Samstag, 28. März 2026

Marialy Pacheco im Atrium Bad Schallerbach

Diese aus Kuba stammende und jetzt in Deutschland lebende Pianistin ist mir schon vor längerer Zeit aufgefallen durch ihre Beiträge in sozialen Medien. Der Gelegenheit, sie live im Atrium im Rahmen des Musiksommers Bad Schallerbach zu erleben, komme ich nun mit Freude nach. In Kuba zur klassischen Pianistin und Komponistin ausgebildet ist sie durch den Kontakt mit Alben von Keith Jarrett zur Improvisation und zum Jazz gelangt. Ihre Begeisterung für den großen Pianisten wird auch dadurch deutlich, dass sie mehrere Stücke mit Bezug auf ihn im Programm hat, z. B. das wunderbare "My Song", das auch in meiner Vinyl-Plattensammlung nicht fehlt. Auch kubanische Musik steht natürlich am Programm, sowohl aus dem Bereich der Volksmusik als auch aus der klassischen kubanischen Musik. Marialy Pacheco ist eine Musikerin, die ihr Herz nicht nur musikalisch ausschüttet, sondern auch mittels Ansprachen an das Publikum, in denen sie viel über sich und ihre Liebe zur Musik erzählt. Wie stark sie sich dem Jazz und seinen Wurzeln verbunden fühlt, zeigt sie auch in einem Blues von Luther Allison. Die Schönheit der dargebotenen Musik nimmt mich ganz gefangen, was wohl auch daran liegt, dass die Pianistin sich ganz ihrem musikalischen Vortrag hingibt. Musik zu machen sei für sie eine Artikulation von Liebe. Dem kann ich nur zustimmen.
 

Dienstag, 24. März 2026

M-Jam im OKH Vöcklabruck

M-Jam, die Jam-Session der Landesmusikschule (LMS) Vöcklabruck gemeinsam mit der Jazzgruppe des OKH, ist dieses Mal besonders gut besucht. Nach einer kurzen Aufwärmphase durch Lehrende an der LMS läuft ein buntes Programm ab mit unterschiedlichen Formationen von Musiker;innen, vom Jazz-Septett bis zum Solovortrag eigener Songs. Immer wieder stehen die Lehrpersonen den mutigen Songinterpret:innen hilfreich zur Seite. Ein Erfolgserlebnis ist jedem sicher, der es wagt, sich musizierend zu beteiligen. Ohne Leerläufe entfaltet sich vor dem interessierten Publikum ein Musikprogramm, dem man gerne zuhört. In angenehmer Atmosphäre haben beide Seiten ihren Spaß daran, jene, die mitmachen, genauso wie die Zuhörerschaft.
 

Montag, 23. März 2026

Klezmatics im Schl8hof Wels

Vor 40 Jahren ist diese New Yorker Band gegründet worden, und ich erinnere mich noch gut an das erste Album "Jews with Horns". Jüdische Musik ist seither mit dem Jazz immer wieder in Berührung gekommen und teils verschmolzen. John Zorn hat durch sein damals gegründetes Label "Tzadik" einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Mich hat Klezmer-Musik oft beeindruckt, sei es bei einem Live-Konzert von "Kletka Red" im Schl8hof oder Alben von "Kroke" zu Hause. Umso schöner ist es, die "Klezmatics" nun live zu erleben. Schon mit dem ersten Lied bin ich wieder drin in der sentimentalen Gefühlswelt jüdischer Lieder. Lorin Sklamberg's Gesang (auch am Akkordeon und am Klavier) übt eine magische Anziehungskraft aus. Bald verlässt die sechsköpfige Band, mit Frank London (Trompete und Keyboard), Lisa Gutkin (Geige), Matt Darriau (Saxophon und Klarinette), Paul Morrissett (E-Bass) und David Licht (Schlagzeug) die Grenzen des traditionellen jüdischen Liedes und reichert die Musik an mit diversen weltmusikalischen Elementen bis hin zum Jazz, der auch das freie Improvisierten erlaubt. Vor allem rhythmisch hat die Band eine Vielfalt und Komplexität zu bieten, die mich bald nicht mehr ruhig am Sessel sitzen lässt, sondern zum Tanzen reizt. Auf welcher Seite die Band gesellschaftlich steht, wird schon allein durch die Aufschrift auf Frank London's Sakko deutlich: "No pasaran", dem Slogan gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Faschismus aus Spanischen Bürgerkrieg in Kombination mir der geballten Faust. Dazu passend haben "Klezmatics" in dem Song "Un Du Ackerst" die bekannten Verse des revolutionären Dichters Georg Herwegh vertont: "Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will." Klezmatics nehmen mich mit, üben eine Faszination auf mich aus und setzen mich körperlich wie emotional in Bewegung. Mit ihnen ist es leicht, ein Fest zu feiern. Der 40er ist dazu ein willkommene Anlass.
 

