Gern höre ich den "König aller Instrumente" (Mozart): die Orgel. In der evangelischen Kirche Gmunden bietet sich wieder die Gelegenheit. Dort bringt der Gmundner Pianist, Organist und Chorleiter Lukas Raffelsberger ein Programm für Orgel zur Aufführung, das Werke von Johann Sebastian Bach und Phillip Glass kombiniert. Beide Komponisten sind mir gut bekannt. An Bach führt für Musikinteressierte ohnehin kein Weg vorbei und auch Philip Glass kenne ich, seit ich mich in den 1970ern auch mit Minimal Music beschäftigt habe. Lukas Raffelsberger will Stücke der beiden Komponisten derart verweben, „dass man als Zuhörer bei manchen Übergängen nicht mehr weiß, ob’s noch vom einen oder schon vom anderen ist“. Tatsächlich reiht er manche Kompositionen übergangslos aneinander. "Prélude pour Orgue", das Philip Glass für die Einweihung der nach dem Brand wieder eröffneten Notre-Dame de Paris komponiert hat, geht fließend über in die Toccata in C-Dur von Bach. Die stilistischen Unterschiede sind für mich allerdings so groß, dass mir sofort klar ist, wer hier das musikalische Sagen hat. Das Perpetuieren von minimalen Phrasen und rhythmischen Mustern charakterisiert das Genre der Minimal Music nur zu deutlich und erzeugt durchaus eine tranceartige Wirkung. Bei Bach hingegen bin ich immer wieder überrascht von der Modernität dieser 300 Jahre alten Musik. Das improvisatorische Element in Bach's Werken erinnert mich phasenweise an das Improvisieren moderner Jazz-Saxophonist:innen. Der Klang der Orgel entfaltet sich in der evangelischen Kirche Gmunden auf wunderbare Weise. Sowohl die leisen Passagen als auch die Klangmacht und Bassgewalt beeindrucken mich zutiefst. Mit der Auswahl der Komponisten und Kompositionen sowie mit der perfekten Darbietung hat mir Lukas Raffelsberger große Freude bereitet. Den zahlreichen Konzertbesucher:innen wahrscheinlich auch.
Freitag, 19. Juni 2026
Lukas Raffelsberger in der Auferstehungskirche Gmunden
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