Montag, 31. August 2026

Lylit, FIIO und Cari Cari im Volksgarten Salzburg


Für's "gemeine Volk" gibt es seit ein paar Jahren im Volksgarten Salzburg Gratiskonzerte unter dem Titel "Live in Salzburg". Den letzten der vier diesjährigen Konzertabende will ich noch miterleben und treffe ein, als gerade Lylit die Bühne mit ihrer Band betreten hat. Ich habe sie ja schon öfter gehört, allerdings noch nicht in der Besetzung mit zwei Violinen, einem Cello und zwei Background-Sängerinnen. Ihre Lieder wirken dadurch noch opulenter, als ich sie kenne, und gewinnen zusätzlich an Ausdruckskraft. Ihre wunderbare Stimme gefällt mir aber ohne den hier zugemischten Hall sonst deutlich besser. Feministische Emamzipation und Rebellion prägen ihre Texte. Ich höre ihre Lieder immer wieder gern. Der Wiener Sänger und Gitarrist FIIO hat nur einen Schlagzeuger mitgebracht, der Rest wird mittels Playback erledigt. Und er macht richtig Dampf mit deutschsprachigen Indie-Pop-Songs recht einfach gestrickter Machart, die vor allem die positiven Seiten des Lebens als Twen widerspiegeln. Die Indie-Rock-Band Cari Cari schließlich - ich kenne sie ja auch schon von einem OKH-Open-Air in Vöcklabruck - singt auf Englisch  und baut die mächtigsten Soundgebilde mittels Gitarre (Alexander Köck), Keyboard (Stephanie Widmer) und Schlagzeug (Ivo Thomann). Reine Rock-Power steht im Vordergrund, den Auftritt in Vöcklabruck habe ich wesentlich subtiler und differenzierter in Erinnerung. Wer es (brachial) rockig mag, hat sicher mit FIIO und Cari Cari seine größte Freude, mich hat Lylit mit ihren feinen Songs und ihrer stimmlichen Darbietung (wieder einmal) am meisten beeindruckt. Die Atmosphäre im Volksgarten an diesem lauen Sommerabend sowieso.
 

Samstag, 29. August 2026

Brauereimusik Zipf am Stadtplatz Vöcklabruck

Zur österreichischen Musikkultur gehören auch Platzkonzerte der Blasmusikkapellen, von denen es in den meisten Gemeinden mindestens eine davon gibt. In den Sommermonaten präsentiert sich jeweils eine der regionalen Kapellen am Freitagabend am Vöcklabrucker Stadtplatz. Dieses Mal ist es die Brauereimusik Zipf, ursprünglich die Werkskapelle des oö. Bierproduzenten. Wie bei vielen Blasmusikkapellen üblich, besteht das Programm aus bekannten Märschen und Polkas und aus Bearbeitungen von Popmusik für Blasorchester. Hits von Elton John, ABBA und Udo Jürgens werden in Form von Medleys zur Aufführung gebracht. Beim Hit "Under the Boardwalk" von den Drifters aus den 1960ern kommt Johannes Dalla-Rosa am Flügelhorn solistisch zum Einsatz. Von den Märschen hat mich besonders der Florentiner Marsch von Julius Fucik beeindruckt, einer der zurecht meistgespielten Märsche. Auch Marschmusik kann berühren. Als Brauereimusik hat das Blasorchester auch den Zipfer Bier-Marsch im Programm und spielt als Zugabe noch "O du mein Österreich", den Traditionsmarsch aus dem 19. Jhdt. von Franz v. Suppé. Auch die Brauereimusik Zipf zeigt das hohe musikalische Niveau der österreichischen Blasmusik, die einen bedeutenden Stellenwert in unserer Musikkultur einnimmt. Die Zuhörer:innen in den umliegenden Schanigärten fühlen sich jedenfalls bestens unterhalten.
 

