieses mit "Jazz" betitelten Abends. Gespielt werden allerdings Kompositionen von Komponisten aus dem Klassik-Genre, die mehr oder weniger oder gar nichts mit Jazz zu tun haben. Am jazzigsten geht es noch bei Bohuslav Martinu zu. "La Revue de Cuisine" ist eigentlich Ballettmusik, die aus einem stilistischen Mischmasch besteht: Marsch, Bolero, Tango und auch jazziger Charleston kommen in diesem Stück aus den 1920er Jahren vor. Dimitri Schostakowitsch verwendet zwar für seine Jazz-Suite Nr. 1 die Instrumentation einer Jazz-Band der 1930er Jahre mit Klavier, Kontrabass, Schlagzeug und Bläsersatz, die Musik selbst, bestehend aus den Sätzen Walzer, Polka und Foxtrott hat mit Jazz jedoch kaum etwas zu tun. Igor Strawinsky's Geschichte vom Soldaten schließlich ist Bühnenmusik, die zur Aufführung mit einem Vorleser, zwei Schauspieler:innen und einer Tänzerin bestimmt ist. Im Schloss Mondsee treten die sieben Musiker:innen allerdings nur mit dem Vorleser (Michael Dangl) in Aktion und erzählen verbal und musikalisch einen russischen Märchenstoff, bei dem ein Soldat einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Die Moral der Geschichte hat schon was: "Man kann nicht der sein, der man ist und der man war. Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück." Auch wenn "Jazz" anders klingt, so ist der Abend durchaus unterhaltsam und die künstlerischen Leistungen sind überzeugend. Dafür gibt es auch vom Publikum im immer noch sommerheißen Schlosssaal viel Applaus.
 

Montag, 31. August 2026

Lylit, FIIO und Cari Cari im Volksgarten Salzburg


Für's "gemeine Volk" gibt es seit ein paar Jahren im Volksgarten Salzburg Gratiskonzerte unter dem Titel "Live in Salzburg". Den letzten der vier diesjährigen Konzertabende will ich noch miterleben und treffe ein, als gerade Lylit die Bühne mit ihrer Band betreten hat. Ich habe sie ja schon öfter gehört, allerdings noch nicht in der Besetzung mit zwei Violinen, einem Cello und zwei Background-Sängerinnen. Ihre Lieder wirken dadurch noch opulenter, als ich sie kenne, und gewinnen zusätzlich an Ausdruckskraft. Ihre wunderbare Stimme gefällt mir aber ohne den hier zugemischten Hall sonst deutlich besser. Feministische Emamzipation und Rebellion prägen ihre Texte. Ich höre ihre Lieder immer wieder gern. Der Wiener Sänger und Gitarrist FIIO hat nur einen Schlagzeuger mitgebracht, der Rest wird mittels Playback erledigt. Und er macht richtig Dampf mit deutschsprachigen Indie-Pop-Songs recht einfach gestrickter Machart, die vor allem die positiven Seiten des Lebens als Twen widerspiegeln. Die Indie-Rock-Band Cari Cari schließlich - ich kenne sie ja auch schon von einem OKH-Open-Air in Vöcklabruck - singt auf Englisch  und baut die mächtigsten Soundgebilde mittels Gitarre (Alexander Köck), Keyboard (Stephanie Widmer) und Schlagzeug (Ivo Thomann). Reine Rock-Power steht im Vordergrund, den Auftritt in Vöcklabruck habe ich wesentlich subtiler und differenzierter in Erinnerung. Wer es (brachial) rockig mag, hat sicher mit FIIO und Cari Cari seine größte Freude, mich hat Lylit mit ihren feinen Songs und ihrer stimmlichen Darbietung (wieder einmal) am meisten beeindruckt. Die Atmosphäre im Volksgarten an diesem lauen Sommerabend sowieso.
 

Samstag, 29. August 2026

Brauereimusik Zipf am Stadtplatz Vöcklabruck

Zur österreichischen Musikkultur gehören auch Platzkonzerte der Blasmusikkapellen, von denen es in den meisten Gemeinden mindestens eine davon gibt. In den Sommermonaten präsentiert sich jeweils eine der regionalen Kapellen am Freitagabend am Vöcklabrucker Stadtplatz. Dieses Mal ist es die Brauereimusik Zipf, ursprünglich die Werkskapelle des oö. Bierproduzenten. Wie bei vielen Blasmusikkapellen üblich, besteht das Programm aus bekannten Märschen und Polkas und aus Bearbeitungen von Popmusik für Blasorchester. Hits von Elton John, ABBA und Udo Jürgens werden in Form von Medleys zur Aufführung gebracht. Beim Hit "Under the Boardwalk" von den Drifters aus den 1960ern kommt Johannes Dalla-Rosa am Flügelhorn solistisch zum Einsatz. Von den Märschen hat mich besonders der Florentiner Marsch von Julius Fucik beeindruckt, einer der zurecht meistgespielten Märsche. Auch Marschmusik kann berühren. Als Brauereimusik hat das Blasorchester auch den Zipfer Bier-Marsch im Programm und spielt als Zugabe noch "O du mein Österreich", den Traditionsmarsch aus dem 19. Jhdt. von Franz v. Suppé. Auch die Brauereimusik Zipf zeigt das hohe musikalische Niveau der österreichischen Blasmusik, die einen bedeutenden Stellenwert in unserer Musikkultur einnimmt. Die Zuhörer:innen in den umliegenden Schanigärten fühlen sich jedenfalls bestens unterhalten.
 

Donnerstag, 27. August 2026

Albin Paulus & Doris Kitzmantel im Vituskircherl Regau

Schon seit ein paar Jahren gibt es im kleinen Vituskircherl in Regau Ende August eine Reihe von Kammermusikkonzerten, kuratiert von der aus Vöcklabruck stammenden Pianistin Doris Kitzmantel. Dieses Jahr finden drei Konzerte unter dem Motto "Im Volkston" statt und zeigen den Einfluss der Volksmusik auf die Kunstmusik. Den zweiten Abend der Reihe bestreitet Doris Kitzmantel gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten und Forscher alter Musik Albin Paulus. Das Programm besteht zum einen Teil aus alten Werken der Volkstanzmusik der näheren Umgebung und zum anderen Teil aus volksmusikalisch beeinflussten Stücken prominenter Vertreter der Klassik (Wolfgang Amadeus Mozart, Frederic Chopin, Michel Corrette). Einen besondern Reiz übt dabei das von Albin Paulus verwendete Instrumentarium aus, das aus Maultrommeln, diversen Dudelsäcken, Klarinette und Chalumeau (einem Holzblasinstrument) besteht. Dazu bringt der Musiker auch seine Stimme zum Einsatz. Doris Kitzmantel begleitet ihn dabei meist am Klavier, bisweilen auch auf der Blockflöte. An diesem Abend wird die Grenze zwischen Volksmusik und Kunstmusik andauernd überschritten bzw. aufgehoben, und das mit Virtuosität und höchstem künstlerischem Anspruch. Das Puplikum im ausverkauften Kirchenraum findet Gefallen an dieser musikalischen Entgrenzung und ich selbstverständlich auch.
 

Sonntag, 23. August 2026

Ron Sexsmith im Club Manufaktur Schorndorf

Es gibt Musiker:innen, in die man sich bereits beim ersten Hören verliebt. Mir ist das 1995 passiert, als das erste Album dieses kanadischen Singer-Songwriters erschienen ist. Es ist vor allem seine Stimme, die etwas Magisches an sich hat. 2011 hatte ich während eines England-Urlaubs die Gelegenheit, Ron Sexsmith in Manchester in der 2400 Personen fassenden Bridgewater Hall live zu erleben. Da auch seine diesjährige Europa-Tour Österreich links liegen lässt, suche ich nach der nächstgelegenen Location: Schorndorf in der Nähe von Stuttgart. Zu meiner positiven Überraschung handelt es sich dabei um einen intimen Club, wo ich den Künstler mit seiner Band aus nächser Nähe zu Gesicht und zu Gehör bekomme. Seine langjährigen Musikerkollegen Jason Mercer am Bass und Don Kerr am Schlagzeug und am Klavier bilden die sparsame Instrumentierung. Der Sänger selbst begleitet sich sowohl auf der akustischen Gitarre als auch am Klavier. Die Songs aus seinem letzten Album "Hangover Terrace" bilden den Schwerpunkt des Repertoirs, daneben gibt es auch noch ältere Songperlen wie  z. B.  das oft gecoverte "Secret Heart" zu hören. Fast alle Songs sind für mich gute Bekannte. Sie aus nächster Nähe live präsentiert zu bekommen, ist für mich ein wunderbares Ereignis. Trotz der vielen Tourneestationen ist es Ron Sexsmith ein großes Anliegen, das  Publikum zufrieden zu stellen. Dass er dafür zwei Sets und fast zwei Stunden lang spielt, ist nicht selbsverständlich. Die Begeisterung im ausverkauften Saal des Club Manufaktur in Schorndorf ist daher auch entsprechend groß. Einen meiner Lieblingsmusiker in einer so angenehmen Atmosphäre genießen zu können, ist ein Erlebnis, das für mich schöner nicht sein könnte.

