Freitag, 20. Februar 2026

Shake Stew im Jazzit Salzburg

10 Jahre gibt es nun schon die Formation rund um den Bassisten Lukas Kranzelbinder (dem ich übrigens zum ersten Mal 2010 im Stadtcafe Vöcklabruck zuhören durfte), und ich erinnere mich gerne an einen furiosen Auftritt dieser Band im "Porgy" vor einigen Jahren. Nun sind "Shake Stew" im Jazzit zu Gast, um ihr Jubiläum zu feiern und ihr neues Doppelalbum zu präsentieren. Charakteristisches Merkmal der Gruppe ist die Doppelbesetzung von Schlagzeug (Herbert Pirker, Niki Dolp) und Bass (Lukas Kranzelbinder, Oliver Potratz), die der Musik einen besonderen rhythmischen Drive verleiht. Dazu kommen an der Trompete Mario Rom, am Tenorsax Johannes Schleiermacher und am Altsax Yvonne Moriel. Sie erzeugen atmosphärische Klanggebilde (auch mir elektronischer Verfremdung) und tragen wunderbare Soli auf ihren Instrumenten bei. Was den Reiz dieses auch international beachteten Septetts ausmacht ist ihre ausgeprägte Rhytmik mit Einflüssen aus aller Welt und ein besonderer melodischer Bläser:innensound, unterstützt auch durch Oliver Potratz auf seinem 6-saitigen Bass aus den 1960ern, der sich auch für beeindruckende Gitarrensoli eignet. Was "Shake Stew" abliefern, ist Tanzmusik auf allerhöchstem rhytmischen Niveau, und damit wird auch klar, warum das Jazzit dieses Mal auf die Bestuhlung gerne verzichtet hat. Die Band ist in der Lage, nicht nur sich selbst, aber auch das Publikum in einen tranceartigen Zustand zu versetzen, in dem Zeit und Raum für die Dauer der Performance ihre Bedeutung verlieren. Die Begeisterung, die dieses Aushängeschild des österreichischen Jazz beim Publikum auslöst, ist somit nur allzu begreiflich. 
 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Maria Radutu & Lylit feat. Phoebe Violet im MuTh Wien

Was hat mich dazu verleitet, gerade dieses Konzert im Wiener MuTh zu besuchen? Es war die Ankündigung, dass hier zwei musikalische Welten in Verbindung treten: klassische Klaviermusik und Songwriting aus der Pop-Welt. Die stimmgewaltige Singer-Songwriterin Lylit kenne ich ja schon und auch ihr letztes Album "her". Nun aber verbinden sich ihre Lieder mit ausgewählten klassischen Kompositionen für Klavier so, dass daraus ein neues, größeres Ganzes entsteht. In sieben Sequenzen vereinen die klassische Pianistin Maria Radutu und Lylit, beide an Bösendorfer-Flügeln, atmosphärisch zusammenpassende Stücke aus Pop- und Klassik-Welt. Franz Liszt, Dmitri Schostakowitsch und György Ligeti beispielsweise erzeugen mit ihren Stücken ähnliche Stimmungen wie Lylit mit ihren Liedern. Dazu gesellt sich passender Weise auch noch zweimal die Singer-Songwriterin Phoebe Violet. Maria Radutu's Virtuosität am Klavier beeindruckt, und ebenso überzeugend greift Lylit in die Tasten, sodass eine wahre Klavierklangfülle entsteht. Der Abend lebt von einer Vielfalt, die zugleich eine Einheit bildet. Berührungspunkte und Schnittmengen zwischen den Genren werden offenbar, und es wird deutlich, dass die unterschiedlichen Musikstile ebensoviel verbindet, wie sie trennt. Die tolle Idee, das hier vorzuführen, begeistert sowohl mich als auch das Publikum im wunderbaren Saal des MuTh am Augartenspitz in Wien. 
 

