"Seit mehr als 30 Jahren um und auf" (so der Titel des Konzertabends) ist nun schon das Trio, das sich dem "Neuen Wienerlied" widmet. Fast ebenso lang bin ich ein begeisterter Fan der drei Musiker: Heinz Ditsch (Akkordeon und singende Säge), Paul Skrepek (Kontragitarre) und Wolfgang Vincenz Wizlsperger (Gesang, Kamm, Euphonium). Vincenz Wizlsperger begibt sich dabei in die Rolle morbider Verlierer, von Widrigkeiten geprägter Randfiguren der Gesellschaft, die ihren Liebes- und sonstigen Kummer im Alkohol zu ertränken versuchen. Musikalisch lehnt sich die Band an das traditionelle Wienerlied an oder verwendet bekannte Melodien aus dem Fundus der Popularmusik, wie z. B. von Songs der Beatles. Die Lieder von "Kollegium Kalksburg" sind kleine Dramen voller Anklage aber auch Pamphlete des Widerstands gegen ein missliebige Weltsicht. Meist ergeben sich allerdings die dargestellten Typen ihrem Schicksal, schauen zurück auf zerbrochene Liebesbeziehungen, saufen sich zu Tode oder versuchen ihrem Leben anderweitig ein Ende zu bereiten. Sie ergeben sich ihrem unausweichlichen Schicksal, das auch Thema des berühmten Wienerlieds "Wenn der Herrgott net will" ist, zu dem die Kalksburger einen englischen Text geschrieben haben. Die Texte sind sonst im Wiener Dialekt verfasst, einer Sprache, die heute eher vom Aussterben bedroht ist, als dass sie noch weite Verbreitung finden würde. Für mich sind die Lieder des Kollegium Kalksburg voller Poesie und üben in Verbindung mit den meist melancholischen Melodien eine starke Faszination auf mich aus. Obwohl ich das Trio nun schon so oft live erleben durfte, wird ihr Auftritt beim Kultursommer Wien im Stadtpark Atzgersdorf für mich sicher nicht der letzte gewesen sein.
Freitag, 31. Juli 2026
Leléka im Stadtpark Atzgersdorf, Wien
Seit dem Corona-Jahr 2020 gibt es in Wien die sechswöchige Gratis-Veranstaltungsreihe "Kultursommer Wien" mit zahlreichen Freiluftkonzerten in verschiedenen Wiener Parkanlagen. Mich zieht es heuer in den Stadtpark Atzgersdorf im Bezirk Liesing, um dort wieder einmal "Kollegium Kalksburg" zu hören. Doch vorher gibt es noch ein anderes Konzert, und zwar das von der mir bislang unbekannten Band Leléka. Gar so unbekannt dürfte das Quartett um die in Berlin lebende Sängerin Viktoria Leléka allerdings auch wieder nicht sein, hat doch die Künstlerin den Beitrag der Ukraine beim diesjährigen Eurovision Song Contest bestritten. Die Besetzung gleicht der eines klassischen Jazz-Quartetts mit E-Piano, Kontrabass, Schlagzeug und einer Sängerin. Was es bietet, ist auch eine Art von Jazz, die man als Folk-Jazz bezeichnen kann, sind es doch hauptsächlich ukrainische Volkslieder, die die Sängerin vorträgt mit der Freiheit, die den Jazz auszeichnet, und mit dem Freiraum für Improvisation der Bandmitglieder, der vor allem von der Berliner Jazz-Pianistin Anna Wohlfahrth auch reichlich genutzt wird. Was die Frontfrau auszeichnet, ist erstens eine wunderbare Stimme, deren Umfang und Intensität beachtlich ist, und zweitens eine Bühnenpräsenz und Körpersprache, die mich in Erstaunen versetzt. Mit spielerischer Leichtigkeit stellt sie umgehend den Draht zum Publikum her und gewinnt es mit berührenden Ansagen die Herzen der Anwesenden. Auch wenn ich kein Wort Ukrainisch verstehe, üben die Lieder eine fast magische Wirkung auf mich als Zuhörer aus, allein durch die Stimmung, die die Sängerin imstande ist, damit zu vermitteln. Auch den Song-Contest-Beitrag trägt Leléka vor. Dass er "nur" auf Platz neun gelandet ist, liegt wohl an seiner künstlerischen Komplexität, die die Chancen beim Wettsingen nicht gerade vergrößert. An diesem heißen Sommerabend im Stadtpark Atzgersdorf hat er sich harmonisch ins Gesamtprogramm eingefügt.
Donnerstag, 30. Juli 2026
Secret Life - Songs of Leonard Cohen im Schl8hof Wels
Bald werden es zehn Jahre, dass der große Poet und Musiker Leonard Cohen das Zeitliche gesegnet hat und er seine Musik nicht mehr selbst darbieten kann. Dafür können das andere, wie z. B. das Oktett um den obösterreichischen Sänger und Gitarristen Martin Primetshofer, das sich schon seit ein paar Jahren dem Liedschatz Cohen's widmet und eine Auswahl seiner LIeder wiederbelebt und dem Publikum zu Gehör bringt. Karin Brandmayer und Christina Sturmeir sind dabei die wichtigen Frauenstimmen, Edi Grinninger und Geri Ritt steuern die subtilen Gitarrensounds bei, Werner Enzlmüller spielt den Bass, Nik Haider das Keyboard und Andi Primetshofer das Schlagzeug. Die Arrangements orientieren sich recht schnörkellos nahe am Original, der Gesang spielt dabei die wichtigste Rolle, sind es doch vor allem die Texte voller Poesie, die neben den eingängigen Melodien den Reiz dieser Songs ausmachen. Die Songauswahl ist eine Mischung aus allseits Bekanntem und weniger populären Werken wie einerseits "Suzanne", "So Long, Marianne" und "Dance Me to the End of Love" oder andererseits "If It Be Your Will", "On the Level" und "You Have Loved Enough". Martin Primetshofer's Stimme klingt dabei oft wirklich wie die von Leonard Cohen, die Frauenstimmen haben auch hier die überaus wichtige Funktion, die sie bei den Live-Konzerten des Künstlern aus Kanada hatten. Cohen-Songs auch nach dem Tod Cohen's live erleben zu können, schätze ich sehr, sodass ich immer wieder die sich mir bietenden Gelegenheiten dazu nutze. Kein Wunder also, dass ich nun schon zum dritten Mal Zuhörer bei diesem Songs-of-Leonard-Cohen-Programm bin. Der große Publikumsandrang im Freigelände des Schl8hof Wels zeigt, dass es dabei anscheinend nicht nur mir so geht.
Montag, 27. Juli 2026
Mulo Francel Quartett im Living Room Salzburg
Der bayrische Saxophonist Mulo Francel ist mir als Bandleader von "Quadro Nuevo" 2013 im Barocktheater des Stiftes Lambach zum ersten Mal begegnet. Meine Begeisterung war groß, sodass ich in der Zwischenzeit mehrere Gelegenheiten ergriffen habe, eines seiner Projekte zu bestaunen. Im Living Room Salzburg bietet sich nun wieder die Möglichkeit, ihn zusammen mit Chris Gall am E-Piano, D.D. Lowka am Kontrabass und Lokalmatador Robert Kainar am Schlagzeug zu hören. Tief in der Jazztradition verwurzelt hat sich Mulo Francel der Weltmusik geöffnet und verarbeitet in seinen Eigenkompositionen deren Einflüsse (Mulo's Mambo, Mocca Swing, Die Reise nach Batumi). Auch Chris Gall steuert einige Kompositionen bei. Besonders interessant dabei ist seine Bearbeitung von Debussy's "Claire de Lune". Mulo Francel bietet im Laufe des Abends ein breites Klangspektrum, das vom Tenorsaxophon über das Sopransaxophon, das antiquierte C-Melody-Saxophon und die B-Klarinette bis zur Bassklarinette reicht. Seine Improvisationen vermitteln für mich eine virtuose Leichtigkeit. Natürlich gibt es auch viel Freiraum für die spontanen Ideen der anderen Bandmitglieder, wobei die Soli des Pianisten besonders hervorstechen. Das Weltmusik-Konzept von Quadro Nuevo findet auch in diesem Quartett seinen stimmigen Ausdruck. Große musikalische Offenheit, verbunden mit großer Spielfreude zieht das Publikum in ihren Bann. Der Abend lässt keine musikalischen Wünsche offen, außer vielleicht den Wunsch nach einer zweiten Zugabe.
Sonntag, 26. Juli 2026
Fiva beim OKH-Open-Air Vöcklabruck
Hip-Hop ist ja nicht gerade mein musikalisches Zuhause. Dennoch hat dieses Genre auch für mich seinen Reiz. Nun habe ich die Gelegenheit, die bekannte deutsche Rapperin Fiva (Nina Sonnenberg) beim OKH-Open-Air live zu erleben. Was mir gefällt, ist die sparsame Instrumentierung mit Bass, Schlagzeug und Keyboard, wodurch Fiva mit ihrer Stimme und ihrer Bühnenpräsenz den Raum dominieren kann. Es geht auch nicht um spezielle Soundeffekte, die treibenden Elemente bilden das Schlagzeug und der brilliante Bass. Was Fiva zu erzählen hat, betrifft zutiefst Persönliches und ebenso Gesellschaftliches, oft miteinander in Verbindung gebracht bis hinein ins Politische: "Große Katastrophen haben kleine Geister". Ihr gelingt es von Anfang an, einen intensiven Kontakt zum Publikum herzustellen und sie spricht die Leute auch direkt an: "Könnt ihr da unten hören, was ich hier oben sage?", oder sie erzählt von Außergewöhnlichem, das sie beeindruckt hat. Ihre Performance macht trotz der oft recht ernsten Inhalte einen sehr entspannten Eindruck, die Leichtigkeit überwiegt, bejahende Botschaften gewinnen die Oberhand: "Du bist nicht mein Monster", "Das Beste ist noch nicht vorbei", "Die Stadt gehört wieder mir". Fiva gibt die volksnahe, unverkrampfte musikalische Widerstandskämpferin voller positiver Energie, womit sie beim Vöcklabrucker Publikum (und auch bei mir) auf große Gegenliebe stößt. Nicht zuletzt ist es allerdings auch das wunderbare Ambiente des OKH-Freigeländes, das diesen Konzertabend zu einem bezaubernden Fest werden lässt.