Donnerstag, 27. August 2026

Albin Paulus & Doris Kitzmantel im Vituskircherl Regau

Schon seit ein paar Jahren gibt es im kleinen Vituskircherl in Regau Ende August eine Reihe von Kammermusikkonzerten, kuratiert von der aus Vöcklabruck stammenden Pianistin Doris Kitzmantel. Dieses Jahr finden drei Konzerte unter dem Motto "Im Volkston" statt und zeigen den Einfluss der Volksmusik auf die Kunstmusik. Den zweiten Abend der Reihe bestreitet Doris Kitzmantel gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten und Forscher alter Musik Albin Paulus. Das Programm besteht zum einen Teil aus alten Werken der Volkstanzmusik der näheren Umgebung und zum anderen Teil aus volksmusikalisch beeinflussten Stücken prominenter Vertreter der Klassik (Wolfgang Amadeus Mozart, Frederic Chopin, Michel Corrette). Einen besondern Reiz übt dabei das von Albin Paulus verwendete Instrumentarium aus, das aus Maultrommeln, diversen Dudelsäcken, Klarinette und Chalumeau (einem Holzblasinstrument) besteht. Dazu bringt der Musiker auch seine Stimme zum Einsatz. Doris Kitzmantel begleitet ihn dabei meist am Klavier, bisweilen auch auf der Blockflöte. An diesem Abend wird die Grenze zwischen Volksmusik und Kunstmusik andauernd überschritten bzw. aufgehoben, und das mit Virtuosität und höchstem künstlerischem Anspruch. Das Puplikum im ausverkauften Kirchenraum findet Gefallen an dieser musikalischen Entgrenzung und ich selbstverständlich auch.
 

Sonntag, 23. August 2026

Ron Sexsmith im Club Manufaktur Schorndorf

Es gibt Musiker:innen, in die man sich bereits beim ersten Hören verliebt. Mir ist das 1995 passiert, als das erste Album dieses kanadischen Singer-Songwriters erschienen ist. Es ist vor allem seine Stimme, die etwas Magisches an sich hat. 2011 hatte ich während eines England-Urlaubs die Gelegenheit, Ron Sexsmith in Manchester in der 2400 Personen fassenden Bridgewater Hall live zu erleben. Da auch seine diesjährige Europa-Tour Österreich links liegen lässt, suche ich nach der nächstgelegenen Location: Schorndorf in der Nähe von Stuttgart. Zu meiner positiven Überraschung handelt es sich dabei um einen intimen Club, wo ich den Künstler mit seiner Band aus nächser Nähe zu Gesicht und zu Gehör bekomme. Seine langjährigen Musikerkollegen Jason Mercer am Bass und Don Kerr am Schlagzeug und am Klavier bilden die sparsame Instrumentierung. Der Sänger selbst begleitet sich sowohl auf der akustischen Gitarre als auch am Klavier. Die Songs aus seinem letzten Album "Hangover Terrace" bilden den Schwerpunkt des Repertoirs, daneben gibt es auch noch ältere Songperlen wie  z. B.  das oft gecoverte "Secret Heart" zu hören. Fast alle Songs sind für mich gute Bekannte. Sie aus nächster Nähe live präsentiert zu bekommen, ist für mich ein wunderbares Ereignis. Trotz der vielen Tourneestationen ist es Ron Sexsmith ein großes Anliegen, das  Publikum zufrieden zu stellen. Dass er dafür zwei Sets und fast zwei Stunden lang spielt, ist nicht selbsverständlich. Die Begeisterung im ausverkauften Saal des Club Manufaktur in Schorndorf ist daher auch entsprechend groß. Einen meiner Lieblingsmusiker in einer so angenehmen Atmosphäre genießen zu können, ist ein Erlebnis, das für mich schöner nicht sein könnte.

Freitag, 21. August 2026

"Quatuor pour la fin de Temps" in der Stiftung Mozarteum, Salzburg

Das ist nun schon mein zweiter Abend diesen Sommer mit Musik von Olivier Messiaen im großen Saal der Stiftung Mozarteum Salzburg. Dieses Mal ist es die Mitwirkung des österreichischen Cellisten Kian Soltani, die mich dazu veranlasst hat. Mit ihm bringen Renaud Capucon (Violine), Pascal Moraguès (Klarinette) und Hélène Mercier (Klavier) die Komposition "Quatuor pour la fin de Temps" zur Aufführung. Dieses religiös inspirierte Werk, das Messiaen in deutscher Kriegsgefangenschaft komponiert hat, besteht aus acht Sätzen, bei denen nicht immer alle vier Musiker:innen im Einsatz sind, im dritten spielt die Klarinette alleine. Was mich beeindruckt, ist die Vielfalt des Werks, was Rhythmus, Melodie und Intensität anbelangt. Herkömmliche Tonsysteme werden, wie auch im modernen Jazz üblich, von modalen Tonfolgen abgelöst. Kian Soltani tritt bisweilen stärker oder auch weniger stark in den Vordergrund. Im Duo mit dem Klavier übernimmt das Cello im fünften Satz die langsame, expressive Melodieführung. Obwohl dieses Werk keine leichte Kost ist, bin ich aufgrund seiner Vielschichtigkeit und Komplexität davon recht begeistert. Das Festspiel-Publikum im vollen Saal spendet natürlich reichlich Applaus, dem ich mich gerne anschließe.

