Das Gustav-Mahler-Festival findet nun schon zum 10. Mal in Steinbach am Attersee statt, an dem Ort, an dem der berühmte Musiker seine Dritte Symphonie komponiert hat. Daher steht sie auch heuer am Programm und wird vom Bruckner-Orchester unter der Leitung von Markus Poschner und mit Beteiligung von drei Chören in der Steinbach Halle aufgeführt. 1000 Besucher:innen bekommen in der überhitzten Sporthalle dieses spannende, 100 Minuten dauernde Werk Mahler's zu Gehör. Obwohl ich weit entfernt von klassischer symphonischer Musik sozialisiert worden bin, hat Gustav Mahler mit seiner Klangmacht schon in meiner Studentenzeit mein Interesse erweckt. Dass ich nun die Möglichkeit habe, dieses große Werk live zu erleben, freut mich sehr. Vor dem Hintergrund meines reichhaltigen musikalischen Erfahrungsschatzes erscheinen für mich so einige Auffälligkeiten. Der Wechsel zwischen zackigem Militärmarsch und getragenem Trauermarsch prägt den ersten Satz. Auf Phasen hoher Intensität und großer Lautstärke folgen immer wieder sparsam instrumentierte leise Passagen. Volksliedhaftes fließt ein. Auch der Tempowechsel ist ein auffälliges Stilelement. Das Orchester bildet mit seinem reichen Instrumentarium ein sehr breites Spektrum an Klangfarben, wobei Mahler mit dem Hornklang seine besondere Freude gehabt haben dürfte. Auch die menschliche Stimme wird sowohl solistisch als auch in Form der Chöre eingesetzt. Einen besonders ruhigen und festlich-feierlichen Charakter nimmt die Symphonie im letzten Satz an, der bei mir und wohl auch bei anderen ein besonderes Wohlgefühl erzeugt. Erstaunlich für mich ist, welcher Luxus an personellen und instrumentalen Möglichkeiten den Musikschaffenden im Klassik-Genre zur Verfügung steht. Damit lässt sich schon ordentlich was anfangen, wie ich mit Begeisterung feststellen kann.
Montag, 29. Juni 2026
Donnerstag, 25. Juni 2026
Fabulous Austrian Trio (FAT) im Jazzit Salzburg
"Ist er der neue Jazz-Fusion-Gott?", hört man Leute sagen, und ein etablierter Jazz-Fusion-Gott, John McLaughlin, meint "Alex Machacek's music starts where other music ends." Ich darf mir nun im Jazzit von diesem österreichischen Gitarristen, der in LA lebt, und seinen Trio-Kollegen Raphael Preuschl (E-Bass) und Herbert Pirker (Schlagzeug) selbst ein Bild machen. Klar wird sogleich, dass hier kompositorisch Komplexes geboten wird, sowohl harmonisch als auch rhythmisch. Das Schlagzeug nimmt dabei ein bedeutende Stellung ein und kehrt auch seine melodische Seite stark hervor. Auch der Bass wird zur eigenen Stimme (und klingt bisweilen auch so). Alex Machacek spricht sowohl was die Akkorde betrifft als auch mit seinen melodischen Kreationen eine eigene Sprache. Bisweilen erinnert er mich allerdings auch an John Scofield, der ja wie Franz Zappa und Allan Holdsworth als eines seiner Vorbilder gilt. Rhytmisch geht es meist rockig und funky zu, wobei immer wieder teils extreme Brüche im Rhythmusgebäude zutage treten, die sich in Harmonik, Lautstärke und Intensität fortsetzen. Gefallen finde ich auch an Herbert Pirker's "Super Ballad", einem langsamen, getragenen Stück, das alle Instrumente noch plastischer hervortreten lässt. Wen ich bei manchen Stücken heraushöre, ist der späte Miles Davis, dessen Trompete ich mir in dieser Klangumgebung gut vorstellen könnte. Bei manchen Passagen tauchen in mir dann auch noch Erinnerungen an das Mahavishnu Orchestra der 1970er Jahre auf, wobei ich wieder bei John McLaughlin wäre. Ja, das Fabulous Austrina Trio macht dort weiter, wo Jazz-Fusion-Bands des vergangenen Jahrhunderts aufgehört haben, und forscht und experimentiert, wie sich dieses Genre innovativ noch weiter entwickeln lässt. Vom neuen erreichten Level bin ich sichtlich beeindruckt.
