Vor weniger als einem Jahr habe ich den Schlagzeuger Barry Altschul in Triobesetzung in Linz gehört, Joe Fonda am Bass war auch damals schon dabei. Am Klavier kommt dieses Mal Alexander von Schlippenbach dazu sowie an den Klarinetten und am Baritonsaxophon der gebürtige Nürnberger Rudi Mahall. Den habe ich bis jetzt noch nicht erleben dürfen, dafür ist mein Erstaunen darüber umso größer, was dieser Mann musikalisch wie auch körperlich aufzubieten hat. Mit ungeheurer Kraft, Virtuosität und Spielfreude holt er alles heraus aus seinen Instrumenten und unternimmt dabei eine Reise kreuz und quer durch die Jazzgeschichte mit seiner Lieblingshaltestelle im Bebop. Während seiner Improvisationen fallen ihm immer wieder Versatzstücke bekannter Jazzstandards ein (z. B. Ellington's "Just Squeeze Me"), die er auf seine Weise integriert. Die intensiven Phasen seines Spiels werden gespiegelt mittels körperlicher Bewegungen und Verrenkungen, die ein Gesamtkunstwerk entstehen lassen aus Musik und Tanz. Seine Mitmusizierenden sind dabei keine Statisten, sondern gleichberechtigte Teilnehmer mit aktivem Eigenleben und Partner bei der musikalischen Kommunikation. Auch sie treten bisweilen solistisch in den Vordergrund. Das kompositorische Material für die Darbietung stammt hauptsächlich von Thelonious Monk, mit dem sich Schlippenbach ausgiebig beschäftigt und dessen 71 Kompositionen er in seinem Projekt "Monk's Casino" verarbeitet hat, an dem Rudi Mahall übrigens auch beteiligt war. Welche Kraft dieses Quartett mit dem Durchschnittsalter von 75 Jahren entwickelt, ist erstaunlich, die Spielfreude ist enorm, die Anerkennung und Begeisterung beim Publikum ebenso.
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