Donnerstag, 23. Juli 2026
Der Nino aus Wien im Schl8hof Wels
Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Nino aus Wien schon live erlebt habe, so zahlreich waren meine Besuche seiner Auftritte. Dieses Mal spielt er mit seiner bewährten "Aus Wien Band" mit Raphael Sas an Gitarre und Keyboard, David Wukitsevits am Schlagzeug und PauT (Paul Schreier) am Bass und an der Klarinette. Einige Lieder sind neu und kommen im rockigen Gewand daher. Nicht fehlen dürfen dann auch gleich einmal die Klassiker "No a bissl foischer" und "Unentschieden gegen Ried". Welche seiner Lieder Nino Mandl am meisten am Herzen liegen (und mir auch), erfährt man im Verlauf des Konzerts, nämlich die gelungene Bob-Dylan-Bearbeitung "Der Mai ist vorbei" (Simple Twist Of Fate), das wunderbare "Unter Fischen", der Klassiker "Plurabelle", "Taxi Driver" mit der einprägsamen Verszeile "Die Wöd is a unglaublich düsteres Loch" und schlussendlich "Es geht immer ums Vollenden", in dem der Künstler seine Künstlerexistenz reflektiert. In diesen Liedern kommt die poetische Ader Nino Mandl's am überzeugendsten zum Ausdruck. Seine Wien-Verbundenheit unterstreichen noch Songs wie "Praterlied" und "Waschechter Weana" recht eindrücklich. Das angenehme Freiluft-Ambiente des Schl8hofs Wels (Flavour Yard) veredeln den Musikgenuss zusätzlich und das zahlreich erschienene Publikum zeigt sich zurecht hellauf begeistert. Ich kann den Nino aus Wien noch so oft hören und sehen, und es zieht mich immer wieder zu seinen Konzerten hin.
Sonntag, 19. Juli 2026
Johannes Dickbauer & Jiří Slavik im Hollengut
Einmal im Jahr übersiedelt das Rossstall-Team von Lambach in das nicht weit entfernte Hollengut, um dort Freiluft-Konzerte zu veranstalten. Zwei hervorragende Musiker, Professoren-Kollegen an der Bruckner-Uni, bestreiten diesen Musik-Abend: Johannes Dickbauer an der Violine und Jiří Slavik am Kontrabass. Wenig Eigenes, dafür allerdings viel Bekanntes aus dem großen Fundus der Jazz-, Pop-und Folk-Traditon kommt dabei zur Aufführung. Mit Bob Dylan's "Blowing In The Wind" geht es los und mit Kenny Dorham's "Blue Bossa" endet das Konzert. Dazwischen finden sich Jazz-Standards wie "Skylark", "Summertime" und "There Will Never Be Another You", Django-Reinhardt-Kompositionen, Lateinamerikanisches und tschechische und heimische Volksweisen. Allen Stücken ist gemeinsam, dass sie die Basis bilden für das, was die beiden Virtuosen mit ihrem Spiel daraus machen, wie sie rhythmisch und tonal damit umgehen und welche Improvisations-Einfälle sie dazu haben. Die Instrumente erklingen unverstärkt, so wie sie sind, was für mich immer das schönste Klangerlebnis garantiert. Die Spielfreude der Musizierenden ist nicht zu übersehen und zu überhören, die Qualität des Gebotenen ist überragend. Somit genießt die Zuhörerschaft dieses Abends ein wunderbares Konzert in einem ebensolchen Ambiente.
Samstag, 18. Juli 2026
"Nothing Causes Anything" im Jazzit Salzburg
"Nothing Causes Anything" nennt sich ein 2024 gestartetes Projekt der österreichischen Musiker:innen Yvonne Moriel (Altsaxophon), Vincent Pongrácz (Bassklarinette) und Alex Kranabetter (Trompete und Electronics), ergänzt durch den Schweizer Schlagzeuger Hannes Prisi. Was im Jazzit Salzburg sofort auffällt, ist das spezielle Setting. Das Quartett nimmt einander zugewandt in der Mitte des Saals Platz. Rundherum postiert sich das Publikum. Recht verhalten und minimalistisch beginnt die Vorstellung, gleich wird auch klar, dass hier auch elektronisch Erzeugtes eine wichtige Rolle spielt. Es braucht einige Zeit, bis die Musik beginnt, mich in ihren Bann zu ziehen. Bald schwillt sie zu kollektiven Kraftausbrüchen an, dann herrschen wieder zarte, fragile Klänge. Im Laufe des Konzerts spielt Rhythmik eine immer dominierendere Rolle und nimmt Techno affine Züge an. Bassklarinette und elektronische Sounds sorgen für mitreißende Basslinien. Die Darbietung lebt von ihrem großen Abwechslungsreichtum was stilistische Einflüsse betrifft, sodass beispielsweise sowohl Bezüge zu Barockmusik als auch zu Bebop offenkundig werden. Stilistische Vielfalt und Eigenständigkeit gehen eine wunderbare Verbindung ein, aus der großartige, spannende Musik entsteht, die auch viel Freiraum für Improvisiertes offen lässt. Das konzentriert lauschende Publikum reagiert darauf mit großer Begeisterung.
Freitag, 17. Juli 2026
"Im Puls der Zeit" an der Universität Mozarteum Salzburg
An der Universität Mozarteum gibt es ein Förderprogramm für Nachwuchskünstlerinnen auf dem Karriereweg zur Hochschulprofessorin (FAiR - Female Artists in Residence). Die junge deutsche Schlagwerkerin Vivi Vassileva hat in dieser Funktion ein Programm mit Studierenden und dem schwedischen Pianisten Per Rundberg zusammengestellt und bringt es im Max-Schlereth-Saal unter dem Titel "Im Puls der Zeit" zur Aufführung. Das Repertoire reicht von Steve Reich über Béla Bartók, Friedrich Cerha, Johanna Bayer, Edgar Varese und John Cage bis zu Andy Akiho. Unzählige Perkussionsinstrumente plus Klavier kommen dabei zum Einsatz, mit dabei sind auch Haushaltsutensilien wie Glasflaschen und Kochtöpfe. Je nach Komposition sind vier bis über zehn Musiker:innen auf der Bühne. Das komplexeste Stück ist "Sorces" von Friedrich Cerha, das den Aufführenden vollste Konzentration abverlangt. Emotional am meisten berührt bin ich allerdings von einer Komposition von John Cage aus dem Construction-Zyklus, die mich sehr an Gamelanorchester und auch an tibetanische Musik erinnert. Beim letzten Programmpunkt, dem Stück "Ionization" von Edgar Varese, kommt auch noch der gefeierte Perkussionsvirtuose und nunmehrige Uni-Professor Martin Grubinger (als einfacher Schlagwerker) hinzu. Die Leistungen der Studierenden sind großartig, der Applaus des Publikums ist dementsprehend groß und lange anhaltend.
Freitag, 10. Juli 2026
Rifftett im OKH Vöcklabruck
Ein Sextett, das sich nach dem Saxophonisten Rafael Denkmayr Rifftett nennt, ist an diesem Jazz-Donnerstag in der OKH-Bar in Vöcklabruck zu Gast. Nach eigener Definition ist es Pop-Jazz, was die sechs Musiker da spielen. Das liegt wahrscheinlich an den in den Eigenkompositionen verwendeten Melodien, die durchaus Pop tauglich sind. Auch geht es phasenweise recht pathetisch-schmalzig zu, wie man das ja auch aus der Popmusik kennt. Verantwortlich dafür sind vor allem die beiden Bläser (neben Rafael Denkmayr noch Isaac Knapp an der Trompete). Felix Heiß am Keyboard, Alexander Kreisbichler am Schlagzeug und Daniel Zoglauer am Bass schaffen dazu das Rhythmusfundament. Konstantin Sieghart an der E-Gitarre macht das auch bisweilen, gefällt mir allerdings dann am besten, wenn er die Gelegenheit bekommt, mit seinen ansprechenden Soli Geschichten zu erzählen. Die Kompositionen sind geprägt von ausgedehnten Unisono-Passagen und oft auch von ostinaten Mustern, eher selten wird auch kurz improvisiert. Dennoch sind die Kompositionen keinesfalls glatt gebügelt, sondern zeigen mit vielen Rhythmuswechseln Ecken und Kanten, und auch das aufgetürmte Pathos wird immer wieder rhythmisch gebrochen. Bisweilen klingt das Ganze auch recht funky und kann ebenso relaxte Züge annehmen. Das Rifftett hat damit durchaus einen eigenständigen Fusion-Stil kreiert, der die Band interessant macht. Das Publikum im OKH hat daran jedenfalls seinen Gefallen gefunden.
Donnerstag, 9. Juli 2026
UNIverse Chor und Bigband der LMS Wels im Schl8hof Wels
Die Sommerkonzertreihe auf der Open-Air-Bühne des Schl8hof Wels (Flavour Yard 2026) hat bereits begonnen und präsentiert am zweiten Abend zwei Bands. Die erste Band, der UNIverse Chor, ist das Ergebnis eines Inklusionsprojekts der Bruckner-Uni, das von der Musikpädagogin und Sängerin Petra Linecker geleitet wird. Ihr ist es gelungen, Menschen mit Behinderung in eine Band zu integrieren, die Erstaunliches zustande bringt. Mit spielerischer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit wird dabei gesungen und musiziert, bekannte Popsongs werden modifiziert und Eigenkompositionen aufgeführt. Die Spielfreude steht im Vordergrund und das mit beachtlicher musiklischer Qualität. Der zweite Act des Abends ist das Big-Band-Projekt der Landesmusikschule Wels unter der Leitung des Saxophonisten Andreas See. Er konnte eine fast komplette Bigband aus Musikschüler:innen zusammenstellen, die in der Lage ist, komplexe Kompositionen zur Aufführung zu bringen, darunter "Splanky" von Neil Hefti und das wunderbare "Sir Duke", das Stevie Wonder als Hommage an Duke Ellington und andere Jazzgrößen geschrieben hat. Die Band versteht sich als Work in Progress mit großem Entwicklungspotenzial. Dabei gelingt es der Band auch jetzt schon, das Publikum auf hohem musikalischen Niveau zu unterhalten und zu begeistern.