Montag, 16. Februar 2026

Otomo Yoshihide & Emilie Skrijelj & Tom Malmendier im Sch8hof Wels

Analoge Plattenspieler, Mixer, ein elektronisches Effektgerät und ein Schlagzeug: Das ist die Grundausstattung, die dieses Trio, bestehend aus dem Japaner Otomo Yoshihide, der Französin Emilie Skrijelj und dem Belgier Tom Malmendier am Schlagzeug, in den Schl8hof zum Musizieren mitbringt. Dazu kommen noch Vinylplatten und diverse kleinere Hilfsmittel. Um Musik im landläufigen Sinn geht es hier auch gar nicht, sondern um das gekonnte Produzieren von Geräuschen aller möglichen Art. Herzstück des Ganzen ist der Rhythmus und Sound des Schlagzeugers, um den herum sich diverse andere, auf unterschiedlichste Art erzeugte Klänge entwickeln. Daraus ergibt sich ein organisches Ganzes, das ein bewegtes Eigenleben an den Tag legt und eine große Bandbreite an Geräuschkulissen hervorbringt. Deren Intensität kann sich steigern, einen Kulminationspunkt erreichen und wieder abschwellen bis zum aboluten Ruhepunkt. Da ist nichts Eintöniges dabei, es herrscht vielmehr eine reiche Variabilität an Sounds. Für Dauerspannung ist dabei gesorgt. Wie die Klangerzeugung funktioniert, ist für mich als Zuschauer nicht so leicht zu eruieren. Oft liegen beispielsweise ein paar Vinylplatten unterschiedlicher Größen gestapelt und dezentriert am Plattenteller und der Tonarm sucht sich seinen Weg. Auch andere Gegenstände werden zum Abtasten der Schallplatten verwendet, so auch der Programmzettel dieses Konzerts. Auch so können Kunstwerke vor den gebannten Blicken der Zuhörer:innenschaft entstehen, die Spannung erzeugen, auch wenn sie abseits jeglicher Melodik passiert. Und das Erstaunliche daran ist, dass die Geräuschergüsse bei mir ein gutes Gefühl hinterlassen haben, entspannend gewirkt haben, dem Aggressionsabbau dienlich waren, gleich einem reinigenden Geräuschebad.
 

Samstag, 14. Februar 2026

Max Nagl Quintett im Jazzit Salzburg

Der aus Ohlsdorf bei Gmunden stammende Komponist und Saxophonist Max Nagl ist für mich kein Unbekannter, und ich war über einen langen Zeitraum schon mehrmals Zuhörer seiner Konzerte. Im Jazzit Salzburg stellt er sein neues Album "Phasolny" vor, und zwar mit einem Quintett erlesener Musiker der österreichischen Jazz-Szene. Der von mir hoch geschätzte Georg Vogel spielt Klavier, Gregor Aufmesser den Kontrabass, der gebürtige US-Amerikaner Phil Yaeger die Posaune und Martin Eberle die Trompete. Ein Schlagzeug vermisse ich nicht und es würde bei dieser Art von Kammermusik eher stören. Die Kompositionskunst Nagls steht dabei im Vordergrund. Seine neuen Stücke haben nicht nur originelle Namen wie Schalf, Brandl, Graul oder Kredenz, sie sind es auch ,und sie sind ziemlich komplex und vertrackt, was äußerste Konzentration von den Aufführenden erfordert. Dennoch kommt das Gebotene mit einer spielerischen Leichtigkeit daher und bringt mich ob der witzigen Ideen des Öfteren heimlich zum Lachen. Vieles ist streng vorgegeben und muss akkordiert geschehen, allerdings gibt es genügend Freiheiten für die einzelnen Spieler, sei es beim kollektiven wie auch beim solostischen Improvisieren. Georg Vogels pianistische Eskapaden stechen für mich dabei besonders hervor und auch Gregor Aufmesser macht von seiner Improvisationsfreiheit regen Gebrauch. Insgesamt erzeugt der Klangkörper ein an Klangfarben reiches musikalisches Gemälde. Max Nagls Musik war und ist noch immer schwer einzuordnen. Vergleiche mit Anthony Braxton werden gezogen, architektonische Herangehensweise und "stilistische Furchtlosigkeit" werden ihm nachgesagt. Ein Max-Nagl-Konzert ist jedenfalls ein besonderes Erlebnis und der Jubel über die brilliante Vorstellung im gut besuchten Jazzit fällt dementsprechend groß aus.
 

