Ein Solo-Klavierabend in der Wohnzimmer-Atmosphäre des Bildungshauses ProDiagonal auf einem Steinway-Flügel (D274?) ist für mich immer ein Hochgenuss, egal um welches Musikgenre (Klassik oder Jazz) es sich gerade handelt. Dieses Mal ist es der aus Philadelphia stammende Pianist John Di Martino, der ein Programm mit klassischem Jazz- und American-Songbook-Repertoire zusammengestellt hat. Komponisten wie Duke Ellington, Billy Strayhorn, George Gershwin, Michel Legrand, Cole Porter, Herbie Hancock, Ornette Coleman u. a. erweist er die Ehre. Und sogar das Beatles-Stück "In My Live" interpretiert er auf seine eigene unvergleichliche Art. Dabei geht es nicht um virtuose Rasanz, sondern um eher sparsames Zur-Schau-Stellen der Essenz der Kompositionen, um Anreicherung mit eigenen Ideen, um das Ausloten aller möglichen Akkordvariationen. Da ist keine Ton zu viel und auch keiner zu wenig. John Di Martino weiß immer um den richtigen Anschlag, um das herrliche Instrument bestmöglich zum Klingen zu bringen und Betonungen nach seiner Manier zu setzen. Die Verehrung der Musik, die Spielfreude in diesem intimen Rahmen vor einem hochkonzentrierten Publikum sind dem Pianisten jeden Moment anzumerken. Die Begeisterung beim Publikum ist ebenso groß. Einen derartigen Konzertgenuss erlebt man schließlich nicht alle Tage.
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