Donnerstag, 20. August 2026

Mona Hartmann & Pavel Efrenov in der Stiftskirche Schlierbach

Dem Verein der Orgelfreunde Schlierbach ist es zu verdanken, dass diesen Sommer Orgelkonzerte in der wunderbaren Barock-Kirche des Stifts Schlierbach stattgefunden haben. Beim letzten bin ich dabei, weil mich die Kombination aus Kirchenorgel (gespielt von Mona Hartmann) und Akkordeon (mit Pavel Efrenov) neugierig gemacht hat. Allerdings hat die extreme Sommerhitze dazu geführt, dass sich die Stimmung der Orgel merkbar erhöht hat, was das Zusammenspiel mit dem Akkordeon fast unmöglich macht. So gehen Orgel und Akkordeon meist getrennte Wege und führen gemeinsam nur wenige Stücke auf. Ich kann mich daher besonders auf die Solo-Performance des aus der Republik Moldau stammenden und nun in Deutschland lebenden Akkordeonisten Pavel Efrenov konzentrieren. Und die ist überaus beeindruckend. Sowohl mit zeitgenössischen Werken (von Martynas Levickis und Mikolaj Majkusiak) als auch mit Barockmusik (von Francois Couperin und Antonio Vivaldi) kann mich der Akkordeon-Virtuose vollauf begeistern. Das Akkordeon füllt dabei unverstärkt den Kirchenraum klanglich vollkommen, wirkt erstaunlich dynamisch und kommt dabei in den höheren Lagen dem Sound der Kirchenorgel bisweilen sogar ziemlich nahe. Wer immer mir eine besondere Freude bereiten will, nimmt ein Stück von Astor Piazzolla in sein Programm auf. Hier sind es gleich zwei: "Chiquilin de Bachin" interpretiert Pavel Efrenov solo, "Oblivion" intonieren die Musiker:innen zusammen. Orgelwerke von Mozart und Bach - von Mona Hartmann eindrucksvoll dargeboten - vervollständigen den magischen Konzertabend. Die Offenbarung des Abends ist für mich allerdings der junge Akkordeon-Artist, den ich gerne wieder hören möchte.

Montag, 17. August 2026

Andi Weiss Quintett im Musikpavillon Linz

"Thank you Mr. Blakey" nennt der österreichische Schlagzeuger Andi Weiss sein Programm am letzten Abend der sommerlichen Musikpavillon-Konzertsaison an der Linzer Donaupromenade. Er würdigt damit den Einfluss des US-Schlagzeugers Art Blakey, der mit seinen "Jazz Messengers" (1955 - 1990) Jazz-Geschichte geschrieben hat. Mit Andi Weiss spielen Karl Sayer am Kontrabass, Erwin Schmidt am E-Piano, Thomas Huber am Tenorsax und Simon Plötzeneder an der Trompete und am Flügelhorn. Die dargebotenen Kompositionen stammen großteils aus den frühen 1960er Jahren, der Blütezeit des Hard Bop. Hank Mobley, Lee Morgan, Blue Mitchell und sogar Herbie Hancock sind die Autoren. Dazu kommen noch ältere Stücke wie "Con Alma" (Dizzy Gillespie) und die Jazz-Standars "Lover Man" und "My One and Only Love". All das klingt ganz im Stil der 1950er und 1960er Jahre, auch was die abwechselnden soliden Solo-Improvisationen der Beteiligten anbelangt, wobei die Bläser und das Piano den Hauptanteil daran haben. Was damals als "Modern Jazz" gegolten hat, ist nach fast 70-jähriger Weiterentwicklung schon lange nichts Neues mehr und klingt daher recht vorhersehbar. Schon 1980, als ich Art Blakey mit seinen "Jazz Messengers" (mit den gerade neu entdeckten Marsalis-Brüdern) beim Jazz-Festival Wiesen live erleben konnte, wirkte sein Stil für mich schon leicht antiquiert. Allerdings hat neben dem Bestreben nach Innovation auch die gepflegte Tradition in der Musik ihren Sinn und ihre Berechtigung.
 

