Bei der Konzertreihe "Frauenstimmen" der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft geht es um die Würdigung von Komponistinnen. Dieses Mal - am Internationalen Frauentag - sind das zwei italienische Barockkünstlerinnen, Barbara Strozzi und Margherita Costa. Dazu ist das Duo Udite aus Berlin zu Gast, unterstützt durch die Performance-Künstlerin Maria Lucchese. Das Programm umfasst Lieder der beiden Komponistinnen, gesungen von der Mezzosopranistin Bettina Bruns und begleitet von Daniel Göritz an der Gitarre. Das ist allerdings nicht alles, denn die Aufführung bietet auch noch rezitierte Texte der portraitierten Frauen und Performancekunst, wie zum Beispiel das Fesseln und Entfesseln der Sängerin während ihrer Liedvorträge. Außerdem werden die beiden "unmöglichen" Frauen aus dem italienischen Barock in einer Konversation zwischen Bettina Bruns und Maria Lucchese anschaulich charakterisiert. Das alles lenkt vom musikalischen Vortrag, der wunderbaren Stimme von Bettina Bruns und dem einfühlsamen Gittare-Spiel, doch etwas ab. Dafür trägt die Aufführung die Züge eines Gesamtkunstwerks, das sich nicht allein auf Musik beschränken will und der Intention des Internationalen Frauentags jedenfalls entspricht.
Montag, 9. März 2026
Sonntag, 8. März 2026
Judith Schwarz & Manu Mayr im Kulturpool Gusental
PRCDR ist der Name des Projekts und des Albums, das die beiden Musiker:innen Judith Schwarz (erweitertes Schlagzeug) und Manu Mayr (Kontrabass) miteinander verbindet. Das Wort ist eine Kurzfassung des englischen Begriffs "procedure", was so viel wie Vorgehensweise bedeutet. Somit ist es kein freies Improvisieren, was die Beiden am Grund des Kulturpools in Gallneukirchen betreiben, sondern die Klangerzeugung folgt einem festgelegten Ablaufplan. Manu Mayr verzichtet auf jegliche elektronische Verfremdung seines Kontrabasses, sondern erzielt seinen immensen Klangreichtum seines Instruments allein durch Verstärkung mittels eines Mikrofons. Meist werden die Saiten dabei gestrichen, manchmal wie in Zeitlupe, dann wieder in rasendem Tempo. Die Dynamik reicht von leisesten Klängen bis zu dröhnend lauten Bässen. All das korrelliert mit dem Schlagzeugspiel von Judith Schwarz, das sich ebenso facettenreich und dynamisch variabel verhält. Gemeinsam erzeugen sie Klanggemälde unterschiedlichster Art, einmal mehr und einmal weniger rhythmusbetont, einmal atmosphärisch donnernd, dann sich wieder bis zur Unhörbarkeit abschwächend. Spannung liegt in der Luft, vom ersten Ton bis zum Ende der sich pausenlos durchziehenden Performance mit allen ihren dynamischen Hochs und Tiefs. Der durchkomponierte Ablauf hat etwas Magisches an sich und eröffnet eine eigene Klangwelt, untersützt auch durch behutsame Licht- und Nebeleffekte. Wie gebannt hat das Publikum im alten, stillgelegten Hallenbad das mehr als einstündige Prozedere mitverfolgt und spendet am Ende begeistert Applaus.
