Seit ich Fado zum ersten Mal in den frühen 1990ern auf einem Vinyl-Album kennengelernt habe, lässt mich die Faszination dieser Musik nicht mehr los. Nach mehreren, in Österreich eher seltenen Fado-Konzerten, komme ich nun in den Genuss von Carminho, einer bekannten Fadista aus Lissabon. Sie hat eine fünfköpfige Begleitband in den großen Saal des Wiener Konzerthauses mitgebracht, die den wunderbaren Rahmen für ihren Gesang bietet. Neben den vier Gitarren sorgt noch ein Keyboarder mittels mehrerer exotischer Tasteninstrumente (Mellotron, Ondes Martenot und Cristal Baschet) für ein breites, sanft-fülliges, melodisches Klangspektrum. Carminho macht mit ihrem Gesang das, was für den Fado charakteristisch ist: diese hochemotionale Steigerung des Ausdrucks, dieses "Schmachten", wie ich es gerne nenne, das gleichsam in einer wohltuenden Erschöpfung endet. Carminho geht allerdings mit ihrem Repertoire deutlich über das Grenzen des traditionellen Fado hinaus und präsentiert sich auch als talentierte Singer-Songwriterin mit popigen Anklängen. Sie fühlt sich sichtlich wohl im großen Ambiente des Konzerthauses und bringt dies in ihren ausschweifenden Zwischenansagen immer wieder zum Ausdruck. Zuletzt will sie noch die hochgelobte Akustik des Saals auf die Probe stellen, indem sie jeglicher Elektronik den Strom abdreht und ihre Stimme und die Instrumente rein akustisch ertönen. Das Publikum macht keinen Mucks und das Experiment gelingt. Ein Abend voller positiver Emotionen geht mit großem Applaus und mehreren Zugaben zu Ende.
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