Samstag, 15. August 2026

Isabelle Faust & Kristian Bezuidenhout spielen J. S. Bach in der Stiftung Mozarteum Salzburg

Immer wieder gerne begebe ich mich in die musikalische Welt des Johann Sebastian Bach. Möglich ist das auch im Rahmen der diesjährigen Salzburger Festspiele im großen Saal der Stiftung Mozarteum. Zur Aufführung kommen sechs um das Jahr 1720 herum entstandene Sonaten für Violine und Cembalo, wobei Bach hier dem Cembalo zum ersten Mal nicht nur begleitende Funktion zukommen lässt. Die deutsche Violinistin Isabelle Faust und der aus Südafrika stammende Cembalist und Pianist Kristian Bezuidenhout sind die Aufführenden dieser insgesamt 25 Sätze beinhaltenden Sonaten. Diese sind in unterschiedlichen Tonarten gehalten, weisen mit jeweils vier Sätzen allerdings das gleiche Schema bezüglich des Wechsels zwischen langsamen und schnellen Sätzen auf. Die sechste Sonate weicht mit ihren fünf Sätzen davon leicht ab, wobei der dritte Satz vom Cembalo allein bestritten wird. Klanglich ist die Kombination aus Cembalo und Violine recht reich an Obetönen und wirkt, was die Lautstärke betrifft, eher gedrosselt, was ich als recht angenehm empfinde. Das Reizvolle an Bach's Kompositionen ist für mich auch immer der Melodien-Reichtum, sowohl was die großen als auch die kleinen Melodiebögen anbelangt. Bach's Musik eignet sich dafür, um als Zuhörer:in darin tief einzutauchen und sich dem Moment hinzugeben. Abwechslungsreichtum sorgt dafür, dass dabei nie Langeweile aufkommt. Wie die beiden Künstler:innen das Werk des großen Barockkomponisten zur Aufführung bringen, hat mich und den ausverkauften Saal der Stiftung Mozarteum schwer beeindruckt. Ihre Spielfreude bringen die Beiden schließlich auch noch durch mehrere Zugaben zum Ausdruck.
 

Freitag, 14. August 2026

Unorthodox Radio im OKH Vöcklabruck

Auf Ö3 wird man die Songs dieser Band nicht spielen, dafür sind sie zu unorthodox arrangiert, wie der Bandname bereits verrät. Obwohl die Lieder gut ins Pop-Genre mit all seinen Schattierungen passen, sind sie nicht Pop-Radio tauglich, weil sie allzu viele Elemente des Jazz enthalten, vor allem ausgedehnte Solo-Improvisationsausflüge insbesondere durch den Saxophonisten Armin Jambor und den jungen Mann am E-Piano. Das Highlight des Quintetts ist für mich die hervorragende Rhythmusgruppe (E-Bass, Schlagzeug und E-Piano), wobei mir das Spiel der neu dazugekommenen Schlagzeugerin Gloria Handler besonders gut gefällt. Die Sängerin und Bandleaderin ist Michaela Fröhlich, von der auch die poppigen Lieder stammen, die vor allem recht persönliche Hintergründe haben. Der Großteil der Songs sind Eigenkompositionen, bisweilen wird allerdings auch ein allseits bekannter, "unorthodox" arrangierter Popsong eingestreut (z. B. "Can't Take My Eyes Off You"). Die stilistische Bandbreite ist dabei durchaus beachtlich, Uptempo und Slowtempo wechseln sich ab, manchmal wird es recht soulig und zur Abwechslung gibt es auch ein Lied im Dreivierteltakt. Armin Jambor's Improvisationen am Tenorsax sprühen vor Kraft und Ideenreichtum und lassen vor dem Hintergrund der grandiosen Rhythmussektion mein Jazzer-Herz höher schlagen. Auch das Publikum in der Bar des OKH Vöcklabruck zeigt sich von der Performance dieser Grazer Band an diesem thursday4jazz recht positiv beeindruckt.
 

