Hin und wieder statte ich dem Theater Phönix in Linz einen Besuch ab, da es dort immer wieder spannende Produktionen zu sehen gibt. Gezeigt wird zurzeit ein Stück des gebürtigen Salzburgers Josef Maria Krasanovsky, der als ausgebildeter Regisseur auch selbst Regie führt. "Wölfe, Lämmer, Polaroids" besteht aus einer losen Aneinaderreihung turbulenter Szenen, wobei einige den Rahmen bilden für das eigentliche Stück im Stück, in dem es um eine desolate Familie geht. Die Rahmenhandlung thematisiert dabei auch immer wieder die Funktion des Theaters und seiner Zuschauer:innen, das Sterben und den Tod als gesellschaftlicher Zustand sowie das Fressen und Gefressen-Werden, das Tierische, die Wildnis und die Natur, die Jagd und das Töten. Verschiedene familiäre Beziehungen kommen zur Sprache, u. a. die Aufdeckung der Kriegsverbrechen des Großvaters. Das Stück beeindruckt durch die schauspielerischen Leistungen des Ensembles und auch durch unterschiedliche Licht- und Toneffekte sowie durch Musikeinsatz und Tanz. Insgesamt erscheint es als die Inszenierung einer umfassenden Krise, eines Weltzustands, bei dem die Feuerwehr sowohl Brände löscht als auch entfacht. Die Vereinigung der Lebenden mit den Toten, die Eingang ins Unendliche gefunden haben, bildet das Schlussmotiv, das mit dem Anzünden einer Friedhofskerze endet. Surreales und Absurdes ist in diesem Stück Normalität, auch Raum und Zeit erscheinen aufgehoben. Die Mühen der Interpretation spare ich mir. Ich lasse es stehen als Bild des ganz normalen Wahnsinns unserer Epoche.
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