Freitag, 21. August 2026

"Quatuor pour la fin de Temps" in der Stiftung Mozarteum, Salzburg

Das ist nun schon mein zweiter Abend diesen Sommer mit Musik von Olivier Messiaen im großen Saal der Stiftung Mozarteum Salzburg. Dieses Mal ist es die Mitwirkung des österreichischen Cellisten Kian Soltani, die mich dazu veranlasst hat. Mit ihm bringen Renaud Capucon (Violine), Pascal Moraguès (Klarinette) und Hélène Mercier (Klavier) die Komposition "Quatuor pour la fin de Temps" zur Aufführung. Dieses religiös inspirierte Werk, das Messiaen in deutscher Kriegsgefangenschaft komponiert hat, besteht aus acht Sätzen, bei denen nicht immer alle vier Musiker:innen im Einsatz sind, im dritten spielt die Klarinette alleine. Was mich beeindruckt, ist die Vielfalt des Werks, was Rhythmus, Melodie und Intensität anbelangt. Herkömmliche Tonsysteme werden, wie auch im modernen Jazz üblich, von modalen Tonfolgen abgelöst. Kian Soltani tritt bisweilen stärker oder auch weniger stark in den Vordergrund. Im Duo mit dem Klavier übernimmt das Cello im fünften Satz die langsame, expressive Melodieführung. Obwohl dieses Werk keine leichte Kost ist, bin ich aufgrund seiner Vielschichtigkeit und Komplexität davon recht begeistert. Das Festspiel-Publikum im vollen Saal spendet natürlich reichlich Applaus, dem ich mich gerne anschließe.

Donnerstag, 20. August 2026

Mona Hartmann & Pavel Efrenov in der Stiftskirche Schlierbach

Dem Verein der Orgelfreunde Schlierbach ist es zu verdanken, dass diesen Sommer Orgelkonzerte in der wunderbaren Barock-Kirche des Stifts Schlierbach stattgefunden haben. Beim letzten bin ich dabei, weil mich die Kombination aus Kirchenorgel (gespielt von Mona Hartmann) und Akkordeon (mit Pavel Efrenov) neugierig gemacht hat. Allerdings hat die extreme Sommerhitze dazu geführt, dass sich die Stimmung der Orgel merkbar erhöht hat, was das Zusammenspiel mit dem Akkordeon fast unmöglich macht. So gehen Orgel und Akkordeon meist getrennte Wege und führen gemeinsam nur wenige Stücke auf. Ich kann mich daher besonders auf die Solo-Performance des aus der Republik Moldau stammenden und nun in Deutschland lebenden Akkordeonisten Pavel Efrenov konzentrieren. Und die ist überaus beeindruckend. Sowohl mit zeitgenössischen Werken (von Martynas Levickis und Mikolaj Majkusiak) als auch mit Barockmusik (von Francois Couperin und Antonio Vivaldi) kann mich der Akkordeon-Virtuose vollauf begeistern. Das Akkordeon füllt dabei unverstärkt den Kirchenraum klanglich vollkommen, wirkt erstaunlich dynamisch und kommt dabei in den höheren Lagen dem Sound der Kirchenorgel bisweilen sogar ziemlich nahe. Wer immer mir eine besondere Freude bereiten will, nimmt ein Stück von Astor Piazzolla in sein Programm auf. Hier sind es gleich zwei: "Chiquilin de Bachin" interpretiert Pavel Efrenov solo, "Oblivion" intonieren die Musiker:innen zusammen. Orgelwerke von Mozart und Bach - von Mona Hartmann eindrucksvoll dargeboten - vervollständigen den magischen Konzertabend. Die Offenbarung des Abends ist für mich allerdings der junge Akkordeon-Artist, den ich gerne wieder hören möchte.

Montag, 17. August 2026

Andi Weiss Quintett im Musikpavillon Linz

"Thank you Mr. Blakey" nennt der österreichische Schlagzeuger Andi Weiss sein Programm am letzten Abend der sommerlichen Musikpavillon-Konzertsaison an der Linzer Donaupromenade. Er würdigt damit den Einfluss des US-Schlagzeugers Art Blakey, der mit seinen "Jazz Messengers" (1955 - 1990) Jazz-Geschichte geschrieben hat. Mit Andi Weiss spielen Karl Sayer am Kontrabass, Erwin Schmidt am E-Piano, Thomas Huber am Tenorsax und Simon Plötzeneder an der Trompete und am Flügelhorn. Die dargebotenen Kompositionen stammen großteils aus den frühen 1960er Jahren, der Blütezeit des Hard Bop. Hank Mobley, Lee Morgan, Blue Mitchell und sogar Herbie Hancock sind die Autoren. Dazu kommen noch ältere Stücke wie "Con Alma" (Dizzy Gillespie) und die Jazz-Standars "Lover Man" und "My One and Only Love". All das klingt ganz im Stil der 1950er und 1960er Jahre, auch was die abwechselnden soliden Solo-Improvisationen der Beteiligten anbelangt, wobei die Bläser und das Piano den Hauptanteil daran haben. Was damals als "Modern Jazz" gegolten hat, ist nach fast 70-jähriger Weiterentwicklung schon lange nichts Neues mehr und klingt daher recht vorhersehbar. Schon 1980, als ich Art Blakey mit seinen "Jazz Messengers" (mit den gerade neu entdeckten Marsalis-Brüdern) beim Jazz-Festival Wiesen live erleben konnte, wirkte sein Stil für mich schon leicht antiquiert. Allerdings hat neben dem Bestreben nach Innovation auch die gepflegte Tradition in der Musik ihren Sinn und ihre Berechtigung.
 

Samstag, 15. August 2026

Isabelle Faust & Kristian Bezuidenhout spielen J. S. Bach in der Stiftung Mozarteum Salzburg

Immer wieder gerne begebe ich mich in die musikalische Welt des Johann Sebastian Bach. Möglich ist das auch im Rahmen der diesjährigen Salzburger Festspiele im großen Saal der Stiftung Mozarteum. Zur Aufführung kommen sechs um das Jahr 1720 herum entstandene Sonaten für Violine und Cembalo, wobei Bach hier dem Cembalo zum ersten Mal nicht nur begleitende Funktion zukommen lässt. Die deutsche Violinistin Isabelle Faust und der aus Südafrika stammende Cembalist und Pianist Kristian Bezuidenhout sind die Aufführenden dieser insgesamt 25 Sätze beinhaltenden Sonaten. Diese sind in unterschiedlichen Tonarten gehalten, weisen mit jeweils vier Sätzen allerdings das gleiche Schema bezüglich des Wechsels zwischen langsamen und schnellen Sätzen auf. Die sechste Sonate weicht mit ihren fünf Sätzen davon leicht ab, wobei der dritte Satz vom Cembalo allein bestritten wird. Klanglich ist die Kombination aus Cembalo und Violine recht reich an Obetönen und wirkt, was die Lautstärke betrifft, eher gedrosselt, was ich als recht angenehm empfinde. Das Reizvolle an Bach's Kompositionen ist für mich auch immer der Melodien-Reichtum, sowohl was die großen als auch die kleinen Melodiebögen anbelangt. Bach's Musik eignet sich dafür, um als Zuhörer:in darin tief einzutauchen und sich dem Moment hinzugeben. Abwechslungsreichtum sorgt dafür, dass dabei nie Langeweile aufkommt. Wie die beiden Künstler:innen das Werk des großen Barockkomponisten zur Aufführung bringen, hat mich und den ausverkauften Saal der Stiftung Mozarteum schwer beeindruckt. Ihre Spielfreude bringen die Beiden schließlich auch noch durch mehrere Zugaben zum Ausdruck.
 