Mittwoch, 12. August 2026

Visions de l'Amen (Olivier Messiaen) in der Stiftung Mozarteum, Salzburg

Die Salzburger Festspiele sind ja nicht gerade meine Welt und dennoch hat es mich hingezogen zu einem Klavierkonzert zweier Pianisten: Markus Hinterhäuser und Igor Levit führen im großen Saal der Stiftung Mozarteum "Visions de l'Amen" von Olivier Messiaen auf. Igor Levit ist es, der mich sowohl als hervorragender Pianist als auch als politischer Kopf besonders interessiert. Das für zwei Klaviere konzipierte Stück selbst stammt aus 1943 und hat als Thema die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Amen" im religiösen Kontext. Den virtuoseren Klavierpart übernimmt dabei Igor Levit, während Markus Hinterhäuser mehr für die rhythmische und melodisch-harmonische Basis zuständig ist. Vor allem im hohen Tonspektrum ist für Levit viel zu tun: da höre ich gleich einmal Glockenspiel erklingen und später Vögel zwitschern. Immer wieder einmal schüttelt der so geforderte Pianist seine stark beanspruchte flinke rechte Hand aus. Subtiles Spiel gewinnt oft an Intensität und gipfelt in brachialen dissonanten und perkussiven Akkordschlägen, was mich bisweilen an den großen Pianisten des Free Jazz, Cecil Taylor, erinnert, den ich auch einmal live erleben durfte. Und was das Amen betrifft, so meint Olivier Messiaen, gehörten wir Menschen zu den Kreaturen, die allein durch das Schicksal ihrer Existenz schon "Amen" sagen würden. Diese musikalische Lebensbejahung hat dem Publikum im ausverkauten Mozarteum und auch mir sehr gut gefallen. Und so gibt es anschließend Standing Ovations.
 

Montag, 10. August 2026

Frank Folgmann and Backing Crew im Musikpavillon Linz


"Storytellers" nennt der gebürtige Deutsche Jazz- und Bluesgitarrist Frank Folgmann sein Programm, das er im Quintett mit Helmar Hill am E-Piano, Lukas Krainz am E-Bass, Daniel Stockhammer am Schlagzeug und Chris Kronreif an den Saxophonen im Linzer Musikpavillon zur Aufführung bringt. "Storytellers" erzählt vom großen Einfluss Pat Metheny's auf den Gitarristen, indem dieser gleich drei Kompositionen des großen Vorbilds in sein Programm aufnimmt. Erzählt wird außerdem Jazz-Geschichte mittels Stücken von Miles Davis (So What), Ornette Coleman (Turnaround) und Horace Silver (Opus de Funk). Auch vom Bandleader selbst gibt es Erzählenswertes in Form zweier Eigenkompsitionen (eine davon im Walzertakt). Nicht zuletzt darf auch Helmar Hill über seine Liebe zum Samba (Let in the Latin) erzählen. Das Ganze klingt recht entspannt und wird gewürzt mit vielen Soloimprovisationen aller Beteiligten. Neben Frank Folgmann selbst nehmen dabei jene von Chris Kronreif und Helmar Hill breiten Raum ein. Die Band bietet Modern Jazz auf höchstem Niveau und würdigt dabei die Bedeutung wichtiger Größen der Jazz-Entwicklung. Das zahlreich erschienene Publikum belohnt die Aufführung mit großer Aufmerksamkeit und viel Applaus, denn solche "Stories" hört es schließlich nur allzu gern.