Dienstag, 10. Februar 2026

AK Classics im Brucknerhaus Linz

Obwohl meine musikalische Sozialisation abseits der klassischen Musik erfolgt ist, zieht es mich gelegentlich immer wieder einmal zu Klassikkonzerten, als ob ich etwas Versäumtes nachzuholen hätte. Eine gurte, niederschwellige Gelegenheit dazu ist die Konzertreihe AK Classics der Arbeiterkammer im Linzer Brucknerhaus. Aufführende des aktuellen Konzerts sind das Bruckner Orchester Linz, der Linzer jeunesse Chor, der Chor Vocamus sowie sechs Solist:innen des Musiktheaters Linz. Dirigentin ist Maria Benyumova aus Deutschland. Das Konzert beginnt mit der Uraufführung der 3. Symphonie "dona nobis pacem" des oö. Komponisten Helmut Rogl, im zweiten Teil erklingt die Messe Nr. 6, die Franz Schubert kurz vor seinem Tod gerade noch vollenden konnte. Hier bilden die Chöre das dominierende Element und auch die Orgel kommt zum Einsatz. Die Solist:innen spielen eine eher untergeordnete Rolle. Helmut Rogl's Werk erfordert viel Konzentration und hat auf mich etwas ermüdend gewirkt. Die Schubert-Messe ist einfacher zu genießen, da sie weniger komplex strukturiert ist und melodisch eingängiger daher kommt. Beeindruckend für mich ist die kaum überschaubare, große Zahl an Mitwirkenden, die die Bühne bevölkern. Geschätzt 150 dürften es schon sein. Am Ende gibt es lang anhaltenden Applaus im ausverkaufen Brucknerhaus. Mein Interesse an großen Symphonieorchestern samt Chören dürfte allerdings für die nächste Zeit vorerst wieder gestillt sein.
 

Montag, 9. Februar 2026

Trygve Seim Quartet im Jazzit Salzburg

Jazz aus Norwegen, Estland und Finnland gibt es bei uns nicht alle Tage zu hören. Das letzte Konzert der winterlichen Musiksalon-Reihe im Jazzit bietet die Möglichkeit dazu. Der norwegische Saxophonist Trygve Seim spielt im Quartett mit dem seinem Landsmann Mats Eilertsen am Kontrabass, dem estnischen Pianisten Kristjan Randalu und dem finnischen Schlagzeuger Markku Ounaskari. Seine musikalische Erweckung fand Seim 1985 beim Hören von Jan Garbarek's Album "Eventyr", und das merkt man auch schon beim ersten Ton seines gesangsähnlichen Spiels am gebogenen Sopraninosax. Mit dem leicht verhallten Sound entsteht diese mystisch-atmosphärische nordische Klangwelt, wie ich sie auch von Jan Garbarek oder Nil Petter Molvaer kenne. Die Stücke beginnen meist tonal recht sparsam-melodiös und steigern sich dann bis zu einem dichten und rhytmisch lebendigen Soundgewebe aller Beteiligten. Dabei ergibt sich auch viel Raum für die Improvisationskünste der Musiker, wobei ich über die des Pianisten am meisten staune. Die Vielfalt seines improvisatorischen Repertoirs ist mächtig beeindruckend. Diese Variabilität legt auch der Schlagzeuger an den Tag, der von entschleunigenden Beats bis zu ekstatischen Ausbrüchen alles bieten kann. Neben einem kraftvollen Bassfundament zeigt der Bassist auch wunderbare Soloeinlagen u. a. mit traumhaftem Flageolettspiel. Die Stücke gehen ineinander über wie bei einem Konzeptalbum oft üblich und nehmen das Publikum mit auf eine lange Reise durch nördliche Gefilde. Auch am Tenorsaxophon erzählt Trygve Seim seine mythischen Geschichten und intoniert am Schluss, den politischen Ereignissen geschuldet, ein ukrainisches Wiegenlied. Im bis auf die letzten Plätze gefüllten Saal des Jazzit gibt es stürmischen Applaus für diesen End- und Höhepunkt der winterlichen Sonntagskonzerte. 

