Die Salzburger Festspiele sind ja nicht gerade meine Welt und dennoch hat es mich hingezogen zu einem Klavierkonzert zweier Pianisten: Markus Hinterhäuser und Igor Levit führen im großen Saal der Stiftung Mozarteum "Visions de l'Amen" von Olivier Messiaen auf. Igor Levit ist es, der mich sowohl als hervorragender Pianist als auch als politischer Kopf besonders interessiert. Das für zwei Klaviere konzipierte Stück selbst stammt aus 1943 und hat als Thema die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Amen" im religiösen Kontext. Den virtuoseren Klavierpart übernimmt dabei Igor Levit, während Markus Hinterhäuser mehr für die rhythmische und melodisch-harmonische Basis zuständig ist. Vor allem im hohen Tonspektrum ist für Levit viel zu tun: da höre ich gleich einmal Glockenspiel erklingen und später Vögel zwitschern. Immer wieder einmal schüttelt der so geforderte Pianist seine stark beanspruchte flinke rechte Hand aus. Subtiles Spiel gewinnt oft an Intensität und gipfelt in brachialen dissonanten und perkussiven Akkordschlägen, was mich bisweilen an den großen Pianisten des Free Jazz, Cecil Taylor, erinnert, den ich auch einmal live erleben durfte. Und was das Amen betrifft, so meint Olivier Messiaen, gehörten wir Menschen zu den Kreaturen, die allein durch das Schicksal ihrer Existenz schon "Amen" sagen würden. Diese musikalische Lebensbejahung hat dem Publikum im ausverkauten Mozarteum und auch mir sehr gut gefallen. Und so gibt es anschließend Standing Ovations.
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