Sonntag, 9. August 2026

SODL beim Seebahnhof-Festival Gmunden

Bereits zum fünften Mal findet am Areal des ehemaligen Seebahnhofs Gmunden das zweitätige Seebahnhof-Festival des Kulturvereins "Schreiantn" statt. Eine der Hauptattraktionen ist die Lokal-Heroin Anja Sodnikar, besser bekannt als SODL. Vor einem Jahr habe ich im OKH Vöcklabruck bereits einen ihrer Solo-Auftritte bewundert, nun ist sie in Begleitung von Paulina Scholz (Violine), Leo Weidinger (Bass) und Matthias Pfaffl (Schlagzeug) zu hören. Dadurch wird ihr Auftritt deutlich rockiger und fetziger, büßt allerdings gleichzeitig an subtiler Intimität ein. Das Songmaterial reicht von einfachen Pop-Songs und Schunkelliedern bis zu recht harten rockigen und funkigen Nummern. SODL agiert dabei ganz im Stil eines Rockstars mit überschwänglichen Rockgitarrenriffs und einer beachtlichen körperlichen Bühnenperformance. Dabei wirkt nichts gekünstelt. Sie lässt sich einfach gehen, wie es ihr gerade passt, ist mein Eindruck. Die Songs von SODL drehen sich im Kern um persönliche Reflexionen über zwischenmenschliche Beziehungen, innere Gefühlswelten und die Natur. Die expressive Art ihres Gesangs, der Schreie als Stilmittel inkludiert, ist dabei besonders beeindruckend. Überhaupt ist es ihre erfrischend unbekümmerte Art, sich mittels Musik auszudrücken, die den Reiz ihres Auftritts ausmacht. „Würde ich auf Deutsch singen, würde mir die Pumpe gehen. Auf Englisch bin ich geschützt", sagt Anja Sodnikar in einem Interview. In Gmunden hat sie nun doch auch ein Lied auf Deutsch gesungen. Ich bin gespannt, was von SODL in Zukunft noch alles kommen wird, bei dem großen Potenzial, das die junge Frau schon jetzt offenbart.
 

Freitag, 7. August 2026

"De Paris au monde" - Orgelkonzert im Mariendom Linz

Im Linzer Mariendom hat der Domorgelsommer 2026 begonnen mit einem Konzert des jungen Domorganisten Gerhard Raab. Er widmet es französichen Komponisten der Spätromantik um 1900 an der Schwelle zum Impressionismus: Louis Vierne, Charles-Marie Widor, Josef Bonnet und Camille Saint-Saëns. Das erste Stück stammt allerdings von einem englischen Zeitgenossen, Alfred Hollins, der sich von der Pariser Orgelkunst beeinflussen hat lassen. Ein Kritiker sagte damals zu ihm, das sei keine Orgelmusik, er höre die Geigen darin, was Hollins als Kompliment auffasste. Tatsächlich klingen die aufgeführten Kompositionen großteils wie Orchestermusik mit sehr sanften, leisen Tönen und einer Steigerung bis zum Ziehen aller Register. Über weite Strecken verweilt die Musik allerdings auch in einer feinen pastellartigen Stimmung (im Stück von Louis Vierne). Die pompöse Seite der Orgel zeigt sich in diesem Konzert nur selten. Obwohl die Rudigier-Orgel aus dem Jahr 1968 mit ihren 5890 Pfeifen und 70 Registern zur größeren Sorte zählt, wirkt sie für das immense Domvolumen keinesfalls überdimensioniert. Die sinfonisch-orchestral wirkende Orgelmusik der Pariser Schule um 1900 ist für mich eine neue Erfahrung in meinem Lernprozess klassischer Musikwerke. Meine Neugier hat sich also wieder einmal gelohnt.
 

Mittwoch, 5. August 2026

Dozent:innenkonzert an der Uni Mozarteum, Salzburg

Im Rahmen der Internationalen Sommerakademie an der Universität Mozarteum in Salzburg herrscht auch reger Konzertbetrieb. Von den künstlerischen Leistungen der Dozent:innen kann man sich in deren Konzerten überzeugen. Den Anfang macht die deutsche (aus Indien stammende) Pianistin Sheila Arnold mit einer Mozart-Klaviersonate. Der junge spanische Pianist Leo De Maria spielt anschließend Werke von Enrique Granados und des kubanischen "Gershwin" Ernesto Lecuona voll mitreißender Rhythmik und tiefer Emotionalität. Dann folgt das Duo des Japaners Yu Nitahara am Klavier mit dem italienischen Cellisten Giovanni Gnocchi, das die C-Dur Sonate von Benjamin Britten (aus 1961) zur Aufführung bringt, die für mich bisweilen wie ein intimes Jazz-Duett klingt. Ein weiteres Duo mit Kirill Troussov (am Foto) an der Violine und Peter Wittenberg am Klavier spielt Beethoven und Tschaikowski. Welche Klänge der in München lebende Stargeiger mit russischen Wurzeln seiner Stradivari entlockt, ist höchst beeindruckend. Zuletzt gibt es auch noch einen österreichischen Beitrag in Gestalt des steirischen Klarinettisten Andreas Schablas im Duo mit der russischen Pianistin Elena Ten. Die Beiden führen ein Medley von Melodien aus der Oper "Carmen" von Bizet auf, das der spanische Geiger Pablo de Sarasate 1881 eigentlich für Violine komponiert hat. Diese Carmen-Fantasie klingt für mich dann tatsächlich über weite Strecken wie eine Improvisation auf der Klarinette, wie ich sie auch aus der Jazz-Welt kenne. Für mich, als einer der nicht mit klassischer Musik aufgewachsen ist, sind solche Aufführugen eine höchst angenehme Erweiterung meiner musikalischen Erfahrungen, die ich mit großer Freude und Erstaunen in mich aufnehme. Gerne bereichere ich mich an dieser Fülle an musikalischem Reichtum.

