Sonntag, 12. April 2026

Amalie Dahl's Dafnie im Kulturpool Gusental

Am Beckenboden des zum Konzertsaal umgestalteten Hallenbads in Gallneukirchen (Kulturpool Gusental) gibt es immer wieder Erstaunliches zu hören. Die gebürtige Dänin und nun in Oslo aktive Saxophonistin und Komponistin Amalie Dahl ist mit ihrem Quintett Amalie Dahl's Dafnie zu Gast. Dabei sind am Schlagzeug Veslemøy Narvesen, am Kontrabass Nicolas Leitrø, an der Posaune Jørgen Bjelkerud und an der Trompete Oscar Andreas Haug. Treibende Kraft der Band ist die Rhythmusgruppe mit Bass und Schlagzeug, die sowohl in der Lage ist, extreme Tempi zu verfolgen, als auch mit ostinatem Spiel die solierenden Bläser:innen zu begleiten. Besonders der Bassist hat mich mit seinem präzis-markanten Tönen beeindruckt. Die Kompositionen sind sehr abwechslungsreich. Schnelle, an Bebop erinnernde Nummern wechseln ab mit eher elegisch klingenden, auf wenige Tonfolgen basierenden Stücken. Im Laufe der Kompositionen treten dabei immer wieder Trios mit Rhythmusgruppe und Bläsern hervor. Markant ist auch das Experimentieren mit der Tonerzeugung auf den Blasinstrumenten, das alle verfügbaren Möglichkeiten der Instrumente auslotet. Breiter Raum für Improvisationen der Beteiligten steht dabei offen. Die Gruppe erreicht damit einen recht eigenständigen Stil, der von rhythmischer Beschwingtheit bis zur bloßen Erzeugung von Geräuschen alles bieten kann. Amalie Dahl's Dafnie sorgt somit vom Anfang bis zum Ende des Konzerts für Spannung und konzentrierte Aufmerksamkeit beim begeisterten Publikum. Eine derart junge Band mit diesen Möglichkeiten und dieser Reife im musikalischen Ausdruck hat Seltenheitswert. Da macht das Zuhören wirklich große Freude. 
 

Samstag, 11. April 2026

Domo Emigrantes im Schloss Traun

"Domo Emigrantes" nennt sich ein Quartett von Musikern aus dem Raum Mailand, das zu Gast im Schloss Traun ist. "Die von zu Hause Ausgewanderten" sind Norditaliener mit süditalienischen und sizilianischen Wurzeln, die sich der Tradition mediterraner Volksmusik verschrieben haben. Sie geben sowohl Eigenes als auch viel an Traditionellem Liedgut zum Besten. Stefano Torre ist der Leadsänger und Gitarrist der Gruppe, der bisweilen auch auf die Bouzouki wechselt, wenn es um griechischen Einfluss geht. Eine seiner Spezialitäten ist auch die sizilianische Flöte. Filippo Renna ist der Percussionist der Band, Andrea Dall'Olio spielt Violine und Vittorio Tauro das Akkordeon. Volksmusik aus Süditalien hört man nicht so oft bei uns in Österreich und schon gar nicht mit einer derart authentischen Note wie von diesen Musikern. Wunderbare Rhythmen und Melodien voller Emotionalität berühren die Herzen des Publikums, das der Aufforderung mitzuklatschen nur allzu gerne nachkommt. Die Grenzen der Volksmusik werden erweitert, indem das im Jazz übliche Improvisieren insbesondere von Geige und Akkordeon ein zusätzliches Stilmittel bildet. Zuletzt mischen sich die Musizierenden unters Publikum und die Darbietung endet in einem sizilianischen Volksfest, bei dem es keinen mehr auf seinem Sitz hält. 
 

Freitag, 10. April 2026

Gusset im OKH Vöcklabruck

Gusset nennt sich das Quintett des Schlagzeugers Jakob Peham, das im Rahmen von "thursdays4jazz" in der OKH-Bar in Vöcklabruck einen Auftritt hat. Neben dem Bandleader spielt Michael Gramer das E-Piano, Luca Weigl den Kontrabass, Peter Nickel die Posaune und Mira Gregoric die Violine. Etwas kammermusikalisch anmutend spielt die Band sowohl Eigenkompositionen als auch Kompositionen von Christoph Cech wie "Common Ground" oder "Man Facing North", Repertoire aus der "Linzer Schule" der Bruckner-Uni. Am deutlichsten wird der Jazz-Charakter der Aufführung durch die Improvisationen der Bandmitglieder, die in den Stücken reichlich Platz finden. Komplexe Strukturen und viele Rhythmuswechsel prägen die experimentierfreudigen und grenzüberschreitenden Werke. Der Abend zeigt das hohe Niveau, auf dem sich die junge Generation österreichischer Jazz-Musiker:innen befindet und wie stark sie sich von althergebrachten Jazz-Mustern emanzipiert hat. Die Besucher dieses Abends und auch ich wissen das zu schätzen.
 

Mittwoch, 8. April 2026

Origina1Nerd im Schl8hof Wels

Den Strom hätte man den fünf jungen Musikern von "Origina1Nerd" nicht abdrehen dürfen. Denn ein wesentlicher Teil des Klanggeschehens beruht auf elektronischer Unterstützung. Sei es der E-Bass von Jakob Gönitzer, das Keyboard von Thomas Quendler, die E-Gitarre von Andreas Erd und sogar das Tenorsaxophon von Max Glanz, das ebenfalls elektronische Beigaben beansprucht. Lediglich Jonas Kocnik am Schlagzeug ertönt rein akustisch. Was die Band bietet, beruht auf Jazz-Rock-Fusion, der das Quintett seinen eigenen Stempel aufprägt, einerseits durch sein ausgeklügeltes Sounddesign, durch raffinierte Kompositionen mit Abwechslungsreichtum und emotionaler Tiefe. Max Glanz's Saxophonspiel ist ausdrucksstark, verliert dabei allerdings nie die solide Bodenhaftung, es kann - was ich besonders schätze - Geschichten erzählen. Andreas Erd spielt seine Gitarre in der Manier eines Rockgitarristen, virtuos und überschwänglich in seinen Solis. Auch Thomas Quendler brilliert gelegentlich durch seine Improvisationen, ebenso Bassist und Schlagzeuger. Die Band spielt auf einem erstaunlich hohem Niveau und hat sich einen eigenständigen Sound erschaffen, der das Publikum im Schl8hof Wels und auch mich beeindruckt.
 

Freitag, 3. April 2026

"Come From Away" im Musiktheater Linz

Musicals sind nicht meine erste Wahl, wenn es um musikalische Darbietungen geht. Dennoch schenke ich auch immer wieder dieser Kunstsparte meine Aufmerksamkeit. Das Musiktheater Linz bietet dazu gute Gelegenheiten. "Come From Away", ein 2017 uraufgeführtes Musical eines kanadischen Künstler:innen-Ehepaars läuft dort gerade recht erfolgreich. Es erzählt die wahre Geschichte der kanadischen Kleinstadt Gander, wohin nach den Anschlägen des 11. September 2001 39 Passagierflugzeuge umgeleitet worden sind. Die Bevölkerung dort ist plötzlich mit der Herausforderung konfrontiert, Tausende Gestrandete vorübergehend aufzunehmen und zu versorgen. Was das mit der Bevölkerung und den Passagieren macht, zeigt dieses Stück eindrucksvoll. Um es gleich vorwegzunehmen, Humanität und Hilfsbereitschaft siegen, Vorurteile werden abgebaut, Beziehungen und sogar Liebesbande bilden sich. Das Ganze spielt sich auf statischer Bühne ab, nur der Hintergrund verändert sich jeweils leicht. Getragen wird die Handlung von gesungenen Dialogen zwischen den Beteiligten, einer Folkrock-Band beiderseits der Bühnenmitte und einem rasenden Tempo mit viel Bewegung und Tanz, das keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Für eine Pause ist dabei auch kein Platz. Nach fünf Tagen erzählter Zeit (und ca. zwei Stunden Aufführungsdauer) ist der Spuk vorbei. Mittels Menschlichkeit und Zusammenhalt sind die Beteiligten  aus dieser Notsituation gestärkt hervorgegangen. Die vermittelten Werte wie Positivität, Humor, Handlungsbereitschaft  und Lebendigkeit sind wahrscheinlich auch die Grunde für den Erfolg dieses Musicals. Die großartigen künstlerischen Leistungen des Ensembles natürlich ebenfalls. Am Schluss tanzen dann noch alle Darsteller:innen nach Celtic-Rock-Rhythmen und das Publikum applaudiert begeistert und zufrieden.

Donnerstag, 2. April 2026

Ian Fisher in der Kurdirektion Bad Ischl

Den in Wien lebenden und aus Missouri stammenden Singer-Songwriter Ian Fisher habe ich bisher nicht gekannt. Schnell wird mir bei seinem Solo-Aufritt mit Akustik-Gitarre allerdings klar, wohin die Reise geht. "Die Gedanken sind frei", verkündet Ian Fisher bereits in seinem ersten Song, mit einem Lied des großen Woody Guthrie beendet er den Konzertabend. Dazwischen liegt eine Vielzahl an Eigenkompositionen, die mich an andere Folk-Musiker wie Townes Van Zandt oder Billy Bragg erinnern, auch Anklänge an Bob Dylan höre ich heraus. Politisches - er ist übrigens studierter Politologe - so wie auch sehr Persönliches beinhalten seine hauptsächlich englischsprachigen Songs, auch die Wut über gesellschaftspolitische Zustände kommt dabei zum Ausdruck. Mit Leichtigkeit gelingt es dem sympathischen Alleinunterhalter den Draht zum Publikum herzustellen und es zum Mitmachen einzuladen. Durchdringend wie seine Texte ist auch seine expressive Stimme, mit der er seine Botschaften (manchmal auch auf Deutsch) an die Zuhörenden richtet: "... ich will kein Ami sein, ich will kein Deutscher sein, ich will gar nichts sein, außer was ich bin." Diese unverstellte Authentizität, die in seiner Kunst herrscht, weiß ich sehr zu schätzen. Das aufmerksame Publikum in der Kurdirektion Bad Ischl anscheinend auch.
 