Freitag, 14. August 2026

Unorthodox Radio im OKH Vöcklabruck

Auf Ö3 wird man die Songs dieser Band nicht spielen, dafür sind sie zu unorthodox arrangiert, wie der Bandname bereits verrät. Obwohl die Lieder gut ins Pop-Genre mit all seinen Schattierungen passen, sind sie nicht Pop-Radio tauglich, weil sie allzu viele Elemente des Jazz enthalten, vor allem ausgedehnte Solo-Improvisationsausflüge insbesondere durch den Saxophonisten Armin Jambor und den jungen Mann am E-Piano. Das Highlight des Quintetts ist für mich die hervorragende Rhythmusgruppe (E-Bass, Schlagzeug und E-Piano), wobei mir das Spiel der neu dazugekommenen Schlagzeugerin Gloria Handler besonders gut gefällt. Die Sängerin und Bandleaderin ist Michaela Fröhlich, von der auch die poppigen Lieder stammen, die vor allem recht persönliche Hintergründe haben. Der Großteil der Songs sind Eigenkompositionen, bisweilen wird allerdings auch ein allseits bekannter, "unorthodox" arrangierter Popsong eingestreut (z. B. "Can't Take My Eyes Off You"). Die stilistische Bandbreite ist dabei durchaus beachtlich, Uptempo und Slowtempo wechseln sich ab, manchmal wird es recht soulig und zur Abwechslung gibt es auch ein Lied im Dreivierteltakt. Armin Jambor's Improvisationen am Tenorsax sprühen vor Kraft und Ideenreichtum und lassen vor dem Hintergrund der grandiosen Rhythmussektion mein Jazzer-Herz höher schlagen. Auch das Publikum in der Bar des OKH Vöcklabruck zeigt sich von der Performance dieser Grazer Band an diesem thursday4jazz recht positiv beeindruckt.
 

Mittwoch, 12. August 2026

Visions de l'Amen (Olivier Messiaen) in der Stiftung Mozarteum, Salzburg

Die Salzburger Festspiele sind ja nicht gerade meine Welt und dennoch hat es mich hingezogen zu einem Klavierkonzert zweier Pianisten: Markus Hinterhäuser und Igor Levit führen im großen Saal der Stiftung Mozarteum "Visions de l'Amen" von Olivier Messiaen auf. Igor Levit ist es, der mich sowohl als hervorragender Pianist als auch als politischer Kopf besonders interessiert. Das für zwei Klaviere konzipierte Stück selbst stammt aus 1943 und hat als Thema die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Amen" im religiösen Kontext. Den virtuoseren Klavierpart übernimmt dabei Igor Levit, während Markus Hinterhäuser mehr für die rhythmische und melodisch-harmonische Basis zuständig ist. Vor allem im hohen Tonspektrum ist für Levit viel zu tun: da höre ich gleich einmal Glockenspiel erklingen und später Vögel zwitschern. Immer wieder einmal schüttelt der so geforderte Pianist seine stark beanspruchte flinke rechte Hand aus. Subtiles Spiel gewinnt oft an Intensität und gipfelt in brachialen dissonanten und perkussiven Akkordschlägen, was mich bisweilen an den großen Pianisten des Free Jazz, Cecil Taylor, erinnert, den ich auch einmal live erleben durfte. Und was das Amen betrifft, so meint Olivier Messiaen, gehörten wir Menschen zu den Kreaturen, die allein durch das Schicksal ihrer Existenz schon "Amen" sagen würden. Diese musikalische Lebensbejahung hat dem Publikum im ausverkauten Mozarteum und auch mir sehr gut gefallen. Und so gibt es anschließend Standing Ovations.
 

Montag, 10. August 2026

Frank Folgmann and Backing Crew im Musikpavillon Linz


"Storytellers" nennt der gebürtige Deutsche Jazz- und Bluesgitarrist Frank Folgmann sein Programm, das er im Quintett mit Helmar Hill am E-Piano, Lukas Krainz am E-Bass, Daniel Stockhammer am Schlagzeug und Chris Kronreif an den Saxophonen im Linzer Musikpavillon zur Aufführung bringt. "Storytellers" erzählt vom großen Einfluss Pat Metheny's auf den Gitarristen, indem dieser gleich drei Kompositionen des großen Vorbilds in sein Programm aufnimmt. Erzählt wird außerdem Jazz-Geschichte mittels Stücken von Miles Davis (So What), Ornette Coleman (Turnaround) und Horace Silver (Opus de Funk). Auch vom Bandleader selbst gibt es Erzählenswertes in Form zweier Eigenkompsitionen (eine davon im Walzertakt). Nicht zuletzt darf auch Helmar Hill über seine Liebe zum Samba (Let in the Latin) erzählen. Das Ganze klingt recht entspannt und wird gewürzt mit vielen Soloimprovisationen aller Beteiligten. Neben Frank Folgmann selbst nehmen dabei jene von Chris Kronreif und Helmar Hill breiten Raum ein. Die Band bietet Modern Jazz auf höchstem Niveau und würdigt dabei die Bedeutung wichtiger Größen der Jazz-Entwicklung. Das zahlreich erschienene Publikum belohnt die Aufführung mit großer Aufmerksamkeit und viel Applaus, denn solche "Stories" hört es schließlich nur allzu gern.

Sonntag, 9. August 2026

SODL beim Seebahnhof-Festival Gmunden

Bereits zum fünften Mal findet am Areal des ehemaligen Seebahnhofs Gmunden das zweitätige Seebahnhof-Festival des Kulturvereins "Schreiantn" statt. Eine der Hauptattraktionen ist die Lokal-Heroin Anja Sodnikar, besser bekannt als SODL. Vor einem Jahr habe ich im OKH Vöcklabruck bereits einen ihrer Solo-Auftritte bewundert, nun ist sie in Begleitung von Paulina Scholz (Violine), Leo Weidinger (Bass) und Matthias Pfaffl (Schlagzeug) zu hören. Dadurch wird ihr Auftritt deutlich rockiger und fetziger, büßt allerdings gleichzeitig an subtiler Intimität ein. Das Songmaterial reicht von einfachen Pop-Songs und Schunkelliedern bis zu recht harten rockigen und funkigen Nummern. SODL agiert dabei ganz im Stil eines Rockstars mit überschwänglichen Rockgitarrenriffs und einer beachtlichen körperlichen Bühnenperformance. Dabei wirkt nichts gekünstelt. Sie lässt sich einfach gehen, wie es ihr gerade passt, ist mein Eindruck. Die Songs von SODL drehen sich im Kern um persönliche Reflexionen über zwischenmenschliche Beziehungen, innere Gefühlswelten und die Natur. Die expressive Art ihres Gesangs, der Schreie als Stilmittel inkludiert, ist dabei besonders beeindruckend. Überhaupt ist es ihre erfrischend unbekümmerte Art, sich mittels Musik auszudrücken, die den Reiz ihres Auftritts ausmacht. „Würde ich auf Deutsch singen, würde mir die Pumpe gehen. Auf Englisch bin ich geschützt", sagt Anja Sodnikar in einem Interview. In Gmunden hat sie nun doch auch ein Lied auf Deutsch gesungen. Ich bin gespannt, was von SODL in Zukunft noch alles kommen wird, bei dem großen Potenzial, das die junge Frau schon jetzt offenbart.
 

Freitag, 7. August 2026

"De Paris au monde" - Orgelkonzert im Mariendom Linz

Im Linzer Mariendom hat der Domorgelsommer 2026 begonnen mit einem Konzert des jungen Domorganisten Gerhard Raab. Er widmet es französichen Komponisten der Spätromantik um 1900 an der Schwelle zum Impressionismus: Louis Vierne, Charles-Marie Widor, Josef Bonnet und Camille Saint-Saëns. Das erste Stück stammt allerdings von einem englischen Zeitgenossen, Alfred Hollins, der sich von der Pariser Orgelkunst beeinflussen hat lassen. Ein Kritiker sagte damals zu ihm, das sei keine Orgelmusik, er höre die Geigen darin, was Hollins als Kompliment auffasste. Tatsächlich klingen die aufgeführten Kompositionen großteils wie Orchestermusik mit sehr sanften, leisen Tönen und einer Steigerung bis zum Ziehen aller Register. Über weite Strecken verweilt die Musik allerdings auch in einer feinen pastellartigen Stimmung (im Stück von Louis Vierne). Die pompöse Seite der Orgel zeigt sich in diesem Konzert nur selten. Obwohl die Rudigier-Orgel aus dem Jahr 1968 mit ihren 5890 Pfeifen und 70 Registern zur größeren Sorte zählt, wirkt sie für das immense Domvolumen keinesfalls überdimensioniert. Die sinfonisch-orchestral wirkende Orgelmusik der Pariser Schule um 1900 ist für mich eine neue Erfahrung in meinem Lernprozess klassischer Musikwerke. Meine Neugier hat sich also wieder einmal gelohnt.
 