Sonntag, 22. März 2026

Alex von Schlippenbach - Barry Altschul Quartet im C. Bechstein Centrum Linz

Vor weniger als einem Jahr habe ich den Schlagzeuger Barry Altschul in Triobesetzung in Linz gehört, Joe Fonda am Bass war auch damals schon dabei. Am Klavier kommt dieses Mal Alexander von Schlippenbach dazu sowie an den Klarinetten und am Baritonsaxophon der gebürtige Nürnberger Rudi Mahall. Den habe ich bis jetzt noch nicht erleben dürfen, dafür ist mein Erstaunen darüber umso größer, was dieser Mann musikalisch wie auch körperlich aufzubieten hat. Mit ungeheurer Kraft, Virtuosität und Spielfreude holt er alles heraus aus seinen Instrumenten und unternimmt dabei eine Reise kreuz und quer durch die Jazzgeschichte mit seiner Lieblingshaltestelle im Bebop. Während seiner Improvisationen fallen ihm immer wieder Versatzstücke bekannter Jazzstandards ein (z. B. Ellington's "Just Squeeze Me"), die er auf seine Weise integriert. Die intensiven Phasen seines Spiels werden gespiegelt mittels körperlicher Bewegungen und Verrenkungen, die ein Gesamtkunstwerk entstehen lassen aus Musik und Tanz. Seine Mitmusizierenden sind dabei keine Statisten, sondern gleichberechtigte Teilnehmer mit aktivem Eigenleben und Partner bei der musikalischen Kommunikation. Auch sie treten bisweilen solistisch in den Vordergrund. Das kompositorische Material für die Darbietung stammt hauptsächlich von Thelonious Monk, mit dem sich Schlippenbach ausgiebig beschäftigt und dessen 71 Kompositionen er in seinem Projekt "Monk's Casino" verarbeitet hat, an dem Rudi Mahall übrigens auch beteiligt war. Welche Kraft dieses Quartett mit dem Durchschnittsalter von 75 Jahren entwickelt, ist erstaunlich, die Spielfreude ist enorm, die Anerkennung und Begeisterung beim Publikum ebenso.
 