Mittwoch, 1. April 2026

"Stabat mater" im Stift Lambach

"Stabat mater dolorosa" ist ein Gedicht aus dem 13. Jhdt., das den Schmerz der Mutter Gottes über den Tod Jesu beschreibt und in der katholischen Liturgie eine Rolle spielt. Es gibt bereits zahlreiche Vertonungen dieses Werks (z. B. von Haydn, Rossini oder Dvorak). Nun hat der Pianist Martin Gasselsberger eine weitere hinzugefügt, Martin Mucha hat den Text dazu adaptiert. Neben Martin Gasselsberger am Klavier musiziert mit ihm sein langjähriger Weggefährte Tim Collins am Vibraphon und Marimbaphon. Den Gesangspart übernimmt die Kantorei St. Michael Mondsee mit einem gemischten Chor und drei Solist:innen unter der Leitung von Gottfried Holzer-Graf. Die Aufführung findet in dem herrlichen und akustisch ausgezeichneten Barocksaal des Sommerrefektoriums im Stift Lambach statt. Martin Gasselsberger hat ein Werk geschaffen, das stilistisch breit angelegt ist und sowohl Merkmale der klassischen Musik als auch solche aus Jazz- und Popmusik enthält. Den Jazz-Part mit Improvisation übernehmen natürlich Gasselsberger selbst und Tim Collins mit beeindruckenden Soli auf dem Vibraphon und dem faszinierend klingenden Marimbaphon, dessen tiefe Tonlagen mich besonders beeindrucken. Der Chor und die Solist:innen klingen dabei recht unterschiedlich, bisweilen ähnlich einem mittelalterlichen Chor, manchmal popmusikalisch anmutend. Dennoch enthält die Komposition keine Stilbrüche, sondern ergibt trotz der stilistischen Vielfalt ein organisches Ganzes. Was ich an Martin Gasselsberger und seiner Musik besonders mag, ist ihr Hang zur Romantik mit schönen Melodien, die mein Herz berühren. Ihm ist mit "Stabat mater" etwas ganz Wunderbares gelungen. Das Publikum im vollen Saal des Stifts Lambach bedankt sich mit überschwänglichem Applaus.
 

Samstag, 28. März 2026

Marialy Pacheco im Atrium Bad Schallerbach

Diese aus Kuba stammende und jetzt in Deutschland lebende Pianistin ist mir schon vor längerer Zeit aufgefallen durch ihre Beiträge in sozialen Medien. Der Gelegenheit, sie live im Atrium im Rahmen des Musiksommers Bad Schallerbach zu erleben, komme ich nun mit Freude nach. In Kuba zur klassischen Pianistin und Komponistin ausgebildet ist sie durch den Kontakt mit Alben von Keith Jarrett zur Improvisation und zum Jazz gelangt. Ihre Begeisterung für den großen Pianisten wird auch dadurch deutlich, dass sie mehrere Stücke mit Bezug auf ihn im Programm hat, z. B. das wunderbare "My Song", das auch in meiner Vinyl-Plattensammlung nicht fehlt. Auch kubanische Musik steht natürlich am Programm, sowohl aus dem Bereich der Volksmusik als auch aus der klassischen kubanischen Musik. Marialy Pacheco ist eine Musikerin, die ihr Herz nicht nur musikalisch ausschüttet, sondern auch mittels Ansprachen an das Publikum, in denen sie viel über sich und ihre Liebe zur Musik erzählt. Wie stark sie sich dem Jazz und seinen Wurzeln verbunden fühlt, zeigt sie auch in einem Blues von Luther Allison. Die Schönheit der dargebotenen Musik nimmt mich ganz gefangen, was wohl auch daran liegt, dass die Pianistin sich ganz ihrem musikalischen Vortrag hingibt. Musik zu machen sei für sie eine Artikulation von Liebe. Dem kann ich nur zustimmen.
 

Dienstag, 24. März 2026

M-Jam im OKH Vöcklabruck

M-Jam, die Jam-Session der Landesmusikschule (LMS) Vöcklabruck gemeinsam mit der Jazzgruppe des OKH, ist dieses Mal besonders gut besucht. Nach einer kurzen Aufwärmphase durch Lehrende an der LMS läuft ein buntes Programm ab mit unterschiedlichen Formationen von Musiker;innen, vom Jazz-Septett bis zum Solovortrag eigener Songs. Immer wieder stehen die Lehrpersonen den mutigen Songinterpret:innen hilfreich zur Seite. Ein Erfolgserlebnis ist jedem sicher, der es wagt, sich musizierend zu beteiligen. Ohne Leerläufe entfaltet sich vor dem interessierten Publikum ein Musikprogramm, dem man gerne zuhört. In angenehmer Atmosphäre haben beide Seiten ihren Spaß daran, jene, die mitmachen, genauso wie die Zuhörerschaft.
 

Montag, 23. März 2026

Klezmatics im Schl8hof Wels

Vor 40 Jahren ist diese New Yorker Band gegründet worden, und ich erinnere mich noch gut an das erste Album "Jews with Horns". Jüdische Musik ist seither mit dem Jazz immer wieder in Berührung gekommen und teils verschmolzen. John Zorn hat durch sein damals gegründetes Label "Tzadik" einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Mich hat Klezmer-Musik oft beeindruckt, sei es bei einem Live-Konzert von "Kletka Red" im Schl8hof oder Alben von "Kroke" zu Hause. Umso schöner ist es, die "Klezmatics" nun live zu erleben. Schon mit dem ersten Lied bin ich wieder drin in der sentimentalen Gefühlswelt jüdischer Lieder. Lorin Sklamberg's Gesang (auch am Akkordeon und am Klavier) übt eine magische Anziehungskraft aus. Bald verlässt die sechsköpfige Band, mit Frank London (Trompete und Keyboard), Lisa Gutkin (Geige), Matt Darriau (Saxophon und Klarinette), Paul Morrissett (E-Bass) und David Licht (Schlagzeug) die Grenzen des traditionellen jüdischen Liedes und reichert die Musik an mit diversen weltmusikalischen Elementen bis hin zum Jazz, der auch das freie Improvisierten erlaubt. Vor allem rhythmisch hat die Band eine Vielfalt und Komplexität zu bieten, die mich bald nicht mehr ruhig am Sessel sitzen lässt, sondern zum Tanzen reizt. Auf welcher Seite die Band gesellschaftlich steht, wird schon allein durch die Aufschrift auf Frank London's Sakko deutlich: "No pasaran", dem Slogan gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Faschismus aus Spanischen Bürgerkrieg in Kombination mir der geballten Faust. Dazu passend haben "Klezmatics" in dem Song "Un Du Ackerst" die bekannten Verse des revolutionären Dichters Georg Herwegh vertont: "Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will." Klezmatics nehmen mich mit, üben eine Faszination auf mich aus und setzen mich körperlich wie emotional in Bewegung. Mit ihnen ist es leicht, ein Fest zu feiern. Der 40er ist dazu ein willkommene Anlass.
 

Sonntag, 22. März 2026

Alex von Schlippenbach - Barry Altschul Quartet im C. Bechstein Centrum Linz

Vor weniger als einem Jahr habe ich den Schlagzeuger Barry Altschul in Triobesetzung in Linz gehört, Joe Fonda am Bass war auch damals schon dabei. Am Klavier kommt dieses Mal Alexander von Schlippenbach dazu sowie an den Klarinetten und am Baritonsaxophon der gebürtige Nürnberger Rudi Mahall. Den habe ich bis jetzt noch nicht erleben dürfen, dafür ist mein Erstaunen darüber umso größer, was dieser Mann musikalisch wie auch körperlich aufzubieten hat. Mit ungeheurer Kraft, Virtuosität und Spielfreude holt er alles heraus aus seinen Instrumenten und unternimmt dabei eine Reise kreuz und quer durch die Jazzgeschichte mit seiner Lieblingshaltestelle im Bebop. Während seiner Improvisationen fallen ihm immer wieder Versatzstücke bekannter Jazzstandards ein (z. B. Ellington's "Just Squeeze Me"), die er auf seine Weise integriert. Die intensiven Phasen seines Spiels werden gespiegelt mittels körperlicher Bewegungen und Verrenkungen, die ein Gesamtkunstwerk entstehen lassen aus Musik und Tanz. Seine Mitmusizierenden sind dabei keine Statisten, sondern gleichberechtigte Teilnehmer mit aktivem Eigenleben und Partner bei der musikalischen Kommunikation. Auch sie treten bisweilen solistisch in den Vordergrund. Das kompositorische Material für die Darbietung stammt hauptsächlich von Thelonious Monk, mit dem sich Schlippenbach ausgiebig beschäftigt und dessen 71 Kompositionen er in seinem Projekt "Monk's Casino" verarbeitet hat, an dem Rudi Mahall übrigens auch beteiligt war. Welche Kraft dieses Quartett mit dem Durchschnittsalter von 75 Jahren entwickelt, ist erstaunlich, die Spielfreude ist enorm, die Anerkennung und Begeisterung beim Publikum ebenso.
 

