Freitag, 29. Mai 2026

John Di Martino im ProDiagonal Lambach

Ein Solo-Klavierabend in der Wohnzimmer-Atmosphäre des Bildungshauses ProDiagonal auf einem Steinway-Flügel (D274?) ist für mich immer ein Hochgenuss, egal um welches Musikgenre (Klassik oder Jazz) es sich gerade handelt. Dieses Mal ist es der aus Philadelphia stammende Pianist John Di Martino, der ein Programm mit klassischem Jazz- und American-Songbook-Repertoire zusammengestellt hat. Komponisten wie Duke Ellington, Billy Strayhorn, George Gershwin, Michel Legrand, Cole Porter, Herbie Hancock, Ornette Coleman u. a. erweist er die Ehre. Und sogar das Beatles-Stück "In My Live" interpretiert er auf seine eigene unvergleichliche Art. Dabei geht es nicht um virtuose Rasanz, sondern um eher sparsames Zur-Schau-Stellen der Essenz der Kompositionen, um Anreicherung mit eigenen Ideen, um das Ausloten aller möglichen Akkordvariationen. Da ist keine Ton zu viel und auch keiner zu wenig. John Di Martino weiß immer um den richtigen Anschlag, um das herrliche Instrument bestmöglich zum Klingen zu bringen und Betonungen nach seiner Manier zu setzen. Die Verehrung der Musik, die Spielfreude in diesem intimen Rahmen vor einem hochkonzentrierten Publikum sind dem Pianisten jeden Moment anzumerken. Die Begeisterung beim Publikum ist ebenso groß. Einen derartigen Konzertgenuss erlebt man schließlich nicht alle Tage.
 

Donnerstag, 28. Mai 2026

Halpin/Wiesinger/König im Schloss Puchberg

Ich habe ja schon einmal ein beeindruckendes Jazz-Konzert im barocken Spiegelsaal des Schlosses Puchberg erlebt. Nun hat dort eine Konzertreihe der Schl8hof-Crew eine neue Heimat gefunden. Matthew Halpin, ein in Wien unterrichtender irischer Saxophonist, die Bassistin Beate Wiesinger und der Schlagzeuger Lukas König bilden ein gleichberechtigtes Trio, das modernen, kammermusikalischen Jazz spielt. Die Kompositionen sind geprägt von vielen melodischen Einfällen, die meist recht schnörkellos und subtil umgesetzt werden. Nur gelegentlich steigert sich das Ganze zu heftigeren Ausbrüchen an den Instrumenten. Längere solistische Einlagen gibt es nur selten. Das kollektive Spiel dominiert. Matthew Halpin präsentiert einen recht klaren und reinen Saxophonton, von dem er nur selten abweicht. Das Bassspiel von Beate Wiesinger zeichnet sich sowohl durch Klarheit als auch durch Vielseitigkeit aus. Lukas König ist meist mit originellen Soundbeigaben am Schlagzeug beschäftigt. Besonders gut gefallen hat mir eine Komposition, die sich rhythmisch stark an Tango und Bolero orientiert. Die kompositorisch vorgegebenen Elemente treten bei diesem Trio deutlich in den Vordergrund, die improvisatorischen Freiräume sind eher begrenzt vorhanden. Akustisch wie optisch hat der Saal seine Reize. Es lassen sich die Musiker:innen in den Wandspiegeln auch indirekt beobachten und es gibt architektonisch bedingt einen stärkeren Hall, als man ihn sonst bei Jazzkonzerten gewöhnlich wahrnimmt - durchaus ein schönes Ambiente auch für diese Art von Musik.
 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Triol im Schl8hof Wels