Steven Bernstein mit Sexmob im Jazzit Salzburg

Steven Bernstein ist schon seit den späten 1980ern eine bedeutende Figur in der US-Jazzszene. Auch Sexmob, das Quartett, mit dem er seit langem wieder einmal im Jazzit zu Gast ist, besteht schon seit gut 30 Jahren. Für mich ist es allerdings der erste Kontakt mit dieser Band, bestehend aus Steven Bernstein an der Zugtrompete, Briggan Krauss am Altsaxophon, Tony Scherr am E-Bass und Kenny Wollesen am Schlagzeug. Was mich gleich beeindruckt hat, ist die Rhythmik der Musik, vorangetrieben vor allem vom warmen Sound des Bassisten. Das variantenreiche Schlagzeugspiel (mit elektronischen Einsprengseln) bereichert diese noch. Die Bläser erzeugen unisono oder auch individuell atmosphärische Sounds dazu und sorgen auch immer wieder für Soli, die aus den Instrumenten ekstatische Klänge hervorbringen. Nicht allzu oft sieht man wie hier eine Zugtrompete im Einsatz, quasi eine kleine Sopranposaune, die runder klingt als eine Trompete mit Ventilen. Besonders prägend für den musikalischen Ausdruck dieser Quartetts sind die Kompositionen und die Arragements. Spannung auf- und abbauen, Dynamik steigern und zum Erliegen kommen lassen, sind charakteristische Stilelemente dieser Musik. Sexmob bietet eine unterhaltsame, auch oft tanzbare Art von Jazz, die die Grenzen zu anderen Formen populärer Musik bisweilen überschreitet. Kein Wunder, dass der Bandleader auch immer wieder im Kontext mit Größen der Popmusik wie Marianne Faithful, Linda Ronstadt oder Sting zum Einsatz gekommen ist. Steven Bernstein ist jedenfalls einer, dem es gelingt, das elitäre Image des Jazz gehörig zu relativieren.
 

Freitag, 13. März 2026

Phoebe Violet mit Suspiros im Alten Kino St. Florian

Die aus Costa Rica stammende Violinistin und Sängerin Phoebe Violet habe ich erst kürzlich bei ihrem Kurzauftritt im Wiener MuTh kennengelernt. Nun ist sie mit ihrem eigenen Liederzyklus "Suspiros" im Alten Kino St. Florian zu Gast. Begleitet wird sie dabei von Andreas Haidecker an der akustischen Gitarre. Obwohl die Singer-Songwriterin auch schon Lieder in englischer Sprache veröffentlicht hat, kehrt sie auf ihrem letzten Album, das sie hier präsentiert, zu ihrer Muttersprache zurück. Vielleicht weil es um ganz persönliche Emotionen geht, die in "Suspiros", was so viel wie "Seufzer" bedeutet, zum Ausdruck kommen. Die Lieder haben daher auch öfter einen subtilen, melancholischen Charakter. Doch es entstehen dabei auch manchmal heftige Gefühlsausbrüche, bei denen sich Phoebe Violet's Stimme bis zum Schrei steigern kann. Überhaupt ist die Bandbreite ihrer gesanglichen Ausdruckskraft enorm und erstreckt sich von feinsten Nuancen bis zu heftigsten Ausbrüchen. Das alles macht Andreas Haidecker mit seinem feinsinnigen Gitarrespiel mit. Er begleitet die Emotionen der Sängerin, sodass daraus eine kongeniale musikalische Einheit entsteht. Im Augenblick zu leben, Sehnsüchte und Erwartungen zu haben, zu lieben und Stimmungen zuzulassen, die gerade vorherrschen, das sind Themen der Lieder. Phoebe Violet sagt, sie finde es befreiend, diese starken Gefühle vor Publikum auszudrücken. Ich finde es befreiend, ihr und ihrem musikalischen Begleiter dabei zu folgen, auch wenn ich des Spanischen nicht mächtig bin. Die Texte mit deutscher Übersetzung gibt es nach dem Konzert übrigens zu kaufen. Ich habe sie mir mitgenommen.
 