Steven Bernstein mit Sexmob im Jazzit Salzburg

Steven Bernstein ist schon seit den späten 1980ern eine bedeutende Figur in der US-Jazzszene. Auch Sexmob, das Quartett, mit dem er seit langem wieder einmal im Jazzit zu Gast ist, besteht schon seit gut 30 Jahren. Für mich ist es allerdings der erste Kontakt mit dieser Band, bestehend aus Steven Bernstein an der Zugtrompete, Briggan Krauss am Altsaxophon, Tony Scherr am E-Bass und Kenny Wollesen am Schlagzeug. Was mich gleich beeindruckt hat, ist die Rhythmik der Musik, vorangetrieben vor allem vom warmen Sound des Bassisten. Das variantenreiche Schlagzeugspiel (mit elektronischen Einsprengseln) bereichert diese noch. Die Bläser erzeugen unisono oder auch individuell atmosphärische Sounds dazu und sorgen auch immer wieder für Soli, die aus den Instrumenten ekstatische Klänge hervorbringen. Nicht allzu oft sieht man wie hier eine Zugtrompete im Einsatz, quasi eine kleine Sopranposaune, die runder klingt als eine Trompete mit Ventilen. Besonders prägend für den musikalischen Ausdruck dieser Quartetts sind die Kompositionen und die Arragements. Spannung auf- und abbauen, Dynamik steigern und zum Erliegen kommen lassen, sind charakteristische Stilelemente dieser Musik. Sexmob bietet eine unterhaltsame, auch oft tanzbare Art von Jazz, die die Grenzen zu anderen Formen populärer Musik bisweilen überschreitet. Kein Wunder, dass der Bandleader auch immer wieder im Kontext mit Größen der Popmusik wie Marianne Faithful, Linda Ronstadt oder Sting zum Einsatz gekommen ist. Steven Bernstein ist jedenfalls einer, dem es gelingt, das elitäre Image des Jazz gehörig zu relativieren.
 

Freitag, 13. März 2026

Phoebe Violet mit Suspiros im Alten Kino St. Florian

Die aus Costa Rica stammende Violinistin und Sängerin Phoebe Violet habe ich erst kürzlich bei ihrem Kurzauftritt im Wiener MuTh kennengelernt. Nun ist sie mit ihrem eigenen Liederzyklus "Suspiros" im Alten Kino St. Florian zu Gast. Begleitet wird sie dabei von Andreas Haidecker an der akustischen Gitarre. Obwohl die Singer-Songwriterin auch schon Lieder in englischer Sprache veröffentlicht hat, kehrt sie auf ihrem letzten Album, das sie hier präsentiert, zu ihrer Muttersprache zurück. Vielleicht weil es um ganz persönliche Emotionen geht, die in "Suspiros", was so viel wie "Seufzer" bedeutet, zum Ausdruck kommen. Die Lieder haben daher auch öfter einen subtilen, melancholischen Charakter. Doch es entstehen dabei auch manchmal heftige Gefühlsausbrüche, bei denen sich Phoebe Violet's Stimme bis zum Schrei steigern kann. Überhaupt ist die Bandbreite ihrer gesanglichen Ausdruckskraft enorm und erstreckt sich von feinsten Nuancen bis zu heftigsten Ausbrüchen. Das alles macht Andreas Haidecker mit seinem feinsinnigen Gitarrespiel mit. Er begleitet die Emotionen der Sängerin, sodass daraus eine kongeniale musikalische Einheit entsteht. Im Augenblick zu leben, Sehnsüchte und Erwartungen zu haben, zu lieben und Stimmungen zuzulassen, die gerade vorherrschen, das sind Themen der Lieder. Phoebe Violet sagt, sie finde es befreiend, diese starken Gefühle vor Publikum auszudrücken. Ich finde es befreiend, ihr und ihrem musikalischen Begleiter dabei zu folgen, auch wenn ich des Spanischen nicht mächtig bin. Die Texte mit deutscher Übersetzung gibt es nach dem Konzert übrigens zu kaufen. Ich habe sie mir mitgenommen.
 

Donnerstag, 12. März 2026

Tres Caballeros im OKH Vöcklabruck

Mit Spanien haben die "Tres Caballeros", die diesen "Thursday for Jazz" in der OKH-Bar zu Gast waren, wenig zu tun, abgesehen von unvermeidlichen Einflüssen lateinamerikanischer Musik. Es sind drei junge Österreicher, die zusammen ein Gitarrentrio bilden. Jakob Kammerer (Schlagzeug) und Gregor Aufmesser (Kontrabass) habe ich schon mit anderen Formationen kennengelernt, den Gitarristen Tobias Faulhammer höre ich jetzt zum ersten Mal. Er drückt der Band seinen Stempel auf mit seinen Eigenkompositionen und seinen Improvisationen auf der E-Gitarre. Obwohl weitgehend Gleichberechtigung zwischen den Musikern herscht, sind es natürlich die "Erzählungen" auf der Gitarre, die im Vordergrund stehen. Meist sind es stark am Bebop orientierte Themen, die die Grundlage für die Stücke liefern. Auch Blues und sogar Calypso kommen vor. Wenn ich Tobias Faulhammer zuhöre, erinnert mich das klarer Weise an die großen Drei des zeitgenössischen Gitarrespiels, John Scofield, Bill Frisell und Pat Metheny. Allerdings ist Tobias Faulhammer keine Epigone, sondern ist in der Lage, einen eigenen Stil zu entwickeln und vorgegebene Muster zu transzendieren. Auch seine kongenialen Partner bekommen Freiräume zur Entfaltung ihrer eigenen Kreativität. Das Beste, das ich über eine Improvisation sagen kann, ist, dass sie eine Geschichte erzählt, die ich noch nicht kenne und der ich mit Spannung zuhöre. Tobias Faulhammer ist so ein Geschichtenerzähler. 
 

"Father Mother Sister Brother" im Kino Lenzing

Obwohl ich wie schon gesagt kein Cineast bin, zieht es mich doch immer wieder einmal ins Kino. "Schuld" war dieses Mal Jim Jarmusch, dem schon lange meine Sympathie gilt und dessen Filme ich immer sehenswert fand. Die Auszeichnung mit dem "Goldenen Löwen" letztes Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ist eine zusätzliche Werbung für seinen neuesten Film. Er beleuchtet in drei Episoden ("Father", "Mother", "Sister Brother") Beziehungen zwischen Familienmitgliedern an verschiedenen Schauplätzen: in New Jersey, in Dublin und in Paris. Es passiert nicht viel: Zwei Geschwister besuchen ihren Vater, der nach dem Tod deren Mutter in einem abgelegenen Haus in einem Waldgebiet lebt, zwei Schwestern besuchen ihre Mutter in Dublin, und ein Geschwisterpaar trifft sich, um die leer geräumte Wohnung ihrer tödlich verunglückten Eltern in Paris ein letztes Mal zu besuchen. Der Film lebt davon, was sich im Moment zwischen den Personen ereignet oder nicht ereignet. Bei den Treffen spielen immer Tische eine Rolle, auf denen (alkoholfreie) Getränke, Wasser, Tee und Kaffee bereitstehen. Man stößt mit Wasser an und mit Kaffee und fragt sich, ob man das darf. Es sind die Leerstellen, die die Begegnungen interessant machen, es ist die Unergründlichkeit der Beziehungen, die unbeholfene Liebe, die zum Vorschein kommt. Und der Film ist berührend, spätestens wenn im dritten Teil die Geschwister die Familienfotos (die in allen Episoden eine Rolle spielen) betrachten und sich ihre gegenseitige Liebe bekunden. Nicht zuletzt ist es die Musik von Annika Henderson (die ich ja schon zweimal live erlebt habe), die das bezaubernde Bild dieses beeindruckenden Films für mich abrundet.
 

Mittwoch, 11. März 2026

OK.KOKO im Schl8hof Wels

Schon wie letzten Dienstag sind im Rahmen der "Musikwerkstatt Wels" auch dieses Mal wieder Student:innen der Bruckneruni am Werk. Das Quintett nennt sich OK.KOKO und wird von der Violinistin Cosima Pillinger, Zawinul-Award-Gewinnerin von 2024, geleitet. Ihre musikalischen Partner sind Alexander Danninger am Klavier, Moritz Lindner am Schlagzeug (die ich schon mit "Roundabout" gehört habe) Lukas Danninger an der E-Gitarre und Jakob Gönitzer am Kontrabass. Was die Band bietet, ist Modern Jazz der subtileren Art mit vielen lyrischen, ruhigen Passagen, allerdings auch mit Momenten intensiver Expressivität. Das Songmaterial ist mir nicht geläufig. Es handelt sich angeblich ausschließlich um Kompositionen von Frauen, wobei vieles davon von der Bandleaderin selbst stammt. Ihr (elektronisch beeinflusster) Geigenton ist meist angenehm weich und nimmt nur selten strengere Züge an. Die Kompositionen zeigen hohe Komplexität, eröffnen allerdings auch immer wieder Räume, um den Musiker:innen freies Improvisieren zu ermöglichen. Schön ist es, hier eine selbstbewusste, neue Generation von Künstler:innen zu hören und zu sehen, die Wert darauf legen, ihr eigenes Ding zu machen und schon früh ihren eigenen Stil zu entwickeln. Das sachkundige Musikwerkstatt-Publikum weiß das auch sehr zu schätzen.

 

Dienstag, 10. März 2026

Monday Night Orchestra im Schl8hof Wels

Zumindest einmal im Monat gibt es im Welser Schl8hof eine Bigband zu hören, und zwar dann, wenn das Monday Night Orchestra aufspielt. Die von Hermann Miesbauer (Posaune und Moderation) und Manfred Aschauer (Posaune) geleitete Band hat hier schon über 60 Konzerte bestritten, die jeweils unter einem bestimmten Motto stehen. Dieses Mal geht es darum, dem vor zehn Jahren verstorbenen deutschen Jazz-Sänger Roger Cicero die Reverenz zu erweisen und auch andere deutschsprachige Sänger und Bigbands zu würdigen. Für den Gesangspart wurde der Musikpädagoge Rainer Lanzerstorfer engagiert. Ein ziemlich buntes Programm entfaltet sich dann vor dem zahlreich erschienenen Publikum in angenehmer Club-Atmosphäre. Zwar stehen Songs von Roger Cicero im Vordergrund, allerdings erklingen auch welche von Udo Jürgens, Max Raabe, Chris Boettcher und Frank Sinatra. Daneben gibt es auch noch Werke anderer Musiker zu hören, wie z. B. Charlie Parker's "Au Privave" und Stücke der Bert-Kaempfert-Bigband, die ich als Teenager oft auf Schallplatte gehört habe und die ich auch heute noch sehr schätze. Ich war kein großer Fan von Roger Cicero, dennoch finde ich die dargebotenen Lieder vor allem wegen der originellen Texte recht interessant. Rainer Lanzerstorfer ist ein Sänger, der diese Songs mit Souveränität und Leichtigkeit über die Bühne bringt. Es macht Spaß, ihm zuzuhören. Neben dem musikalischen Genuss sind für mich die Abende mit dem Monday Night Orchestra auch immer wieder Lehrstunden in Sachen Geschichte der Big-Band-Musikkultur, die Hermann Miesbauer u. a. in seinen launigen Zwischenansprachen vermittelt. 
 