Wie so viele Jazzbands aus Österreich ist auch dieses Trio in der Studienzeit (beim Studium an der BrucknerUni) entstanden. Die drei Tiroler Studenten haben sich zum Trio Tirol zusammengefunden und sich später in Triol umbenannt. Das sind Andreas Tentschert an Klavier und Synthesizer, Walter Singer am Kontrabass und Florian Baumgartner an den Drums. Die Band, die nur Eigenkompositionen zum Besten gibt, spielt Modern Jazz auf eine recht persönliche, eigenwillige Art. Dazu tragen auch die subtilen elektronischen Sounds des Pianisten bei, die manchen Stücken eine besondere Atmosphäre verleihen. Zwischen den Musikern herrscht Gleichberechtigung, wobei allerdings Andreas Tentschert doch den größeren Improvisationsspielraum zur Verfügung hat und dabei Vorbilder wie Herbie Hancock und McCoy Tyner aufblitzen. Seinen solistischen "Erzählungen" höre ich dabei gespannt zu. Überhaupt ist das Spiel der Gruppe vom Beginn bis zum Ende von Spannung und auch von überraschenden Wendungen geprägt. Ein wahres rhythmisches Glanzstück ist der Titel "Jazzi", ebenso rhythmisch stark bewegt geht es auch beim Stück "Shinkansen" zu, wobei der japanische Schnellzug in Wirklichkeit doch etwas ruhiger unterwegs sein dürfte. Auch Bassist und Schlagzeuger stellen ihre Solo-Künste unter Beweis. Als Zugabe gibt es ein wunderbares Arrangement der Jimi-Hendrix-Nummer "Hey Joe", mit dem das Konzert zur großen Zufriedenheit des erfahrenen Jazz-Publikums im Schl8hof Wels endet.
 

Dienstag, 26. Mai 2026

RAT Big Band mit George Nussbaumer und den Movida Sisters in der Spinnerei Traun

Der österreichische Soul- und Gospelsänger George Nussbaumer war mir bisher völlig unbekannt, und das, obwohl er im Jahr 1996 Österreich beim Eurovision Song Contest mit einem Lied in Vorarlberger Mundart vertreten hat. Nun erlebe ich den blinden Mann mit seiner beeindruckenden Stimme zum ersten Mal mit der RAT Big Band unter der Leitung von Hermann Miesbauer und den drei "Movida Sisters". Dieses große Musiker:innen-Aufgebot bietet ein buntes Programm von Songs aus dem Pop-, Soul- und Jazzbereich, darunter auch viele Titel, die auch Ray Charles interpretiert hat. Besonders freut es mich, dass dabei auch "The Long And Winding Road" von den Beatles, "Feels Like Home" von Randy Newman, "How Long Has This Been Going On?" von George Gershwin und "What A Wonderful World" (bekannt durch Louis Armstrong) erklingen. Die gelungenen Arrangements dazu haben George Nussbaumer und Hermann Miesbauer gemeinsam erarbeitet. Sowohl optisch als auch akustisch aufgewertet wird das Ganze durch die "Movida Sisters" mit ihrem gekonnten Close-Harmony-Gesang und einer ansprechenden Choreographie. Kurze Solo-Einlagen einzelner Bandmitglieder bereichern die Darbietung zusätzlich. Die Freude der Musiker:innen am Präsentieren dieses ausgesuchten Repertoires ist jeden Moment spürbar und lässt den Funken überspringen auf das Publikum im Saal der Spinnerei Traun, das den Aufführenden großen Beifall spendet.
 

Freitag, 22. Mai 2026

Hazmat Modine im Jazzit Salzburg

Es ist schon länger her (acht Jahre?), dass ich die New Yorker Band Hazmat Modine im Schl8hof Wels gesehen habe. Jetzt ist sie im Jazzit zu Gast. Die Band ist tief verwurzelt in der amerikanischen Folk-Musikkultur, im Blues und auch im Jazz, was sich auch an der Instrumentierung zeigt. Da gibt es eine Geigerin, die auch singt (Daisy Castro), einen Gitarristen und Sänger mit starkem Roots-Music-Einschlag (Erik Della Penna), einen Sousaphon-Bläser wie in den US-Marching-Bands (Kenneth Bentley Jr.), einen Schlagzeuger mit Latin-Erweiterung (Varun Das), eine Trompeterin (Pamela Fleming) und einen Saxophonisten (Steve Elson) wie aus einer Jazz-Band und schließlich den Frontman, Sänger und Mundharmonikaspieler (Wade Schuman), der auch den gekonnten Entertainer abgibt. Gute Unterhaltung ist überhaupt das Hauptanliegen des Septetts aus NYC, und das gelingt Hazmat Modine auch hervorragend. Sowohl die Qualität der Songs und ihre Betonung auf Rhythmik als auch die Offenheit für die Improvisationslust der Bandmitglieder tragen zur emotionalen Erweckung des Publikums vom ersten Takt an bei. Große Spielfreunde und große Freude beim Zuhören ergänzen und steigern sich zu einem wunderbaren Konzerterlebnis. Nicht allzu oft herrscht eine derartige Hochstimmung im vollen Jazzit-Saal.
 

