Montag, 9. Februar 2026

Trygve Seim Quartet im Jazzit Salzburg

Jazz aus Norwegen, Estland und Finnland gibt es bei uns nicht alle Tage zu hören. Das letzte Konzert der winterlichen Musiksalon-Reihe im Jazzit bietet die Möglichkeit dazu. Der norwegische Saxophonist Trygve Seim spielt im Quartett mit dem seinem Landsmann Mats Eilertsen am Kontrabass, dem estnischen Pianisten Kristjan Randalu und dem finnischen Schlagzeuger Markku Ounaskari. Seine musikalische Erweckung fand Seim 1985 beim Hören von Jan Garbarek's Album "Eventyr", und das merkt man auch schon beim ersten Ton seines gesangsähnlichen Spiels am gebogenen Sopraninosax. Mit dem leicht verhallten Sound entsteht diese mystisch-atmosphärische nordische Klangwelt, wie ich sie auch von Jan Garbarek oder Nil Petter Molvaer kenne. Die Stücke beginnen meist tonal recht sparsam-melodiös und steigern sich dann bis zu einem dichten und rhytmisch lebendigen Soundgewebe aller Beteiligten. Dabei ergibt sich auch viel Raum für die Improvisationskünste der Musiker, wobei ich über die des Pianisten am meisten staune. Die Vielfalt seines improvisatorischen Repertoirs ist mächtig beeindruckend. Diese Variabilität legt auch der Schlagzeuger an den Tag, der von entschleunigenden Beats bis zu ekstatischen Ausbrüchen alles bieten kann. Neben einem kraftvollen Bassfundament zeigt der Bassist auch wunderbare Soloeinlagen u. a. mit traumhaftem Flageolettspiel. Die Stücke gehen ineinander über wie bei einem Konzeptalbum oft üblich und nehmen das Publikum mit auf eine lange Reise durch nördliche Gefilde. Auch am Tenorsaxophon erzählt Trygve Seim seine mythischen Geschichten und intoniert am Schluss, den politischen Ereignissen geschuldet, ein ukrainisches Wiegenlied. Im bis auf die letzten Plätze gefüllten Saal des Jazzit gibt es stürmischen Applaus für diesen End- und Höhepunkt der winterlichen Sonntagskonzerte. 

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