Ich habe ja schon einmal ein beeindruckendes Jazz-Konzert im barocken Spiegelsaal des Schlosses Puchberg erlebt. Nun hat dort eine Konzertreihe der Schl8hof-Crew eine neue Heimat gefunden. Matthew Halpin, ein in Wien unterrichtender irischer Saxophonist, die Bassistin Beate Wiesinger und der Schlagzeuger Lukas König bilden ein gleichberechtigtes Trio, das modernen, kammermusikalischen Jazz spielt. Die Kompositionen sind geprägt von vielen melodischen Einfällen, die meist recht schnörkellos und subtil umgesetzt werden. Nur gelegentlich steigert sich das Ganze zu heftigeren Ausbrüchen an den Instrumenten. Längere solistische Einlagen gibt es nur selten. Das kollektive Spiel dominiert. Matthew Halpin präsentiert einen recht klaren und reinen Saxophonton, von dem er nur selten abweicht. Das Bassspiel von Beate Wiesinger zeichnet sich sowohl durch Klarheit als auch durch Vielseitigkeit aus. Lukas König ist meist mit originellen Soundbeigaben am Schlagzeug beschäftigt. Besonders gut gefallen hat mir eine Komposition, die sich rhythmisch stark an Tango und Bolero orientiert. Die kompositorisch vorgegebenen Elemente treten bei diesem Trio deutlich in den Vordergrund, die improvisatorischen Freiräume sind eher begrenzt vorhanden. Akustisch wie optisch hat der Saal seine Reize. Es lassen sich die Musiker:innen in den Wandspiegeln auch indirekt beobachten und es gibt architektonisch bedingt einen stärkeren Hall, als man ihn sonst bei Jazzkonzerten gewöhnlich wahrnimmt - durchaus ein schönes Ambiente auch für diese Art von Musik.
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