Donnerstag, 12. März 2026

Tres Caballeros im OKH Vöcklabruck

Mit Spanien haben die "Tres Caballeros", die diesen "Thursday for Jazz" in der OKH-Bar zu Gast waren, wenig zu tun, abgesehen von unvermeidlichen Einflüssen lateinamerikanischer Musik. Es sind drei junge Österreicher, die zusammen ein Gitarrentrio bilden. Jakob Kammerer (Schlagzeug) und Gregor Aufmesser (Kontrabass) habe ich schon mit anderen Formationen kennengelernt, den Gitarristen Tobias Faulhammer höre ich jetzt zum ersten Mal. Er drückt der Band seinen Stempel auf mit seinen Eigenkompositionen und seinen Improvisationen auf der E-Gitarre. Obwohl weitgehend Gleichberechtigung zwischen den Musikern herscht, sind es natürlich die "Erzählungen" auf der Gitarre, die im Vordergrund stehen. Meist sind es stark am Bebop orientierte Themen, die die Grundlage für die Stücke liefern. Auch Blues und sogar Calypso kommen vor. Wenn ich Tobias Faulhammer zuhöre, erinnert mich das klarer Weise an die großen Drei des zeitgenössischen Gitarrespiels, John Scofield, Bill Frisell und Pat Metheny. Allerdings ist Tobias Faulhammer keine Epigone, sondern ist in der Lage, einen eigenen Stil zu entwickeln und vorgegebene Muster zu transzendieren. Auch seine kongenialen Partner bekommen Freiräume zur Entfaltung ihrer eigenen Kreativität. Das Beste, das ich über eine Improvisation sagen kann, ist, dass sie eine Geschichte erzählt, die ich noch nicht kenne und der ich mit Spannung zuhöre. Tobias Faulhammer ist so ein Geschichtenerzähler. 
 

"Father Mother Sister Brother" im Kino Lenzing

Obwohl ich wie schon gesagt kein Cineast bin, zieht es mich doch immer wieder einmal ins Kino. "Schuld" war dieses Mal Jim Jarmusch, dem schon lange meine Sympathie gilt und dessen Filme ich immer sehenswert fand. Die Auszeichnung mit dem "Goldenen Löwen" letztes Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ist eine zusätzliche Werbung für seinen neuesten Film. Er beleuchtet in drei Episoden ("Father", "Mother", "Sister Brother") Beziehungen zwischen Familienmitgliedern an verschiedenen Schauplätzen: in New Jersey, in Dublin und in Paris. Es passiert nicht viel: Zwei Geschwister besuchen ihren Vater, der nach dem Tod deren Mutter in einem abgelegenen Haus in einem Waldgebiet lebt, zwei Schwestern besuchen ihre Mutter in Dublin, und ein Geschwisterpaar trifft sich, um die leer geräumte Wohnung ihrer tödlich verunglückten Eltern in Paris ein letztes Mal zu besuchen. Der Film lebt davon, was sich im Moment zwischen den Personen ereignet oder nicht ereignet. Bei den Treffen spielen immer Tische eine Rolle, auf denen (alkoholfreie) Getränke, Wasser, Tee und Kaffee bereitstehen. Man stößt mit Wasser an und mit Kaffee und fragt sich, ob man das darf. Es sind die Leerstellen, die die Begegnungen interessant machen, es ist die Unergründlichkeit der Beziehungen, die unbeholfene Liebe, die zum Vorschein kommt. Und der Film ist berührend, spätestens wenn im dritten Teil die Geschwister die Familienfotos (die in allen Episoden eine Rolle spielen) betrachten und sich ihre gegenseitige Liebe bekunden. Nicht zuletzt ist es die Musik von Annika Henderson (die ich ja schon zweimal live erlebt habe), die das bezaubernde Bild dieses beeindruckenden Films für mich abrundet.
 