Sonntag, 8. Februar 2026

Duo Edlbauer Kuzo im C. Bechstein Centrum Linz

Im C. Bechstein Centrum Linz gibt es nicht nur Klaviere aller Art, sondern auch bisweilen Konzerte. Dieses Mal waren zu Gast die österreichische Saxophonistin Andrea Edlbauer und die aus der Ukraine stammende Pianistin Oksana Kuzo, die ihr Album "Lovers" präsentierten. Das Saxophon ist vor allem als Jazz-Instrument bekannt, allerdings gibt es auch Kompositionen für Saxophon außerhalb des Jazz. Davon bringt das Duo einige zur Aufführung, wie z. B. von Robert Muczynski, Theodor Burkali oder Steve Bryant. Der klassische Saxophonton sowohl am Altsaxophon wie auch am Sopransaxophon hat dabei für mich einen besonderen Reiz. Die beiden Musikerinnen überschreiten jedoch auch die Genregrenzen in Richtung Jazz und Tango. So gipfelt das Konzert mit dem Stück "La Grand Tango" von Astor Piazzolla, womit mir die Beiden eine besondere Freude bereitet haben. An Virtuosität und Emotionalität lässt die Vorstellung keine Wünsche offen. Die familiäre Atmosphäre im Klavierhaus trägt ebenfalls dazu bei, dass sich das zahlreich erschienene Publikum hier besonders wohl fühlen kann. Für mich war es ein wunderbarer Konzertabend.
 

Freitag, 6. Februar 2026

Christof Spörk im Kleinen Theater Salzburg

Mein Interesse für Christof Spörk rührt, wie sollte es anders sein, von der Musik her. Er war und ist der Kopf der Band "Global Kryner", die 2002 aufgetaucht ist und dieses Jahr ein Neuauflage erlebt. Im Kleinen Theater Salzburg tritt er allerding als Kabarettist auf, ein Genre, das er ebenfalls schon seit den frühen 1990er mit der Formation "Die Landstreich" bedient. "Maximo Lieder" heißt sein neues Soloprogramm, das es ihm erlaubt, seine multiinstrumentalen Fähigkeiten voll auszuleben mit der Knopfharmonika, dem E-Piano und der Klarinette, mit seiner Gesangsstimme sowieso. Musikalisch vereint er zwei Welten: die der (steirischen) Volksmusik mit der Welt des Jazz, des Blues und der Popmusik. Was die Themen seiner Kabarettnummern anbelangt, macht sich sein Studium der Politikwissenschaft stark bemerkbar. Patriotismus, Populismus, Systemkritik, Materialismus und die Entwicklung der politischen Weltlage sind die Motive seiner Songs und Ansprachen, die auf recht anschauliche, witzitg-ironische Weise ihren Ausdruck finden. Dabei ist das virtuos-künstlerische Element ebenso wichtig wie die transportierten Inhalte. Mit Dauer der Vorstellung entsteht ein recht abgerundetes und plastisches Bild, was die Grundbotschaften des Abends betrifft, und auch das Persönlichkeitsbild von Christof Spörk tritt immer offener zutage. Wie Angst und Geld die Sicht auf die Welt verbauen, warum die Leute heute so unglücklich sind und dass es schließlich nicht immer nur bergauf gehen kann, sind  ans Publikum gerichtete Fragen und Einsichten. Christof Spörk kann unterhalten sowohl verbal als auch musikalisch, und er findet den zwischenmenschlichen Zugang, der es möglich macht, die Zuhörer:innen zu berühren. Bei mir ist ihm das jedenfalls bestens gelungen.
 