Dienstag, 7. Juli 2026
Monday Night Orchestra im Schl8hof Wels
Jeden dritten Montag im Monat spielt das Monday Night Orchestra im Welser Schl8hof, eine Bigband, geleitet von den Posaunisten Hermann Miesbauer und Manfred Aschauer. Meist ist auch ein Sänger und/oder eine Sängerin dabei. Dieses Mal sind es Bonnie Sinkovics und Rainer Lanzerstorfer. Auch ein bestimmtes Motto gibt es jedes Mal, das heute "Cuba Libre cinco" lautet und heiße Rhythmen verspricht. Viel Bekanntes ist darunter wie "Too Darn Hot", "Girl Of Ipanema" und "Children Of Sanchez". Besonders hervorgehoben werden Stücke, die Bruno Mars und Michael Bublé (neu) interpretiert haben wie "I Just Might" oder "It Had Better Be Tonight". Die größte Freude habe ich allerdings mit einem wunderbaren Arrangement (Peter Herbolzheimer) von Chick Corea's "La Fiesta" und dem 70er-Jahre-Disco-Hit "Street Life", zu dem ich schon damals gerne getanzt habe. Daher halte ich auch jetzt das brave Sitzen auf meinem Stuhl nicht sehr lange aus und will mich zu den Rhythmen mitbewegen. Was das "Monday Night Orchestra" nun schon zum 73. Mal auf die Beine stellt, erfreut das recht zahlreich erschienene Publikum, mich eingeschlossen, immer wieder. Schön, dass es diesen lebendigen Big-Band-Jazz im Welser Schl8hof gibt.
Samstag, 4. Juli 2026
Italee mit Moby Stick im Jazzit Salzburg
Meine ersten Reggae-Erfahrungen gehen zurück auf die frühen 1970er Jahre, als ich Bob Marley zum ersten Mal auf Tonträger zu hören bekam. Ein fanatischer Reggae-Fan ist aus mir allerdings nicht geworden. Dennoch hat dieser Rhythmus natürlich auch für mich etwas Bewegendes. Moby Stick ist eine Salzburger Reggae-Band, die es schon seit gut 20 Jahren gibt und die ich nun zum ersten Mal live kennen lerne. Sie tritt im ersten Teil des Konzerts allein als Septett (drei Gitarren, Schlagzeug, Keyboard und zwei Bläser) auf und heizt dem vollen Jazzit-Saal mit Reggae ordentlich ein, erweitert durch Rock- und Soulelemente. Später kommt der eigentliche Hauptact des Abends hinzu: die aus Jamaica stammende Sängerin und Entertainerin Italee. Und die ist eine Stimmungskanone mit einer kraftvoll-durchdringenden Stimme. Sie macht nicht nur zusammen mit Moby Stick Musik, sondern will von Anfang an auch die Leute im Saal mit einbeziehen, sowohl gesanglich als auch was Bewegung betrifft. Sie animiert dabei das Publikum zu Call and Response und Singalong und zu allerlei Bewegungsmustern ganz im Stil einer Aerobic-Trainerin aus den 1980ern. Stimmung, Stimmung, Stimmung lautet die Devise. So stelle ich mir jamaicanische Bierzelt-Atmosphäre vor. Das muss man mögen. Wer sich dem kollektiven Gute-Stimmung-Taumel gerade nicht ganz gewachsen fühlt, wird vielleicht in ruhigeren Gefilden Zuflucht suchen. Wer die Hochstimmung allerdings teilen kann, hat an diesem Abend im Jazzit jedenfalls einen Riesen-Spaß.
Freitag, 3. Juli 2026
Jordina Millà und Camile Nebbia im Jazzit Salzburg
Jordina Millà ist eine Pianistin aus Spanien, die in Salzburg lebt und sich der improvisierten Musik verschrieben hat. Sie betreibt hier auch eine eigene Konzertreihe mit improvisierter Musik unter dem Namen PRISMA. Im Jazzit Salzburg tritt sie gemeinsam mit der in Berlin lebenden Argentinierin Camile Nebbia auf, die ebenfalls als Improvisationsmusikerin am Tenorsaxophon in Erscheinung tritt. Beide versuchen das Klangspektrum ihrer Instrumente derart zu erweitern, dass diese nur für kurze Zeit wie ein Klavier bzw. ein Saxophon klingen. Vor allem Jordina Millà gelingt es vorzüglich, aus dem Klavier untypische Klänge und Geräusche hervorzuzaubern, indem sie mit dem Innenleben des Instruments mithilfe allerlei kleiner Hilfsmittel so einiges anstellt. Da prasselt und klopft es auf perkussive Art oder es ertönen lang anhaltende, penetrante Sinusschwingungen aus dem Klavierkorpus. Auch wenn die Pianistin die Tastatur bedient, klingt das Klavier meist nicht originär, sondern gibt sich klanglich modifiziert. Der Saxophonistin stehen weniger Mittel zur Modifikation ihres Instruments zur Verfügung. Neben diversen Anblastechniken verwendet Camile Nebbia diverse Klangdämpfer, die Töne
weit abseits des üblichen Saxophonklangs ermöglichen. Oft erklingen leise Passagen, bisweilen ergeben sich Spannungsbögen und Momente hoher Intensität, manchmal dominieren perkussive Elemente das Klanggeschehen. Jedenfalls entsteht hier ein musikalisches Ganzes, zu dem beide Künstlerinnen ihren Beitrag leisten, was großes gegenseitiges Verständnis voraussetzt. Das Publikum als dritte Kraft trägt durch konzentrierte Aufmerksamkeit seinen Teil zu diesem gelungenen Experiment bei. (Musikalische) Freiheit ist wahrlich etwas Wunderschönes.
weit abseits des üblichen Saxophonklangs ermöglichen. Oft erklingen leise Passagen, bisweilen ergeben sich Spannungsbögen und Momente hoher Intensität, manchmal dominieren perkussive Elemente das Klanggeschehen. Jedenfalls entsteht hier ein musikalisches Ganzes, zu dem beide Künstlerinnen ihren Beitrag leisten, was großes gegenseitiges Verständnis voraussetzt. Das Publikum als dritte Kraft trägt durch konzentrierte Aufmerksamkeit seinen Teil zu diesem gelungenen Experiment bei. (Musikalische) Freiheit ist wahrlich etwas Wunderschönes.
Donnerstag, 2. Juli 2026
Xianmei Fang im großen Saal des Mozarteums Salzburg
Meine Liebe zur Orgel treibt mich immer wieder in Kirchen und Konzertsäle, wo dieses wunderbare Instrument erklingt. Im großen Saal des Mozarteums in Salzburg bietet sich mir die Gelegenheit, das Master-Konzert der Studienabsolventin Xianmei Fang aus der VR China zu hören. Trotz ihrer Jugend hat sie schon Auftritte im Salzburger Dom, im Wiener Konzerthaus und sogar in der New Yorker Carnegie Hall hinter sich. Was sie zu ihrem Studienabschluss in Salzburg bietet, ist ein großartiges Programm, das Werke von Louis Vierne, Organist in der Kathedrale Notre-Dame de Paris, Olivier Messiaen, Johann Sebastian Bach und Julius Reubke versammelt. Die monumentale Orgelsymphonie Nr. 3 von Vierne verlangt der Organistin alles ab, vor allem was die Arbeit an den Pedalen anbelangt. Ruhiger und klanglich höchst interessant geht es bei Messiaen zu. Auch die leisen Orgeltöne üben auf mich ihre Faszination aus. Am meisten beeindruckt hat mich, was der junge, schon 24-jährig an Tuberkulose verstorbene Deutsche Julius Reubke geschaffen hat. Nicht umsonst wird seine Sonate in c-Moll "Der 94. Psalm" als die bedeutendste Orgelkomposition des 19. Jhdts. bezeichnet. Mit seinen Dissonanzen klingt dieses Werk höchst modern. Wie Xianmei Fang diese großen Kompositionen interpretiert, lässt für mich keine Wünsche offen. Mit allergrößter Selbstverständlichkeit und Sicherheit im Ausdruck ist sie am Werk, wahrlich eine Meisterin an diesem königlichen Instrument. Mit großer Dankbarkeit für das Gebotene verlasse ich das Konzertsaal-Juwel des Salzburger Mozarteums im Bewusstsein, etwas Einmaliges erlebt zu haben.
Mittwoch, 1. Juli 2026
River im Schl8hof Wels
"River", so nennt sich das Quartett der jungen österreichischen Bassistin Nina Feldgrill, die fantastische Musiker um sich versammelt hat. Der aus Kärnten stammende Robert Unterköfler bläst Tenor- und Sopransaxophon, Simon Springer sitzt am Schlagzeug und Erik Asatrian (mit armenischen Wurzeln) spielt Klavier und elektronische Keyboards. Die Kompositionen stammen allesamt von den Bandmitgliedern selbst und sind im Jazz-Fusion-Bereich angesiedelt. Diese bieten ausgedehnte Freiräume für individuelle Improvisationen, wobei mich jene von Robert Unterköfler am Tenorsax am intensivsten ansprechen und den Wunsch in mir erwecken, dass sie nie enden sollten. Der präzise, treibende E-Bass von Nina Feldgrill ist das grundlegende Fundament, an dem sich das musikalische Geschehen orientiert. Die Stücke sind sowohl was ihre rhythmischen Strukturen anbelangt als auch melodisch und harmonisch ansprechend und unterhaltsam. Die elektronischen Sounds der Keyboards verdichten dabei das Klanggeschehen auf wunderbare Weise. Was ich im Rahmen der Musikwerkstatt Wels dieses Mal zu hören bekomme, gehört zum Besten, was die jüngere österreichische Jazz-Szene zu bieten hat. Dieser Auftritt lässt keine Wünsche offen und lässt ein begeistertes Publikum im Schl8hof Wels zurück.