Mittwoch, 11. März 2026

OK.KOKO im Schl8hof Wels

Schon wie letzten Dienstag sind im Rahmen der "Musikwerkstatt Wels" auch dieses Mal wieder Student:innen der Bruckneruni am Werk. Das Quintett nennt sich OK.KOKO und wird von der Violinistin Cosima Pillinger, Zawinul-Award-Gewinnerin von 2024, geleitet. Ihre musikalischen Partner sind Alexander Danninger am Klavier, Moritz Lindner am Schlagzeug (die ich schon mit "Roundabout" gehört habe) Lukas Danninger an der E-Gitarre und Jakob Gönitzer am Kontrabass. Was die Band bietet, ist Modern Jazz der subtileren Art mit vielen lyrischen, ruhigen Passagen, allerdings auch mit Momenten intensiver Expressivität. Das Songmaterial ist mir nicht geläufig. Es handelt sich angeblich ausschließlich um Kompositionen von Frauen, wobei vieles davon von der Bandleaderin selbst stammt. Ihr (elektronisch beeinflusster) Geigenton ist meist angenehm weich und nimmt nur selten strengere Züge an. Die Kompositionen zeigen hohe Komplexität, eröffnen allerdings auch immer wieder Räume, um den Musiker:innen freies Improvisieren zu ermöglichen. Schön ist es, hier eine selbstbewusste, neue Generation von Künstler:innen zu hören und zu sehen, die Wert darauf legen, ihr eigenes Ding zu machen und schon früh ihren eigenen Stil zu entwickeln. Das sachkundige Musikwerkstatt-Publikum weiß das auch sehr zu schätzen.

 

Dienstag, 10. März 2026

Monday Night Orchestra im Schl8hof Wels

Zumindest einmal im Monat gibt es im Welser Schl8hof eine Bigband zu hören, und zwar dann, wenn das Monday Night Orchestra aufspielt. Die von Hermann Miesbauer (Posaune und Moderation) und Manfred Aschauer (Posaune) geleitete Band hat hier schon über 60 Konzerte bestritten, die jeweils unter einem bestimmten Motto stehen. Dieses Mal geht es darum, dem vor zehn Jahren verstorbenen deutschen Jazz-Sänger Roger Cicero die Reverenz zu erweisen und auch andere deutschsprachige Sänger und Bigbands zu würdigen. Für den Gesangspart wurde der Musikpädagoge Rainer Lanzerstorfer engagiert. Ein ziemlich buntes Programm entfaltet sich dann vor dem zahlreich erschienenen Publikum in angenehmer Club-Atmosphäre. Zwar stehen Songs von Roger Cicero im Vordergrund, allerdings erklingen auch welche von Udo Jürgens, Max Raabe, Chris Boettcher und Frank Sinatra. Daneben gibt es auch noch Werke anderer Musiker zu hören, wie z. B. Charlie Parker's "Au Privave" und Stücke der Bert-Kaempfert-Bigband, die ich als Teenager oft auf Schallplatte gehört habe und die ich auch heute noch sehr schätze. Ich war kein großer Fan von Roger Cicero, dennoch finde ich die dargebotenen Lieder vor allem wegen der originellen Texte recht interessant. Rainer Lanzerstorfer ist ein Sänger, der diese Songs mit Souveränität und Leichtigkeit über die Bühne bringt. Es macht Spaß, ihm zuzuhören. Neben dem musikalischen Genuss sind für mich die Abende mit dem Monday Night Orchestra auch immer wieder Lehrstunden in Sachen Geschichte der Big-Band-Musikkultur, die Hermann Miesbauer u. a. in seinen launigen Zwischenansprachen vermittelt. 
 

Montag, 9. März 2026

"Due Donne Impossibili" im Kardinal-Schwarzenberg-Saal Salzburg

Bei der Konzertreihe "Frauenstimmen" der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft geht es um die Würdigung von Komponistinnen. Dieses Mal - am Internationalen Frauentag - sind das zwei italienische Barockkünstlerinnen, Barbara Strozzi und Margherita Costa. Dazu ist das Duo Udite aus Berlin zu Gast, unterstützt durch die Performance-Künstlerin Maria Lucchese. Das Programm umfasst Lieder der beiden Komponistinnen, gesungen von der Mezzosopranistin Bettina Bruns und begleitet von Daniel Göritz an der Gitarre. Das ist allerdings nicht alles, denn die Aufführung bietet auch noch rezitierte Texte der portraitierten Frauen und Performancekunst, wie zum Beispiel das Fesseln und Entfesseln der Sängerin während ihrer Liedvorträge. Außerdem werden die beiden "unmöglichen" Frauen aus dem italienischen Barock in einer Konversation zwischen Bettina Bruns und Maria Lucchese anschaulich charakterisiert. Das alles lenkt vom musikalischen Vortrag, der wunderbaren Stimme von Bettina Bruns und dem einfühlsamen Gittare-Spiel, doch etwas ab. Dafür trägt die Aufführung die Züge eines Gesamtkunstwerks, das sich nicht allein auf Musik beschränken will und der Intention des Internationalen Frauentags jedenfalls entspricht.  
 