Samstag, 7. März 2026
Clara Luzia in der Arge Kultur Salzburg
Immer wieder reizt es mich, Nachschau zu halten bei Künstler:innen, die ich schon einmal vor längerer Zeit gesehen und gehört habe, um zu erfahren, wie sich mit den Jahren ihre Kunst verändert hat. Nach gut zehn Jahren tue ich das nun auch bei der österreichischen Singer-Songwriterin und Gitarristin Clara Luzia. Was gleich auffällt, ist, dass sich die Band vergrößert hat und durch ein Keyboard (Claudia Kottal) und ein Saxophon (Barbara Paierl) erweitert worden ist. Statt Helene Glüxam am E-Bass sehe ich nun Judith Ferstl am Kontrabass. (Beide schätze ich als hervorragende Jazz-Bassistinnen.) Wie schon immer sitzt Catharina Priemer am Schlagzeug. Trotz der Erweiterung spielt Clara Luzia's klare, helle und etwas harte Stimme die Hauptrolle, im ersten Teil mit englischen, im zweiten jetzt auch mit deutschen Texten, was die Aussagen authentischer erscheinen lässt. Kompositorisch sind die Songs wie gewohnt ziemlich linear aufgebaut, ohne sich in Refrain-Wiederholungen zu ergehen. Atmosphärisch aufgeladen werden sie dann oft durch den Einsatz von Keyboard und Saxophon oder durch kurze Soli auf der E-Gitarre. Auch die Improvisationskünste der Bassistin und der Schlagzeugerin werden jeweils einmal zur Schau gestellt. Obwohl die Songstexte eher die dunklen Seiten unserer Welt und des Lebens beleuchten, werde ich davon emotional kaum berührt, vielleicht weil für mich das alles recht leichtfüßig, ja fast beiläufig daherkommt. So erreicht auch die Interpretation von Lex Baxter's "Sinnerman" bei weitem nicht jene emotionale Tiefe der legendären Aufnahme von Nina Simone. Auch wenn mich das neue Bandprojekt von Clara Luzia "The Quiet Version" nicht wirklich mitreißen konnte, so hat sich die Nachschau jedenfalls gelohnt und zumindest meine Neugier befriedigt.
Freitag, 6. März 2026
The Tiptons im Jazzit Salzburg
Ich höre sie ja nicht zum ersten Mal, die vier Frauen aus den USA auf ihren Saxophonen, allerdings habe ich sie bisher noch nicht mit ihrem musikalischen Begleiter aus Österreich, dem Schlagzeuger Robert Kainar gehört. Die Schlagzeug-Unterstützung macht sich gut und nimmt dem Quartett bestehend aus Jessica Lurie, Amy Denio, Sue Orfield und Tina Richerson einiges an rhythmischer Arbeit ab. Das dargebotene Programm ist sehr vielfältig und stark inspiriert von musikalischen Einflüssen aus aller Welt, wie z. B. Japan, Hawaii, dem Balkan oder dem Alpenraum. Dabei entstehen wunderbare Sounds und Melodien, bereichert durch Soli, wobei Jessica Lurie dabei besonders glänzt. Neu für mich sind auch die häufigen Vokalpassagen, bei denen vor allem Amy Denio mit ihrer klaren Stimme in Erscheinung tritt. Seitdem ich die vier Frauen vor etwa zehn Jahren zuletzt im Spielraum Gaspoltshofen gehört habe, hat deren Musik für mein Empfinden deutlich an Qualität dazugewonnen und entfaltet auf mich jetzt eine wesentlich stärkere emotionale Wirkung. Vielleicht ist es auch die Freude der Musikerinnen darüber, nach längerer Zeit wieder im Jazzit aufzutreten, die auf das Publikum ausstrahlt. Wenn Amy Denio schon zu Beginn freudig verkündet, sie befinde sich jetzt wieder in ihrem zweiten Zuhause, so kann das für das gemeinsame Musikerleben nur Gutes bedeuten. Und somit ist dieses Konzert der Tiptons auch zu einem überaus wohltuenden Abend für Körper und Seele geworden.
Mittwoch, 4. März 2026
eigenART im Schl8hof Wels
Die Dienstag-Konzertreihe der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof zeichnet sich durch ein vielfältiges, buntes Programm aus. Mit den jungen Musikstudenten von "eigenART" ist dieses Mal eine Band mit sechs Bläsern (Trompeten, Posaunen, Tuba) sowie Schlagzeug und E-Bass zu Gast. Sie kommen aus unterschiedlichen Sparten wie Jazz, Klassik und Volksmusik. Entsprechend bunt ist daher das Repertoire des Oktetts: Stücke für Jazz-Big-Band, Material aus der Schlagerwelt, adaptierte Pop-Songs (z. B. Barrbara Ann von den Beach Boys), ein Potpourri aus klassischer Musik, das wunderbare "Oblivion" von Astor Piazzolla sowie Oberkrainer-Volksmusik. Auch Eigenkompositionen kommen vor, wie z. B. ein volkstümlicher Walzer. Solistische Einlagen sind eher kurz gehalten. Am meisten trägt diesbezüglich der Jazz-Trompeter Simon Hartl bei, der das auch schon beim Upper Austrian Jazz Orchestra macht. Die Musiker verstehen es auch, durch gelungene Conferencen das Publikum einzunehmen. So entsteht nach und nach eine heitere, wohltuende Stimmung im gut besuchten Schl8hofsaal. "eigenART" bietet den beteiligten Jungmusikern die Gelegenheit, vieles auszuprobieren und mit Musik spielerisch umzugehen. Ihnen dabei zuzuhören und zuzusehen, kann viel Spaß machen.