Montag, 9. März 2026

"Due Donne Impossibili" im Kardinal-Schwarzenberg-Saal Salzburg

Bei der Konzertreihe "Frauenstimmen" der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft geht es um die Würdigung von Komponistinnen. Dieses Mal - am Internationalen Frauentag - sind das zwei italienische Barockkünstlerinnen, Barbara Strozzi und Margherita Costa. Dazu ist das Duo Udite aus Berlin zu Gast, unterstützt durch die Performance-Künstlerin Maria Lucchese. Das Programm umfasst Lieder der beiden Komponistinnen, gesungen von der Mezzosopranistin Bettina Bruns und begleitet von Daniel Göritz an der Gitarre. Das ist allerdings nicht alles, denn die Aufführung bietet auch noch rezitierte Texte der portraitierten Frauen und Performancekunst, wie zum Beispiel das Fesseln und Entfesseln der Sängerin während ihrer Liedvorträge. Außerdem werden die beiden "unmöglichen" Frauen aus dem italienischen Barock in einer Konversation zwischen Bettina Bruns und Maria Lucchese anschaulich charakterisiert. Das alles lenkt vom musikalischen Vortrag, der wunderbaren Stimme von Bettina Bruns und dem einfühlsamen Gittare-Spiel, doch etwas ab. Dafür trägt die Aufführung die Züge eines Gesamtkunstwerks, das sich nicht allein auf Musik beschränken will und der Intention des Internationalen Frauentags jedenfalls entspricht.  
 

Sonntag, 8. März 2026

Judith Schwarz & Manu Mayr im Kulturpool Gusental

PRCDR ist der Name des Projekts und des Albums, das die beiden Musiker:innen Judith Schwarz (erweitertes Schlagzeug) und Manu Mayr (Kontrabass) miteinander verbindet. Das Wort ist eine Kurzfassung des englischen Begriffs "procedure", was so viel wie Vorgehensweise bedeutet. Somit ist es kein freies Improvisieren, was die Beiden am Grund des Kulturpools in Gallneukirchen betreiben, sondern die Klangerzeugung folgt einem festgelegten Ablaufplan. Manu Mayr verzichtet auf jegliche elektronische Verfremdung seines Kontrabasses, sondern erzielt seinen immensen Klangreichtum seines Instruments allein durch Verstärkung mittels eines Mikrofons. Meist werden die Saiten dabei gestrichen, manchmal wie in Zeitlupe, dann wieder in rasendem Tempo. Die Dynamik reicht von leisesten Klängen bis zu dröhnend lauten Bässen. All das korrelliert mit dem Schlagzeugspiel von Judith Schwarz, das sich ebenso facettenreich und dynamisch variabel verhält. Gemeinsam erzeugen sie Klanggemälde unterschiedlichster Art, einmal mehr und einmal weniger rhythmusbetont, einmal atmosphärisch donnernd, dann sich wieder bis zur Unhörbarkeit abschwächend. Spannung liegt in der Luft, vom ersten Ton bis zum Ende der sich pausenlos durchziehenden Performance mit allen ihren dynamischen Hochs und Tiefs. Der durchkomponierte Ablauf hat etwas Magisches an sich und eröffnet eine eigene Klangwelt, untersützt auch durch behutsame Licht- und Nebeleffekte. Wie gebannt hat das Publikum im alten, stillgelegten Hallenbad das mehr als einstündige Prozedere mitverfolgt und spendet am Ende begeistert Applaus. 
 

Samstag, 7. März 2026

Clara Luzia in der Arge Kultur Salzburg

Immer wieder reizt es mich, Nachschau zu halten bei Künstler:innen, die ich schon einmal vor längerer Zeit gesehen und gehört habe, um zu erfahren, wie sich mit den Jahren ihre Kunst verändert hat. Nach gut zehn Jahren tue ich das nun auch bei der österreichischen Singer-Songwriterin und Gitarristin Clara Luzia. Was gleich auffällt, ist, dass sich die Band vergrößert hat und durch ein Keyboard (Claudia Kottal) und ein Saxophon (Barbara Paierl) erweitert worden ist. Statt Helene Glüxam am E-Bass sehe ich nun Judith Ferstl am Kontrabass. (Beide schätze ich als hervorragende Jazz-Bassistinnen.) Wie schon immer sitzt Catharina Priemer am Schlagzeug. Trotz der Erweiterung spielt Clara Luzia's klare, helle und etwas harte Stimme die Hauptrolle, im ersten Teil mit englischen, im zweiten jetzt auch mit deutschen Texten, was die Aussagen authentischer erscheinen lässt. Kompositorisch sind die Songs wie gewohnt ziemlich linear aufgebaut, ohne sich in Refrain-Wiederholungen zu ergehen. Atmosphärisch aufgeladen werden sie dann oft durch den Einsatz von Keyboard und Saxophon oder durch kurze Soli auf der E-Gitarre. Auch die Improvisationskünste der Bassistin und der Schlagzeugerin werden jeweils einmal zur Schau gestellt. Obwohl die Songstexte eher die dunklen Seiten unserer Welt und des Lebens beleuchten, werde ich davon emotional kaum berührt, vielleicht weil für mich das alles recht leichtfüßig, ja fast beiläufig daherkommt. So erreicht auch die Interpretation von Lex Baxter's "Sinnerman" bei weitem nicht jene emotionale Tiefe der legendären Aufnahme von Nina Simone. Auch wenn mich das neue Bandprojekt von Clara Luzia "The Quiet Version" nicht wirklich mitreißen konnte, so hat sich die Nachschau jedenfalls gelohnt und zumindest meine Neugier befriedigt. 
 

Freitag, 6. März 2026

The Tiptons im Jazzit Salzburg

Ich höre sie ja nicht zum ersten Mal, die vier Frauen aus den USA auf ihren Saxophonen, allerdings habe ich sie bisher noch nicht mit ihrem musikalischen Begleiter aus Österreich, dem Schlagzeuger Robert Kainar gehört. Die Schlagzeug-Unterstützung macht sich gut und nimmt dem Quartett bestehend aus Jessica Lurie, Amy Denio, Sue Orfield und Tina Richerson einiges an rhythmischer Arbeit ab. Das dargebotene Programm ist sehr vielfältig und stark inspiriert von musikalischen Einflüssen aus aller Welt, wie z. B. Japan, Hawaii, dem Balkan oder dem Alpenraum. Dabei entstehen wunderbare Sounds und Melodien, bereichert durch Soli, wobei Jessica Lurie dabei besonders glänzt. Neu für mich sind auch die häufigen Vokalpassagen, bei denen vor allem Amy Denio mit ihrer klaren Stimme in Erscheinung tritt. Seitdem ich die vier Frauen vor etwa zehn Jahren zuletzt im Spielraum Gaspoltshofen gehört habe, hat deren Musik für mein Empfinden deutlich an Qualität dazugewonnen und entfaltet auf mich jetzt eine wesentlich stärkere emotionale Wirkung. Vielleicht ist es auch die Freude der Musikerinnen darüber, nach längerer Zeit wieder im Jazzit aufzutreten, die auf das Publikum ausstrahlt. Wenn Amy Denio schon zu Beginn freudig verkündet, sie befinde sich jetzt wieder in ihrem zweiten Zuhause, so kann das für das gemeinsame Musikerleben nur Gutes bedeuten. Und somit ist dieses Konzert der Tiptons auch zu einem überaus wohltuenden Abend für Körper und Seele geworden.
 

Mittwoch, 4. März 2026

eigenART im Schl8hof Wels

Die Dienstag-Konzertreihe der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof zeichnet sich durch ein vielfältiges, buntes Programm aus. Mit den jungen Musikstudenten von "eigenART" ist dieses Mal eine Band mit sechs Bläsern (Trompeten, Posaunen, Tuba) sowie Schlagzeug und E-Bass zu Gast. Sie kommen aus unterschiedlichen Sparten wie Jazz, Klassik und Volksmusik. Entsprechend bunt ist daher das Repertoire des Oktetts: Stücke für Jazz-Big-Band, Material aus der Schlagerwelt, adaptierte Pop-Songs (z. B. Barrbara Ann von den Beach Boys), ein Potpourri aus klassischer Musik, das wunderbare "Oblivion" von Astor Piazzolla sowie Oberkrainer-Volksmusik. Auch Eigenkompositionen kommen vor, wie z. B. ein volkstümlicher Walzer. Solistische Einlagen sind eher kurz gehalten. Am meisten trägt diesbezüglich der Jazz-Trompeter Simon Hartl bei, der das auch schon beim Upper Austrian Jazz Orchestra macht. Die Musiker verstehen es auch, durch gelungene Conferencen das Publikum einzunehmen. So entsteht nach und nach eine heitere, wohltuende Stimmung im gut besuchten Schl8hofsaal. "eigenART" bietet den beteiligten Jungmusikern die Gelegenheit, vieles auszuprobieren und mit Musik spielerisch umzugehen. Ihnen dabei zuzuhören und zuzusehen, kann viel Spaß machen.
 

