Sonntag, 17. Mai 2026

Eugene Chadbourne & Dieter Schroeder in der Asta Kneipe Rosenheim

Warum verschlägt es mich nach Rosenheim in eine kleine Kneipe? Schuld daran ist mein Interesse an Eugene Chadbourne, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit John Zorn oder Marc Ribot, dessen Europa-"Spring Can Really Hang You Up The Most"-Tour Österreich leider links liegen gelassen hat. Der in North Carolina lebende Gitarrist, Banjo-Spieler und Sänger hat sich eingehend mit Rock'n'Roll, Blues, Folk, Country & Western sowie Free Jazz und Noise beschäftigt und hat aus der Verbindung dieser Stile etwas ganz Eigenes gemacht. In der Asta Kneipe wird er unterstützt vom deutschen Schlagzeuger (Dieter) Schroeder. Er selbst spielt auf der E-Gitarre und auf einem 4-saitigen Banjo. Neben eigenem Material interpretiert er zum Beispiel den titelgebenden Song dieser Tournee und gleich darauf den "Summertime Blues" von Eddie Cochran, dem er eine Country-Schnulze (Willie Nelson's "My Broken Heart Belongs To You") folgen lässt. Sowohl seinen markanten Gesang als auch sein virtuoses, exaltiertes Saitenspiel setzt er dazu ein, die musikalischen Vorlagen zu dekonstruieren und auf seine schrullige Weise wieder zusammenzusetzen. Seine Improvisationen auf Gitarre und Banjo wirken dabei wie vertrackte Verschnörkelungen, die mich sogar etwas an Barockmusik erinnern. Obwohl es oft der Anschein entsteht, als würde er sich über die dargebotenen Sücke lustig machen, ist seine tiefe Liebe zu diesen Liedern deutlich zu spüren. In seiner Schlussnummer verbindet er schließlich scheinbar unüberwindliche Gegensätze wie Mordlust und Friedenssehnsucht und beendet das Ganze mit besten Neujahrswünschen. Sein musikalischer Partner am Schlagzeug meint über ihn, Eugene Chadbourne stelle beim Spielen immer noch so ziemlich alles in Frage, was er, Schroeder, über Musik zu wissen glaubte. Vielleicht ist es gerade das, was mich an Eugene Chadbourne so interessiert.

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