Sonntag, 8. März 2026

Judith Schwarz & Manu Mayr im Kulturpool Gusental

PRCDR ist der Name des Projekts und des Albums, das die beiden Musiker:innen Judith Schwarz (erweitertes Schlagzeug) und Manu Mayr (Kontrabass) miteinander verbindet. Das Wort ist eine Kurzfassung des englischen Begriffs "procedure", was so viel wie Vorgehensweise bedeutet. Somit ist es kein freies Improvisieren, was die Beiden am Grund des Kulturpools in Gallneukirchen betreiben, sondern die Klangerzeugung folgt einem festgelegten Ablaufplan. Manu Mayr verzichtet auf jegliche elektronische Verfremdung seines Kontrabasses, sondern erzielt seinen immensen Klangreichtum seines Instruments allein durch Verstärkung mittels eines Mikrofons. Meist werden die Saiten dabei gestrichen, manchmal wie in Zeitlupe, dann wieder in rasendem Tempo. Die Dynamik reicht von leisesten Klängen bis zu dröhnend lauten Bässen. All das korrelliert mit dem Schlagzeugspiel von Judith Schwarz, das sich ebenso facettenreich und dynamisch variabel verhält. Gemeinsam erzeugen sie Klanggemälde unterschiedlichster Art, einmal mehr und einmal weniger rhythmusbetont, einmal atmosphärisch donnernd, dann sich wieder bis zur Unhörbarkeit abschwächend. Spannung liegt in der Luft, vom ersten Ton bis zum Ende der sich pausenlos durchziehenden Performance mit allen ihren dynamischen Hochs und Tiefs. Der durchkomponierte Ablauf hat etwas Magisches an sich und eröffnet eine eigene Klangwelt, untersützt auch durch behutsame Licht- und Nebeleffekte. Wie gebannt hat das Publikum im alten, stillgelegten Hallenbad das mehr als einstündige Prozedere mitverfolgt und spendet am Ende begeistert Applaus. 
 

Samstag, 7. März 2026

Clara Luzia in der Arge Kultur Salzburg

Immer wieder reizt es mich, Nachschau zu halten bei Künstler:innen, die ich schon einmal vor längerer Zeit gesehen und gehört habe, um zu erfahren, wie sich mit den Jahren ihre Kunst verändert hat. Nach gut zehn Jahren tue ich das nun auch bei der österreichischen Singer-Songwriterin und Gitarristin Clara Luzia. Was gleich auffällt, ist, dass sich die Band vergrößert hat und durch ein Keyboard (Claudia Kottal) und ein Saxophon (Barbara Paierl) erweitert worden ist. Statt Helene Glüxam am E-Bass sehe ich nun Judith Ferstl am Kontrabass. (Beide schätze ich als hervorragende Jazz-Bassistinnen.) Wie schon immer sitzt Catharina Priemer am Schlagzeug. Trotz der Erweiterung spielt Clara Luzia's klare, helle und etwas harte Stimme die Hauptrolle, im ersten Teil mit englischen, im zweiten jetzt auch mit deutschen Texten, was die Aussagen authentischer erscheinen lässt. Kompositorisch sind die Songs wie gewohnt ziemlich linear aufgebaut, ohne sich in Refrain-Wiederholungen zu ergehen. Atmosphärisch aufgeladen werden sie dann oft durch den Einsatz von Keyboard und Saxophon oder durch kurze Soli auf der E-Gitarre. Auch die Improvisationskünste der Bassistin und der Schlagzeugerin werden jeweils einmal zur Schau gestellt. Obwohl die Songstexte eher die dunklen Seiten unserer Welt und des Lebens beleuchten, werde ich davon emotional kaum berührt, vielleicht weil für mich das alles recht leichtfüßig, ja fast beiläufig daherkommt. So erreicht auch die Interpretation von Lex Baxter's "Sinnerman" bei weitem nicht jene emotionale Tiefe der legendären Aufnahme von Nina Simone. Auch wenn mich das neue Bandprojekt von Clara Luzia "The Quiet Version" nicht wirklich mitreißen konnte, so hat sich die Nachschau jedenfalls gelohnt und zumindest meine Neugier befriedigt. 
 