Montag, 2. März 2026

James Brandon Lewis Trio im Schl8hof Wels

Spät, aber doch habe ich nun auch den US-amerikanischen Saxophonisten James Brandon Lewis live zu sehen und zu hören bekommen. Mit seinem Trio mit Josh Werner am E-Bass und Warren "Trae" Cudrup III am Schlagzeug spielt er im Welser Schl8hof auf, und zwar vom ersten Ton an überzeugend, dass ihm alle seine Auszeichnungen, wie z. B. "Artist of the Year" (DownBeat Magazine) zurecht gebühren. Selten habe ich so einen kraftvollen Ton am Tenorsax gehört, der die ganze Bandbreite des Instruments umfasst. Was die Intensität anbelangt, hat sein Spiel alles zu bieten, von sanften Tönen angefangen bis zum ekstatischen Kulminationspunkt und wieder zurück. Seine musikalischen Partner machen diese Reise in kollektiver Einigkeit mit. Eindrucksvoll ist dabei das Bassspiel von Josh Werner, das der Darbietung zusätzliche Kraft und Tiefe verleiht. Ebenso kraftvoll wie auch sensibel agiert der Schlagzeuger. Die Kompositionen des Bandleaders sind geprägt von Gospel, Blues und R&B sowie von Vorbildern wie Ornette Coleman, Don Cherry oder Albert Ayler. Besonders beeindruckt hat mich die Rhytmik seiner Stücke, die mich nicht allzu lange auf meinem Stuhl verbleiben lässt. Seine Musik ist tanzbar, d. h. auch körperlich mitreißend. Der Mann kann Geschichten erzählen am Tenorsax und auch mittels seiner Zwischenansagen, die ebenfalls die Herzen des Publikums erreichen. Schön, dass ich an diesem Abend.einen der ganz Großen der zeitgenössischen Jazz-Szene nun auch live kennenlernen durfte.
 

Sonntag, 1. März 2026

Sir Oliver Mally in der Spinnerei Traun

"40 Years On The Road" ist der österreichische  Gitarrist und Singer-Songwriter Sir Oliver Mally nun schon. Kein Wunder, dass ich ihm dabei auch schon das eine oder andere Mal begegnet bin. Er wird vor allem mit dem Roots Blues in Verbindung gebracht, bietet allerding viel mehr und lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. In der Spinnerei Traun tritt er gemeinsam mit seinen langjährigen Weggefährten Peter Schneider (Gitarre), Martin Gasselsberger (Keyboard) und Peter Lenz (Schlagzeug) auf. Natürlich ist Mally der Bluestradition tief verbunden und orientiert sich stilistisch an den großen US-amerikanischen Vorbildern. Allerdings hat er längst seinen eigenen, unverkennbaren Stil gefunden, sowohl was seinen Gesang als auch sein Gitarrenspiel betrifft. Viel Eigenes wird vorgetragen und auch die eine oder andere Coverversion (z. B. von Bob Dylan) steht am Programm. Auch solistische Einlagen der Gitarristen sowie von Martin Gasselsberger bereichern das Konzert. Vor allem aber ist es die Atmosphäre, die Sir Oliver Mally und seine Mitmusiker verbreiten, voller musikalischer Spannung, Ideenreichtum, Spielreude, Humor und herzlichem Kontakt zum Publikum. Diese Stimmung nimmt das Publikum mit, wodurch der Konzertabend zu einem (einmaligen) Fest wird, zu einer 40-Jahr-Feier, zu einer nachträglichen Geburtstagsfeier des gerade erst 60 Jahre alt gewordenen Bandleaders. 
 

Donnerstag, 26. Februar 2026

"Wölfe, Lämmer, Polaroids" im Theater Phönix Linz

Hin und wieder statte ich dem Theater Phönix in Linz einen Besuch ab, da es dort immer wieder spannende Produktionen zu sehen gibt. Gezeigt wird zurzeit ein Stück des gebürtigen Salzburgers Josef Maria Krasanovsky, der als ausgebildeter Regisseur auch selbst Regie führt. "Wölfe, Lämmer, Polaroids" besteht aus einer losen Aneinaderreihung turbulenter Szenen, wobei einige den Rahmen bilden für das eigentliche Stück im Stück, in dem es um eine desolate Familie geht. Die Rahmenhandlung thematisiert dabei auch immer wieder die Funktion des Theaters und seiner Zuschauer:innen, das Sterben und den Tod als gesellschaftlicher Zustand sowie das Fressen und Gefressen-Werden, das Tierische, die Wildnis und die Natur, die Jagd und das Töten. Verschiedene familiäre Beziehungen kommen zur Sprache, u. a. die Aufdeckung der Kriegsverbrechen des Großvaters. Das Stück beeindruckt durch die schauspielerischen Leistungen des Ensembles und auch durch unterschiedliche Licht- und Toneffekte sowie durch Musikeinsatz und Tanz. Insgesamt erscheint es als die Inszenierung einer umfassenden Krise, eines Weltzustands, bei dem die Feuerwehr sowohl Brände löscht als auch entfacht. Die Vereinigung der Lebenden mit den Toten, die Eingang ins Unendliche gefunden haben, bildet das Schlussmotiv, das mit dem Anzünden einer Friedhofskerze endet. Surreales und Absurdes ist in diesem Stück Normalität, auch Raum und Zeit erscheinen aufgehoben. Die Mühen der Interpretation spare ich mir. Ich lasse es stehen als Bild des ganz normalen Wahnsinns unserer Epoche.
 

Dienstag, 24. Februar 2026

Fetén Fetén & die Bauernkapelle Eberschwang im Linzer Brucknerhaus

Dass im Linzer Brucknerhaus eine Konzertreihe mit dem Titel "Musik der Völker" läuft, habe ich erst durch dieses Konzert unter dem Motto "Spanien trifft Eberschwang" erfahren. Dabei trifft einheimische (Volks)Musik auf ursprüngliche Musik anderer Länder. Angelockt hat mich in erster Linie die Eberschwanger Blasmusik, da ich in dieser Hausruckgemeinde verwandtschaftliche Wurzeln habe. Natürlich interessiere ich mich auch für spanische Volksmusik, die das Duo Fetén Fetén mit Diego Galaz (Violine u. a.) und Jorge Arribas (Akkordeon u. a.) zur Aufführung bringt. Die Spanier bestreiten auch den ersten Teil des Konzerts mit tanzbaren spanischen Volksweisen (Fandango, Bolero, Tarantella, Habanera, Walzer), bisweilen auch mit merklichem argentinischem Tango-Einfluss. Allerlei skurrile Instrumente wie z. B. Drehleier, Strohgeige und singende Säge kommen dabei zum Einsatz. Später kommt es dann zum Zusammenspiel der Spanier mit der 35-köpfigen Innviertler Blasmuskgruppe unter der Leitung von Günther Reisegger. Die Eberschwanger Bauernkapelle beweist dabei, dass sie auch mit dem spanischen Paso doble bestens zurecht kommt, indem sie Fetén Fetén auf subtile Weise unterstützt. Die Eberschwanger dürfen dann eindrucksvoll zeigen, was sie alles drauf haben: z. B. traditionelle Marschmusik, die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss, Eigenkompositionen, bei denen moderner Jazz-Bigband-Sound durchschimmert und solistische Einlagen begeistern. Von der Qualität dieses Blasorchesters kann man nur schwärmen. Abschließend musizieren dann wieder alle gemeinsam und lösen einen Sturm der Begeisterung beim Publikum aus. Der Klang der Eisenbahner-Musikkapelle Attnang war wohl meine erste Live-Band-Erfahrung als Kind, als diese Blasmusik am 1. Mai auch durch meine Gasse marschierte und dort und da für ein Ständchen Halt machte. Meine Freude an guter Blasmusik ist mir bis heute geblieben.
 

Freitag, 20. Februar 2026

Shake Stew im Jazzit Salzburg

10 Jahre gibt es nun schon die Formation rund um den Bassisten Lukas Kranzelbinder (dem ich übrigens zum ersten Mal 2010 im Stadtcafe Vöcklabruck zuhören durfte), und ich erinnere mich gerne an einen furiosen Auftritt dieser Band im "Porgy" vor einigen Jahren. Nun sind "Shake Stew" im Jazzit zu Gast, um ihr Jubiläum zu feiern und ihr neues Doppelalbum zu präsentieren. Charakteristisches Merkmal der Gruppe ist die Doppelbesetzung von Schlagzeug (Herbert Pirker, Niki Dolp) und Bass (Lukas Kranzelbinder, Oliver Potratz), die der Musik einen besonderen rhythmischen Drive verleiht. Dazu kommen an der Trompete Mario Rom, am Tenorsax Johannes Schleiermacher und am Altsax Yvonne Moriel. Sie erzeugen atmosphärische Klanggebilde (auch mir elektronischer Verfremdung) und tragen wunderbare Soli auf ihren Instrumenten bei. Was den Reiz dieses auch international beachteten Septetts ausmacht ist ihre ausgeprägte Rhytmik mit Einflüssen aus aller Welt und ein besonderer melodischer Bläser:innensound, unterstützt auch durch Oliver Potratz auf seinem 6-saitigen Bass aus den 1960ern, der sich auch für beeindruckende Gitarrensoli eignet. Was "Shake Stew" abliefern, ist Tanzmusik auf allerhöchstem rhytmischen Niveau, und damit wird auch klar, warum das Jazzit dieses Mal auf die Bestuhlung gerne verzichtet hat. Die Band ist in der Lage, nicht nur sich selbst, aber auch das Publikum in einen tranceartigen Zustand zu versetzen, in dem Zeit und Raum für die Dauer der Performance ihre Bedeutung verlieren. Die Begeisterung, die dieses Aushängeschild des österreichischen Jazz beim Publikum auslöst, ist somit nur allzu begreiflich. 
 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Maria Radutu & Lylit feat. Phoebe Violet im MuTh Wien

Was hat mich dazu verleitet, gerade dieses Konzert im Wiener MuTh zu besuchen? Es war die Ankündigung, dass hier zwei musikalische Welten in Verbindung treten: klassische Klaviermusik und Songwriting aus der Pop-Welt. Die stimmgewaltige Singer-Songwriterin Lylit kenne ich ja schon und auch ihr letztes Album "her". Nun aber verbinden sich ihre Lieder mit ausgewählten klassischen Kompositionen für Klavier so, dass daraus ein neues, größeres Ganzes entsteht. In sieben Sequenzen vereinen die klassische Pianistin Maria Radutu und Lylit, beide an Bösendorfer-Flügeln, atmosphärisch zusammenpassende Stücke aus Pop- und Klassik-Welt. Franz Liszt, Dmitri Schostakowitsch und György Ligeti beispielsweise erzeugen mit ihren Stücken ähnliche Stimmungen wie Lylit mit ihren Liedern. Dazu gesellt sich passender Weise auch noch zweimal die Singer-Songwriterin Phoebe Violet. Maria Radutu's Virtuosität am Klavier beeindruckt, und ebenso überzeugend greift Lylit in die Tasten, sodass eine wahre Klavierklangfülle entsteht. Der Abend lebt von einer Vielfalt, die zugleich eine Einheit bildet. Berührungspunkte und Schnittmengen zwischen den Genren werden offenbar, und es wird deutlich, dass die unterschiedlichen Musikstile ebensoviel verbindet, wie sie trennt. Die tolle Idee, das hier vorzuführen, begeistert sowohl mich als auch das Publikum im wunderbaren Saal des MuTh am Augartenspitz in Wien. 
 