Sonntag, 17. Mai 2026

Eugene Chadbourne & Dieter Schroeder in der Asta Kneipe Rosenheim

Warum verschlägt es mich nach Rosenheim in eine kleine Kneipe? Schuld daran ist mein Interesse an Eugene Chadbourne, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit John Zorn oder Marc Ribot, dessen Europa-"Spring Can Really Hang You Up The Most"-Tour Österreich leider links liegen gelassen hat. Der in North Carolina lebende Gitarrist, Banjo-Spieler und Sänger hat sich eingehend mit Rock'n'Roll, Blues, Folk, Country & Western sowie Free Jazz und Noise beschäftigt und hat aus der Verbindung dieser Stile etwas ganz Eigenes gemacht. In der Asta Kneipe wird er unterstützt vom deutschen Schlagzeuger (Dieter) Schroeder. Er selbst spielt auf der E-Gitarre und auf einem 4-saitigen Banjo. Neben eigenem Material interpretiert er zum Beispiel den titelgebenden Song dieser Tournee und gleich darauf den "Summertime Blues" von Eddie Cochran, dem er eine Country-Schnulze (Willie Nelson's "My Broken Heart Belongs To You") folgen lässt. Sowohl seinen markanten Gesang als auch sein virtuoses, exaltiertes Saitenspiel setzt er dazu ein, die musikalischen Vorlagen zu dekonstruieren und auf seine schrullige Weise wieder zusammenzusetzen. Seine Improvisationen auf Gitarre und Banjo wirken dabei wie vertrackte Verschnörkelungen, die mich sogar etwas an Barockmusik erinnern. Obwohl es oft der Anschein entsteht, als würde er sich über die dargebotenen Sücke lustig machen, ist seine tiefe Liebe zu diesen Liedern deutlich zu spüren. In seiner Schlussnummer verbindet er schließlich scheinbar unüberwindliche Gegensätze wie Mordlust und Friedenssehnsucht und beendet das Ganze mit besten Neujahrswünschen. Sein musikalischer Partner am Schlagzeug meint über ihn, Eugene Chadbourne stelle beim Spielen immer noch so ziemlich alles in Frage, was er, Schroeder, über Musik zu wissen glaubte. Vielleicht ist es gerade das, was mich an Eugene Chadbourne so interessiert.

Samstag, 16. Mai 2026

Allan Praskin Quartett im Rossstall Lambach

Der aus Los Angeles stammende, 77-jährige Altsaxophonist Allan Praskin lebt schon seit über 50 Jahren in Europa (zurzeit in Berlin) und hat viele Jahre an der Bruckner-Uni unterrichtet. Hatte es sich in den 1960er noch dem Free-Jazz verschrieben, so spielt er nun Modern Jazz auf höchstem Niveau. Seine Mitglieder im Quartett sind die in der österreichischen Jazzszene beheimateten Oliver Kent am Klavier, Johannes Strasser am Kontrabass und Mario Gonzi am Schlagzeug. Sichtlich erfreut über diesen großartigen Rückhalt kann Praskin seine Improvisationskünste voll entfalten. Sein Spiel beeindruckt durch eine ganz eigenständige Phrasierungsweise und großer Kreativität. Er ist einer jener Sorte von musikalischen "Erzählern", denen ich stundenlang lauschen und auf die Finger schauen könnte. Neben ein paar Eigenkompositionen werden auch bekannte Stücke der Jazzliteratur interpretiert, wie z. B. Burt Bacharach's "Alfie", Cy Coleman's "Witchcraft", Duke Ellington's "Prelude to a Kiss" (eines meiner Lieblingslieder) und der schöne Jazz-Walzer "Fire Waltz" von Mal Waldron. Natürlich kommen auch Praskin's musikalische Partner mit viruosen Soloeinlagen voll zum Zug. Was insgesamt dabei herauskommt, ist Musik, wie ich sie mir schöner und gekonnter nicht vorstellen kann. Allen Praskin's Bühnenpräsenz zeigt mir einen Mann, dessen höchste Freude es ist, sich hier musikalisch entfalten und gleichzeitig die Begleitung seiner Band voll genießen zu dürfen. So viel Glück strahlt selten ein Musiker von der Bühne herab aus. Ebenso glücklich scheint die begeisterte Zuhörerschaft an diesem Abend im Rossstall Lambach gewesen zu sein.
 