Mittwoch, 5. August 2026

Dozent:innenkonzert an der Uni Mozarteum, Salzburg

Im Rahmen der Internationalen Sommerakademie an der Universität Mozarteum in Salzburg herrscht auch reger Konzertbetrieb. Von den künstlerischen Leistungen der Dozent:innen kann man sich in deren Konzerten überzeugen. Den Anfang macht die deutsche (aus Indien stammende) Pianistin Sheila Arnold mit einer Mozart-Klaviersonate. Der junge spanische Pianist Leo De Maria spielt anschließend Werke von Enrique Granados und des kubanischen "Gershwin" Ernesto Lecuona voll mitreißender Rhythmik und tiefer Emotionalität. Dann folgt das Duo des Japaners Yu Nitahara am Klavier mit dem italienischen Cellisten Giovanni Gnocchi, das die C-Dur Sonate von Benjamin Britten (aus 1961) zur Aufführung bringt, die für mich bisweilen wie ein intimes Jazz-Duett klingt. Ein weiteres Duo mit Kirill Troussov (am Foto) an der Violine und Peter Wittenberg am Klavier spielt Beethoven und Tschaikowski. Welche Klänge der in München lebende Stargeiger mit russischen Wurzeln seiner Stradivari entlockt, ist höchst beeindruckend. Zuletzt gibt es auch noch einen österreichischen Beitrag in Gestalt des steirischen Klarinettisten Andreas Schablas im Duo mit der russischen Pianistin Elena Ten. Die Beiden führen ein Medley von Melodien aus der Oper "Carmen" von Bizet auf, das der spanische Geiger Pablo de Sarasate 1881 eigentlich für Violine komponiert hat. Diese Carmen-Fantasie klingt für mich dann tatsächlich über weite Strecken wie eine Improvisation auf der Klarinette, wie ich sie auch aus der Jazz-Welt kenne. Für mich, als einer der nicht mit klassischer Musik aufgewachsen ist, sind solche Aufführugen eine höchst angenehme Erweiterung meiner musikalischen Erfahrungen, die ich mit großer Freude und Erstaunen in mich aufnehme. Gerne bereichere ich mich an dieser Fülle an musikalischem Reichtum.

Montag, 3. August 2026

Bernhard Osanna Quintett im Musikpavillon Linz

Sonntagabend ist im Sommer Jazztime im schönen Ambiente des Musikpavillons Linz an der Donaupromenade. Ein paar Konzerte darf dabei "Jazz point Linz" kuratieren. Diesen Sommerabend bestreitet das Bernhard Osanna Quintett, bestehend aus Bernhard Osanna (E-Bass, Kontrabass), Markus Gaudriot (E-Piano), Christian Stolz (Schlagzeug), Josef Fuchsberger (Trompete, Flügelhorn) und Ilse Riedler (Saxophone). Die Kompositionen liefert allesamt der Bandleader, und die sind stilistisch recht bunt gemischt. Bebop und Hard Bop Beeinflusstes gibt es zu hören, lateinamerikanische Rhythmen und Jazz-Walzer und reichlich Funky Jazz und auch eine Jazz-Ballade. Unbestritten ist die professionelle Qualität der Musizierenden in Verbindung mit ungetrübter Spielfreude. Abwechselnd bieten sich, wie im traditionellen Jazz üblich, Gelegenheiten für solistische Einlagen der Beteiligten mit großartigen Einzelleistungen, wobei mich der Trompeter dabei am meisten angesprochen hat. Das musikalische Ergebnis der Band ist wie aus einem Guss und macht es mir möglich, mich darin zeitweise völlig zu versenken. Das Quintett erfindet Jazz nicht neu, liefert allerdings im Rahmen des allseits Bekannten eine beeindruckende Performance, die mit viel Applaus goutiert wird.

Sonntag, 2. August 2026

Fennesz in der evangelischen Kirche Attersee am Attersee

 
Im Rahmen des Kunstfestivals "Perspektiven Attersee" gibt es auch heuer wieder Musikevents. Eines davon ist eine Performance von Christian Fennesz, die in der kleinen evangelischen Kirche im Ortszentrum von Attersee am Attersee stattfindet. In dem nur 155 Quadratmeter großen Kirchenraum lässt Fennesz seine kunstvollen elektronischen Geräuschgebilde (mit Gitarrenunterstützung) mit teils ohrenbetäubender Lautstärke los, was dazu führt, dass viele der Zuhörenden den Kirchenraum früher oder später fluchtartig verlassen. Die Veranstalter:innen sind zwar bemüht, die Lautstärke auf ein für alle erträgliches Maß zu drosseln, allerdings spricht sich der Künstler vehement dagegen aus. Ich halte relativ lange durch (eine gute halbe Stunde), dann habe auch ich genug. Dabei ist das, was Fennesz an Klängen produziert, durchaus hörenswert und künstlerisch anspruchsvoll. Von Melodik ist nicht viel vorhanden, auch um Rhythmik geht es kaum, dafür um Geräusche und Klänge jeglicher Art, im Bassbereich, in den mittleren Lagen und auch im Hochtonbereich angesiedelt. Vielfach erinnern mich die Sounds an Alltagsgeräusche, darunter durchaus auch Glockengeläute, das ja zum Aufführungsort passt, allerdings auch an den Lärm im Walzwerk der VOEST, den man sich am besten nur mit gutem Gehörschutz aussetzt. Sinustöne mit unterschiedlichen Frequenzen und weißes Rauschen treten stellenweise markant hervor. Geräuschkunst elektronischer Natur ist mir durchaus nicht fremd und ich konnte sie auch schon in so mancher Live-Aufführung genießen. Das wäre auch in der kleinen Kirche in Attersee möglich gewesen, hätte nicht der Künstler, den Dezibel-Wert an die oberste Stelle seiner Prioritätenliste gesetzt. Weniger ist oft mehr. In diesem Fall wäre der Mehrwert sogar ziemlich hoch ausgefallen.
 

Freitag, 31. Juli 2026

Kollegium Kalksburg im Stadtpark Atzgersdorf, Wien

"Seit mehr als 30 Jahren um und auf" (so der Titel des Konzertabends) ist nun schon das Trio, das sich dem "Neuen Wienerlied" widmet. Fast ebenso lang bin ich ein begeisterter Fan der drei Musiker: Heinz Ditsch (Akkordeon und singende Säge), Paul Skrepek (Kontragitarre) und Wolfgang Vincenz Wizlsperger (Gesang, Kamm, Euphonium). Vincenz Wizlsperger begibt sich dabei in die Rolle morbider Verlierer, von Widrigkeiten geprägter Randfiguren der Gesellschaft, die ihren Liebes- und sonstigen Kummer im Alkohol zu ertränken versuchen. Musikalisch lehnt sich die Band an das traditionelle Wienerlied an oder verwendet bekannte Melodien aus dem Fundus der Popularmusik, wie z. B. von Songs der Beatles. Die Lieder von "Kollegium Kalksburg" sind kleine Dramen voller Anklage aber auch Pamphlete des Widerstands gegen ein missliebige Weltsicht. Meist ergeben sich allerdings die dargestellten Typen ihrem Schicksal, schauen zurück auf zerbrochene Liebesbeziehungen, saufen sich zu Tode oder versuchen ihrem Leben anderweitig ein Ende zu bereiten. Sie ergeben sich ihrem unausweichlichen Schicksal, das auch Thema des berühmten Wienerlieds "Wenn der Herrgott net will" ist, zu dem die Kalksburger einen englischen Text geschrieben haben. Die Texte sind sonst im Wiener Dialekt verfasst, einer Sprache, die heute eher vom Aussterben bedroht ist, als dass sie noch weite Verbreitung finden würde. Für mich sind die Lieder des Kollegium Kalksburg voller Poesie und üben in Verbindung mit den meist melancholischen Melodien eine starke Faszination auf mich aus. Obwohl ich das Trio nun schon so oft live erleben durfte, wird ihr Auftritt beim Kultursommer Wien im Stadtpark Atzgersdorf für mich sicher nicht der letzte gewesen sein. 

