Die Musikwerkstatt Wels, die es übrigens schon seit 1979 gibt, bringt immer wieder interessante Bands auf die Bühne des Schl8hof Wels. Das Jazztrio Altamira zeichnet sich durch eine besonders unübliche Besetzung aus. Zwischen dem Saxophonisten (Mathias Mayrbäurl) und dem E-Bassisten (Josef Wagner) würde üblicher Weise ein Schlagzeuger seinen Dienst tun, bei Altamira steht allerdings eine Konzertharfe im Mittelpunkt, gespielt von Angela Stummer-Stempkowski. Ganz ungewöhnlich ist die Harfe im Jazz nun aber auch wieder nicht, wenn man an Alice Coltrane denkt oder aktuell z. B. an Brandee Younger, die ich vor gur zwei Jahren im Salzburger Jazzit bestaunen durfte. Natürlich hat eine derartige Besetzung einen ziemlich kammermusikalischen Touch. Dabei geht es um originelle Melodien, feine Nuancen und gute Abstimmung beim Zusammenspiel, wobei die Freiheit der Improvisation durchaus ihren Platz bekommt. Mayrbäurl's Spiel am Sopransaxophon hat mir dabei besonders gut gefallen. Die meisten eher komplexen Kompositionen stammen von Josef Wagner, die expressivste ist von Mathias Mayrbäurl. Nur einmal nehme ich eine mir schon lange bekannte, wunderbare Melodie wahr: Altamira erweist Carla Bley die Ehre, indem die Musiker:innen das 1981 erschienene Stück "Utviklingssang" erklingen lassen, das sich bestens ins Programm einfügt. Altamira bietet Musik, die mich nicht gleich vom ersten Takt an mitnimmt, sondern die erst allmählich ihre volle Wirkung entfaltet und mich einnimmt. Am Ende kann ich dann kaum genug davon kriegen.
Mittwoch, 10. Juni 2026
Sonntag, 7. Juni 2026
LoveJoy Gospel Choir mit Shelia Michellé & Helmut Reiter im Flößersaal Stadl Paura
Es ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Chor höre, der im Bildungshaus Puchberg bei Wels seine Wurzeln hat. Helmut Reiter am Keyboard und die aus Nashville stammende Sängerin Shelia Michellé haben mit etwa 40 sangesfreudigen Frauen und Männern ein buntes Programm aus Gospel-Liedern zusammengestellt, das sie in der Flößerhalle in Stadl Paura präsentieren. Dabei gibt es sowohl Chorpassagen als auch solistische Gesangsstimmen, die sich ergänzen und miteinander verwoben sind. "Hallelujah, Salvation and Glory", "Sing" oder das bekannte "Amazing Grace" sind ein paar Beispiele aus dem Repertoire dieses Chors. Neben dem Gesang sind es auch das Outfit der Sänger:innen und bisweilen auch die originelle Choreographie, die den Reiz der Vorstellung ausmachen. Der LoveJoy Gospel Choir beweist jedenfalls, dass es alle, die Freude am Singen haben, unter fachkundiger Leitung zur Konzertreife bringen können. Weitere Workshops, zu denen neue Interessent:innen eingeladen sind, starten demnächst im Bildungshaus Puchberg.
Samstag, 6. Juni 2026
Adama Dicko & Seno Blues im Kino Ebensee
Er lebt schon mehr als zehn Jahre in Österreich und stammt aus Burkina Faso: der Sänger und N'Goni-Spieler Adama Dicko, der mit Seno Blues im Kino Ebensee gastiert. Seine Band besteht aus einer Saxophonistin, einem Schlagzeuger, einem Conga-Spieler, einem Bassisten (Emanuel Kopf) und einem E-Gitarristen (Paul Oberndorfer). Schon die ersten Takte zeigen, wohin die Reise geht. Die Band spielt und Adama Dicko singt den von mir so geliebten Sahel-Blues (Desert-Blues) mit seinem treibenden Rhythmus, der mich kaum eine Minute auf meinem bequemen Kino-Sessel verharren lässt, sondern zum Durchtanzen für die Dauer des Konzerts animiert, wie es fast der ganze Saal bald ebenfalls macht. Diese Musik hat etwas Hypnotisches an sich, vor allem verursacht einerseits durch die Gesangsstimme und die Melodien auf der Kamale Ngoni, andererseits durch den eindringlichen Rhythmus, erzeugt von den Drummern und dem Bassisten, der eine besondere akustische Bassgitarre verwendet. Das Kamale Ngoni ist eine westafrikanische Harfenlaute mit bis zu 18 Saiten und einem Korpus aus einem Kalebassenkürbis. Tenorsaxophon und E-Gitarre tragen wesentlich zum vollen Band-Sound bei. Dass Blues und Reggae in Afrika ihre Wurzeln haben, wird mit dieser Musik offenkundig. Nach fast zwei Stunden musikalischer Reise durch die Wüsten und Steppen von Mali und Burkina Faso kommen Musiker und Publikum schließlich zu ihrer wohlverdienten Ruhe. Diese Musik hat mir sehr gut getan.