Donnerstag, 14. Mai 2026

Marie Spaemann und Christian Bakanic im Kulturraum Alte Kirche Marchtrenk

Sowohl Marie Spaemann (Cello und Gesang) als auch Christian Bankanic (Akkordeon und E-Piano) kenne ich schon von früheren Auftritten. Als Duo sehe ich sie jetzt zum ersten Mal im Kulturraum Alte Kirche in Marchtrenk, die als Konzertsaal genutzt wird. Es ist ein recht gemischtes Programm, das die Beiden bieten. Instrumentalstücke mit häufigen Tango-Anklängen und klassisch-romantischen Passagen wechseln ab mit Liedern von Marie Spaemann, die Christian Bakanic dann am Klavier begleitet. Spaemann begleitet sich dabei auch selbst am Cello oder legt es auch einmal ganz weg. Stilistisch bewegen sich die Songs im Bereich Soul, Jazz und Pop. Inhaltlich sind sie oft recht philosophisch gehalten, reflektieren das gesellschaftliche Miteinander und bedienen auch Naturmetaphern. Das Cello wird mehr gezupft als gestrichen, wobei mir die langsamen Bogenstriche naturgemäß mehr unter die Haut gehen und Emotionen wecken. Die Affinität zum Tango, die beide nicht verleugnen können, zeigt sich auch nach lang anhaltendem Applaus bei der letzten Zugabe, der Tango Etüde Nr. 3 von Astor Piazolla. Mit dessen Kompositionen kann man mir die größte Freude bereiten.
 

Mittwoch, 13. Mai 2026

Nova im Schl8hof Wels

Eine Nova ist ein Helligkeitsausbruch in einem Doppelsternsystem und auch der Name eines Schweizer Jazz-Trios, das sich den Vorgängen im Weltall verschrieben hat und diese musikalisch darstellen will. Christian Zatta bedient dabei die E-Gitarre, Thomas Tavano den 6-saitigen E-Bass und Florian Hoesl das Schlagzeug. Was dabei heraukommt, ist eine durchaus wohltuende, melodiös schmeichelnde Musik mit Jazz-Rock-Anklängen und wunderbaren, elektronisch unterstützten Instrumenten-Sounds. Der Gitarrist und Bandleader Christian Zatta sticht dabei hervor mit virtuosem tonalen Spiel, dem ich "ewig" zuhören könnte, da seine solistischen Erzählungen nie langweilig werden. Auch der Bassist entwickelt bisweilen ein reges Eigenleben und zeigt unterschiedliche Formen des Bassspiels, Walking Bass und funky Bass-Lines inklusive. Auch das Schlagzeug kommt gelegentlich solistisch zum Zug. Meist herrscht allerdings gleichberechtigtes Treiben, das einen melodischen Teppich vor den Zuschauern ausbreitet, der durchaus auch überraschende Brüche beinhalten kann. Die Konzerte von Nova sind oftmals durch visuelle Effekte unterstützt und finden des Öfteren in Planetarien statt. Auch ohne diesen Weltall-Background - oder gerade deswegen - ergreift mich die Schönheit der Nova-Klänge recht direkt und erzeugt ein wohliges Gefühl in mir: Musik, die gut ist und gut tut. Was will ich mehr.
 

