Meine erste Aufmerksamkeit auf Acapella-Chöre erregten Anfang der 1970er die aus Chicago stammenden "The Singers Unlimited", die vor allem im Jazz-Genre angesiedelt waren. In diesem Zusammenhang sind mir allerdings damals auch schon "The King's Singers" aus England aufgefallen, die es nun schon seit ihrer Gründung im Jahr 1968 gibt. Von den Gründungsmitgliedern ist schon lange keiner mehr dabei. Ihr Repertoire ist sehr breit angelegt und reicht von klassischer Musik über Volkslieder bis zu Popmusik. Ihre Spezialität ist der Close-Harmony-Gesang, der im Jazz der 1920er bis 1940er Jahre z. B. bei den Andrew Sisters als beliebtes Stilmittel Verwendung fand. Das aktuelle Konzert der sechs Männerstimmen (Patrick Dunachie und Edward Button als Countertenöre, Julian Gregory als Tenor, Joseph Edwards und Nich Ashby als Baritone und Piers Connor Kennedy als Bass) im akustisch ausgezeichneten großen Saal der Stiftung Mozarteum widmet sich hauptsächlich Komponisten der Romantik (z. B. Ralph Vaughan Williams, Edward Elgar, Maurice Ravel). Feinste stimmliche Nuancen sind dabei in diesem Konzertsaal auch ohne elektronische Verstärkung gut wahrnehmbar. Von ihren Notenständern befreit legt das Sextett allerdings erst nach dieser Pflichtaufgabe so richtig (und auch mit Körpereinsatz) los. Jetzt darf sich das Publikum am beliebten Close-Harmony- Gesang erfreuen und auch Mozart wird seine Reverenz erwiesen. Der typische englische Humor fehlt bei diesem Auftritt natürlich auch nicht und äußert sich in launigen, deutschsprachigen Ansagen. Das Publikum im ausverkauften Mozarteum zeigt sich von dieser Vorstellung zurecht vollauf begeistert.
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