Leléka im Stadtpark Atzgersdorf, Wien

Seit dem Corona-Jahr 2020 gibt es in Wien die sechswöchige Gratis-Veranstaltungsreihe "Kultursommer Wien" mit zahlreichen Freiluftkonzerten in verschiedenen Wiener Parkanlagen. Mich zieht es heuer in den Stadtpark Atzgersdorf im Bezirk Liesing, um dort wieder einmal "Kollegium Kalksburg" zu hören. Doch vorher gibt es noch ein anderes Konzert, und zwar das von der mir bislang unbekannten Band Leléka. Gar so unbekannt dürfte das Quartett um die in Berlin lebende Sängerin Viktoria Leléka allerdings auch wieder nicht sein, hat doch die Künstlerin den Beitrag der Ukraine beim diesjährigen Eurovision Song Contest bestritten. Die Besetzung gleicht der eines klassischen Jazz-Quartetts mit E-Piano, Kontrabass, Schlagzeug und einer Sängerin. Was es bietet, ist auch eine Art von Jazz, die man als Folk-Jazz bezeichnen kann, sind es doch hauptsächlich ukrainische Volkslieder, die die Sängerin vorträgt mit der Freiheit, die den Jazz auszeichnet, und mit dem Freiraum für Improvisation der Bandmitglieder, der vor allem von der Berliner Jazz-Pianistin Anna Wohlfahrth auch reichlich genutzt wird. Was die Frontfrau auszeichnet, ist erstens eine wunderbare Stimme, deren Umfang und Intensität beachtlich ist, und zweitens eine Bühnenpräsenz und Körpersprache, die mich in Erstaunen versetzt. Mit spielerischer Leichtigkeit stellt sie umgehend den Draht zum Publikum her und gewinnt es mit berührenden Ansagen die Herzen der Anwesenden. Auch wenn ich kein Wort Ukrainisch verstehe, üben die Lieder eine fast magische Wirkung auf mich als Zuhörer aus, allein durch die Stimmung, die die Sängerin imstande ist, damit zu vermitteln. Auch den Song-Contest-Beitrag trägt Leléka vor. Dass er "nur" auf Platz neun gelandet ist, liegt wohl an seiner künstlerischen Komplexität, die die Chancen beim Wettsingen nicht gerade vergrößert. An diesem heißen Sommerabend im Stadtpark Atzgersdorf hat er sich harmonisch ins Gesamtprogramm eingefügt.
 

Donnerstag, 30. Juli 2026

Secret Life - Songs of Leonard Cohen im Schl8hof Wels

Bald werden es zehn Jahre, dass der große Poet und Musiker Leonard Cohen das Zeitliche gesegnet hat und er seine Musik nicht mehr selbst darbieten kann. Dafür können das andere, wie z. B. das Oktett um den obösterreichischen Sänger und Gitarristen Martin Primetshofer, das sich schon seit ein paar Jahren dem Liedschatz Cohen's widmet und eine Auswahl seiner LIeder wiederbelebt und dem Publikum zu Gehör bringt. Karin Brandmayer und Christina Sturmeir sind dabei die wichtigen Frauenstimmen, Edi Grinninger und Geri Ritt steuern die subtilen Gitarrensounds bei, Werner Enzlmüller spielt den Bass, Nik Haider das Keyboard und Andi Primetshofer das Schlagzeug. Die Arrangements orientieren sich recht schnörkellos nahe am Original, der Gesang spielt dabei die wichtigste Rolle, sind es doch vor allem die Texte voller Poesie, die neben den eingängigen Melodien den Reiz dieser Songs ausmachen. Die Songauswahl ist eine Mischung aus allseits Bekanntem und weniger populären Werken wie einerseits "Suzanne", "So Long, Marianne" und "Dance Me to the End of Love" oder andererseits "If It Be Your Will", "On the Level" und "You Have Loved Enough". Martin Primetshofer's Stimme klingt dabei oft wirklich wie die von Leonard Cohen, die Frauenstimmen haben auch hier die überaus wichtige Funktion, die sie bei den Live-Konzerten des Künstlern aus Kanada hatten. Cohen-Songs auch nach dem Tod Cohen's live erleben zu können, schätze ich sehr, sodass ich immer wieder die sich mir bietenden Gelegenheiten dazu nutze. Kein Wunder also, dass ich nun schon zum dritten Mal Zuhörer bei diesem Songs-of-Leonard-Cohen-Programm bin. Der große Publikumsandrang im Freigelände des Schl8hof Wels zeigt, dass es dabei anscheinend nicht nur mir so geht.
 

Montag, 27. Juli 2026

Mulo Francel Quartett im Living Room Salzburg

Der bayrische Saxophonist Mulo Francel ist mir als Bandleader von "Quadro Nuevo" 2013 im Barocktheater des Stiftes Lambach zum ersten Mal begegnet. Meine Begeisterung war groß, sodass ich in der Zwischenzeit mehrere Gelegenheiten ergriffen habe, eines seiner Projekte zu bestaunen. Im Living Room Salzburg bietet sich nun wieder die Möglichkeit, ihn zusammen mit Chris Gall am E-Piano, D.D. Lowka am Kontrabass und Lokalmatador Robert Kainar am Schlagzeug zu hören. Tief in der Jazztradition verwurzelt hat sich Mulo Francel der Weltmusik geöffnet und verarbeitet in seinen Eigenkompositionen deren Einflüsse (Mulo's Mambo, Mocca Swing, Die Reise nach Batumi). Auch Chris Gall steuert einige Kompositionen bei. Besonders interessant dabei ist seine Bearbeitung von Debussy's "Claire de Lune". Mulo Francel bietet im Laufe des Abends ein breites Klangspektrum, das vom Tenorsaxophon über das Sopransaxophon, das antiquierte C-Melody-Saxophon und die B-Klarinette bis zur Bassklarinette reicht. Seine Improvisationen vermitteln für mich eine virtuose Leichtigkeit. Natürlich gibt es auch viel Freiraum für die spontanen Ideen der anderen Bandmitglieder, wobei die Soli des Pianisten besonders hervorstechen. Das Weltmusik-Konzept von Quadro Nuevo findet auch in diesem Quartett seinen stimmigen Ausdruck. Große musikalische Offenheit, verbunden mit großer Spielfreude zieht das Publikum in ihren Bann. Der Abend lässt keine musikalischen Wünsche offen, außer vielleicht den Wunsch nach einer zweiten Zugabe.
 

Sonntag, 26. Juli 2026

Fiva beim OKH-Open-Air Vöcklabruck

Hip-Hop ist ja nicht gerade mein musikalisches Zuhause. Dennoch hat dieses Genre auch für mich seinen Reiz. Nun habe ich die Gelegenheit, die bekannte deutsche Rapperin Fiva (Nina Sonnenberg) beim OKH-Open-Air live zu erleben. Was mir gefällt, ist die sparsame Instrumentierung mit Bass, Schlagzeug und Keyboard, wodurch Fiva mit ihrer Stimme und ihrer Bühnenpräsenz den Raum dominieren kann. Es geht auch nicht um spezielle Soundeffekte, die treibenden Elemente bilden das Schlagzeug und der brilliante Bass. Was Fiva zu erzählen hat, betrifft zutiefst Persönliches und ebenso Gesellschaftliches, oft miteinander in Verbindung gebracht bis hinein ins Politische: "Große Katastrophen haben kleine Geister". Ihr gelingt es von Anfang an, einen intensiven Kontakt zum Publikum herzustellen und sie spricht die Leute auch direkt an: "Könnt ihr da unten hören, was ich hier oben sage?", oder sie erzählt von Außergewöhnlichem, das sie beeindruckt hat. Ihre Performance macht trotz der oft recht ernsten Inhalte einen sehr entspannten Eindruck, die Leichtigkeit überwiegt, bejahende Botschaften gewinnen die Oberhand: "Du bist nicht mein Monster", "Das Beste ist noch nicht vorbei", "Die Stadt gehört wieder mir". Fiva gibt die volksnahe, unverkrampfte musikalische Widerstandskämpferin voller positiver Energie, womit sie beim Vöcklabrucker Publikum (und auch bei mir) auf große Gegenliebe stößt. Nicht zuletzt ist es allerdings auch das wunderbare Ambiente des OKH-Freigeländes, das diesen Konzertabend zu einem bezaubernden Fest werden lässt.

 

Donnerstag, 23. Juli 2026

Der Nino aus Wien im Schl8hof Wels

Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Nino aus Wien schon live erlebt habe, so zahlreich waren meine Besuche seiner Auftritte. Dieses Mal spielt er mit seiner bewährten "Aus Wien Band" mit Raphael Sas an Gitarre und Keyboard, David Wukitsevits am Schlagzeug und PauT (Paul Schreier) am Bass und an der Klarinette. Einige Lieder sind neu und kommen im rockigen Gewand daher. Nicht fehlen dürfen dann auch gleich einmal die Klassiker "No a bissl foischer" und "Unentschieden gegen Ried". Welche seiner Lieder Nino Mandl am meisten am Herzen liegen (und mir auch), erfährt man im Verlauf des Konzerts, nämlich die gelungene Bob-Dylan-Bearbeitung "Der Mai ist vorbei" (Simple Twist Of Fate), das wunderbare "Unter Fischen", der Klassiker "Plurabelle", "Taxi Driver" mit der einprägsamen Verszeile "Die Wöd is a unglaublich düsteres Loch" und schlussendlich "Es geht immer ums Vollenden", in dem der Künstler seine Künstlerexistenz reflektiert. In diesen Liedern kommt die poetische Ader Nino Mandl's am überzeugendsten zum Ausdruck. Seine Wien-Verbundenheit unterstreichen noch Songs wie "Praterlied" und "Waschechter Weana" recht eindrücklich. Das angenehme Freiluft-Ambiente des Schl8hofs Wels (Flavour Yard) veredeln den Musikgenuss zusätzlich und das zahlreich erschienene Publikum zeigt sich zurecht hellauf begeistert. Ich kann den Nino aus Wien noch so oft hören und sehen, und es zieht mich immer wieder zu seinen Konzerten hin.
 