Montag, 2. März 2026
James Brandon Lewis Trio im Schl8hof Wels
Spät, aber doch habe ich nun auch den US-amerikanischen Saxophonisten James Brandon Lewis live zu sehen und zu hören bekommen. Mit seinem Trio mit Josh Werner am E-Bass und Warren "Trae" Cudrup III am Schlagzeug spielt er im Welser Schl8hof auf, und zwar vom ersten Ton an überzeugend, dass ihm alle seine Auszeichnungen, wie z. B. "Artist of the Year" (DownBeat Magazine) zurecht gebühren. Selten habe ich so einen kraftvollen Ton am Tenorsax gehört, der die ganze Bandbreite des Instruments umfasst. Was die Intensität anbelangt, hat sein Spiel alles zu bieten, von sanften Tönen angefangen bis zum ekstatischen Kulminationspunkt und wieder zurück. Seine musikalischen Partner machen diese Reise in kollektiver Einigkeit mit. Eindrucksvoll ist dabei das Bassspiel von Josh Werner, das der Darbietung zusätzliche Kraft und Tiefe verleiht. Ebenso kraftvoll wie auch sensibel agiert der Schlagzeuger. Die Kompositionen des Bandleaders sind geprägt von Gospel, Blues und R&B sowie von Vorbildern wie Ornette Coleman, Don Cherry oder Albert Ayler. Besonders beeindruckt hat mich die Rhytmik seiner Stücke, die mich nicht allzu lange auf meinem Stuhl verbleiben lässt. Seine Musik ist tanzbar, d. h. auch körperlich mitreißend. Der Mann kann Geschichten erzählen am Tenorsax und auch mittels seiner Zwischenansagen, die ebenfalls die Herzen des Publikums erreichen. Schön, dass ich an diesem Abend.einen der ganz Großen der zeitgenössischen Jazz-Szene nun auch live kennenlernen durfte.
Sonntag, 1. März 2026
Sir Oliver Mally in der Spinnerei Traun
"40 Years On The Road" ist der österreichische Gitarrist und Singer-Songwriter Sir Oliver Mally nun schon. Kein Wunder, dass ich ihm dabei auch schon das eine oder andere Mal begegnet bin. Er wird vor allem mit dem Roots Blues in Verbindung gebracht, bietet allerding viel mehr und lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. In der Spinnerei Traun tritt er gemeinsam mit seinen langjährigen Weggefährten Peter Schneider (Gitarre), Martin Gasselsberger (Keyboard) und Peter Lenz (Schlagzeug) auf. Natürlich ist Mally der Bluestradition tief verbunden und orientiert sich stilistisch an den großen US-amerikanischen Vorbildern. Allerdings hat er längst seinen eigenen, unverkennbaren Stil gefunden, sowohl was seinen Gesang als auch sein Gitarrenspiel betrifft. Viel Eigenes wird vorgetragen und auch die eine oder andere Coverversion (z. B. von Bob Dylan) steht am Programm. Auch solistische Einlagen der Gitarristen sowie von Martin Gasselsberger bereichern das Konzert. Vor allem aber ist es die Atmosphäre, die Sir Oliver Mally und seine Mitmusiker verbreiten, voller musikalischer Spannung, Ideenreichtum, Spielreude, Humor und herzlichem Kontakt zum Publikum. Diese Stimmung nimmt das Publikum mit, wodurch der Konzertabend zu einem (einmaligen) Fest wird, zu einer 40-Jahr-Feier, zu einer nachträglichen Geburtstagsfeier des gerade erst 60 Jahre alt gewordenen Bandleaders.
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