Montag, 29. Juni 2026
Gustav Mahler's 3. Symphonie in der Steinbach Halle
Das Gustav-Mahler-Festival findet nun schon zum 10. Mal in Steinbach am Attersee statt, an dem Ort, an dem der berühmte Musiker seine Dritte Symphonie komponiert hat. Daher steht sie auch heuer am Programm und wird vom Bruckner-Orchester unter der Leitung von Markus Poschner und mit Beteiligung von drei Chören in der Steinbach Halle aufgeführt. 1000 Besucher:innen bekommen in der überhitzten Sporthalle dieses spannende, 100 Minuten dauernde Werk Mahler's zu Gehör. Obwohl ich weit entfernt von klassischer symphonischer Musik sozialisiert worden bin, hat Gustav Mahler mit seiner Klangmacht schon in meiner Studentenzeit mein Interesse erweckt. Dass ich nun die Möglichkeit habe, dieses große Werk live zu erleben, freut mich sehr. Vor dem Hintergrund meines reichhaltigen musikalischen Erfahrungsschatzes erscheinen für mich so einige Auffälligkeiten. Der Wechsel zwischen zackigem Militärmarsch und getragenem Trauermarsch prägt den ersten Satz. Auf Phasen hoher Intensität und großer Lautstärke folgen immer wieder sparsam instrumentierte leise Passagen. Volksliedhaftes fließt ein. Auch der Tempowechsel ist ein auffälliges Stilelement. Das Orchester bildet mit seinem reichen Instrumentarium ein sehr breites Spektrum an Klangfarben, wobei Mahler mit dem Hornklang seine besondere Freude gehabt haben dürfte. Auch die menschliche Stimme wird sowohl solistisch als auch in Form der Chöre eingesetzt. Einen besonders ruhigen und festlich-feierlichen Charakter nimmt die Symphonie im letzten Satz an, der bei mir und wohl auch bei anderen ein besonderes Wohlgefühl erzeugt. Erstaunlich für mich ist, welcher Luxus an personellen und instrumentalen Möglichkeiten den Musikschaffenden im Klassik-Genre zur Verfügung steht. Damit lässt sich schon ordentlich was anfangen, wie ich mit Begeisterung feststellen kann.
Donnerstag, 25. Juni 2026
Fabulous Austrian Trio (FAT) im Jazzit Salzburg
"Ist er der neue Jazz-Fusion-Gott?", hört man Leute sagen, und ein etablierter Jazz-Fusion-Gott, John McLaughlin, meint "Alex Machacek's music starts where other music ends." Ich darf mir nun im Jazzit von diesem österreichischen Gitarristen, der in LA lebt, und seinen Trio-Kollegen Raphael Preuschl (E-Bass) und Herbert Pirker (Schlagzeug) selbst ein Bild machen. Klar wird sogleich, dass hier kompositorisch Komplexes geboten wird, sowohl harmonisch als auch rhythmisch. Das Schlagzeug nimmt dabei ein bedeutende Stellung ein und kehrt auch seine melodische Seite stark hervor. Auch der Bass wird zur eigenen Stimme (und klingt bisweilen auch so). Alex Machacek spricht sowohl was die Akkorde betrifft als auch mit seinen melodischen Kreationen eine eigene Sprache. Bisweilen erinnert er mich allerdings auch an John Scofield, der ja wie Franz Zappa und Allan Holdsworth als eines seiner Vorbilder gilt. Rhytmisch geht es meist rockig und funky zu, wobei immer wieder teils extreme Brüche im Rhythmusgebäude zutage treten, die sich in Harmonik, Lautstärke und Intensität fortsetzen. Gefallen finde ich auch an Herbert Pirker's "Super Ballad", einem langsamen, getragenen Stück, das alle Instrumente noch plastischer hervortreten lässt. Wen ich bei manchen Stücken heraushöre, ist der späte Miles Davis, dessen Trompete ich mir in dieser Klangumgebung gut vorstellen könnte. Bei manchen Passagen tauchen in mir dann auch noch Erinnerungen an das Mahavishnu Orchestra der 1970er Jahre auf, wobei ich wieder bei John McLaughlin wäre. Ja, das Fabulous Austrina Trio macht dort weiter, wo Jazz-Fusion-Bands des vergangenen Jahrhunderts aufgehört haben, und forscht und experimentiert, wie sich dieses Genre innovativ noch weiter entwickeln lässt. Vom neuen erreichten Level bin ich sichtlich beeindruckt.
Mittwoch, 24. Juni 2026
Hotel Bossa Nova im Schl8hof Wels
Meist bekommt man ja österreichische Bands im Rahmen der Musikwerkstatt Wels zu hören. Dieses Mal ist es allerdings ein Quartett aus Hessen, das von Liza Da Costa, einer Sängerin und Komponistin mit mütterlicherseits portugiesischen Wurzeln geleitet wird. Begleitet wird sie vom Gitarristen Tilmann Höhn, vom Bassisten Alexander Sonntag und vom Schlaglzeuger Wolfgang Stamm. Weltmusik mit portugiesisch-brasilianischem Einschlag und reichlich Jazz-Elementen bekommt man zu hören. Gesungen wird auf Portugiesisch mit klarer, akrobatischer Stimme, für die es keine Grenzen zu geben scheint. Selbst Scat-Gesang kommt zum Einsatz, wenn der Worte genug gesungen sind. Kongenialer musikalischer Partner ist vor allem Tilmann Höhn, ein wahrer Zauberer sowohl auf diversen akustischen Gitarren als auch auf der E-Gitarre, wobei er auf diverse elektronische Hilfsmittel zur Klangvariation zurückgreifen kann. Dabei geht es allerdings auch ganz ohne solche, was eine Unplugged-Session am Ende der Vorstellung bestätigt. Der im Bandnamen vorkommende Bossa Nova ist nur eine der vielen lateinamerikanischen Rhythmen, auf die die Eigenkompositionen aufbauen. Stark vertreten sind dabei die Sambarhythmen. Das Ganze ergibt eine hochemotionale, temperamentvolle Musik, musikalisch hochklassig und voller Spielfreude. Das Markenzeichen des Jazz, die Soloimprovisation aller Beteiligten hat dabei einen hohen Stellenwert. Hotel Bossa Nova ist eine Band, die vom ersten Ton an demonstriert, welche Kraft in Musik und Gesang stecken und die dieses hohe Energielevel bis zum Schluss hochhält, ja sogar noch zu steigern weiß. Dass sich das wie immer hoch konzentrierte Publikum im Schl8hof Wels von diesem Sturm mitreißen lässt, nur allzu verständlich. Mehr als Hingabe braucht es dazu nicht.
Montag, 22. Juni 2026
NYCE Contemporary Composers' Ensemble im Musikpavillon Linz
Sommerzeit ist Musikpavillon-Zeit. Jeden Sonntagabend gibt es den Sommer über ein Gratis-Jazzkonzert im schön gelegenen Linzer Musikpavillon an der Donau-Promenade. Den Beginn macht heuer ein Ensemble der Bruckner-Uni unter der Leitung des Uni-Professors Chris Kronreif, der dabei meist auf der Bassklarinette zu hören ist. Neun Studierende der Uni bilden mit ihm ein ansehnliches, an Klangfarben reiches Orchester, das neben Kontrabass, Schlagzeug, Gitarre und E-Piano auch noch ein Cello, zwei Geigen und zwei Trompeten mit einbringt. Gespielt werden Kompositionen zeitgenössischer Komponisten, darunter auch welche der teilnehmenden Musiker:innen. Die Musik klingt also recht modern, die Kompositionen sind ziemlich komplex, spannend und abwechslungsreich. Sie ermöglichen Solo-Improvisationen der Bandmitglieder und beinhalten auch Passagen, die ein kollektives Improvisieren vorsehen. Simon Hartl's Trompetenspiel ist für mich dabei besonders bemerkenswert, ebenso die Kompsitionen des zweiten Trompeters (leider weiß ich seinen Namen nicht). Das Konzert zeigt das hohe künstlerische Niveau der Bruckner-Uni und seiner Studierenden recht eindrucksvoll. Um den Nachwuchs hochkarätiger Jazz-Musiker:innen brauche ich mir also keine Sorgen zu machen.
Samstag, 20. Juni 2026
40er Fest im Kino Ebensee mit Die Sterne und MAIIJA
Schon länger als es den Kulturverein Kino Ebensee gibt, haben mich in den 1980er Jahren Konzerte der dortigen alternativen Kulturszene nach Ebensee gelockt. Als diese im Kino Ebensee ihre Heimat gefunden hat, war dieser Ort auch immer und immer wieder mein kulturelles Zuhause, in dem ich viele wunderbare Konzerterlebnisse hatte. Meinem Zugehörigkeitsgefühl geschuldet, ist es mir daher ein Anliegen, das 40-Jahr-Jubiläum mitzufeiern. Mit einer Gartenparty und Begegnungen mit alten Freund:innen beginnt das Fest und setzt sich fort mit einem Rückblick auf die Geschichte des Kulturvereins, präsentiert von Obmann Andreas Stüger. Grußbotschaften verschiedener Künstler:innen und eine Ehrung des Kino-Masterminds Konrad Wallinger folgen. Und dann folgt natürlich das, was den Reiz des Kino Ebensee für mich ausmacht: Konzerte von MAIIJA (Marilies Jagsch) und der Hamburger Indie-Pop-Band "Die Sterne", die ich vor 11 Jahren an diesem Ort auch schon einmal genießen konnte. Während Marilies Jagsch im Duo mit Jay Choma ihre melancholischen, auf das Wesentliche reduzierten Popsongs vorträgt, geht es bei der Hamburger Band recht groovy zur Sache. Die musikalische Mischung aus Krautrock und Post-Punk wird bereichert durch die gesellschaftskritischen Texte des Frontman Frank Spilker. Dyan Valdés spielt und singt an den Keyboards, Jan Philipp Janzen ist der Schlagzeuger und Phillip Tielsch sorgt für den treibenden Bass. So voll mit bewegten Menschen von Jung bis Alt habe ich das Kino Ebensee schon lange nicht mehr erlebt. Sie alle scheinen zu spüren, welch große kulturelle Energie dieser Ort in den 40 Jahren seines Bestehens versprüht hat. Diesem auch für mich so bedeutenden kulturellen Kraftplatz wünsche ich weiterhin alles Gute und ein langes, langes Leben.