Sonntag, 19. Juli 2026

Johannes Dickbauer & Jiří Slavik im Hollengut

Einmal im Jahr übersiedelt das Rossstall-Team von Lambach in das nicht weit entfernte Hollengut, um dort Freiluft-Konzerte zu veranstalten. Zwei hervorragende Musiker, Professoren-Kollegen an der Bruckner-Uni, bestreiten diesen Musik-Abend: Johannes Dickbauer an der Violine und Jiří Slavik am Kontrabass. Wenig Eigenes, dafür allerdings viel Bekanntes aus dem großen Fundus der Jazz-, Pop-und Folk-Traditon kommt dabei zur Aufführung. Mit Bob Dylan's "Blowing In The Wind" geht es los und mit Kenny Dorham's "Blue Bossa" endet das Konzert. Dazwischen finden sich Jazz-Standards wie "Skylark", "Summertime" und "There Will Never Be Another You", Django-Reinhardt-Kompositionen, Lateinamerikanisches und tschechische und heimische Volksweisen. Allen Stücken ist gemeinsam, dass sie die Basis bilden für das, was die beiden Virtuosen mit ihrem Spiel daraus machen, wie sie rhythmisch und tonal damit umgehen und welche Improvisations-Einfälle sie dazu haben. Die Instrumente erklingen unverstärkt, so wie sie sind, was für mich immer das schönste Klangerlebnis garantiert. Die Spielfreude der Musizierenden ist nicht zu übersehen und zu überhören, die Qualität des Gebotenen ist überragend. Somit genießt die Zuhörerschaft dieses Abends ein wunderbares Konzert in einem ebensolchen Ambiente.
 

Samstag, 18. Juli 2026

"Nothing Causes Anything" im Jazzit Salzburg

"Nothing Causes Anything" nennt sich ein 2024 gestartetes Projekt der österreichischen Musiker:innen Yvonne Moriel (Altsaxophon), Vincent Pongrácz (Bassklarinette) und Alex Kranabetter (Trompete und Electronics), ergänzt durch den Schweizer Schlagzeuger Hannes Prisi. Was im Jazzit Salzburg sofort auffällt, ist das spezielle Setting. Das Quartett nimmt einander zugewandt in der Mitte des Saals Platz. Rundherum postiert sich das Publikum. Recht verhalten und minimalistisch beginnt die Vorstellung, gleich wird auch klar, dass hier auch elektronisch Erzeugtes eine wichtige Rolle spielt. Es braucht einige Zeit, bis die Musik beginnt, mich in ihren Bann zu ziehen. Bald schwillt sie zu kollektiven Kraftausbrüchen an, dann herrschen wieder zarte, fragile Klänge. Im Laufe des Konzerts spielt Rhythmik eine immer dominierendere Rolle und nimmt Techno affine Züge an. Bassklarinette und elektronische Sounds sorgen für mitreißende Basslinien. Die Darbietung lebt von ihrem großen Abwechslungsreichtum was stilistische Einflüsse betrifft, sodass beispielsweise sowohl Bezüge zu Barockmusik als auch zu Bebop offenkundig werden. Stilistische Vielfalt und Eigenständigkeit gehen eine wunderbare Verbindung ein, aus der großartige, spannende Musik entsteht, die auch viel Freiraum für Improvisiertes offen lässt. Das konzentriert lauschende Publikum reagiert darauf mit großer Begeisterung.

Freitag, 17. Juli 2026

"Im Puls der Zeit" an der Universität Mozarteum Salzburg

An der Universität Mozarteum gibt es ein Förderprogramm für Nachwuchskünstlerinnen auf dem Karriereweg zur Hochschulprofessorin (FAiR - Female Artists in Residence). Die junge deutsche Schlagwerkerin Vivi Vassileva hat in dieser Funktion ein Programm mit Studierenden und dem schwedischen Pianisten Per Rundberg zusammengestellt und bringt es im Max-Schlereth-Saal unter dem Titel "Im Puls der Zeit" zur Aufführung. Das Repertoire reicht von Steve Reich über Béla Bartók, Friedrich Cerha, Johanna Bayer, Edgar Varese und John Cage bis zu Andy Akiho. Unzählige Perkussionsinstrumente plus Klavier kommen dabei zum Einsatz, mit dabei sind auch Haushaltsutensilien wie Glasflaschen und Kochtöpfe. Je nach Komposition sind vier bis über zehn Musiker:innen auf der Bühne. Das komplexeste Stück ist "Sorces" von Friedrich Cerha, das den Aufführenden vollste Konzentration abverlangt. Emotional am meisten berührt bin ich allerdings von einer Komposition von John Cage aus dem Construction-Zyklus, die mich sehr an Gamelanorchester und auch an tibetanische Musik erinnert. Beim letzten Programmpunkt, dem Stück "Ionization" von Edgar Varese, kommt auch noch der gefeierte Perkussionsvirtuose und nunmehrige Uni-Professor Martin Grubinger (als einfacher Schlagwerker) hinzu. Die Leistungen der Studierenden sind großartig, der Applaus des Publikums ist dementsprehend groß und lange anhaltend. 
 

Freitag, 10. Juli 2026

Rifftett im OKH Vöcklabruck

Ein Sextett, das sich nach dem Saxophonisten Rafael Denkmayr Rifftett nennt, ist an diesem Jazz-Donnerstag in der OKH-Bar in Vöcklabruck zu Gast. Nach eigener Definition ist es Pop-Jazz, was die sechs Musiker da spielen. Das liegt wahrscheinlich an den in den Eigenkompositionen verwendeten Melodien, die durchaus Pop tauglich sind. Auch geht es phasenweise recht pathetisch-schmalzig zu, wie man das ja auch aus der Popmusik kennt. Verantwortlich dafür sind vor allem die beiden Bläser (neben Rafael Denkmayr noch Isaac Knapp an der Trompete). Felix Heiß am Keyboard, Alexander Kreisbichler am Schlagzeug und Daniel Zoglauer am Bass schaffen dazu das Rhythmusfundament. Konstantin Sieghart an der E-Gitarre macht das auch bisweilen, gefällt mir allerdings dann am besten, wenn er die Gelegenheit bekommt, mit seinen ansprechenden Soli Geschichten zu erzählen. Die Kompositionen sind geprägt von ausgedehnten Unisono-Passagen und oft auch von ostinaten Mustern, eher selten wird auch kurz improvisiert. Dennoch sind die Kompositionen keinesfalls glatt gebügelt, sondern zeigen mit vielen Rhythmuswechseln Ecken und Kanten, und auch das aufgetürmte Pathos wird immer wieder rhythmisch gebrochen. Bisweilen klingt das Ganze auch recht funky und kann ebenso relaxte Züge annehmen. Das Rifftett hat damit durchaus einen eigenständigen Fusion-Stil kreiert, der die Band interessant macht. Das Publikum im OKH hat daran jedenfalls seinen Gefallen gefunden.
 

Donnerstag, 9. Juli 2026

UNIverse Chor und Bigband der LMS Wels im Schl8hof Wels

Die Sommerkonzertreihe auf der Open-Air-Bühne des Schl8hof Wels (Flavour Yard 2026) hat bereits begonnen und präsentiert am zweiten Abend zwei Bands. Die erste Band, der UNIverse Chor, ist das Ergebnis eines Inklusionsprojekts der Bruckner-Uni, das von der Musikpädagogin und Sängerin Petra Linecker geleitet wird. Ihr ist es gelungen, Menschen mit Behinderung in eine Band zu integrieren, die Erstaunliches zustande bringt. Mit spielerischer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit wird dabei gesungen und musiziert, bekannte Popsongs werden modifiziert und Eigenkompositionen aufgeführt. Die Spielfreude steht im Vordergrund und das mit beachtlicher musiklischer Qualität. Der zweite Act des Abends ist das Big-Band-Projekt der Landesmusikschule Wels unter der Leitung des Saxophonisten Andreas See. Er konnte eine fast komplette Bigband aus Musikschüler:innen zusammenstellen, die in der Lage ist, komplexe Kompositionen zur Aufführung zu bringen, darunter "Splanky" von Neil Hefti und das wunderbare "Sir Duke", das Stevie Wonder als Hommage an Duke Ellington und andere Jazzgrößen geschrieben hat. Die Band versteht sich als Work in Progress mit großem Entwicklungspotenzial. Dabei gelingt es der Band auch jetzt schon, das Publikum auf hohem musikalischen Niveau zu unterhalten und zu begeistern.