Montag, 3. August 2026

Bernhard Osanna Quintett im Musikpavillon Linz

Sonntagabend ist im Sommer Jazztime im schönen Ambiente des Musikpavillons Linz an der Donaupromenade. Ein paar Konzerte darf dabei "Jazz point Linz" kuratieren. Diesen Sommerabend bestreitet das Bernhard Osanna Quintett, bestehend aus Bernhard Osanna (E-Bass, Kontrabass), Markus Gaudriot (E-Piano), Christian Stolz (Schlagzeug), Josef Fuchsberger (Trompete, Flügelhorn) und Ilse Riedler (Saxophone). Die Kompositionen liefert allesamt der Bandleader, und die sind stilistisch recht bunt gemischt. Bebop und Hard Bop Beeinflusstes gibt es zu hören, lateinamerikanische Rhythmen und Jazz-Walzer und reichlich Funky Jazz und auch eine Jazz-Ballade. Unbestritten ist die professionelle Qualität der Musizierenden in Verbindung mit ungetrübter Spielfreude. Abwechselnd bieten sich, wie im traditionellen Jazz üblich, Gelegenheiten für solistische Einlagen der Beteiligten mit großartigen Einzelleistungen, wobei mich der Trompeter dabei am meisten angesprochen hat. Das musikalische Ergebnis der Band ist wie aus einem Guss und macht es mir möglich, mich darin zeitweise völlig zu versenken. Das Quintett erfindet Jazz nicht neu, liefert allerdings im Rahmen des allseits Bekannten eine beeindruckende Performance, die mit viel Applaus goutiert wird.

Sonntag, 2. August 2026

Fennesz in der evangelischen Kirche Attersee am Attersee

 
Im Rahmen des Kunstfestivals "Perspektiven Attersee" gibt es auch heuer wieder Musikevents. Eines davon ist eine Performance von Christian Fennesz, die in der kleinen evangelischen Kirche im Ortszentrum von Attersee am Attersee stattfindet. In dem nur 155 Quadratmeter großen Kirchenraum lässt Fennesz seine kunstvollen elektronischen Geräuschgebilde (mit Gitarrenunterstützung) mit teils ohrenbetäubender Lautstärke los, was dazu führt, dass viele der Zuhörenden den Kirchenraum früher oder später fluchtartig verlassen. Die Veranstalter:innen sind zwar bemüht, die Lautstärke auf ein für alle erträgliches Maß zu drosseln, allerdings spricht sich der Künstler vehement dagegen aus. Ich halte relativ lange durch (eine gute halbe Stunde), dann habe auch ich genug. Dabei ist das, was Fennesz an Klängen produziert, durchaus hörenswert und künstlerisch anspruchsvoll. Von Melodik ist nicht viel vorhanden, auch um Rhythmik geht es kaum, dafür um Geräusche und Klänge jeglicher Art, im Bassbereich, in den mittleren Lagen und auch im Hochtonbereich angesiedelt. Vielfach erinnern mich die Sounds an Alltagsgeräusche, darunter durchaus auch Glockengeläute, das ja zum Aufführungsort passt, allerdings auch an den Lärm im Walzwerk der VOEST, den man sich am besten nur mit gutem Gehörschutz aussetzt. Sinustöne mit unterschiedlichen Frequenzen und weißes Rauschen treten stellenweise markant hervor. Geräuschkunst elektronischer Natur ist mir durchaus nicht fremd und ich konnte sie auch schon in so mancher Live-Aufführung genießen. Das wäre auch in der kleinen Kirche in Attersee möglich gewesen, hätte nicht der Künstler, den Dezibel-Wert an die oberste Stelle seiner Prioritätenliste gesetzt. Weniger ist oft mehr. In diesem Fall wäre der Mehrwert sogar ziemlich hoch ausgefallen.