Mittwoch, 24. Juni 2026
Hotel Bossa Nova im Schl8hof Wels
Meist bekommt man ja österreichische Bands im Rahmen der Musikwerkstatt Wels zu hören. Dieses Mal ist es allerdings ein Quartett aus Hessen, das von Liza Da Costa, einer Sängerin und Komponistin mit mütterlicherseits portugiesischen Wurzeln geleitet wird. Begleitet wird sie vom Gitarristen Tilmann Höhn, vom Bassisten Alexander Sonntag und vom Schlaglzeuger Wolfgang Stamm. Weltmusik mit portugiesisch-brasilianischem Einschlag und reichlich Jazz-Elementen bekommt man zu hören. Gesungen wird auf Portugiesisch mit klarer, akrobatischer Stimme, für die es keine Grenzen zu geben scheint. Selbst Scat-Gesang kommt zum Einsatz, wenn der Worte genug gesungen sind. Kongenialer musikalischer Partner ist vor allem Tilmann Höhn, ein wahrer Zauberer sowohl auf diversen akustischen Gitarren als auch auf der E-Gitarre, wobei er auf diverse elektronische Hilfsmittel zur Klangvariation zurückgreifen kann. Dabei geht es allerdings auch ganz ohne solche, was eine Unplugged-Session am Ende der Vorstellung bestätigt. Der im Bandnamen vorkommende Bossa Nova ist nur eine der vielen lateinamerikanischen Rhythmen, auf die die Eigenkompositionen aufbauen. Stark vertreten sind dabei die Sambarhythmen. Das Ganze ergibt eine hochemotionale, temperamentvolle Musik, musikalisch hochklassig und voller Spielfreude. Das Markenzeichen des Jazz, die Soloimprovisation aller Beteiligten hat dabei einen hohen Stellenwert. Hotel Bossa Nova ist eine Band, die vom ersten Ton an demonstriert, welche Kraft in Musik und Gesang stecken und die dieses hohe Energielevel bis zum Schluss hochhält, ja sogar noch zu steigern weiß. Dass sich das wie immer hoch konzentrierte Publikum im Schl8hof Wels von diesem Sturm mitreißen lässt, nur allzu verständlich. Mehr als Hingabe braucht es dazu nicht.
Montag, 22. Juni 2026
NYCE Contemporary Composers' Ensemble im Musikpavillon Linz
Sommerzeit ist Musikpavillon-Zeit. Jeden Sonntagabend gibt es den Sommer über ein Gratis-Jazzkonzert im schön gelegenen Linzer Musikpavillon an der Donau-Promenade. Den Beginn macht heuer ein Ensemble der Bruckner-Uni unter der Leitung des Uni-Professors Chris Kronreif, der dabei meist auf der Bassklarinette zu hören ist. Neun Studierende der Uni bilden mit ihm ein ansehnliches, an Klangfarben reiches Orchester, das neben Kontrabass, Schlagzeug, Gitarre und E-Piano auch noch ein Cello, zwei Geigen und zwei Trompeten mit einbringt. Gespielt werden Kompositionen zeitgenössischer Komponisten, darunter auch welche der teilnehmenden Musiker:innen. Die Musik klingt also recht modern, die Kompositionen sind ziemlich komplex, spannend und abwechslungsreich. Sie ermöglichen Solo-Improvisationen der Bandmitglieder und beinhalten auch Passagen, die ein kollektives Improvisieren vorsehen. Simon Hartl's Trompetenspiel ist für mich dabei besonders bemerkenswert, ebenso die Kompsitionen des zweiten Trompeters (leider weiß ich seinen Namen nicht). Das Konzert zeigt das hohe künstlerische Niveau der Bruckner-Uni und seiner Studierenden recht eindrucksvoll. Um den Nachwuchs hochkarätiger Jazz-Musiker:innen brauche ich mir also keine Sorgen zu machen.