Dienstag, 7. Juli 2026

Monday Night Orchestra im Schl8hof Wels

Jeden dritten Montag im Monat spielt das Monday Night Orchestra im Welser Schl8hof, eine Bigband, geleitet von den Posaunisten Hermann Miesbauer und Manfred Aschauer. Meist ist auch ein Sänger und/oder eine Sängerin dabei. Dieses Mal sind es Bonnie Sinkovics und Rainer Lanzerstorfer. Auch ein bestimmtes Motto gibt es jedes Mal, das heute "Cuba Libre cinco" lautet und heiße Rhythmen verspricht. Viel Bekanntes ist darunter wie "Too Darn Hot", "Girl Of Ipanema" und "Children Of Sanchez". Besonders hervorgehoben werden Stücke, die Bruno Mars und Michael Bublé (neu) interpretiert haben wie "I Just Might" oder "It Had Better Be Tonight". Die größte Freude habe ich allerdings mit einem wunderbaren Arrangement (Peter Herbolzheimer) von Chick Corea's "La Fiesta" und dem 70er-Jahre-Disco-Hit "Street Life", zu dem ich schon damals gerne getanzt habe. Daher halte ich auch jetzt das brave Sitzen auf meinem Stuhl nicht sehr lange aus und will mich zu den Rhythmen mitbewegen. Was das "Monday Night Orchestra" nun schon zum 73. Mal auf die Beine stellt, erfreut das recht zahlreich erschienene Publikum, mich eingeschlossen, immer wieder. Schön, dass es diesen lebendigen Big-Band-Jazz im Welser Schl8hof gibt.
 

Samstag, 4. Juli 2026

Italee mit Moby Stick im Jazzit Salzburg

Meine ersten Reggae-Erfahrungen gehen zurück auf die frühen 1970er Jahre, als ich Bob Marley zum ersten Mal auf Tonträger zu hören bekam. Ein fanatischer Reggae-Fan ist aus mir allerdings nicht geworden. Dennoch hat dieser Rhythmus natürlich auch für mich etwas Bewegendes. Moby Stick ist eine Salzburger Reggae-Band, die es schon seit gut 20 Jahren gibt und die ich nun zum ersten Mal live kennen lerne. Sie tritt im ersten Teil des Konzerts allein als Septett (drei Gitarren, Schlagzeug, Keyboard und zwei Bläser) auf und heizt dem vollen Jazzit-Saal mit Reggae ordentlich ein, erweitert durch Rock- und Soulelemente. Später kommt der eigentliche Hauptact des Abends hinzu: die aus Jamaica stammende Sängerin und Entertainerin Italee. Und die ist eine Stimmungskanone mit einer kraftvoll-durchdringenden Stimme. Sie macht nicht nur zusammen mit Moby Stick Musik, sondern will von Anfang an auch die Leute im Saal mit einbeziehen, sowohl gesanglich als auch was Bewegung betrifft. Sie animiert dabei das Publikum zu Call and Response und Singalong und zu allerlei Bewegungsmustern ganz im Stil einer Aerobic-Trainerin aus den 1980ern. Stimmung, Stimmung, Stimmung lautet die Devise. So stelle ich mir jamaicanische Bierzelt-Atmosphäre vor. Das muss man mögen. Wer sich dem kollektiven Gute-Stimmung-Taumel gerade nicht ganz gewachsen fühlt, wird vielleicht in ruhigeren Gefilden Zuflucht suchen. Wer die Hochstimmung allerdings teilen kann, hat an diesem Abend im Jazzit jedenfalls einen Riesen-Spaß.

Freitag, 3. Juli 2026

Jordina Millà und Camile Nebbia im Jazzit Salzburg

Jordina Millà ist eine Pianistin aus Spanien, die in Salzburg lebt und sich der improvisierten Musik verschrieben hat. Sie betreibt hier auch eine eigene Konzertreihe mit improvisierter Musik unter dem Namen PRISMA. Im Jazzit Salzburg tritt sie gemeinsam mit der in Berlin lebenden Argentinierin Camile Nebbia auf, die ebenfalls als Improvisationsmusikerin am Tenorsaxophon in Erscheinung tritt. Beide versuchen das Klangspektrum ihrer Instrumente derart zu erweitern, dass diese nur für kurze Zeit wie ein Klavier bzw. ein Saxophon klingen. Vor allem Jordina Millà gelingt es vorzüglich, aus dem Klavier untypische Klänge und Geräusche hervorzuzaubern, indem sie mit dem Innenleben des Instruments mithilfe allerlei kleiner Hilfsmittel so einiges anstellt. Da prasselt und klopft es auf perkussive Art oder es ertönen lang anhaltende, penetrante Sinusschwingungen aus dem Klavierkorpus. Auch wenn die Pianistin die Tastatur bedient, klingt das Klavier meist nicht originär, sondern gibt sich klanglich modifiziert. Der Saxophonistin stehen weniger Mittel zur Modifikation ihres Instruments zur Verfügung. Neben diversen Anblastechniken verwendet Camile Nebbia diverse Klangdämpfer, die Töne
weit abseits des üblichen Saxophonklangs ermöglichen. Oft erklingen leise Passagen, bisweilen ergeben sich Spannungsbögen und Momente hoher Intensität, manchmal dominieren perkussive Elemente das Klanggeschehen. Jedenfalls entsteht hier ein musikalisches Ganzes, zu dem beide Künstlerinnen ihren Beitrag leisten, was großes gegenseitiges Verständnis voraussetzt. Das Publikum als dritte Kraft trägt durch konzentrierte Aufmerksamkeit seinen Teil zu diesem gelungenen Experiment bei. (Musikalische) Freiheit ist wahrlich etwas Wunderschönes.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Xianmei Fang im großen Saal des Mozarteums Salzburg

Meine Liebe zur Orgel treibt mich immer wieder in Kirchen und Konzertsäle, wo dieses wunderbare Instrument erklingt. Im großen Saal des Mozarteums in Salzburg bietet sich mir die Gelegenheit, das Master-Konzert der Studienabsolventin Xianmei Fang aus der VR China zu hören. Trotz ihrer Jugend hat sie schon Auftritte im Salzburger Dom, im Wiener Konzerthaus und sogar in der New Yorker Carnegie Hall hinter sich. Was sie zu ihrem Studienabschluss in Salzburg bietet, ist ein großartiges Programm, das Werke von Louis Vierne, Organist in der Kathedrale Notre-Dame de Paris, Olivier Messiaen, Johann Sebastian Bach und Julius Reubke versammelt. Die monumentale Orgelsymphonie Nr. 3 von Vierne verlangt der Organistin alles ab, vor allem was die Arbeit an den Pedalen anbelangt. Ruhiger und klanglich höchst interessant geht es bei Messiaen zu. Auch die leisen Orgeltöne üben auf mich ihre Faszination aus. Am meisten beeindruckt hat mich, was der junge, schon 24-jährig an Tuberkulose verstorbene Deutsche Julius Reubke geschaffen hat. Nicht umsonst wird seine Sonate in c-Moll "Der 94. Psalm" als die bedeutendste Orgelkomposition des 19. Jhdts. bezeichnet. Mit seinen Dissonanzen klingt dieses Werk höchst modern. Wie Xianmei Fang diese großen Kompositionen interpretiert, lässt für mich keine Wünsche offen. Mit allergrößter Selbstverständlichkeit und Sicherheit im Ausdruck ist sie am Werk, wahrlich eine Meisterin an diesem königlichen Instrument. Mit großer Dankbarkeit für das Gebotene verlasse ich das Konzertsaal-Juwel des Salzburger Mozarteums im Bewusstsein, etwas Einmaliges erlebt zu haben.
 

Mittwoch, 1. Juli 2026

River im Schl8hof Wels

"River", so nennt sich das Quartett der jungen österreichischen Bassistin Nina Feldgrill, die fantastische Musiker um sich versammelt hat. Der aus Kärnten stammende Robert Unterköfler bläst Tenor- und Sopransaxophon, Simon Springer sitzt am Schlagzeug und Erik Asatrian (mit armenischen Wurzeln) spielt Klavier und elektronische Keyboards. Die Kompositionen stammen allesamt von den Bandmitgliedern selbst und sind im Jazz-Fusion-Bereich angesiedelt. Diese bieten ausgedehnte Freiräume für individuelle Improvisationen, wobei mich jene von Robert Unterköfler am Tenorsax am intensivsten ansprechen und den Wunsch in mir erwecken, dass sie nie enden sollten. Der präzise, treibende E-Bass von Nina Feldgrill ist das grundlegende Fundament, an dem sich das musikalische Geschehen orientiert. Die Stücke sind sowohl was ihre rhythmischen Strukturen anbelangt als auch melodisch und harmonisch ansprechend und unterhaltsam. Die elektronischen Sounds der Keyboards verdichten dabei das Klanggeschehen auf wunderbare Weise. Was ich im Rahmen der Musikwerkstatt Wels dieses Mal zu hören bekomme, gehört zum Besten, was die jüngere österreichische Jazz-Szene zu bieten hat. Dieser Auftritt lässt keine Wünsche offen und lässt ein begeistertes Publikum im Schl8hof Wels zurück.
 