Freitag, 19. Juni 2026
Lukas Raffelsberger in der Auferstehungskirche Gmunden
Gern höre ich den "König aller Instrumente" (Mozart): die Orgel. In der evangelischen Kirche Gmunden bietet sich wieder die Gelegenheit. Dort bringt der Gmundner Pianist, Organist und Chorleiter Lukas Raffelsberger ein Programm für Orgel zur Aufführung, das Werke von Johann Sebastian Bach und Phillip Glass kombiniert. Beide Komponisten sind mir gut bekannt. An Bach führt für Musikinteressierte ohnehin kein Weg vorbei und auch Philip Glass kenne ich, seit ich mich in den 1970ern auch mit Minimal Music beschäftigt habe. Lukas Raffelsberger will Stücke der beiden Komponisten derart verweben, „dass man als Zuhörer bei manchen Übergängen nicht mehr weiß, ob’s noch vom einen oder schon vom anderen ist“. Tatsächlich reiht er manche Kompositionen übergangslos aneinander. "Prélude pour Orgue", das Philip Glass für die Einweihung der nach dem Brand wieder eröffneten Notre-Dame de Paris komponiert hat, geht fließend über in die Toccata in C-Dur von Bach. Die stilistischen Unterschiede sind für mich allerdings so groß, dass mir sofort klar ist, wer hier das musikalische Sagen hat. Das Perpetuieren von minimalen Phrasen und rhythmischen Mustern charakterisiert das Genre der Minimal Music nur zu deutlich und erzeugt durchaus eine tranceartige Wirkung. Bei Bach hingegen bin ich immer wieder überrascht von der Modernität dieser 300 Jahre alten Musik. Das improvisatorische Element in Bach's Werken erinnert mich phasenweise an das Improvisieren moderner Jazz-Saxophonist:innen. Der Klang der Orgel entfaltet sich in der evangelischen Kirche Gmunden auf wunderbare Weise. Sowohl die leisen Passagen als auch die Klangmacht und Bassgewalt beeindrucken mich zutiefst. Mit der Auswahl der Komponisten und Kompositionen sowie mit der perfekten Darbietung hat mir Lukas Raffelsberger große Freude bereitet. Den zahlreichen Konzertbesucher:innen wahrscheinlich auch.
Mittwoch, 17. Juni 2026
Bloomsday 2026 in der Mozarteum University Salzburg
Es ist meine erste Bloomsday-Feier, an der ich teilnehme. Leopold Bloom ist die Hauptfigur in "Ulysses", dem berühmten Roman von James Joyce, dessen Handlung nur einen einzigen Tag umfasst, nämlich den 16. Juni 1904. Seit den 1950er Jahren wird deshalb an vielen Orten der Welt der 16. Juni als Gendenktag gefeiert, so auch in Salzburg. Zelebriert wird er vom Literaturhaus Salzburg, vertreten durch Tomas Friedmann (Moderation) und der Uni Mozarteum, die den musikalischen Teil mit dem Gunnar Berg Ensemble bestreitet. Das Literaturhaus hat dazu den Schriftsteller und Regisseur Kurt Palm eingeladen, der Episoden aus seinem 2003 erschienen Buch über den "Ulysses" mit dem Titel "Der Brechreiz eines Hottentotten" vorträgt. Kurt Palm ist ein Erzähler - er nennt sich auch Volksbildner - dem ich sehr gerne zuhöre, und so erfahre ich viel Interessantes über James Yoyce, Leopold Bloom und den "Ulysses". Das muliklische Programm steht ganz im Zeichen der "Neuen Musik". Ein Stück von Klaus Ager, dessen Name für zeitgenössische Avantguard-Musik steht, wird neben zwei anderen Kompositionen vom Gunnar Berg Ensemble aufgeführt (Theodor Burkali, Klarinette, Ivan Mancinelle, Vibraphon, Christina Schorn-Mandinelli und Yvonne Zehner, Gitarre). Jedes der drei Stücke entfaltet dabei seine besonderen Reize, sei es durch Mikrotonalität, stimulierende Rhythmik oder meditative Ruhe. Ein Reiz, den ich mit nach Hause nehme, ist, vielleicht doch einmal den "Ulysses" (wenn auch nur in Auszügen) in Angriff zu nehmen. Ich habe mir das Buch jedenfalls bestellt.
Sonntag, 14. Juni 2026
Global Kryner in der Spinnerei Traun
"2nd Love Tour" nennt dieses Sextett die derzeitige Reihe von Auftritten. Und das deshalb, weil die Band schon vor gut 20 Jahren einmal durchgestartet ist und dann für längere Zeit pausiert hat. Die Besetzung ist daher zur Hälfte neu: Miriam Kulmer (Gesang), Markus Pechmann (Trompete) und Andi Haidecker (Gitarre) sind die Neuen, Anton Sauprügl (Akkordeon), Markus Temmel (Posaune) und Christof Spörk (Klarinette) waren auch bei der ersten Auflage bereits dabei. Die Besetzung und auch der Stil orientieren sich stark am Oberkrainer-Sound der 1950er Jahre, dazu kommen allerdings diverse Stilelemente aus anderen Genres wie z. B. Pop, Soul, Latin und Jazz. Das macht die Musik dieser Vollblutmusiker so interessant. Wenn der Oberkrainer-Stil zu sehr dominiert, erweckt die Gruppe bei mir allerdings bisweilen auch nicht sehr angenehme Erinnerungen an Bierzeltfeste und den Musikantenstadl. Meist aber gelingt es Global Kryner, aus gecovertem Songmaterial wunderbare Kunstwerke zu schneidern: "Over The Rainbow", "Oye Como Va", "My Favourite Things", "Die With A Smile" und "Honesty" haben mir besonders gut gefallen. Für die volkstümlichen Eigenkompositionen kann ich mich nicht so recht begeistern. Virtuos auf ihren Instrumenten agieren alle. Miriam Kulmer beeindruckt durch die Leichtigkeit ihres Gesangs, Markus Temmel sorgt für das treibende Bassfundament, die anderen Bläser brillieren (auch mit Soli), Anton Sauprügl spielt sogar Johann Sebastian Bach am Akkordeon und Andi Haidecker lässt immer wieder einmal den Jazzgitarristen durchblicken. Global Kryner haben mit ihrer Musik jedenfalls etwas Eigenes und Originelles kreiert. Global Kryner 2.0 heiße ich daher herzlich willkommen.
Freitag, 12. Juni 2026
Lisa Hofmaninger & Helene Glüxam im OKH Vöcklabruck
Die beiden Musikerinnen kenne ich ja schon ziemlich lange, dennoch freut es mich immer wieder, sie in Livekonzerten zu erleben. Im OKH Vöcklabruck bietet sich im Rahmen von thursdays4jazz nun eine neuerliche Gelegenheit. Lisa Hofmaninger hat ihr Instrumentarium erweitert und tritt nun zusätzlich zu Altsaxophon und Bassklarinette auch mit Tenorsaxophon auf. Helene Glüxam zupft, streicht und schlägt den Kontrabass. Schon das erste Stück (ohne Titel) sagt viel aus über die Musikauffassung der Künstlerinnen: Musik entsteht im Augenblick und entfaltet sich am besten, wenn sie durch spontanes Improvisieren zustande kommt. Eine weiteres frei improvisiertes Stück sollte noch folgen. Dazwischen gibt es selbst Komponiertes zu hören, das ebenfalls viel Raum offen lässt fürs Improvisieren, wobei jede der Frauen ihre Eigenheiten hervorkehren kann. Das klangspielerische Experimentieren ist die Sache von Lisa Hofmaninger, die ihren Instrumenten allerlei originelle Sounds entlockt, indem sie diese bisweilen zerlegt und wieder (neu) zusammenbaut. Ohne Mundstück kann sie am Altsaxophon zischende Geräusche bilden, die sonst nicht möglich wären. Und ohne Mundstück lässt sich die Bassklarinette zu einem Perkussionsinstrument umbauen, das fast einer zarten Trommel ähnelt. Helene Glüxam erweitert ihren musikalischen Ausdruck durch vokale Zutaten, die ihr neue (emotionale) Möglichkeiten bieten. Die Beiden machen Musik, die für mich jeden Moment spannend ist und der ich noch viel länger folgen könnte, als die Stücke tatsächlich dauern. Auch im Publikum ist diese Spannung zu spüren, die sich in hoch konzentriertem Zuhören zeigt. Kein Wunder bei der Musik, die so viel zu sagen hat.
Mittwoch, 10. Juni 2026
Altamira im Schl8hof Wels
Die Musikwerkstatt Wels, die es übrigens schon seit 1979 gibt, bringt immer wieder interessante Bands auf die Bühne des Schl8hof Wels. Das Jazztrio Altamira zeichnet sich durch eine besonders unübliche Besetzung aus. Zwischen dem Saxophonisten (Mathias Mayrbäurl) und dem E-Bassisten (Josef Wagner) würde üblicher Weise ein Schlagzeuger seinen Dienst tun, bei Altamira steht allerdings eine Konzertharfe im Mittelpunkt, gespielt von Angela Stummer-Stempkowski. Ganz ungewöhnlich ist die Harfe im Jazz nun aber auch wieder nicht, wenn man an Alice Coltrane denkt oder aktuell z. B. an Brandee Younger, die ich vor gur zwei Jahren im Salzburger Jazzit bestaunen durfte. Natürlich hat eine derartige Besetzung einen ziemlich kammermusikalischen Touch. Dabei geht es um originelle Melodien, feine Nuancen und gute Abstimmung beim Zusammenspiel, wobei die Freiheit der Improvisation durchaus ihren Platz bekommt. Mayrbäurl's Spiel am Sopransaxophon hat mir dabei besonders gut gefallen. Die meisten eher komplexen Kompositionen stammen von Josef Wagner, die expressivste ist von Mathias Mayrbäurl. Nur einmal nehme ich eine mir schon lange bekannte, wunderbare Melodie wahr: Altamira erweist Carla Bley die Ehre, indem die Musiker:innen das 1981 erschienene Stück "Utviklingssang" erklingen lassen, das sich bestens ins Programm einfügt. Altamira bietet Musik, die mich nicht gleich vom ersten Takt an mitnimmt, sondern die erst allmählich ihre volle Wirkung entfaltet und mich einnimmt. Am Ende kann ich dann kaum genug davon kriegen.