Freitag, 6. März 2026

The Tiptons im Jazzit Salzburg

Ich höre sie ja nicht zum ersten Mal, die vier Frauen aus den USA auf ihren Saxophonen, allerdings habe ich sie bisher noch nicht mit ihrem musikalischen Begleiter aus Österreich, dem Schlagzeuger Robert Kainar gehört. Die Schlagzeug-Unterstützung macht sich gut und nimmt dem Quartett bestehend aus Jessica Lurie, Amy Denio, Sue Orfield und Tina Richerson einiges an rhythmischer Arbeit ab. Das dargebotene Programm ist sehr vielfältig und stark inspiriert von musikalischen Einflüssen aus aller Welt, wie z. B. Japan, Hawaii, dem Balkan oder dem Alpenraum. Dabei entstehen wunderbare Sounds und Melodien, bereichert durch Soli, wobei Jessica Lurie dabei besonders glänzt. Neu für mich sind auch die häufigen Vokalpassagen, bei denen vor allem Amy Denio mit ihrer klaren Stimme in Erscheinung tritt. Seitdem ich die vier Frauen vor etwa zehn Jahren zuletzt im Spielraum Gaspoltshofen gehört habe, hat deren Musik für mein Empfinden deutlich an Qualität dazugewonnen und entfaltet auf mich jetzt eine wesentlich stärkere emotionale Wirkung. Vielleicht ist es auch die Freude der Musikerinnen darüber, nach längerer Zeit wieder im Jazzit aufzutreten, die auf das Publikum ausstrahlt. Wenn Amy Denio schon zu Beginn freudig verkündet, sie befinde sich jetzt wieder in ihrem zweiten Zuhause, so kann das für das gemeinsame Musikerleben nur Gutes bedeuten. Und somit ist dieses Konzert der Tiptons auch zu einem überaus wohltuenden Abend für Körper und Seele geworden.
 

Mittwoch, 4. März 2026

eigenART im Schl8hof Wels

Die Dienstag-Konzertreihe der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof zeichnet sich durch ein vielfältiges, buntes Programm aus. Mit den jungen Musikstudenten von "eigenART" ist dieses Mal eine Band mit sechs Bläsern (Trompeten, Posaunen, Tuba) sowie Schlagzeug und E-Bass zu Gast. Sie kommen aus unterschiedlichen Sparten wie Jazz, Klassik und Volksmusik. Entsprechend bunt ist daher das Repertoire des Oktetts: Stücke für Jazz-Big-Band, Material aus der Schlagerwelt, adaptierte Pop-Songs (z. B. Barrbara Ann von den Beach Boys), ein Potpourri aus klassischer Musik, das wunderbare "Oblivion" von Astor Piazzolla sowie Oberkrainer-Volksmusik. Auch Eigenkompositionen kommen vor, wie z. B. ein volkstümlicher Walzer. Solistische Einlagen sind eher kurz gehalten. Am meisten trägt diesbezüglich der Jazz-Trompeter Simon Hartl bei, der das auch schon beim Upper Austrian Jazz Orchestra macht. Die Musiker verstehen es auch, durch gelungene Conferencen das Publikum einzunehmen. So entsteht nach und nach eine heitere, wohltuende Stimmung im gut besuchten Schl8hofsaal. "eigenART" bietet den beteiligten Jungmusikern die Gelegenheit, vieles auszuprobieren und mit Musik spielerisch umzugehen. Ihnen dabei zuzuhören und zuzusehen, kann viel Spaß machen.
 