Mittwoch, 4. Februar 2026

Michael Kornas Quartett im Schl8hof Wels

Die Dienstag-Reihe an Konzerten der Musikwerkstatt Wels kann immer wieder einmal für äußerst positive Überraschungen sorgen. Dieses mal tauchte ein mir bis dahin unbekanntes Quartett auf, geleitet vom deutschen Pianisten Michael Kornas, der drei polnische Kollegen aus seiner Studienzeit in Krakau mitgebracht hat (Marcin Konieczkowicz am Tenorsax, Alan Wykpisz am Kontrabass und Maksymilian Olszewski am Schlagzeug). Schon die ersten sanften Töne eröffnen ein Klanguniversum, das geprägt ist von einem musikalischen Fluss, der atmet, der Räume eröffnet, in denen dann die Musiker ihre Geschichten erzählen. Der Mann am Tenorsax macht das mit einem warmen, eher fragil wirkenden Sound, der sich allerdings auch zum Expressiven hin wandeln kann. Der Ideenreichtum seiner "Erzählungen" ist groß. Ebenso reich an musikalischen Einfällen sind die Improvisationen des Bassisten - ein gestrichenes Solo beeindruckt mich besonders - und ebenso die des Pianisten. Dieser erzeugt mittels elektronischer Groovebox auch bisweilen Hintergrund-Sounds, die dem musikalischen Ausdruck auf völlig unaufdringliche Weise noch mehr Gewicht verleihen. Die Musik des Quartetts hat für mich einen magisch-mystischen Sog, der mich gefangen nimmt und eintauchen lässt in eine Welt musikalischer Stimmungen und Geschichten. Die Kompsitionen sind eher lyrisch-melodischer Art ohne Härten, wobei mich das Klavierspiel manchmal an Keith Jarrett erinnert. Die Begeisterung beim erfahrenen Musikwerkstatt-Publikum ist daher dieses Mal auch besonders groß. So hohe Qualität bekommt man nicht allzu oft geboten.

Montag, 2. Februar 2026

Retrospektive von Marina Abramović in der Albertina Modern, Wien

Aufmerksam geworden auf die Performance-Künstlerin aus Serbien bin ich schon in den 1990er Jahren. Die extreme Körperlichkeit ihrer Aktionen mit damit verbundener Selbstverletzung kann einen nicht kalt lassen. Auch die Einbeziehung des "Publikums" in ihre Performances ist ein Markenzeichen der Küntlerin. Die Ausstellung im unteren Geschoss des Wiener Künstlerhauses (Albertina Modern) wird allen Facetten ihres bisherigen künstlerischen Wirkens gerecht und scheut keinen noch so großen Aufwand, um anschaulichen Einblick in die diversen Kunstaktionen Abramovic's zu geben. Breiter Raum wird zum Beispiel der Kunstaktion von 2010 im Museum of Modern Art in New York gewidmet, in der es darum geht, dass die Künstlerin jeweils einer Person an einem Tisch gegenüber sitzt und sich die Beiden in die Augen schauen. Auch blutige (und selbstverletzende) Performances werden mittels Videoeinspielungen gezeigt. Und nicht zuletzt wird auch eine von Abramovic's Aktionen nachgestellt: Eine Frau liegt nackt am Rücken, auf ihr liegt ein menschliches Skelett. Alle gezeigten Werke sowie auch die Biographie der Künstlerin sind gut und markant beschrieben, sodass es einem leicht gemacht wird, das Gezeigte zu begreifen. Diese wirklich sehr gut gelungene Retrospektive hat mich sehr beeindruckt und ich kann einen Besuch dieser Ausstellung nur weiter empfehlen. 
 