Montag, 29. Juni 2026

Gustav Mahler's 3. Symphonie in der Steinbach Halle

Das Gustav-Mahler-Festival findet nun schon zum 10. Mal in Steinbach am Attersee statt, an dem Ort, an dem der berühmte Musiker seine Dritte Symphonie komponiert hat. Daher steht sie auch heuer am Programm und wird vom Bruckner-Orchester unter der Leitung von Markus Poschner und mit Beteiligung von drei Chören in der Steinbach Halle aufgeführt. 1000 Besucher:innen bekommen in der überhitzten Sporthalle dieses spannende, 100 Minuten dauernde Werk Mahler's zu Gehör. Obwohl ich weit entfernt von klassischer symphonischer Musik sozialisiert worden bin, hat Gustav Mahler mit seiner Klangmacht schon in meiner Studentenzeit mein Interesse erweckt. Dass ich nun die Möglichkeit habe, dieses große Werk live zu erleben, freut mich sehr. Vor dem Hintergrund meines reichhaltigen musikalischen Erfahrungsschatzes erscheinen für mich so einige Auffälligkeiten. Der Wechsel zwischen zackigem Militärmarsch und getragenem Trauermarsch prägt den ersten Satz. Auf Phasen hoher Intensität und großer Lautstärke folgen immer wieder sparsam instrumentierte leise Passagen. Volksliedhaftes fließt ein. Auch der Tempowechsel ist ein auffälliges Stilelement. Das Orchester bildet mit seinem reichen Instrumentarium ein sehr breites Spektrum an Klangfarben, wobei Mahler mit dem Hornklang seine besondere Freude gehabt haben dürfte. Auch die menschliche Stimme wird sowohl solistisch als auch in Form der Chöre eingesetzt. Einen besonders ruhigen und festlich-feierlichen Charakter nimmt die Symphonie im letzten Satz an, der bei mir und wohl auch bei anderen ein besonderes Wohlgefühl erzeugt. Erstaunlich für mich ist, welcher Luxus an personellen und instrumentalen Möglichkeiten den Musikschaffenden im Klassik-Genre zur Verfügung steht. Damit lässt sich schon ordentlich was anfangen, wie ich mit Begeisterung feststellen kann.
 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Fabulous Austrian Trio (FAT) im Jazzit Salzburg

"Ist er der neue Jazz-Fusion-Gott?", hört man Leute sagen, und ein etablierter Jazz-Fusion-Gott, John McLaughlin, meint "Alex Machacek's music starts where other music ends." Ich darf mir nun im Jazzit von diesem österreichischen Gitarristen, der in LA lebt, und seinen Trio-Kollegen Raphael Preuschl (E-Bass) und Herbert Pirker (Schlagzeug) selbst ein Bild machen. Klar wird sogleich, dass hier kompositorisch Komplexes geboten wird, sowohl harmonisch als auch rhythmisch. Das Schlagzeug nimmt dabei ein bedeutende Stellung ein und kehrt auch seine melodische Seite stark hervor. Auch der Bass wird zur eigenen Stimme (und klingt bisweilen auch so). Alex Machacek spricht sowohl was die Akkorde betrifft als auch mit seinen melodischen Kreationen eine eigene Sprache. Bisweilen erinnert er mich allerdings auch an John Scofield, der ja wie Franz Zappa und Allan Holdsworth als eines seiner Vorbilder gilt. Rhytmisch geht es meist rockig und funky zu, wobei immer wieder teils extreme Brüche im Rhythmusgebäude zutage treten, die sich in Harmonik, Lautstärke und Intensität fortsetzen. Gefallen finde ich auch an Herbert Pirker's "Super Ballad", einem langsamen, getragenen Stück, das alle Instrumente noch plastischer hervortreten lässt. Wen ich bei manchen Stücken heraushöre, ist der späte Miles Davis, dessen Trompete ich mir in dieser Klangumgebung gut vorstellen könnte. Bei manchen Passagen tauchen in mir dann auch noch Erinnerungen an das Mahavishnu Orchestra der 1970er Jahre auf, wobei ich wieder bei John McLaughlin wäre. Ja, das Fabulous Austrina Trio macht dort weiter, wo Jazz-Fusion-Bands des vergangenen Jahrhunderts aufgehört haben, und forscht und experimentiert, wie sich dieses Genre innovativ noch weiter entwickeln lässt. Vom neuen erreichten Level bin ich sichtlich beeindruckt.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Hotel Bossa Nova im Schl8hof Wels

Meist bekommt man ja österreichische Bands im Rahmen der Musikwerkstatt Wels zu hören. Dieses Mal ist es allerdings ein Quartett aus Hessen, das von Liza Da Costa, einer Sängerin und Komponistin mit mütterlicherseits portugiesischen Wurzeln geleitet wird. Begleitet wird sie vom Gitarristen Tilmann Höhn, vom Bassisten Alexander Sonntag und vom Schlaglzeuger Wolfgang Stamm. Weltmusik mit portugiesisch-brasilianischem Einschlag und reichlich Jazz-Elementen bekommt man zu hören. Gesungen wird auf Portugiesisch mit klarer, akrobatischer Stimme, für die es keine Grenzen zu geben scheint. Selbst Scat-Gesang kommt zum Einsatz, wenn der Worte genug gesungen sind. Kongenialer musikalischer Partner ist vor allem Tilmann Höhn, ein wahrer Zauberer sowohl auf diversen akustischen Gitarren als auch auf der E-Gitarre, wobei er auf diverse elektronische Hilfsmittel zur Klangvariation zurückgreifen kann. Dabei geht es allerdings auch ganz ohne solche, was eine Unplugged-Session am Ende der Vorstellung bestätigt. Der im Bandnamen vorkommende Bossa Nova ist nur eine der vielen lateinamerikanischen Rhythmen, auf die die Eigenkompositionen aufbauen. Stark vertreten sind dabei die Sambarhythmen. Das Ganze ergibt eine hochemotionale, temperamentvolle Musik, musikalisch hochklassig und voller Spielfreude. Das Markenzeichen des Jazz, die Soloimprovisation aller Beteiligten hat dabei einen hohen Stellenwert. Hotel Bossa Nova ist eine Band, die vom ersten Ton an demonstriert, welche Kraft in Musik und Gesang stecken und die dieses hohe Energielevel bis zum Schluss hochhält, ja sogar noch zu steigern weiß. Dass sich das wie immer hoch konzentrierte Publikum im Schl8hof Wels von diesem Sturm mitreißen lässt, nur allzu verständlich. Mehr als Hingabe braucht es dazu nicht.
 

Montag, 22. Juni 2026

NYCE Contemporary Composers' Ensemble im Musikpavillon Linz

Sommerzeit ist Musikpavillon-Zeit. Jeden Sonntagabend gibt es den Sommer über ein Gratis-Jazzkonzert im schön gelegenen Linzer Musikpavillon an der Donau-Promenade. Den Beginn macht heuer ein Ensemble der Bruckner-Uni unter der Leitung des Uni-Professors Chris Kronreif, der dabei meist auf der Bassklarinette zu hören ist. Neun Studierende der Uni bilden mit ihm ein ansehnliches, an Klangfarben reiches Orchester, das neben Kontrabass, Schlagzeug, Gitarre und E-Piano auch noch ein Cello, zwei Geigen und zwei Trompeten mit einbringt. Gespielt werden Kompositionen zeitgenössischer Komponisten, darunter auch welche der teilnehmenden Musiker:innen. Die Musik klingt also recht modern, die Kompositionen sind ziemlich komplex, spannend und abwechslungsreich. Sie ermöglichen Solo-Improvisationen der Bandmitglieder und beinhalten auch Passagen, die ein kollektives Improvisieren vorsehen. Simon Hartl's Trompetenspiel ist für mich dabei besonders bemerkenswert, ebenso die Kompsitionen des zweiten Trompeters (leider weiß ich seinen Namen nicht). Das Konzert zeigt das hohe künstlerische Niveau der Bruckner-Uni und seiner Studierenden recht eindrucksvoll. Um den Nachwuchs hochkarätiger Jazz-Musiker:innen brauche ich mir also keine Sorgen zu machen.