Dienstag, 1. September 2026

"Jazz" bei den Musiktagen im Schloss Mondsee

Schon seit 1989 gibt es Ende August, Anfang September das Kammermusik-Festival Musiktage Mondsee im Schloss Mondsee. Zum ersten Mal hat es mich dieses Jahr hingezogen, wahrscheinlich wegen dieses mit "Jazz" betitelten Abends. Gespielt werden allerdings Kompositionen von Komponisten aus dem Klassik-Genre, die mehr oder weniger oder gar nichts mit Jazz zu tun haben. Am jazzigsten geht es noch bei Bohuslav Martinu zu. "La Revue de Cuisine" ist eigentlich Ballettmusik, die aus einem stilistischen Mischmasch besteht: Marsch, Bolero, Tango und auch jazziger Charleston kommen in diesem Stück aus den 1920er Jahren vor. Dimitri Schostakowitsch verwendet zwar für seine Jazz-Suite Nr. 1 die Instrumentation einer Jazz-Band der 1930er Jahre mit Klavier, Kontrabass, Schlagzeug und Bläsersatz, die Musik selbst, bestehend aus den Sätzen Walzer, Polka und Foxtrott hat mit Jazz jedoch kaum etwas zu tun. Igor Strawinsky's Geschichte vom Soldaten schließlich ist Bühnenmusik, die zur Aufführung mit einem Vorleser, zwei Schauspieler:innen und einer Tänzerin bestimmt ist. Im Schloss Mondsee treten die sieben Musiker:innen allerdings nur mit dem Vorleser (Michael Dangl) in Aktion und erzählen verbal und musikalisch einen russischen Märchenstoff, bei dem ein Soldat einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Die Moral der Geschichte hat schon was: "Man kann nicht der sein, der man ist und der man war. Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück." Auch wenn "Jazz" anders klingt, so ist der Abend durchaus unterhaltsam und die künstlerischen Leistungen sind überzeugend. Dafür gibt es auch vom Publikum im immer noch sommerheißen Schlosssaal viel Applaus.
 

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