Donnerstag, 4. Juni 2026
Ella Zirina Trio im Jazzit Salzburg
Sie wird als Rising Star gehandelt, kommt ursprünglich aus Lettland und lebt jetzt in Amsterdam: die Gitarristin Ella Zirina, die mit ihren holländischen Kollegen Felix Moseholm am Kontrabass und Jamie Peet am Schlagzeug im Jazzit auftritt. Sie zeigt sich als Meisterin der feingesponnenen Töne und Akkorde und als Klangmalerin. Ihre Begleiter gehen ebenso behutsam mit ihren Instrumenten um, um das pastellfarbene musikalische Bild nicht zu zerstören. Es geht also recht kammermusikalisch zu, was meine Aufmerksamkeit auf das Spiel der einzelnen Musiker:innen richtet, was mich allerdings auch die Augen schließen lässt, um die Magie dieser Musik als Ganzes auf mich wirken zu lassen. Eigenkompositionen bilden den Schwerpunkt der Vorstellung, allerdings lässt Ella Zirina auch zwei zur Stimmung passende Jazz-Standards erklingen: Billy Strayhorn's "A Flower Is a Lovesome Thing" und George Gershwin's "I Loves You, Porgy". Selten aber doch wird das Spiel der Band etwas schneller und expressiver, kehrt allerding recht schnell wieder zur filigranen Spielweise zurück, bei der ich mich an den feinsten Saitenklängen der Gitarre und auch des Kontrabass erfreuen kann. Tatsächlich hat Ella Zirina mit ihren noch nicht einmal 30 Jahren eine Meisterschaft in ihrem Spiel erreicht, die erstaunlich ist. Die große Begeisterung beim hoch konzentrierten Publikum ist offensichtlich.
Mittwoch, 3. Juni 2026
EKKO III im Schl8hof Wels
Jazzrock (Fusion) der 1970er war nicht so ganz nach meinem Musikgeschmack und daher habe ich mich auch nicht eingehender mit dieser Stilrichtung beschäftigt. Nun ergibt sich ein Berührungspunkt mit diesem Genre im Rahmen der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof. EKKO III nennt sich das Trio mit dem Gitarristen Gerald Gradwohl, dem Bassisten Peter Schönbauer und dem Drummer Walter Sitz. Schon nach den ersten Takten bin ich beeindruckt von der Qualität des Gebotenen, vor allem von den Spielkünsten Gradwohls, der mit Sicherheit einer der Besten ist, die ich je an der E-Gitarre gehört habe. Sowohl was die Soundgestaltung anbelangt als auch die Akkordfolgen und die rasend schnellen Läufe gibt es kaum Spannenderes. Mit seinen Soli erzählt er Geschichten, denen ich aufmerksam zuhöre. Die Bässe von Peter Schönbauer erinnern mich bei manchen Stücken an Synthie-Bässe. Auch er bringt mit seinem Bass durch zahlreiche Effektgeräte interessante Sounds hervor. Der Taktgeber der Band am Drumset spielt recht geradlinig, was der Musik eine sehr relaxte Note verleiht. Dabei fehlt es nicht an reger, offensichtlicher Interaktion zwischen den Musikern. Das Programm besteht aus Eigenkompositionen, nur als Zugabe erklingt schließlich das bekannte Wienerlied "Wann der Herrgott net will" im jazzrockigen Gewand. Das ist Fusion, die auch bei mir bestens ankommt. Denn auch in diesem Genre dürfte gelten: Es gibt nur gute oder schlechte Musik. Diese gehört zur sehr, sehr guten Sorte.
Montag, 1. Juni 2026
"Risikogruppe" im Living Room Salzburg
Jetzt beginnt wieder die Zeit der sonntagabendlichen "Arkadenkultur" in Salzburg, eine Reihe sommerlicher Konzerte und Lesungen, die meist im Living Room Salzburg stattfinden. Der Eröffnungsabend wird bestritten von Musiker:innen, die auch beim "Stubenblues 2.0" mitwirken, allen voran Stefan Schubert (Gitarre und Gesang), der auch Gründungsmitglied beim ursprünglichen "Stubenblues" mit dem leider verstorbenen Willi Resetarits war. Mit diesem Konzert bekomme ich einen Einblick ins Repertoire dieser Bands, und das besteht aus Mundartliedern der Bereiche Rock und Blues mit funkigen und jazzigen Anklängen. Vor allem die Saxophonistin Ilse Riedler sorgt dafür und auch Markus Marageter am E-Piano und an der Hammond-Orgel. Klaus Kircher spielt einen wunderbar geschmeidigen E-Bass und Camillo Jenny besorgt den Beat. Die meisten Titel sind neu für mich, allerdings sind auch zwei mir bekannte Coverversionen darunter: Hannes Wader's Hit "Heute hier, morgen dort" im Wiener Dialekt und Ernst Molden's schöne Ballade "Hameau". Obwohl es bei den Songs eher geradlinig zugeht, dürfen die Beteiligten auch öfter mit beherzten Soli brillieren. Das Ganze spielt sich auf einem qualitativ sehr hohen Niveau ab und wirkt dennoch leicht und spielerisch. Der Publikumsandrang ist groß und die Freude und Begeisterung beim Zuhören ebenso.
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