Montag, 16. Februar 2026

Otomo Yoshihide & Emilie Skrijelj & Tom Malmendier im Sch8hof Wels

Analoge Plattenspieler, Mixer, ein elektronisches Effektgerät und ein Schlagzeug: Das ist die Grundausstattung, die dieses Trio, bestehend aus dem Japaner Otomo Yoshihide, der Französin Emilie Skrijelj und dem Belgier Tom Malmendier am Schlagzeug, in den Schl8hof zum Musizieren mitbringt. Dazu kommen noch Vinylplatten und diverse kleinere Hilfsmittel. Um Musik im landläufigen Sinn geht es hier auch gar nicht, sondern um das gekonnte Produzieren von Geräuschen aller möglichen Art. Herzstück des Ganzen ist der Rhythmus und Sound des Schlagzeugers, um den herum sich diverse andere, auf unterschiedlichste Art erzeugte Klänge entwickeln. Daraus ergibt sich ein organisches Ganzes, das ein bewegtes Eigenleben an den Tag legt und eine große Bandbreite an Geräuschkulissen hervorbringt. Deren Intensität kann sich steigern, einen Kulminationspunkt erreichen und wieder abschwellen bis zum aboluten Ruhepunkt. Da ist nichts Eintöniges dabei, es herrscht vielmehr eine reiche Variabilität an Sounds. Für Dauerspannung ist dabei gesorgt. Wie die Klangerzeugung funktioniert, ist für mich als Zuschauer nicht so leicht zu eruieren. Oft liegen beispielsweise ein paar Vinylplatten unterschiedlicher Größen gestapelt und dezentriert am Plattenteller und der Tonarm sucht sich seinen Weg. Auch andere Gegenstände werden zum Abtasten der Schallplatten verwendet, so auch der Programmzettel dieses Konzerts. Auch so können Kunstwerke vor den gebannten Blicken der Zuhörer:innenschaft entstehen, die Spannung erzeugen, auch wenn sie abseits jeglicher Melodik passiert. Und das Erstaunliche daran ist, dass die Geräuschergüsse bei mir ein gutes Gefühl hinterlassen haben, entspannend gewirkt haben, dem Aggressionsabbau dienlich waren, gleich einem reinigenden Geräuschebad.
 

Samstag, 14. Februar 2026

Max Nagl Quintett im Jazzit Salzburg

Der aus Ohlsdorf bei Gmunden stammende Komponist und Saxophonist Max Nagl ist für mich kein Unbekannter, und ich war über einen langen Zeitraum schon mehrmals Zuhörer seiner Konzerte. Im Jazzit Salzburg stellt er sein neues Album "Phasolny" vor, und zwar mit einem Quintett erlesener Musiker der österreichischen Jazz-Szene. Der von mir hoch geschätzte Georg Vogel spielt Klavier, Gregor Aufmesser den Kontrabass, der gebürtige US-Amerikaner Phil Yaeger die Posaune und Martin Eberle die Trompete. Ein Schlagzeug vermisse ich nicht und es würde bei dieser Art von Kammermusik eher stören. Die Kompositionskunst Nagls steht dabei im Vordergrund. Seine neuen Stücke haben nicht nur originelle Namen wie Schalf, Brandl, Graul oder Kredenz, sie sind es auch ,und sie sind ziemlich komplex und vertrackt, was äußerste Konzentration von den Aufführenden erfordert. Dennoch kommt das Gebotene mit einer spielerischen Leichtigkeit daher und bringt mich ob der witzigen Ideen des Öfteren heimlich zum Lachen. Vieles ist streng vorgegeben und muss akkordiert geschehen, allerdings gibt es genügend Freiheiten für die einzelnen Spieler, sei es beim kollektiven wie auch beim solostischen Improvisieren. Georg Vogels pianistische Eskapaden stechen für mich dabei besonders hervor und auch Gregor Aufmesser macht von seiner Improvisationsfreiheit regen Gebrauch. Insgesamt erzeugt der Klangkörper ein an Klangfarben reiches musikalisches Gemälde. Max Nagls Musik war und ist noch immer schwer einzuordnen. Vergleiche mit Anthony Braxton werden gezogen, architektonische Herangehensweise und "stilistische Furchtlosigkeit" werden ihm nachgesagt. Ein Max-Nagl-Konzert ist jedenfalls ein besonderes Erlebnis und der Jubel über die brilliante Vorstellung im gut besuchten Jazzit fällt dementsprechend groß aus.
 

Dienstag, 10. Februar 2026

AK Classics im Brucknerhaus Linz

Obwohl meine musikalische Sozialisation abseits der klassischen Musik erfolgt ist, zieht es mich gelegentlich immer wieder einmal zu Klassikkonzerten, als ob ich etwas Versäumtes nachzuholen hätte. Eine gurte, niederschwellige Gelegenheit dazu ist die Konzertreihe AK Classics der Arbeiterkammer im Linzer Brucknerhaus. Aufführende des aktuellen Konzerts sind das Bruckner Orchester Linz, der Linzer jeunesse Chor, der Chor Vocamus sowie sechs Solist:innen des Musiktheaters Linz. Dirigentin ist Maria Benyumova aus Deutschland. Das Konzert beginnt mit der Uraufführung der 3. Symphonie "dona nobis pacem" des oö. Komponisten Helmut Rogl, im zweiten Teil erklingt die Messe Nr. 6, die Franz Schubert kurz vor seinem Tod gerade noch vollenden konnte. Hier bilden die Chöre das dominierende Element und auch die Orgel kommt zum Einsatz. Die Solist:innen spielen eine eher untergeordnete Rolle. Helmut Rogl's Werk erfordert viel Konzentration und hat auf mich etwas ermüdend gewirkt. Die Schubert-Messe ist einfacher zu genießen, da sie weniger komplex strukturiert ist und melodisch eingängiger daher kommt. Beeindruckend für mich ist die kaum überschaubare, große Zahl an Mitwirkenden, die die Bühne bevölkern. Geschätzt 150 dürften es schon sein. Am Ende gibt es lang anhaltenden Applaus im ausverkaufen Brucknerhaus. Mein Interesse an großen Symphonieorchestern samt Chören dürfte allerdings für die nächste Zeit vorerst wieder gestillt sein.
 

Montag, 9. Februar 2026

Trygve Seim Quartet im Jazzit Salzburg

Jazz aus Norwegen, Estland und Finnland gibt es bei uns nicht alle Tage zu hören. Das letzte Konzert der winterlichen Musiksalon-Reihe im Jazzit bietet die Möglichkeit dazu. Der norwegische Saxophonist Trygve Seim spielt im Quartett mit dem seinem Landsmann Mats Eilertsen am Kontrabass, dem estnischen Pianisten Kristjan Randalu und dem finnischen Schlagzeuger Markku Ounaskari. Seine musikalische Erweckung fand Seim 1985 beim Hören von Jan Garbarek's Album "Eventyr", und das merkt man auch schon beim ersten Ton seines gesangsähnlichen Spiels am gebogenen Sopraninosax. Mit dem leicht verhallten Sound entsteht diese mystisch-atmosphärische nordische Klangwelt, wie ich sie auch von Jan Garbarek oder Nil Petter Molvaer kenne. Die Stücke beginnen meist tonal recht sparsam-melodiös und steigern sich dann bis zu einem dichten und rhytmisch lebendigen Soundgewebe aller Beteiligten. Dabei ergibt sich auch viel Raum für die Improvisationskünste der Musiker, wobei ich über die des Pianisten am meisten staune. Die Vielfalt seines improvisatorischen Repertoirs ist mächtig beeindruckend. Diese Variabilität legt auch der Schlagzeuger an den Tag, der von entschleunigenden Beats bis zu ekstatischen Ausbrüchen alles bieten kann. Neben einem kraftvollen Bassfundament zeigt der Bassist auch wunderbare Soloeinlagen u. a. mit traumhaftem Flageolettspiel. Die Stücke gehen ineinander über wie bei einem Konzeptalbum oft üblich und nehmen das Publikum mit auf eine lange Reise durch nördliche Gefilde. Auch am Tenorsaxophon erzählt Trygve Seim seine mythischen Geschichten und intoniert am Schluss, den politischen Ereignissen geschuldet, ein ukrainisches Wiegenlied. Im bis auf die letzten Plätze gefüllten Saal des Jazzit gibt es stürmischen Applaus für diesen End- und Höhepunkt der winterlichen Sonntagskonzerte. 