Montag, 11. Mai 2026

The King's Singers in der Stiftung Mozarteum Salzburg

Meine erste Aufmerksamkeit auf Acapella-Chöre erregten Anfang der 1970er die aus Chicago stammenden "The Singers Unlimited", die vor allem im Jazz-Genre angesiedelt waren. In diesem Zusammenhang sind mir allerdings damals auch schon "The King's Singers" aus England aufgefallen, die es nun schon seit ihrer Gründung im Jahr 1968 gibt. Von den Gründungsmitgliedern ist schon lange keiner mehr dabei. Ihr Repertoire ist sehr breit angelegt und reicht von klassischer Musik über Volkslieder bis zu Popmusik. Ihre Spezialität ist der Close-Harmony-Gesang, der im Jazz der 1920er bis 1940er Jahre z. B. bei den Andrew Sisters als beliebtes Stilmittel Verwendung fand. Das aktuelle Konzert der sechs Männerstimmen (Patrick Dunachie und Edward Button als Countertenöre, Julian Gregory als Tenor, Joseph Edwards und Nich Ashby als Baritone und Piers Connor Kennedy als Bass) im akustisch ausgezeichneten großen Saal der Stiftung Mozarteum widmet sich hauptsächlich Komponisten der Romantik (z. B. Ralph Vaughan Williams, Edward Elgar, Maurice Ravel). Feinste stimmliche Nuancen sind dabei in diesem Konzertsaal auch ohne elektronische Verstärkung gut wahrnehmbar. Von ihren Notenständern befreit legt das Sextett allerdings erst nach dieser Pflichtaufgabe so richtig (und auch mit Körpereinsatz) los. Jetzt darf sich das Publikum am beliebten Close-Harmony- Gesang erfreuen und auch Mozart wird seine Reverenz erwiesen. Der typische englische Humor fehlt bei diesem Auftritt natürlich auch nicht und äußert sich in launigen, deutschsprachigen Ansagen. Das Publikum im ausverkauften Mozarteum zeigt sich von dieser Vorstellung zurecht vollauf begeistert.
 

Freitag, 8. Mai 2026

Wolfgang Muthspiel Chamber Trio im Alten Kino St. Florian

Es hat ja relativ lange gedauert, bis ich den österreichischen Geitarristen Wolfgang Muthspiel zum ersten Mal live zu Gesicht bekommen habe, in letzter Zeit haben sich meine Muthspiel-Sichtungen allerdings gehäuft. Mit seinem "Chamber Trio" ist er mir jetzt zum ersten Mal begegnet. Es besteht aus dem Schweizer Pianisten Colin Vallon und dem mir recht gut bekannten steirischen Trompeter Mario Rom. Die drei Instrumentalisten wirken recht organisch zusammen und ergänzen sich gegenseitig zu einem Klanggebilde der recht angenehmen Art. Meist sticht Wolfgang Muthspiel mit seinen Improvisationen auf der Gitarre hervor, bisweilen Mario Rom mit seiner Trompete, eher selten tritt Colin Vallon am Flügel solistisch in Erscheinung. Die Kompositionen sind rhythmisch meist recht anspruchsvoll mit allerhand weltmusikalischen Einflüssen. Während Trompete und Klavier völlig ohne elektronische Hilfsmittel auskommen, setzt Muthspiel bisweilen doch auf subtile elektronische Unterstützung, auch was das fehlende Schlagzeug betrifft. Es ist nicht der Abend großer Ausbrüche, sondern der Schönheit und Virtuosität im begrenzten Rahmen, Kammerjazz also, wie ihn ja schon der Bandname verspricht. Das Publikum belohnt die Musizierenden mit höchster Aufmerksamkeit und viel Applaus am Ende des Konzerts.
 

Donnerstag, 7. Mai 2026

Nils Petter Molvaer Trio im Jazzit Salzburg

Der norwegische Trompeter Nils Petter Molvaer ist bereits 1997 mit seinem Album-Debut "Khmer" in Erscheinung getreten, das auch gleich den Preis der deutschen Schallplattenkritik einheimste. Fast 30 Jahre später erlebe ich den Norweger nun mit seinem Trio (Jo Berger Myhre, Bassgitarre und Erland Dahlen, Percussion) im Salzburger Jazzit zum ersten Mal live. Er hat einen eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt, der auf elektronische Hilfsmittel sowohl beim Trompetensound wie auch im Bassbereich setzt. Heraus kommen dabei einerseits sphärische Trompetenklänge und Dub-Elemente bei den tiefen Frequenzen. Das Ganze hat eine magische Anziehungskraft und kann durchaus tranceartig wirken. Die Bandbreite, was Intensität und Lautstärke betriffe, ist enorm und reicht von sanften, melodischen Tönen bis zu exsaltierten Ausbrüchen aller Beteiligten. Was die Soundgebung anbelangt, ist alles genauestens kalkuliert, nichts passiert zufällig. Die dem Jazz eigene Improvisation hat dabei Raum genug, um sich zu entfalten, und zwar bei allen Bandmitgliedern. Der Percussionist und Schlagzeuger hat dafür auch ein besonders breites Angebot an metallischen Klängen (wie z. B. große Glocken) zur Verfügung. Selten erzeugen Klänge bei mir derart angenehme Gefühle wie jene dieses Trios. Es ist, als würde ich ein Klangbad nehmen. "Future Jazz" nannte die Kritik das, was Nils Petter Molvaer hervorgebracht hat. Eine Zukunft voller Schönheit und Wärme.
 