Montag, 2. März 2026

James Brandon Lewis Trio im Schl8hof Wels

Spät, aber doch habe ich nun auch den US-amerikanischen Saxophonisten James Brandon Lewis live zu sehen und zu hören bekommen. Mit seinem Trio mit Josh Werner am E-Bass und Warren "Trae" Cudrup III am Schlagzeug spielt er im Welser Schl8hof auf, und zwar vom ersten Ton an überzeugend, dass ihm alle seine Auszeichnungen, wie z. B. "Artist of the Year" (DownBeat Magazine) zurecht gebühren. Selten habe ich so einen kraftvollen Ton am Tenorsax gehört, der die ganze Bandbreite des Instruments umfasst. Was die Intensität anbelangt, hat sein Spiel alles zu bieten, von sanften Tönen angefangen bis zum ekstatischen Kulminationspunkt und wieder zurück. Seine musikalischen Partner machen diese Reise in kollektiver Einigkeit mit. Eindrucksvoll ist dabei das Bassspiel von Josh Werner, das der Darbietung zusätzliche Kraft und Tiefe verleiht. Ebenso kraftvoll wie auch sensibel agiert der Schlagzeuger. Die Kompositionen des Bandleaders sind geprägt von Gospel, Blues und R&B sowie von Vorbildern wie Ornette Coleman, Don Cherry oder Albert Ayler. Besonders beeindruckt hat mich die Rhytmik seiner Stücke, die mich nicht allzu lange auf meinem Stuhl verbleiben lässt. Seine Musik ist tanzbar, d. h. auch körperlich mitreißend. Der Mann kann Geschichten erzählen am Tenorsax und auch mittels seiner Zwischenansagen, die ebenfalls die Herzen des Publikums erreichen. Schön, dass ich an diesem Abend.einen der ganz Großen der zeitgenössischen Jazz-Szene nun auch live kennenlernen durfte.
 

Sonntag, 1. März 2026

Sir Oliver Mally in der Spinnerei Traun

"40 Years On The Road" ist der österreichische  Gitarrist und Singer-Songwriter Sir Oliver Mally nun schon. Kein Wunder, dass ich ihm dabei auch schon das eine oder andere Mal begegnet bin. Er wird vor allem mit dem Roots Blues in Verbindung gebracht, bietet allerding viel mehr und lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. In der Spinnerei Traun tritt er gemeinsam mit seinen langjährigen Weggefährten Peter Schneider (Gitarre), Martin Gasselsberger (Keyboard) und Peter Lenz (Schlagzeug) auf. Natürlich ist Mally der Bluestradition tief verbunden und orientiert sich stilistisch an den großen US-amerikanischen Vorbildern. Allerdings hat er längst seinen eigenen, unverkennbaren Stil gefunden, sowohl was seinen Gesang als auch sein Gitarrenspiel betrifft. Viel Eigenes wird vorgetragen und auch die eine oder andere Coverversion (z. B. von Bob Dylan) steht am Programm. Auch solistische Einlagen der Gitarristen sowie von Martin Gasselsberger bereichern das Konzert. Vor allem aber ist es die Atmosphäre, die Sir Oliver Mally und seine Mitmusiker verbreiten, voller musikalischer Spannung, Ideenreichtum, Spielreude, Humor und herzlichem Kontakt zum Publikum. Diese Stimmung nimmt das Publikum mit, wodurch der Konzertabend zu einem (einmaligen) Fest wird, zu einer 40-Jahr-Feier, zu einer nachträglichen Geburtstagsfeier des gerade erst 60 Jahre alt gewordenen Bandleaders.