Sonntag, 7. Juni 2026
LoveJoy Gospel Choir mit Shelia Michellé & Helmut Reiter im Flößersaal Stadl Paura
Es ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Chor höre, der im Bildungshaus Puchberg bei Wels seine Wurzeln hat. Helmut Reiter am Keyboard und die aus Nashville stammende Sängerin Shelia Michellé haben mit etwa 40 sangesfreudigen Frauen und Männern ein buntes Programm aus Gospel-Liedern zusammengestellt, das sie in der Flößerhalle in Stadl Paura präsentieren. Dabei gibt es sowohl Chorpassagen als auch solistische Gesangsstimmen, die sich ergänzen und miteinander verwoben sind. "Hallelujah, Salvation and Glory", "Sing" oder das bekannte "Amazing Grace" sind ein paar Beispiele aus dem Repertoire dieses Chors. Neben dem Gesang sind es auch das Outfit der Sänger:innen und bisweilen auch die originelle Choreographie, die den Reiz der Vorstellung ausmachen. Der LoveJoy Gospel Choir beweist jedenfalls, dass es alle, die Freude am Singen haben, unter fachkundiger Leitung zur Konzertreife bringen können. Weitere Workshops, zu denen neue Interessent:innen eingeladen sind, starten demnächst im Bildungshaus Puchberg.
Samstag, 6. Juni 2026
Adama Dicko & Seno Blues im Kino Ebensee
Er lebt schon mehr als zehn Jahre in Österreich und stammt aus Burkina Faso: der Sänger und N'Goni-Spieler Adama Dicko, der mit Seno Blues im Kino Ebensee gastiert. Seine Band besteht aus einer Saxophonistin, einem Schlagzeuger, einem Conga-Spieler, einem Bassisten (Emanuel Kopf) und einem E-Gitarristen (Paul Oberndorfer). Schon die ersten Takte zeigen, wohin die Reise geht. Die Band spielt und Adama Dicko singt den von mir so geliebten Sahel-Blues (Desert-Blues) mit seinem treibenden Rhythmus, der mich kaum eine Minute auf meinem bequemen Kino-Sessel verharren lässt, sondern zum Durchtanzen für die Dauer des Konzerts animiert, wie es fast der ganze Saal bald ebenfalls macht. Diese Musik hat etwas Hypnotisches an sich, vor allem verursacht einerseits durch die Gesangsstimme und die Melodien auf der Kamale Ngoni, andererseits durch den eindringlichen Rhythmus, erzeugt von den Drummern und dem Bassisten, der eine besondere akustische Bassgitarre verwendet. Das Kamale Ngoni ist eine westafrikanische Harfenlaute mit bis zu 18 Saiten und einem Korpus aus einem Kalebassenkürbis. Tenorsaxophon und E-Gitarre tragen wesentlich zum vollen Band-Sound bei. Dass Blues und Reggae in Afrika ihre Wurzeln haben, wird mit dieser Musik offenkundig. Nach fast zwei Stunden musikalischer Reise durch die Wüsten und Steppen von Mali und Burkina Faso kommen Musiker und Publikum schließlich zu ihrer wohlverdienten Ruhe. Diese Musik hat mir sehr gut getan.
Donnerstag, 4. Juni 2026
Ella Zirina Trio im Jazzit Salzburg
Sie wird als Rising Star gehandelt, kommt ursprünglich aus Lettland und lebt jetzt in Amsterdam: die Gitarristin Ella Zirina, die mit ihren holländischen Kollegen Felix Moseholm am Kontrabass und Jamie Peet am Schlagzeug im Jazzit auftritt. Sie zeigt sich als Meisterin der feingesponnenen Töne und Akkorde und als Klangmalerin. Ihre Begleiter gehen ebenso behutsam mit ihren Instrumenten um, um das pastellfarbene musikalische Bild nicht zu zerstören. Es geht also recht kammermusikalisch zu, was meine Aufmerksamkeit auf das Spiel der einzelnen Musiker:innen richtet, was mich allerdings auch die Augen schließen lässt, um die Magie dieser Musik als Ganzes auf mich wirken zu lassen. Eigenkompositionen bilden den Schwerpunkt der Vorstellung, allerdings lässt Ella Zirina auch zwei zur Stimmung passende Jazz-Standards erklingen: Billy Strayhorn's "A Flower Is a Lovesome Thing" und George Gershwin's "I Loves You, Porgy". Selten aber doch wird das Spiel der Band etwas schneller und expressiver, kehrt allerding recht schnell wieder zur filigranen Spielweise zurück, bei der ich mich an den feinsten Saitenklängen der Gitarre und auch des Kontrabass erfreuen kann. Tatsächlich hat Ella Zirina mit ihren noch nicht einmal 30 Jahren eine Meisterschaft in ihrem Spiel erreicht, die erstaunlich ist. Die große Begeisterung beim hoch konzentrierten Publikum ist offensichtlich.
Mittwoch, 3. Juni 2026
EKKO III im Schl8hof Wels
Jazzrock (Fusion) der 1970er war nicht so ganz nach meinem Musikgeschmack und daher habe ich mich auch nicht eingehender mit dieser Stilrichtung beschäftigt. Nun ergibt sich ein Berührungspunkt mit diesem Genre im Rahmen der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof. EKKO III nennt sich das Trio mit dem Gitarristen Gerald Gradwohl, dem Bassisten Peter Schönbauer und dem Drummer Walter Sitz. Schon nach den ersten Takten bin ich beeindruckt von der Qualität des Gebotenen, vor allem von den Spielkünsten Gradwohls, der mit Sicherheit einer der Besten ist, die ich je an der E-Gitarre gehört habe. Sowohl was die Soundgestaltung anbelangt als auch die Akkordfolgen und die rasend schnellen Läufe gibt es kaum Spannenderes. Mit seinen Soli erzählt er Geschichten, denen ich aufmerksam zuhöre. Die Bässe von Peter Schönbauer erinnern mich bei manchen Stücken an Synthie-Bässe. Auch er bringt mit seinem Bass durch zahlreiche Effektgeräte interessante Sounds hervor. Der Taktgeber der Band am Drumset spielt recht geradlinig, was der Musik eine sehr relaxte Note verleiht. Dabei fehlt es nicht an reger, offensichtlicher Interaktion zwischen den Musikern. Das Programm besteht aus Eigenkompositionen, nur als Zugabe erklingt schließlich das bekannte Wienerlied "Wann der Herrgott net will" im jazzrockigen Gewand. Das ist Fusion, die auch bei mir bestens ankommt. Denn auch in diesem Genre dürfte gelten: Es gibt nur gute oder schlechte Musik. Diese gehört zur sehr, sehr guten Sorte.
Montag, 1. Juni 2026
"Risikogruppe" im Living Room Salzburg
Jetzt beginnt wieder die Zeit der sonntagabendlichen "Arkadenkultur" in Salzburg, eine Reihe sommerlicher Konzerte und Lesungen, die meist im Living Room Salzburg stattfinden. Der Eröffnungsabend wird bestritten von Musiker:innen, die auch beim "Stubenblues 2.0" mitwirken, allen voran Stefan Schubert (Gitarre und Gesang), der auch Gründungsmitglied beim ursprünglichen "Stubenblues" mit dem leider verstorbenen Willi Resetarits war. Mit diesem Konzert bekomme ich einen Einblick ins Repertoire dieser Bands, und das besteht aus Mundartliedern der Bereiche Rock und Blues mit funkigen und jazzigen Anklängen. Vor allem die Saxophonistin Ilse Riedler sorgt dafür und auch Markus Marageter am E-Piano und an der Hammond-Orgel. Klaus Kircher spielt einen wunderbar geschmeidigen E-Bass und Camillo Jenny besorgt den Beat. Die meisten Titel sind neu für mich, allerdings sind auch zwei mir bekannte Coverversionen darunter: Hannes Wader's Hit "Heute hier, morgen dort" im Wiener Dialekt und Ernst Molden's schöne Ballade "Hameau". Obwohl es bei den Songs eher geradlinig zugeht, dürfen die Beteiligten auch öfter mit beherzten Soli brillieren. Das Ganze spielt sich auf einem qualitativ sehr hohen Niveau ab und wirkt dennoch leicht und spielerisch. Der Publikumsandrang ist groß und die Freude und Begeisterung beim Zuhören ebenso.
Freitag, 29. Mai 2026
John Di Martino im ProDiagonal Lambach
Ein Solo-Klavierabend in der Wohnzimmer-Atmosphäre des Bildungshauses ProDiagonal auf einem Steinway-Flügel (D274?) ist für mich immer ein Hochgenuss, egal um welches Musikgenre (Klassik oder Jazz) es sich gerade handelt. Dieses Mal ist es der aus Philadelphia stammende Pianist John Di Martino, der ein Programm mit klassischem Jazz- und American-Songbook-Repertoire zusammengestellt hat. Komponisten wie Duke Ellington, Billy Strayhorn, George Gershwin, Michel Legrand, Cole Porter, Herbie Hancock, Ornette Coleman u. a. erweist er die Ehre. Und sogar das Beatles-Stück "In My Live" interpretiert er auf seine eigene unvergleichliche Art. Dabei geht es nicht um virtuose Rasanz, sondern um eher sparsames Zur-Schau-Stellen der Essenz der Kompositionen, um Anreicherung mit eigenen Ideen, um das Ausloten aller möglichen Akkordvariationen. Da ist keine Ton zu viel und auch keiner zu wenig. John Di Martino weiß immer um den richtigen Anschlag, um das herrliche Instrument bestmöglich zum Klingen zu bringen und Betonungen nach seiner Manier zu setzen. Die Verehrung der Musik, die Spielfreude in diesem intimen Rahmen vor einem hochkonzentrierten Publikum sind dem Pianisten jeden Moment anzumerken. Die Begeisterung beim Publikum ist ebenso groß. Einen derartigen Konzertgenuss erlebt man schließlich nicht alle Tage.