Samstag, 20. Juni 2026
40er Fest im Kino Ebensee mit Die Sterne und MAIIJA
Schon länger als es den Kulturverein Kino Ebensee gibt, haben mich in den 1980er Jahren Konzerte der dortigen alternativen Kulturszene nach Ebensee gelockt. Als diese im Kino Ebensee ihre Heimat gefunden hat, war dieser Ort auch immer und immer wieder mein kulturelles Zuhause, in dem ich viele wunderbare Konzerterlebnisse hatte. Meinem Zugehörigkeitsgefühl geschuldet, ist es mir daher ein Anliegen, das 40-Jahr-Jubiläum mitzufeiern. Mit einer Gartenparty und Begegnungen mit alten Freund:innen beginnt das Fest und setzt sich fort mit einem Rückblick auf die Geschichte des Kulturvereins, präsentiert von Obmann Andreas Stüger. Grußbotschaften verschiedener Künstler:innen und eine Ehrung des Kino-Masterminds Konrad Wallinger folgen. Und dann folgt natürlich das, was den Reiz des Kino Ebensee für mich ausmacht: Konzerte von MAIIJA (Marilies Jagsch) und der Hamburger Indie-Pop-Band "Die Sterne", die ich vor 11 Jahren an diesem Ort auch schon einmal genießen konnte. Während Marilies Jagsch im Duo mit Jay Choma ihre melancholischen, auf das Wesentliche reduzierten Popsongs vorträgt, geht es bei der Hamburger Band recht groovy zur Sache. Die musikalische Mischung aus Krautrock und Post-Punk wird bereichert durch die gesellschaftskritischen Texte des Frontman Frank Spilker. Dyan Valdés spielt und singt an den Keyboards, Jan Philipp Janzen ist der Schlagzeuger und Phillip Tielsch sorgt für den treibenden Bass. So voll mit bewegten Menschen von Jung bis Alt habe ich das Kino Ebensee schon lange nicht mehr erlebt. Sie alle scheinen zu spüren, welch große kulturelle Energie dieser Ort in den 40 Jahren seines Bestehens versprüht hat. Diesem auch für mich so bedeutenden kulturellen Kraftplatz wünsche ich weiterhin alles Gute und ein langes, langes Leben.
Freitag, 19. Juni 2026
Lukas Raffelsberger in der Auferstehungskirche Gmunden
Gern höre ich den "König aller Instrumente" (Mozart): die Orgel. In der evangelischen Kirche Gmunden bietet sich wieder die Gelegenheit. Dort bringt der Gmundner Pianist, Organist und Chorleiter Lukas Raffelsberger ein Programm für Orgel zur Aufführung, das Werke von Johann Sebastian Bach und Phillip Glass kombiniert. Beide Komponisten sind mir gut bekannt. An Bach führt für Musikinteressierte ohnehin kein Weg vorbei und auch Philip Glass kenne ich, seit ich mich in den 1970ern auch mit Minimal Music beschäftigt habe. Lukas Raffelsberger will Stücke der beiden Komponisten derart verweben, „dass man als Zuhörer bei manchen Übergängen nicht mehr weiß, ob’s noch vom einen oder schon vom anderen ist“. Tatsächlich reiht er manche Kompositionen übergangslos aneinander. "Prélude pour Orgue", das Philip Glass für die Einweihung der nach dem Brand wieder eröffneten Notre-Dame de Paris komponiert hat, geht fließend über in die Toccata in C-Dur von Bach. Die stilistischen Unterschiede sind für mich allerdings so groß, dass mir sofort klar ist, wer hier das musikalische Sagen hat. Das Perpetuieren von minimalen Phrasen und rhythmischen Mustern charakterisiert das Genre der Minimal Music nur zu deutlich und erzeugt durchaus eine tranceartige Wirkung. Bei Bach hingegen bin ich immer wieder überrascht von der Modernität dieser 300 Jahre alten Musik. Das improvisatorische Element in Bach's Werken erinnert mich phasenweise an das Improvisieren moderner Jazz-Saxophonist:innen. Der Klang der Orgel entfaltet sich in der evangelischen Kirche Gmunden auf wunderbare Weise. Sowohl die leisen Passagen als auch die Klangmacht und Bassgewalt beeindrucken mich zutiefst. Mit der Auswahl der Komponisten und Kompositionen sowie mit der perfekten Darbietung hat mir Lukas Raffelsberger große Freude bereitet. Den zahlreichen Konzertbesucher:innen wahrscheinlich auch.