Sonntag, 8. Februar 2026

Duo Edlbauer Kuzo im C. Bechstein Centrum Linz

Im C. Bechstein Centrum Linz gibt es nicht nur Klaviere aller Art, sondern auch bisweilen Konzerte. Dieses Mal waren zu Gast die österreichische Saxophonistin Andrea Edlbauer und die aus der Ukraine stammende Pianistin Oksana Kuzo, die ihr Album "Lovers" präsentierten. Das Saxophon ist vor allem als Jazz-Instrument bekannt, allerdings gibt es auch Kompositionen für Saxophon außerhalb des Jazz. Davon bringt das Duo einige zur Aufführung, wie z. B. von Robert Muczynski, Theodor Burkali oder Steve Bryant. Der klassische Saxophonton sowohl am Altsaxophon wie auch am Sopransaxophon hat dabei für mich einen besonderen Reiz. Die beiden Musikerinnen überschreiten jedoch auch die Genregrenzen in Richtung Jazz und Tango. So gipfelt das Konzert mit dem Stück "La Grand Tango" von Astor Piazzolla, womit mir die Beiden eine besondere Freude bereitet haben. An Virtuosität und Emotionalität lässt die Vorstellung keine Wünsche offen. Die familiäre Atmosphäre im Klavierhaus trägt ebenfalls dazu bei, dass sich das zahlreich erschienene Publikum hier besonders wohl fühlen kann. Für mich war es ein wunderbarer Konzertabend.
 

Freitag, 6. Februar 2026

Christof Spörk im Kleinen Theater Salzburg

Mein Interesse für Christof Spörk rührt, wie sollte es anders sein, von der Musik her. Er war und ist der Kopf der Band "Global Kryner", die 2002 aufgetaucht ist und dieses Jahr ein Neuauflage erlebt. Im Kleinen Theater Salzburg tritt er allerding als Kabarettist auf, ein Genre, das er ebenfalls schon seit den frühen 1990er mit der Formation "Die Landstreich" bedient. "Maximo Lieder" heißt sein neues Soloprogramm, das es ihm erlaubt, seine multiinstrumentalen Fähigkeiten voll auszuleben mit der Knopfharmonika, dem E-Piano und der Klarinette, mit seiner Gesangsstimme sowieso. Musikalisch vereint er zwei Welten: die der (steirischen) Volksmusik mit der Welt des Jazz, des Blues und der Popmusik. Was die Themen seiner Kabarettnummern anbelangt, macht sich sein Studium der Politikwissenschaft stark bemerkbar. Patriotismus, Populismus, Systemkritik, Materialismus und die Entwicklung der politischen Weltlage sind die Motive seiner Songs und Ansprachen, die auf recht anschauliche, witzitg-ironische Weise ihren Ausdruck finden. Dabei ist das virtuos-künstlerische Element ebenso wichtig wie die transportierten Inhalte. Mit Dauer der Vorstellung entsteht ein recht abgerundetes und plastisches Bild, was die Grundbotschaften des Abends betrifft, und auch das Persönlichkeitsbild von Christof Spörk tritt immer offener zutage. Wie Angst und Geld die Sicht auf die Welt verbauen, warum die Leute heute so unglücklich sind und dass es schließlich nicht immer nur bergauf gehen kann, sind  ans Publikum gerichtete Fragen und Einsichten. Christof Spörk kann unterhalten sowohl verbal als auch musikalisch, und er findet den zwischenmenschlichen Zugang, der es möglich macht, die Zuhörer:innen zu berühren. Bei mir ist ihm das jedenfalls bestens gelungen.
 

Mittwoch, 4. Februar 2026

Michael Kornas Quartett im Schl8hof Wels

Die Dienstag-Reihe an Konzerten der Musikwerkstatt Wels kann immer wieder einmal für äußerst positive Überraschungen sorgen. Dieses mal tauchte ein mir bis dahin unbekanntes Quartett auf, geleitet vom deutschen Pianisten Michael Kornas, der drei polnische Kollegen aus seiner Studienzeit in Krakau mitgebracht hat (Marcin Konieczkowicz am Tenorsax, Alan Wykpisz am Kontrabass und Maksymilian Olszewski am Schlagzeug). Schon die ersten sanften Töne eröffnen ein Klanguniversum, das geprägt ist von einem musikalischen Fluss, der atmet, der Räume eröffnet, in denen dann die Musiker ihre Geschichten erzählen. Der Mann am Tenorsax macht das mit einem warmen, eher fragil wirkenden Sound, der sich allerdings auch zum Expressiven hin wandeln kann. Der Ideenreichtum seiner "Erzählungen" ist groß. Ebenso reich an musikalischen Einfällen sind die Improvisationen des Bassisten - ein gestrichenes Solo beeindruckt mich besonders - und ebenso die des Pianisten. Dieser erzeugt mittels elektronischer Groovebox auch bisweilen Hintergrund-Sounds, die dem musikalischen Ausdruck auf völlig unaufdringliche Weise noch mehr Gewicht verleihen. Die Musik des Quartetts hat für mich einen magisch-mystischen Sog, der mich gefangen nimmt und eintauchen lässt in eine Welt musikalischer Stimmungen und Geschichten. Die Kompsitionen sind eher lyrisch-melodischer Art ohne Härten, wobei mich das Klavierspiel manchmal an Keith Jarrett erinnert. Die Begeisterung beim erfahrenen Musikwerkstatt-Publikum ist daher dieses Mal auch besonders groß. So hohe Qualität bekommt man nicht allzu oft geboten.

Montag, 2. Februar 2026

Retrospektive von Marina Abramović in der Albertina Modern, Wien

Aufmerksam geworden auf die Performance-Künstlerin aus Serbien bin ich schon in den 1990er Jahren. Die extreme Körperlichkeit ihrer Aktionen mit damit verbundener Selbstverletzung kann einen nicht kalt lassen. Auch die Einbeziehung des "Publikums" in ihre Performances ist ein Markenzeichen der Küntlerin. Die Ausstellung im unteren Geschoss des Wiener Künstlerhauses (Albertina Modern) wird allen Facetten ihres bisherigen künstlerischen Wirkens gerecht und scheut keinen noch so großen Aufwand, um anschaulichen Einblick in die diversen Kunstaktionen Abramovic's zu geben. Breiter Raum wird zum Beispiel der Kunstaktion von 2010 im Museum of Modern Art in New York gewidmet, in der es darum geht, dass die Künstlerin jeweils einer Person an einem Tisch gegenüber sitzt und sich die Beiden in die Augen schauen. Auch blutige (und selbstverletzende) Performances werden mittels Videoeinspielungen gezeigt. Und nicht zuletzt wird auch eine von Abramovic's Aktionen nachgestellt: Eine Frau liegt nackt am Rücken, auf ihr liegt ein menschliches Skelett. Alle gezeigten Werke sowie auch die Biographie der Künstlerin sind gut und markant beschrieben, sodass es einem leicht gemacht wird, das Gezeigte zu begreifen. Diese wirklich sehr gut gelungene Retrospektive hat mich sehr beeindruckt und ich kann einen Besuch dieser Ausstellung nur weiter empfehlen. 
 

Sonntag, 1. Februar 2026

Catastrophe & Cure im OKH Vöcklabruck

Obwohl diese Indie-Rock-Band aus Steyr angeblich schon mehrmals im OKH zu Gast gewesen ist, habe ich sie jetzt zum ersten Mal zu Gehör bekommen. Die Band, die eigentlich aus sechs Mitgliedern bestehen soll, tritt hier zu viert auf. Neben Johannes Eder (Gesang, Gitarre) spielen noch Lukas Kargl (Gitarre), Raphael Rameis (Schlagzeug) und Dominik Pandelidis (Bass und Synthesizer). Die Musik klingt ziemlich schnörkellos, verzichtet auf solistische Einlagen, ist meist recht gitarrenlastig und auch rhythmisch oft recht einfach gestrickt. Bei manchen Stücken greift der Bassist dann allerdings zum Synthesizer, um alternative Sounds beizusteuern. Bisweilen befreit sich Johannes Eder auch von seiner Gitarre und widmet sich ganz seinem recht ansprechend wirkenden Gesang. Vergänglichkeit und Flüchtigkeit seien die Hauptthemen der neuen Songs, sowohl im Negativen wie auch im Positiven. Das Ganze wirkt auf mich recht routiniert - die Band gibt es ja auch schon über 15 Jahre -, wobei mich das Ergebnis allerdings nicht wirklich mitgerissen hat. Nach dem gewissen Etwas, das musikalische Darbietungen für mich außergewöhnlich macht, habe ich leider vergeblich gesucht. Beim stichprobenartigen Reinhören in ihr bisheriges Werk, hat mir die Band deutlich besser gefallen. Das Publikum im OKH zeigt sich dennoch recht zufrieden mit der Vorstellung.
 

Freitag, 30. Januar 2026

Asja Valcic und Sebastian Schneider im Jazzit, Salzburg

Die Cellistin Asja Valcic habe ich erstmals 2009 als Teil des radio.string.quartets kennen gelernt. Später konnte ich sie noch mehrmals zusammen mit Klaus Paier (Akkordeon) hören. Nun stellt sie im Jazzit Salzburg ihr eigenes Solo-Album "Inner Voice" vor: ein musikalisches Selbstportrait und ein Tondokument dafür, was auf einem Cello, ohne elektronische Soundeffekte zu bemühen, klanglich und stilistisch alles möglich ist. Stücke mit klassischen Einflüssen sind ebenso dabei wie solche mit volksmusikalischen Anklängen oder ein Tango, der mich stark an Astor Piazzolla erinnert. Technisch zieht die Cellistin alle Register inklusive dem Spiel von Flageoletttönen. Im zweiten Teil des Konzert ändert sich das Programm. Aus einem Solo wird ein Duo mit dem jungen Pianisten Sebastian Schneider, den ich übrigens auch schon in der Band von Johannes Dickbauer (J.D.Hive) hören konnte. Im Cello-Klavier-Duo erklingen nun Eigenkompsitionen der beiden Musiker:innen, die man auch demnächst auf einer CD nachhören wird können. "Sun and Moon" soll sie heißen, wobei sowohl getragen traurige Stücke als auch beschwingt fröhliche Klänge darauf Platz finden werden. Das Zusammenspiel der Beiden harmoniert vorzüglich und erzeugt wunderbare Klanggemälde. Ein erquicklicher Abend geht damit zu Ende und das Publikum zeigt sich begeistert davon.
 