Sonntag, 1. Februar 2026

Catastrophe & Cure im OKH Vöcklabruck

Obwohl diese Indie-Rock-Band aus Steyr angeblich schon mehrmals im OKH zu Gast gewesen ist, habe ich sie jetzt zum ersten Mal zu Gehör bekommen. Die Band, die eigentlich aus sechs Mitgliedern bestehen soll, tritt hier zu viert auf. Neben Johannes Eder (Gesang, Gitarre) spielen noch Lukas Kargl (Gitarre), Raphael Rameis (Schlagzeug) und Dominik Pandelidis (Bass und Synthesizer). Die Musik klingt ziemlich schnörkellos, verzichtet auf solistische Einlagen, ist meist recht gitarrenlastig und auch rhythmisch oft recht einfach gestrickt. Bei manchen Stücken greift der Bassist dann allerdings zum Synthesizer, um alternative Sounds beizusteuern. Bisweilen befreit sich Johannes Eder auch von seiner Gitarre und widmet sich ganz seinem recht ansprechend wirkenden Gesang. Vergänglichkeit und Flüchtigkeit seien die Hauptthemen der neuen Songs, sowohl im Negativen wie auch im Positiven. Das Ganze wirkt auf mich recht routiniert - die Band gibt es ja auch schon über 15 Jahre -, wobei mich das Ergebnis allerdings nicht wirklich mitgerissen hat. Nach dem gewissen Etwas, das musikalische Darbietungen für mich außergewöhnlich macht, habe ich leider vergeblich gesucht. Beim stichprobenartigen Reinhören in ihr bisheriges Werk, hat mir die Band deutlich besser gefallen. Das Publikum im OKH zeigt sich dennoch recht zufrieden mit der Vorstellung.
 

Freitag, 30. Januar 2026

Asja Valcic und Sebastian Schneider im Jazzit, Salzburg

Die Cellistin Asja Valcic habe ich erstmals 2009 als Teil des radio.string.quartets kennen gelernt. Später konnte ich sie noch mehrmals zusammen mit Klaus Paier (Akkordeon) hören. Nun stellt sie im Jazzit Salzburg ihr eigenes Solo-Album "Inner Voice" vor: ein musikalisches Selbstportrait und ein Tondokument dafür, was auf einem Cello, ohne elektronische Soundeffekte zu bemühen, klanglich und stilistisch alles möglich ist. Stücke mit klassischen Einflüssen sind ebenso dabei wie solche mit volksmusikalischen Anklängen oder ein Tango, der mich stark an Astor Piazzolla erinnert. Technisch zieht die Cellistin alle Register inklusive dem Spiel von Flageoletttönen. Im zweiten Teil des Konzert ändert sich das Programm. Aus einem Solo wird ein Duo mit dem jungen Pianisten Sebastian Schneider, den ich übrigens auch schon in der Band von Johannes Dickbauer (J.D.Hive) hören konnte. Im Cello-Klavier-Duo erklingen nun Eigenkompsitionen der beiden Musiker:innen, die man auch demnächst auf einer CD nachhören wird können. "Sun and Moon" soll sie heißen, wobei sowohl getragen traurige Stücke als auch beschwingt fröhliche Klänge darauf Platz finden werden. Das Zusammenspiel der Beiden harmoniert vorzüglich und erzeugt wunderbare Klanggemälde. Ein erquicklicher Abend geht damit zu Ende und das Publikum zeigt sich begeistert davon.
 

Montag, 26. Januar 2026

Ted Milton mit Blurt im Rhiz, Wien

Oft werde ich gefragt, wie ich denn von den Veranstaltungen erfahre, die ich dann besuche. Dieses Mal war es ein Beitrag auf Instagram, der mir in die Augen gestochen ist. Ted Milton und Blurt seien auf Europatour. Irgendwas in meinem Hinterkopf hat darauf reagiert. Obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, ob ich diese Band schon einmal (vor langer Zeit) live gesehen habe oder sich in meiner Tonträgersammlung eines ihrer Alben befindet, war mir sofort klar: Diesen über 80-jährigen Londoner will ich (noch einmal) hören. Im Wiener Musiklokal Rhiz bot sich die Gelegenheit. Ein alter Mann mit einem Hauch von Irokesenschnitt setzt sich mit seinem Altsaxophon auf einen Stuhl, ein E-Gitarrist (Steve Eagles) und ein Schlagzeuger (David Aylward) stehen bereit. Vom ersten Takt an ist mir die Musik sofort vertraut. Sie war über die Jahrzehnte in meinem musikalischen Gedächtnis bestens aufgehoben. Ted Milton ist eigentlich Dichter (und Puppenspieler) bringt allerdings seine poetischen Werke in Post-Punk-Manier und mit jazzigen Saxophonklängen sprechgesanglich auf die Bühne. Eindringliche, stakkatoartige Mantras kommen dabei heraus mit starker rhytmischer Betonung, schneidend-schreiender Gitarre und Schlagzeuggewittern. Das Saxophon schnattert und schreit ebenfalls dazu und bisweilen tut es Ted Milton auch mit seiner charakteristischen Stimme. Die Texte sind dem Dadaistisch-Absurden zuzuordnen. Das Konzert ist ein Tour de Force, die nach einer guten Stunde zu Ende geht. Die Emotionen haben ihren längst wieder einmal fälligen Ausbruch gefunden und alle sind geläutert und zufrieden.
 