Mittwoch, 17. Juni 2026
Bloomsday 2026 in der Mozarteum University Salzburg
Es ist meine erste Bloomsday-Feier, an der ich teilnehme. Leopold Bloom ist die Hauptfigur in "Ulysses", dem berühmten Roman von James Joyce, dessen Handlung nur einen einzigen Tag umfasst, nämlich den 16. Juni 1904. Seit den 1950er Jahren wird deshalb an vielen Orten der Welt der 16. Juni als Gendenktag gefeiert, so auch in Salzburg. Zelebriert wird er vom Literaturhaus Salzburg, vertreten durch Tomas Friedmann (Moderation) und der Uni Mozarteum, die den musikalischen Teil mit dem Gunnar Berg Ensemble bestreitet. Das Literaturhaus hat dazu den Schriftsteller und Regisseur Kurt Palm eingeladen, der Episoden aus seinem 2003 erschienen Buch über den "Ulysses" mit dem Titel "Der Brechreiz eines Hottentotten" vorträgt. Kurt Palm ist ein Erzähler - er nennt sich auch Volksbildner - dem ich sehr gerne zuhöre, und so erfahre ich viel Interessantes über James Yoyce, Leopold Bloom und den "Ulysses". Das muliklische Programm steht ganz im Zeichen der "Neuen Musik". Ein Stück von Klaus Ager, dessen Name für zeitgenössische Avantguard-Musik steht, wird neben zwei anderen Kompositionen vom Gunnar Berg Ensemble aufgeführt (Theodor Burkali, Klarinette, Ivan Mancinelle, Vibraphon, Christina Schorn-Mandinelli und Yvonne Zehner, Gitarre). Jedes der drei Stücke entfaltet dabei seine besonderen Reize, sei es durch Mikrotonalität, stimulierende Rhythmik oder meditative Ruhe. Ein Reiz, den ich mit nach Hause nehme, ist, vielleicht doch einmal den "Ulysses" (wenn auch nur in Auszügen) in Angriff zu nehmen. Ich habe mir das Buch jedenfalls bestellt.
Sonntag, 14. Juni 2026
Global Kryner in der Spinnerei Traun
"2nd Love Tour" nennt dieses Sextett die derzeitige Reihe von Auftritten. Und das deshalb, weil die Band schon vor gut 20 Jahren einmal durchgestartet ist und dann für längere Zeit pausiert hat. Die Besetzung ist daher zur Hälfte neu: Miriam Kulmer (Gesang), Markus Pechmann (Trompete) und Andi Haidecker (Gitarre) sind die Neuen, Anton Sauprügl (Akkordeon), Markus Temmel (Posaune) und Christof Spörk (Klarinette) waren auch bei der ersten Auflage bereits dabei. Die Besetzung und auch der Stil orientieren sich stark am Oberkrainer-Sound der 1950er Jahre, dazu kommen allerdings diverse Stilelemente aus anderen Genres wie z. B. Pop, Soul, Latin und Jazz. Das macht die Musik dieser Vollblutmusiker so interessant. Wenn der Oberkrainer-Stil zu sehr dominiert, erweckt die Gruppe bei mir allerdings bisweilen auch nicht sehr angenehme Erinnerungen an Bierzeltfeste und den Musikantenstadl. Meist aber gelingt es Global Kryner, aus gecovertem Songmaterial wunderbare Kunstwerke zu schneidern: "Over The Rainbow", "Oye Como Va", "My Favourite Things", "Die With A Smile" und "Honesty" haben mir besonders gut gefallen. Für die volkstümlichen Eigenkompositionen kann ich mich nicht so recht begeistern. Virtuos auf ihren Instrumenten agieren alle. Miriam Kulmer beeindruckt durch die Leichtigkeit ihres Gesangs, Markus Temmel sorgt für das treibende Bassfundament, die anderen Bläser brillieren (auch mit Soli), Anton Sauprügl spielt sogar Johann Sebastian Bach am Akkordeon und Andi Haidecker lässt immer wieder einmal den Jazzgitarristen durchblicken. Global Kryner haben mit ihrer Musik jedenfalls etwas Eigenes und Originelles kreiert. Global Kryner 2.0 heiße ich daher herzlich willkommen.