Montag, 26. Januar 2026

Ted Milton mit Blurt im Rhiz, Wien

Oft werde ich gefragt, wie ich denn von den Veranstaltungen erfahre, die ich dann besuche. Dieses Mal war es ein Beitrag auf Instagram, der mir in die Augen gestochen ist. Ted Milton und Blurt seien auf Europatour. Irgendwas in meinem Hinterkopf hat darauf reagiert. Obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, ob ich diese Band schon einmal (vor langer Zeit) live gesehen habe oder sich in meiner Tonträgersammlung eines ihrer Alben befindet, war mir sofort klar: Diesen über 80-jährigen Londoner will ich (noch einmal) hören. Im Wiener Musiklokal Rhiz bot sich die Gelegenheit. Ein alter Mann mit einem Hauch von Irokesenschnitt setzt sich mit seinem Altsaxophon auf einen Stuhl, ein E-Gitarrist (Steve Eagles) und ein Schlagzeuger (David Aylward) stehen bereit. Vom ersten Takt an ist mir die Musik sofort vertraut. Sie war über die Jahrzehnte in meinem musikalischen Gedächtnis bestens aufgehoben. Ted Milton ist eigentlich Dichter (und Puppenspieler) bringt allerdings seine poetischen Werke in Post-Punk-Manier und mit jazzigen Saxophonklängen sprechgesanglich auf die Bühne. Eindringliche, stakkatoartige Mantras kommen dabei heraus mit starker rhytmischer Betonung, schneidend-schreiender Gitarre und Schlagzeuggewittern. Das Saxophon schnattert und schreit ebenfalls dazu und bisweilen tut es Ted Milton auch mit seiner charakteristischen Stimme. Die Texte sind dem Dadaistisch-Absurden zuzuordnen. Das Konzert ist ein Tour de Force, die nach einer guten Stunde zu Ende geht. Die Emotionen haben ihren längst wieder einmal fälligen Ausbruch gefunden und alle sind geläutert und zufrieden.
 

Sonntag, 25. Januar 2026

The Passing of the Year - Chorwerke von Mendelssohn, Brahms, Britten und Dove an der Uni Mozarteum, Salzburg

Immer wieder zieht es mich in die Gefilde der klassischen Musik und dafür ist die Universität Mozarteum mit dem akustisch perfekten "Solitär" ein guter Ort. Dieses Mal konnte ich in den Genuss des Mozarteum kammerChors kommen, geleitet von Christiane Büttig und begleitet am Klavier von Johannes Wilhelm. Chorwerke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms, Benjamin Britten und Johannes Dove stehen am Programm. Die vertonten Texte stammen von zum Teil recht bekannten Schriftsteller:innen wie zum Beispiel Friedrich Hebbel, Johann Wolfgang von Goethe, William Blake und Emily Dickinson. In all den Texten bestimmen Motive wie Natur, Jahreszeiten, Wachstum und Vergänglichkeit und das Leben der Menschen den Sinngehalt. Ein wunderbar abgestimmter gemischter Chor vermittelt die Botschaften, wobei mich Phrasierung und Dynamikumfang des Gesangs besonders beeindrucken. Dem Chor gelingt es hervorragend, die unterschiedlichen Gefühlslagen der Texte zum Ausdruck zu bringen, sodass nicht nur ich davon gerührt bin. Am Ende sollen positive Gefühle dominieren. Im titelgebenden Stück "The Passing of The Year" des zeitgenössischen britischen Komponisten Jonathan Dove heißt es am Schluss hoffnungvoll: "Ring out the thousand wars of old, ring in the thousand years of peace" und auch die letzte Zugabe "Sure on this shinging night" soll die begeisterte Zuhörerschaft mit einem angenehmen Gefühl auf ihren Heimweg entlassen.
 

Samstag, 24. Januar 2026

Anna Buchegger im Schl8hof Wels

Mir bekannt geworden ist Anna Buchegger, als sie 2021 bei der Starmania-Show gewonnen hat. Dass sie auch mit Jazzern auftritt, hat ebenfalls mein Interesse an der österreichischen Musikerin aus Abtenau geweckt. Nun hat sie schon ihr zweites Album "Soiz" veröffentlicht und stellt es nun live vor. Dass sie eine ausgezeichnete Sängerin ist, war mir schon klar, sie spielt live allerdings auch Hackbrett und E-Piano, mit dem sie sich auch solo begleitet. Unterstützt wird sie sonst von Tobias Wöhrer am Bass, David Raddish am Schlagzeug und Sophia Andlinger am Keyboard. Musikalisch macht sie ihr eigenes Ding, das fest im Pop verankert und rhythmisch recht einfach gestrickt ist, allerdings auch volksmusikalische Einflüsse enthält. Sowohl gesellschaftliche Themen (Engstirnigkeit, Machtmissbrauch und Gewalt) als auch Persönliches (Selbstverständnis und Identität) bestimmen die Songtexte, die im (für mich) gut verständlichen Dialekt verfasst sind. Sie weiß auch, wie man sich auf der Bühne bewegt und wie man das Publikum anspricht. Neben der Hauptbühne betritt sie für einige Zeit auch noch ein Podest mitten im Saal, wo sie am Keyboard ohne ihre Bandkolleg:innen aufspielt und singt, was ihre Publikumsnähe noch unterstreicht. Das Ganze ergibt ein gut abgerundetes Programm, das beim zahlreich erschienen Publikum gut ankommt. Anna Buchegger einmal live kennenzulernen war auch für mich diesen Konzertbesuch wert.

Freitag, 23. Januar 2026

Matyas Bartha Trio mit Heinz von Hermann im Cafe Ramsauer, Bad Ischl

"A bissl Bebop bevor ich geh'", könnte das Motto des Abends im gesteckt vollen Cafe Ramsauer in Bad Ischl lauten, gleich dem Buchtitel der Autobiographie des fast 90-jährigen österreichischen Jazzmusikers Heinz von Hermann (Saxophon, Querflöte). Er wird begleitet vom Trio des ungarischen Pianisten Matyas Bartha mit Danny Ziemann am Kontrabass und Christian Salfellner am Schlagzeug. In der Tradition von Bebop und Hardbop stehen dann auch die dargebotenen Stücke, zum Teil Eigenes von Heinz von Hermann (Rosa, liebe Rosa) sowie bekannte und weniger bekannte Jazz-Standards (Nobody Else but Me, Old Folks). Wie üblich gibt es dabei solistische Einlagen von Heinz von Hermann und Matyas Bartha und spannende Dialoge zwischen Kontrabass und Schlagzeug. Heinz von Hermann lässt nicht nur seine Instrumente sprechen, sondern er ist auch ein bemerkenswerter Conferencier, der dem Publikum so einiges über die Herkunft des Gebotenen berichtet. Dass es auch im inneren Salzkammergut (Bad Ischl und Bad Goisern) nun schon seit 1979 eine beachtliche Reihe von Jazzkonzerten gibt, verdanken wir den Jazzfreunden Bad Ischl und deren Obmann Emilian Tantana, dessen freudige Begeisterung für Jazz offensichtlich ist. Natürlich ist auch das Publikum im stilvollen Cafe Ramsauer begeistert und auch ich, besonders vom letzten Stück des Abends, Cole Porter's "You Do Something to Me", dessen wunderbare Interpretation von Bryan Ferry sich in mein musikalisches Gedächtnis eingebrannt hat. Schön, dass es Musiker gibt, die diese Tradition aufrecht erhalten, "bevor sie gehen", und welche nachkommen, die sie weiter pflegen.

 

Sonntag, 18. Januar 2026

Naked Lunch im Kino Ebensee

Schon zweimal hatte ich die Gelegenheit, die österreichische Indie-Rock-Band Naked Lunch live zu sehen und zu hören, zuletzt 2018 im OKH Vöcklabruck. Oliver Welter, Gitarrist und Sänger und das einzige verbliebene Gründungsmitglied, hat Naked Lunch 2025 quasi neu gegründet mit neuem Personal, nämlich Wolfgang Lehmann an der Gitarre, Romana Jakovcic am Bass, Boris Hauf an den Keys und am Saxophon und Alex Jezdinsky am Schlagzeug. Auch vom musikalischen Konzept her ist die Band nun breiter aufgestellt, ist sozusagen modernisiert worden. Die Klangkulissen, vor denen Welters Stimme nun ertönt, werden durch (phasenweise zu penetrante) Synthie-Sounds gebildet, auch Wolfgang Lehmann trägt durch sein schräges Gitarrenspiel und Gehabe zur Irritation bei. Chorgesang wird bei manchen Stücken zum prägenden Element. Das alles lenkt leider von Welters eigentlich wunderbaren sentimentalen Liedern und seiner Vortragskunst ziemlich ab. Weniger Sound-Brimborium wäre für mein Gefühl mehr an musikalischer Botschaft. Die älteren Songs sind ohnehin in etwas nüchterneres Gewand gekleidet und gefallen mir erst einmal besser. Doch auch die neuen haben ihre besondere Qualität, die sich für mich vor allem dann entfaltet, wenn Oliver Welter eines davon fast unbegleitet zum Besten gibt. Dass Naked Lunch einen ihrer Songs in Ekstase und Chaos gipfeln lassen, ist auch ganz okay. Die Band ist experimenteller geworden, kommt dabei jedoch (noch) ziemlich ungeschliffen und für mich zu überladen daher. Dennoch finde ich es wert, diese Neuentwicklung einmal live mitzuerleben.