Freitag, 24. April 2026

Amor & Psyche? im Musiktheater Linz

Obwohl ich in meiner Jugend so gut wie gar nicht sozialisiert worden bin, was Ballett anbelangt, so entwickle ich mich mit fortschreitendem Alter immer mehr zum Ballett-Liebhaber. Vielleicht weil es eine wesentlich offenere Kunstform ist als z. B. Sprech- und auch Musiktheater. Und es funktioniert mit Musik, meiner präferierten künstlerischen Ausdrucksform. Was macht nun das Ballettstück "Amor & Psyche?" von Jeroen Verbruggen so speziell? Es sind natürlich in erster Linie die Choregraphie für die 14 beteiligten Tänzer:innen und deren künstlerisch-athletischen Leistungen. Viele der Figuren spielen sich am Boden ab, das Stück ist sozusagen recht "geerdet", obwohl es bisweilen auch zu dramatischen Zuspitzungen und Höhenflügen kommt. 70 Minuten lang herrscht ständige rasante Bewegung, langsame Passagen sind selten. Die junge Frau mit der Aktentasche (Psyche) verfällt schließlich dem Mann mit dem Pfeil (Amor) und macht eine Wandlung und Reifung durch. Musikalisch ist das Werk ebenfalls recht interessant. Das Bruckner-Orchester, geleitet von Ingmar Beck, intoniert recht unterschieliche Genres von Musik von der Klassik über die Romantik bis zur Moderne. Eine wunderbare Version von "Greensleevs" ertönt unter anderem und dann lateinamerikanische Rhythmen von Jimmy López. Dazwischen gibt es Stücke von Charles Ives, Gabriel Faurè, Maurice Ravel, Ralph Vaughan Williams, Thomas Adès, Lukas Foss und Johann Paul von Westhoff. Nicht alles macht das Brucknerorchester selbst. Manches wird auch per Playback zugespielt, z. B. ein berührendes Lied der griechischen Sängerin Alkistis Protopsalti. Musik und körperlicher Ausdruck durch Bewegung sprechen einen Bereich im Menschen an, der sich weit davon entfernt befindet, was wir rational begreifen können. Vielleicht ist es gerade das, was mich an Musikballett so berührt.
 

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