Freitag, 12. Juni 2026
Lisa Hofmaninger & Helene Glüxam im OKH Vöcklabruck
Die beiden Musikerinnen kenne ich ja schon ziemlich lange, dennoch freut es mich immer wieder, sie in Livekonzerten zu erleben. Im OKH Vöcklabruck bietet sich im Rahmen von thursdays4jazz nun eine neuerliche Gelegenheit. Lisa Hofmaninger hat ihr Instrumentarium erweitert und tritt nun zusätzlich zu Altsaxophon und Bassklarinette auch mit Tenorsaxophon auf. Helene Glüxam zupft, streicht und schlägt den Kontrabass. Schon das erste Stück (ohne Titel) sagt viel aus über die Musikauffassung der Künstlerinnen: Musik entsteht im Augenblick und entfaltet sich am besten, wenn sie durch spontanes Improvisieren zustande kommt. Eine weiteres frei improvisiertes Stück sollte noch folgen. Dazwischen gibt es selbst Komponiertes zu hören, das ebenfalls viel Raum offen lässt fürs Improvisieren, wobei jede der Frauen ihre Eigenheiten hervorkehren kann. Das klangspielerische Experimentieren ist die Sache von Lisa Hofmaninger, die ihren Instrumenten allerlei originelle Sounds entlockt, indem sie diese bisweilen zerlegt und wieder (neu) zusammenbaut. Ohne Mundstück kann sie am Altsaxophon zischende Geräusche bilden, die sonst nicht möglich wären. Und ohne Mundstück lässt sich die Bassklarinette zu einem Perkussionsinstrument umbauen, das fast einer zarten Trommel ähnelt. Helene Glüxam erweitert ihren musikalischen Ausdruck durch vokale Zutaten, die ihr neue (emotionale) Möglichkeiten bieten. Die Beiden machen Musik, die für mich jeden Moment spannend ist und der ich noch viel länger folgen könnte, als die Stücke tatsächlich dauern. Auch im Publikum ist diese Spannung zu spüren, die sich in hoch konzentriertem Zuhören zeigt. Kein Wunder bei der Musik, die so viel zu sagen hat.
Mittwoch, 10. Juni 2026
Altamira im Schl8hof Wels
Die Musikwerkstatt Wels, die es übrigens schon seit 1979 gibt, bringt immer wieder interessante Bands auf die Bühne des Schl8hof Wels. Das Jazztrio Altamira zeichnet sich durch eine besonders unübliche Besetzung aus. Zwischen dem Saxophonisten (Mathias Mayrbäurl) und dem E-Bassisten (Josef Wagner) würde üblicher Weise ein Schlagzeuger seinen Dienst tun, bei Altamira steht allerdings eine Konzertharfe im Mittelpunkt, gespielt von Angela Stummer-Stempkowski. Ganz ungewöhnlich ist die Harfe im Jazz nun aber auch wieder nicht, wenn man an Alice Coltrane denkt oder aktuell z. B. an Brandee Younger, die ich vor gur zwei Jahren im Salzburger Jazzit bestaunen durfte. Natürlich hat eine derartige Besetzung einen ziemlich kammermusikalischen Touch. Dabei geht es um originelle Melodien, feine Nuancen und gute Abstimmung beim Zusammenspiel, wobei die Freiheit der Improvisation durchaus ihren Platz bekommt. Mayrbäurl's Spiel am Sopransaxophon hat mir dabei besonders gut gefallen. Die meisten eher komplexen Kompositionen stammen von Josef Wagner, die expressivste ist von Mathias Mayrbäurl. Nur einmal nehme ich eine mir schon lange bekannte, wunderbare Melodie wahr: Altamira erweist Carla Bley die Ehre, indem die Musiker:innen das 1981 erschienene Stück "Utviklingssang" erklingen lassen, das sich bestens ins Programm einfügt. Altamira bietet Musik, die mich nicht gleich vom ersten Takt an mitnimmt, sondern die erst allmählich ihre volle Wirkung entfaltet und mich einnimmt. Am Ende kann ich dann kaum genug davon kriegen.