Montag, 4. Mai 2026

Frankie & Kelman Duran, pmxper und Alan Sparhawk (of Low) im Klangraum Krems

Für mich ist es nun schon zur angenehmen Gewohnheit geworden, jedes Jahr einen Konzertabend beim Donaufestival zu verbringen, und zwar im Klangraum Krems, der reizvollen, zur Konzertlocation umfunktionierten Minoritenkirche in Stein an der Donau. Dieses Mal sind drei Liveacts am Programm. Das Duo Franziska Aigner (alias Frankie, Cello und Gesang) und der aus der Dominikanischen Republik stammende Kelman Duran (Electronics) und pmxper, bestehend aus Pavel Milyakov (E-Gitarre) und Aleksandra Zakharenko (alias Perila, Electronics und Stimme) verfolgen ähnliche Projekte. Elektronische, besonders bei Kelman Duran recht basslastige Sounds werden kombiniert mit ebenfalls elektronisch verfremdeten Instrumenten und Stimmen. Ins Rhythmische verfallen beide Duos kaum, vielmehr werden Soundteppiche gelegt, auf denen zusätzliche vokale und instrumentale Ereignisse stattfinden. Dramaturgisch hatten Frankie & Kelman Duran dabei mehr zu bieten als pmxper. Das Cellospiel von Frankie hat mich dabei stärker beeindruckt als Milyakov's Gitarrensounds. In eine ganz andere Richtung geht es dann beim Trio (E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug) des US-amerikanischen Gitarristen und Sängers Alan Sparhawk. Herzzerreißend vorgetragene, melodisch einfache Songs sind das Markenzeichen Sparhawk's in Verbindung mit ins Extreme verfallenden, lang anhaltenden  Gitarren- und Schlagzeugausbrüchen. Obwohl die Melodien einfach gestrickt sind, ist immer ein schräger, irritierender Unterton dabei, der sie zu anspruchsvollen Kunstwerken werden lässt. Alan Sparhawk (den ich bisher nicht gekannt habe) ist ein Künstler, der mir viel zu sagen hat und dessen musikalischen Erzählungen ich ergreifend finde. Der dritte Tag des insgesamt sechstägigen Festivals findet damit seinen krönenden Abschluss.

Sonntag, 3. Mai 2026

Debasish Gangopadhyay & Paul Zauner im Rossstall Lambach

Seit ich in den 1970er Jahren Ravi Shankar, den bekanntesten Vertreter klassischer indischer Musik, auf Platte gehört habe, hat mich die Faszination dieser Musik nicht mehr losgelassen. In den 1980ern hatte ich dann das erste Mal die Gelegenheit, indische Musiker live auf der Bühne im Kammerhofsaal in Gmunden zu erleben. Dank des Inntöne-Organisators und Posaunisten Paul Zauner kann ich nun schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit den Sitar-Virtuosen Debasish Gangopadhyay im Rossstall Lambach bestaunen. Die ersten 40 Minuten bestreitet dieser durchgehend allein auf seinem komplexen, an Obertönen reichen Instrument. Anfangs zart, langsam und sparsam an Tönen entfaltet sich ein immer facetten- und variantenreicheres Klanggemälde, das die gesamte Bandbreite des Instruments ausschöpft, in höchster Intensität gipfelt und allmählich wieder zur angestammten Ruhe zurückkehrt. Nach dieser musikalischen Höchstleistung ist erst einmal Pause. Im zweiten Set gesellt sich dann Paul Zauner auf der Posaune dazu und jazzigere Klänge verbinden sich organisch mit den Sitar-Lauten, ein magisch anmutendes Miteinander entsteht. Den Abschluss des Konzerts bildet wieder ein Solo-Vortrag von Debasish Gangopadhyay. Was das Sitar-Spiel musikalisch so interessant macht, ist neben des Oberton-Reichtums auch die Möglichkeit durch das seitliche Ziehen der Saiten auf den Bünden die Tonhöhe fließend zu zu verändern, was Verzierungen und Glissandi ermöglicht. Dass musikalische Welten nicht so weit auseinander liegen, wie man vielleicht glauben könnte, beweist dieses Konzert. Im Gegenteil, Musik ist jene Kraft, die die Welt vereint.