Dienstag, 14. April 2026

Tortoise im Jazzit Salzburg

Bereits in den 1990er Jahren haben Tortoise aus Chicago Berühmtheit erlangt, weil sie als Begründer des Post-Rock gelten. Allerdings habe ich erst jetzt die Gelegenheit, diese fünf Männer live zu erleben (Dan Bitney, John Herndon, Doug McCombs, John McEntire und Jim Elkington). Außer den zwei Drumsets funktionieren in dieser Band alle Instrumente elektronisch, seien es die E-Gitarren oder mehrere Synthesizer-Keyboards und sogar ein Percussion-Pad. So ausgerüstet lassen sich alle möglichen Sounds erzeugen, wobei Bässe (womit auch immer produziert) die dominierende Grundlage bilden. Bässe übernehmen hier meist die Lead-Funktion, d. h., sie führen ein starkes Eigenleben. Über der Grundlage von Bass und Schlagzeug erklingen einfache Tonfolgen mittels E-Gitarre und Keyboards. Die Musik kommt schwerlastig daher, fühlt sich oft bleiern an, lebt von vielen Wiederholungen mit nur kleinen Veränderungen und erinnert mich daher auch phasenweise an Minimal Music eines Philip Glass. Ein paar rhythmischere Nummern gibt es dann doch auch, die mich etwa zum Mitwippen bringen und leichte Anklänge an Tex-Mex-Musik aufweisen. Interessant ist auch der oftmalige Positionswechsel der Musiker, eine Art Instrumentenkarussell, bei dem der Keyboarder zum Schlagzeuger wird oder umgekehrt. Immer wieder entstehen Phasen erhöhter Intensität, es bauen sich Spannungen auf, die sich wieder entspannen. Was dominiert, ist allerdings diese gemächliche Schwere, die sich tatsächlich mit dem Gang einer 300-Kilo-Landschildkröte vergleichen lässt, gut geerdet auf jeden Fall. Tortoise ist schon der richtige Bandname.
 

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