Donnerstag, 28. Mai 2026
Halpin/Wiesinger/König im Schloss Puchberg
Ich habe ja schon einmal ein beeindruckendes Jazz-Konzert im barocken Spiegelsaal des Schlosses Puchberg erlebt. Nun hat dort eine Konzertreihe der Schl8hof-Crew eine neue Heimat gefunden. Matthew Halpin, ein in Wien unterrichtender irischer Saxophonist, die Bassistin Beate Wiesinger und der Schlagzeuger Lukas König bilden ein gleichberechtigtes Trio, das modernen, kammermusikalischen Jazz spielt. Die Kompositionen sind geprägt von vielen melodischen Einfällen, die meist recht schnörkellos und subtil umgesetzt werden. Nur gelegentlich steigert sich das Ganze zu heftigeren Ausbrüchen an den Instrumenten. Längere solistische Einlagen gibt es nur selten. Das kollektive Spiel dominiert. Matthew Halpin präsentiert einen recht klaren und reinen Saxophonton, von dem er nur selten abweicht. Das Bassspiel von Beate Wiesinger zeichnet sich sowohl durch Klarheit als auch durch Vielseitigkeit aus. Lukas König ist meist mit originellen Soundbeigaben am Schlagzeug beschäftigt. Besonders gut gefallen hat mir eine Komposition, die sich rhythmisch stark an Tango und Bolero orientiert. Die kompositorisch vorgegebenen Elemente treten bei diesem Trio deutlich in den Vordergrund, die improvisatorischen Freiräume sind eher begrenzt vorhanden. Akustisch wie optisch hat der Saal seine Reize. Es lassen sich die Musiker:innen in den Wandspiegeln auch indirekt beobachten und es gibt architektonisch bedingt einen stärkeren Hall, als man ihn sonst bei Jazzkonzerten gewöhnlich wahrnimmt - durchaus ein schönes Ambiente auch für diese Art von Musik.
Mittwoch, 27. Mai 2026
Triol im Schl8hof Wels
Wie so viele Jazzbands aus Österreich ist auch dieses Trio in der Studienzeit (beim Studium an der BrucknerUni) entstanden. Die drei Tiroler Studenten haben sich zum Trio Tirol zusammengefunden und sich später in Triol umbenannt. Das sind Andreas Tentschert an Klavier und Synthesizer, Walter Singer am Kontrabass und Florian Baumgartner an den Drums. Die Band, die nur Eigenkompositionen zum Besten gibt, spielt Modern Jazz auf eine recht persönliche, eigenwillige Art. Dazu tragen auch die subtilen elektronischen Sounds des Pianisten bei, die manchen Stücken eine besondere Atmosphäre verleihen. Zwischen den Musikern herrscht Gleichberechtigung, wobei allerdings Andreas Tentschert doch den größeren Improvisationsspielraum zur Verfügung hat und dabei Vorbilder wie Herbie Hancock und McCoy Tyner aufblitzen. Seinen solistischen "Erzählungen" höre ich dabei gespannt zu. Überhaupt ist das Spiel der Gruppe vom Beginn bis zum Ende von Spannung und auch von überraschenden Wendungen geprägt. Ein wahres rhythmisches Glanzstück ist der Titel "Jazzi", ebenso rhythmisch stark bewegt geht es auch beim Stück "Shinkansen" zu, wobei der japanische Schnellzug in Wirklichkeit doch etwas ruhiger unterwegs sein dürfte. Auch Bassist und Schlagzeuger stellen ihre Solo-Künste unter Beweis. Als Zugabe gibt es ein wunderbares Arrangement der Jimi-Hendrix-Nummer "Hey Joe", mit dem das Konzert zur großen Zufriedenheit des erfahrenen Jazz-Publikums im Schl8hof Wels endet.
Dienstag, 26. Mai 2026
RAT Big Band mit George Nussbaumer und den Movida Sisters in der Spinnerei Traun
Der österreichische Soul- und Gospelsänger George Nussbaumer war mir bisher völlig unbekannt, und das, obwohl er im Jahr 1996 Österreich beim Eurovision Song Contest mit einem Lied in Vorarlberger Mundart vertreten hat. Nun erlebe ich den blinden Mann mit seiner beeindruckenden Stimme zum ersten Mal mit der RAT Big Band unter der Leitung von Hermann Miesbauer und den drei "Movida Sisters". Dieses große Musiker:innen-Aufgebot bietet ein buntes Programm von Songs aus dem Pop-, Soul- und Jazzbereich, darunter auch viele Titel, die auch Ray Charles interpretiert hat. Besonders freut es mich, dass dabei auch "The Long And Winding Road" von den Beatles, "Feels Like Home" von Randy Newman, "How Long Has This Been Going On?" von George Gershwin und "What A Wonderful World" (bekannt durch Louis Armstrong) erklingen. Die gelungenen Arrangements dazu haben George Nussbaumer und Hermann Miesbauer gemeinsam erarbeitet. Sowohl optisch als auch akustisch aufgewertet wird das Ganze durch die "Movida Sisters" mit ihrem gekonnten Close-Harmony-Gesang und einer ansprechenden Choreographie. Kurze Solo-Einlagen einzelner Bandmitglieder bereichern die Darbietung zusätzlich. Die Freude der Musiker:innen am Präsentieren dieses ausgesuchten Repertoires ist jeden Moment spürbar und lässt den Funken überspringen auf das Publikum im Saal der Spinnerei Traun, das den Aufführenden großen Beifall spendet.
Freitag, 22. Mai 2026
Hazmat Modine im Jazzit Salzburg
Es ist schon länger her (acht Jahre?), dass ich die New Yorker Band Hazmat Modine im Schl8hof Wels gesehen habe. Jetzt ist sie im Jazzit zu Gast. Die Band ist tief verwurzelt in der amerikanischen Folk-Musikkultur, im Blues und auch im Jazz, was sich auch an der Instrumentierung zeigt. Da gibt es eine Geigerin, die auch singt (Daisy Castro), einen Gitarristen und Sänger mit starkem Roots-Music-Einschlag (Erik Della Penna), einen Sousaphon-Bläser wie in den US-Marching-Bands (Kenneth Bentley Jr.), einen Schlagzeuger mit Latin-Erweiterung (Varun Das), eine Trompeterin (Pamela Fleming) und einen Saxophonisten (Steve Elson) wie aus einer Jazz-Band und schließlich den Frontman, Sänger und Mundharmonikaspieler (Wade Schuman), der auch den gekonnten Entertainer abgibt. Gute Unterhaltung ist überhaupt das Hauptanliegen des Septetts aus NYC, und das gelingt Hazmat Modine auch hervorragend. Sowohl die Qualität der Songs und ihre Betonung auf Rhythmik als auch die Offenheit für die Improvisationslust der Bandmitglieder tragen zur emotionalen Erweckung des Publikums vom ersten Takt an bei. Große Spielfreunde und große Freude beim Zuhören ergänzen und steigern sich zu einem wunderbaren Konzerterlebnis. Nicht allzu oft herrscht eine derartige Hochstimmung im vollen Jazzit-Saal.
Sonntag, 17. Mai 2026
Eugene Chadbourne & Dieter Schroeder in der Asta Kneipe Rosenheim
Warum verschlägt es mich nach Rosenheim in eine kleine Kneipe? Schuld daran ist mein Interesse an Eugene Chadbourne, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit John Zorn oder Marc Ribot, dessen Europa-"Spring Can Really Hang You Up The Most"-Tour Österreich leider links liegen gelassen hat. Der in North Carolina lebende Gitarrist, Banjo-Spieler und Sänger hat sich eingehend mit Rock'n'Roll, Blues, Folk, Country & Western sowie Free Jazz und Noise beschäftigt und hat aus der Verbindung dieser Stile etwas ganz Eigenes gemacht. In der Asta Kneipe wird er unterstützt vom deutschen Schlagzeuger (Dieter) Schroeder. Er selbst spielt auf der E-Gitarre und auf einem 4-saitigen Banjo. Neben eigenem Material interpretiert er zum Beispiel den titelgebenden Song dieser Tournee und gleich darauf den "Summertime Blues" von Eddie Cochran, dem er eine Country-Schnulze (Willie Nelson's "My Broken Heart Belongs To You") folgen lässt. Sowohl seinen markanten Gesang als auch sein virtuoses, exaltiertes Saitenspiel setzt er dazu ein, die musikalischen Vorlagen zu dekonstruieren und auf seine schrullige Weise wieder zusammenzusetzen. Seine Improvisationen auf Gitarre und Banjo wirken dabei wie vertrackte Verschnörkelungen, die mich sogar etwas an Barockmusik erinnern. Obwohl es oft der Anschein entsteht, als würde er sich über die dargebotenen Sücke lustig machen, ist seine tiefe Liebe zu diesen Liedern deutlich zu spüren. In seiner Schlussnummer verbindet er schließlich scheinbar unüberwindliche Gegensätze wie Mordlust und Friedenssehnsucht und beendet das Ganze mit besten Neujahrswünschen. Sein musikalischer Partner am Schlagzeug meint über ihn, Eugene Chadbourne stelle beim Spielen immer noch so ziemlich alles in Frage, was er, Schroeder, über Musik zu wissen glaubte. Vielleicht ist es gerade das, was mich an Eugene Chadbourne so interessiert.
