Mittwoch, 29. April 2026
"Die dritte Luft oder Eine Bühne am Meer" von Christoph Ransmayr
Immer wieder einmal werde ich gefragt, was denn "Die dritte Luft" (so der Name dieses Kultur-Blogs) bedeute und was denn die anderen zwei Lüfte seien. Inspiriert hat mich bei der Titelwahl die Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 1997 des österreichischen Schriftstellers Christoph Ransmayr, die im gleichen Jahr auch als 26-seitiges Büchlein im S. Fischer Verlag erschienen ist. Darin ist von einer Plattform am Meer an der Südküste von Irland die Rede, die früher als Bühne für allerlei kulturelle Veranstaltungen genutzt worden ist. Sie ist jetzt verwaist, der Besitzer hat die Liegenschaft verkauft, als er nach Australien ausgewandert ist, die aktuelle Besitzerin ist eine kranke Greisin, die der Erzähler mit deren Sohn besucht. In indirekter Rede zitiert nun der Erzähler ihren Sohn. "Jeder Mensch lebe schließlich bis zu seinem Ende in drei Lüften." Die erste sei die des Anfangs, der Geruch der Haut der Mutter, die zweite sei die der weiteren Umgebung, der Natur und der menschlichen Aktivität. "Aber erst in der dritten Luft werde ergänzt und hinzugefügt, was zum vollständigen Bild der Welt noch fehle, erst in der Luft der Plattformen, Tanzsäle und Theater, der Kinos und wohl auch rauchiger Pubs, der Luft der Geschichten und der Verzauberung des Lebens in Lieder, verwandle sich beispielsweise ein ganzes Meer in ein einziges Wort, in eine Melodie, und rausche aus diesem Wort wieder hervor." Von dieser Luft berichtet dieser Blog.
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