Sonntag, 7. Juni 2026
LoveJoy Gospel Choir mit Shelia Michellé & Helmut Reiter im Flößersaal Stadl Paura
Es ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Chor höre, der im Bildungshaus Puchberg bei Wels seine Wurzeln hat. Helmut Reiter am Keyboard und die aus Nashville stammende Sängerin Shelia Michellé haben mit etwa 40 sangesfreudigen Frauen und Männern ein buntes Programm aus Gospel-Liedern zusammengestellt, das sie in der Flößerhalle in Stadl Paura präsentieren. Dabei gibt es sowohl Chorpassagen als auch solistische Gesangsstimmen, die sich ergänzen und miteinander verwoben sind. "Hallelujah, Salvation and Glory", "Sing" oder das bekannte "Amazing Grace" sind ein paar Beispiele aus dem Repertoire dieses Chors. Neben dem Gesang sind es auch das Outfit der Sänger:innen und bisweilen auch die originelle Choreographie, die den Reiz der Vorstellung ausmachen. Der LoveJoy Gospel Choir beweist jedenfalls, dass es alle, die Freude am Singen haben, unter fachkundiger Leitung zur Konzertreife bringen können. Weitere Workshops, zu denen neue Interessent:innen eingeladen sind, starten demnächst im Bildungshaus Puchberg.
Samstag, 6. Juni 2026
Adama Dicko & Seno Blues im Kino Ebensee
Er lebt schon mehr als zehn Jahre in Österreich und stammt aus Burkina Faso: der Sänger und N'Goni-Spieler Adama Dicko, der mit Seno Blues im Kino Ebensee gastiert. Seine Band besteht aus einer Saxophonistin, einem Schlagzeuger, einem Conga-Spieler, einem Bassisten (Emanuel Kopf) und einem E-Gitarristen (Paul Oberndorfer). Schon die ersten Takte zeigen, wohin die Reise geht. Die Band spielt und Adama Dicko singt den von mir so geliebten Sahel-Blues (Desert-Blues) mit seinem treibenden Rhythmus, der mich kaum eine Minute auf meinem bequemen Kino-Sessel verharren lässt, sondern zum Durchtanzen für die Dauer des Konzerts animiert, wie es fast der ganze Saal bald ebenfalls macht. Diese Musik hat etwas Hypnotisches an sich, vor allem verursacht einerseits durch die Gesangsstimme und die Melodien auf der Kamale Ngoni, andererseits durch den eindringlichen Rhythmus, erzeugt von den Drummern und dem Bassisten, der eine besondere akustische Bassgitarre verwendet. Das Kamale Ngoni ist eine westafrikanische Harfenlaute mit bis zu 18 Saiten und einem Korpus aus einem Kalebassenkürbis. Tenorsaxophon und E-Gitarre tragen wesentlich zum vollen Band-Sound bei. Dass Blues und Reggae in Afrika ihre Wurzeln haben, wird mit dieser Musik offenkundig. Nach fast zwei Stunden musikalischer Reise durch die Wüsten und Steppen von Mali und Burkina Faso kommen Musiker und Publikum schließlich zu ihrer wohlverdienten Ruhe. Diese Musik hat mir sehr gut getan.
Donnerstag, 4. Juni 2026
Ella Zirina Trio im Jazzit Salzburg
Sie wird als Rising Star gehandelt, kommt ursprünglich aus Lettland und lebt jetzt in Amsterdam: die Gitarristin Ella Zirina, die mit ihren holländischen Kollegen Felix Moseholm am Kontrabass und Jamie Peet am Schlagzeug im Jazzit auftritt. Sie zeigt sich als Meisterin der feingesponnenen Töne und Akkorde und als Klangmalerin. Ihre Begleiter gehen ebenso behutsam mit ihren Instrumenten um, um das pastellfarbene musikalische Bild nicht zu zerstören. Es geht also recht kammermusikalisch zu, was meine Aufmerksamkeit auf das Spiel der einzelnen Musiker:innen richtet, was mich allerdings auch die Augen schließen lässt, um die Magie dieser Musik als Ganzes auf mich wirken zu lassen. Eigenkompositionen bilden den Schwerpunkt der Vorstellung, allerdings lässt Ella Zirina auch zwei zur Stimmung passende Jazz-Standards erklingen: Billy Strayhorn's "A Flower Is a Lovesome Thing" und George Gershwin's "I Loves You, Porgy". Selten aber doch wird das Spiel der Band etwas schneller und expressiver, kehrt allerding recht schnell wieder zur filigranen Spielweise zurück, bei der ich mich an den feinsten Saitenklängen der Gitarre und auch des Kontrabass erfreuen kann. Tatsächlich hat Ella Zirina mit ihren noch nicht einmal 30 Jahren eine Meisterschaft in ihrem Spiel erreicht, die erstaunlich ist. Die große Begeisterung beim hoch konzentrierten Publikum ist offensichtlich.