Samstag, 16. Mai 2026
Allan Praskin Quartett im Rossstall Lambach
Der aus Los Angeles stammende, 77-jährige Altsaxophonist Allan Praskin lebt schon seit über 50 Jahren in Europa (zurzeit in Berlin) und hat viele Jahre an der Bruckner-Uni unterrichtet. Hatte es sich in den 1960er noch dem Free-Jazz verschrieben, so spielt er nun Modern Jazz auf höchstem Niveau. Seine Mitglieder im Quartett sind die in der österreichischen Jazzszene beheimateten Oliver Kent am Klavier, Johannes Strasser am Kontrabass und Mario Gonzi am Schlagzeug. Sichtlich erfreut über diesen großartigen Rückhalt kann Praskin seine Improvisationskünste voll entfalten. Sein Spiel beeindruckt durch eine ganz eigenständige Phrasierungsweise und großer Kreativität. Er ist einer jener Sorte von musikalischen "Erzählern", denen ich stundenlang lauschen und auf die Finger schauen könnte. Neben ein paar Eigenkompositionen werden auch bekannte Stücke der Jazzliteratur interpretiert, wie z. B. Burt Bacharach's "Alfie", Cy Coleman's "Witchcraft", Duke Ellington's "Prelude to a Kiss" (eines meiner Lieblingslieder) und der schöne Jazz-Walzer "Fire Waltz" von Mal Waldron. Natürlich kommen auch Praskin's musikalische Partner mit viruosen Soloeinlagen voll zum Zug. Was insgesamt dabei herauskommt, ist Musik, wie ich sie mir schöner und gekonnter nicht vorstellen kann. Allen Praskin's Bühnenpräsenz zeigt mir einen Mann, dessen höchste Freude es ist, sich hier musikalisch entfalten und gleichzeitig die Begleitung seiner Band voll genießen zu dürfen. So viel Glück strahlt selten ein Musiker von der Bühne herab aus. Ebenso glücklich scheint die begeisterte Zuhörerschaft an diesem Abend im Rossstall Lambach gewesen zu sein.
Donnerstag, 14. Mai 2026
Marie Spaemann und Christian Bakanic im Kulturraum Alte Kirche Marchtrenk
Sowohl Marie Spaemann (Cello und Gesang) als auch Christian Bankanic (Akkordeon und E-Piano) kenne ich schon von früheren Auftritten. Als Duo sehe ich sie jetzt zum ersten Mal im Kulturraum Alte Kirche in Marchtrenk, die als Konzertsaal genutzt wird. Es ist ein recht gemischtes Programm, das die Beiden bieten. Instrumentalstücke mit häufigen Tango-Anklängen und klassisch-romantischen Passagen wechseln ab mit Liedern von Marie Spaemann, die Christian Bakanic dann am Klavier begleitet. Spaemann begleitet sich dabei auch selbst am Cello oder legt es auch einmal ganz weg. Stilistisch bewegen sich die Songs im Bereich Soul, Jazz und Pop. Inhaltlich sind sie oft recht philosophisch gehalten, reflektieren das gesellschaftliche Miteinander und bedienen auch Naturmetaphern. Das Cello wird mehr gezupft als gestrichen, wobei mir die langsamen Bogenstriche naturgemäß mehr unter die Haut gehen und Emotionen wecken. Die Affinität zum Tango, die beide nicht verleugnen können, zeigt sich auch nach lang anhaltendem Applaus bei der letzten Zugabe, der Tango Etüde Nr. 3 von Astor Piazolla. Mit dessen Kompositionen kann man mir die größte Freude bereiten.
Mittwoch, 13. Mai 2026
Nova im Schl8hof Wels
Eine Nova ist ein Helligkeitsausbruch in einem Doppelsternsystem und auch der Name eines Schweizer Jazz-Trios, das sich den Vorgängen im Weltall verschrieben hat und diese musikalisch darstellen will. Christian Zatta bedient dabei die E-Gitarre, Thomas Tavano den 6-saitigen E-Bass und Florian Hoesl das Schlagzeug. Was dabei heraukommt, ist eine durchaus wohltuende, melodiös schmeichelnde Musik mit Jazz-Rock-Anklängen und wunderbaren, elektronisch unterstützten Instrumenten-Sounds. Der Gitarrist und Bandleader Christian Zatta sticht dabei hervor mit virtuosem tonalen Spiel, dem ich "ewig" zuhören könnte, da seine solistischen Erzählungen nie langweilig werden. Auch der Bassist entwickelt bisweilen ein reges Eigenleben und zeigt unterschiedliche Formen des Bassspiels, Walking Bass und funky Bass-Lines inklusive. Auch das Schlagzeug kommt gelegentlich solistisch zum Zug. Meist herrscht allerdings gleichberechtigtes Treiben, das einen melodischen Teppich vor den Zuschauern ausbreitet, der durchaus auch überraschende Brüche beinhalten kann. Die Konzerte von Nova sind oftmals durch visuelle Effekte unterstützt und finden des Öfteren in Planetarien statt. Auch ohne diesen Weltall-Background - oder gerade deswegen - ergreift mich die Schönheit der Nova-Klänge recht direkt und erzeugt ein wohliges Gefühl in mir: Musik, die gut ist und gut tut. Was will ich mehr.
Montag, 11. Mai 2026
The King's Singers in der Stiftung Mozarteum Salzburg
Meine erste Aufmerksamkeit auf Acapella-Chöre erregten Anfang der 1970er die aus Chicago stammenden "The Singers Unlimited", die vor allem im Jazz-Genre angesiedelt waren. In diesem Zusammenhang sind mir allerdings damals auch schon "The King's Singers" aus England aufgefallen, die es nun schon seit ihrer Gründung im Jahr 1968 gibt. Von den Gründungsmitgliedern ist schon lange keiner mehr dabei. Ihr Repertoire ist sehr breit angelegt und reicht von klassischer Musik über Volkslieder bis zu Popmusik. Ihre Spezialität ist der Close-Harmony-Gesang, der im Jazz der 1920er bis 1940er Jahre z. B. bei den Andrew Sisters als beliebtes Stilmittel Verwendung fand. Das aktuelle Konzert der sechs Männerstimmen (Patrick Dunachie und Edward Button als Countertenöre, Julian Gregory als Tenor, Joseph Edwards und Nich Ashby als Baritone und Piers Connor Kennedy als Bass) im akustisch ausgezeichneten großen Saal der Stiftung Mozarteum widmet sich hauptsächlich Komponisten der Romantik (z. B. Ralph Vaughan Williams, Edward Elgar, Maurice Ravel). Feinste stimmliche Nuancen sind dabei in diesem Konzertsaal auch ohne elektronische Verstärkung gut wahrnehmbar. Von ihren Notenständern befreit legt das Sextett allerdings erst nach dieser Pflichtaufgabe so richtig (und auch mit Körpereinsatz) los. Jetzt darf sich das Publikum am beliebten Close-Harmony- Gesang erfreuen und auch Mozart wird seine Reverenz erwiesen. Der typische englische Humor fehlt bei diesem Auftritt natürlich auch nicht und äußert sich in launigen, deutschsprachigen Ansagen. Das Publikum im ausverkauften Mozarteum zeigt sich von dieser Vorstellung zurecht vollauf begeistert.
Freitag, 8. Mai 2026
Wolfgang Muthspiel Chamber Trio im Alten Kino St. Florian
Es hat ja relativ lange gedauert, bis ich den österreichischen Geitarristen Wolfgang Muthspiel zum ersten Mal live zu Gesicht bekommen habe, in letzter Zeit haben sich meine Muthspiel-Sichtungen allerdings gehäuft. Mit seinem "Chamber Trio" ist er mir jetzt zum ersten Mal begegnet. Es besteht aus dem Schweizer Pianisten Colin Vallon und dem mir recht gut bekannten steirischen Trompeter Mario Rom. Die drei Instrumentalisten wirken recht organisch zusammen und ergänzen sich gegenseitig zu einem Klanggebilde der recht angenehmen Art. Meist sticht Wolfgang Muthspiel mit seinen Improvisationen auf der Gitarre hervor, bisweilen Mario Rom mit seiner Trompete, eher selten tritt Colin Vallon am Flügel solistisch in Erscheinung. Die Kompositionen sind rhythmisch meist recht anspruchsvoll mit allerhand weltmusikalischen Einflüssen. Während Trompete und Klavier völlig ohne elektronische Hilfsmittel auskommen, setzt Muthspiel bisweilen doch auf subtile elektronische Unterstützung, auch was das fehlende Schlagzeug betrifft. Es ist nicht der Abend großer Ausbrüche, sondern der Schönheit und Virtuosität im begrenzten Rahmen, Kammerjazz also, wie ihn ja schon der Bandname verspricht. Das Publikum belohnt die Musizierenden mit höchster Aufmerksamkeit und viel Applaus am Ende des Konzerts.
Donnerstag, 7. Mai 2026
Nils Petter Molvaer Trio im Jazzit Salzburg
Der norwegische Trompeter Nils Petter Molvaer ist bereits 1997 mit seinem Album-Debut "Khmer" in Erscheinung getreten, das auch gleich den Preis der deutschen Schallplattenkritik einheimste. Fast 30 Jahre später erlebe ich den Norweger nun mit seinem Trio (Jo Berger Myhre, Bassgitarre und Erland Dahlen, Percussion) im Salzburger Jazzit zum ersten Mal live. Er hat einen eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt, der auf elektronische Hilfsmittel sowohl beim Trompetensound wie auch im Bassbereich setzt. Heraus kommen dabei einerseits sphärische Trompetenklänge und Dub-Elemente bei den tiefen Frequenzen. Das Ganze hat eine magische Anziehungskraft und kann durchaus tranceartig wirken. Die Bandbreite, was Intensität und Lautstärke betriffe, ist enorm und reicht von sanften, melodischen Tönen bis zu exsaltierten Ausbrüchen aller Beteiligten. Was die Soundgebung anbelangt, ist alles genauestens kalkuliert, nichts passiert zufällig. Die dem Jazz eigene Improvisation hat dabei Raum genug, um sich zu entfalten, und zwar bei allen Bandmitgliedern. Der Percussionist und Schlagzeuger hat dafür auch ein besonders breites Angebot an metallischen Klängen (wie z. B. große Glocken) zur Verfügung. Selten erzeugen Klänge bei mir derart angenehme Gefühle wie jene dieses Trios. Es ist, als würde ich ein Klangbad nehmen. "Future Jazz" nannte die Kritik das, was Nils Petter Molvaer hervorgebracht hat. Eine Zukunft voller Schönheit und Wärme.
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