Mittwoch, 3. Juni 2026
EKKO III im Schl8hof Wels
Jazzrock (Fusion) der 1970er war nicht so ganz nach meinem Musikgeschmack und daher habe ich mich auch nicht eingehender mit dieser Stilrichtung beschäftigt. Nun ergibt sich ein Berührungspunkt mit diesem Genre im Rahmen der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof. EKKO III nennt sich das Trio mit dem Gitarristen Gerald Gradwohl, dem Bassisten Peter Schönbauer und dem Drummer Walter Sitz. Schon nach den ersten Takten bin ich beeindruckt von der Qualität des Gebotenen, vor allem von den Spielkünsten Gradwohls, der mit Sicherheit einer der Besten ist, die ich je an der E-Gitarre gehört habe. Sowohl was die Soundgestaltung anbelangt als auch die Akkordfolgen und die rasend schnellen Läufe gibt es kaum Spannenderes. Mit seinen Soli erzählt er Geschichten, denen ich aufmerksam zuhöre. Die Bässe von Peter Schönbauer erinnern mich bei manchen Stücken an Synthie-Bässe. Auch er bringt mit seinem Bass durch zahlreiche Effektgeräte interessante Sounds hervor. Der Taktgeber der Band am Drumset spielt recht geradlinig, was der Musik eine sehr relaxte Note verleiht. Dabei fehlt es nicht an reger, offensichtlicher Interaktion zwischen den Musikern. Das Programm besteht aus Eigenkompositionen, nur als Zugabe erklingt schließlich das bekannte Wienerlied "Wann der Herrgott net will" im jazzrockigen Gewand. Das ist Fusion, die auch bei mir bestens ankommt. Denn auch in diesem Genre dürfte gelten: Es gibt nur gute oder schlechte Musik. Diese gehört zur sehr, sehr guten Sorte.
Montag, 1. Juni 2026
"Risikogruppe" im Living Room Salzburg
Jetzt beginnt wieder die Zeit der sonntagabendlichen "Arkadenkultur" in Salzburg, eine Reihe sommerlicher Konzerte und Lesungen, die meist im Living Room Salzburg stattfinden. Der Eröffnungsabend wird bestritten von Musiker:innen, die auch beim "Stubenblues 2.0" mitwirken, allen voran Stefan Schubert (Gitarre und Gesang), der auch Gründungsmitglied beim ursprünglichen "Stubenblues" mit dem leider verstorbenen Willi Resetarits war. Mit diesem Konzert bekomme ich einen Einblick ins Repertoire dieser Bands, und das besteht aus Mundartliedern der Bereiche Rock und Blues mit funkigen und jazzigen Anklängen. Vor allem die Saxophonistin Ilse Riedler sorgt dafür und auch Markus Marageter am E-Piano und an der Hammond-Orgel. Klaus Kircher spielt einen wunderbar geschmeidigen E-Bass und Camillo Jenny besorgt den Beat. Die meisten Titel sind neu für mich, allerdings sind auch zwei mir bekannte Coverversionen darunter: Hannes Wader's Hit "Heute hier, morgen dort" im Wiener Dialekt und Ernst Molden's schöne Ballade "Hameau". Obwohl es bei den Songs eher geradlinig zugeht, dürfen die Beteiligten auch öfter mit beherzten Soli brillieren. Das Ganze spielt sich auf einem qualitativ sehr hohen Niveau ab und wirkt dennoch leicht und spielerisch. Der Publikumsandrang ist groß und die Freude und Begeisterung beim Zuhören ebenso.
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