Sonntag, 25. Januar 2026

The Passing of the Year - Chorwerke von Mendelssohn, Brahms, Britten und Dove an der Uni Mozarteum, Salzburg

Immer wieder zieht es mich in die Gefilde der klassischen Musik und dafür ist die Universität Mozarteum mit dem akustisch perfekten "Solitär" ein guter Ort. Dieses Mal konnte ich in den Genuss des Mozarteum kammerChors kommen, geleitet von Christiane Büttig und begleitet am Klavier von Johannes Wilhelm. Chorwerke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms, Benjamin Britten und Johannes Dove stehen am Programm. Die vertonten Texte stammen von zum Teil recht bekannten Schriftsteller:innen wie zum Beispiel Friedrich Hebbel, Johann Wolfgang von Goethe, William Blake und Emily Dickinson. In all den Texten bestimmen Motive wie Natur, Jahreszeiten, Wachstum und Vergänglichkeit und das Leben der Menschen den Sinngehalt. Ein wunderbar abgestimmter gemischter Chor vermittelt die Botschaften, wobei mich Phrasierung und Dynamikumfang des Gesangs besonders beeindrucken. Dem Chor gelingt es hervorragend, die unterschiedlichen Gefühlslagen der Texte zum Ausdruck zu bringen, sodass nicht nur ich davon gerührt bin. Am Ende sollen positive Gefühle dominieren. Im titelgebenden Stück "The Passing of The Year" des zeitgenössischen britischen Komponisten Jonathan Dove heißt es am Schluss hoffnungvoll: "Ring out the thousand wars of old, ring in the thousand years of peace" und auch die letzte Zugabe "Sure on this shinging night" soll die begeisterte Zuhörerschaft mit einem angenehmen Gefühl auf ihren Heimweg entlassen.
 

Samstag, 24. Januar 2026

Anna Buchegger im Schl8hof Wels

Mir bekannt geworden ist Anna Buchegger, als sie 2021 bei der Starmania-Show gewonnen hat. Dass sie auch mit Jazzern auftritt, hat ebenfalls mein Interesse an der österreichischen Musikerin aus Abtenau geweckt. Nun hat sie schon ihr zweites Album "Soiz" veröffentlicht und stellt es nun live vor. Dass sie eine ausgezeichnete Sängerin ist, war mir schon klar, sie spielt live allerdings auch Hackbrett und E-Piano, mit dem sie sich auch solo begleitet. Unterstützt wird sie sonst von Tobias Wöhrer am Bass, David Raddish am Schlagzeug und Sophia Andlinger am Keyboard. Musikalisch macht sie ihr eigenes Ding, das fest im Pop verankert und rhythmisch recht einfach gestrickt ist, allerdings auch volksmusikalische Einflüsse enthält. Sowohl gesellschaftliche Themen (Engstirnigkeit, Machtmissbrauch und Gewalt) als auch Persönliches (Selbstverständnis und Identität) bestimmen die Songtexte, die im (für mich) gut verständlichen Dialekt verfasst sind. Sie weiß auch, wie man sich auf der Bühne bewegt und wie man das Publikum anspricht. Neben der Hauptbühne betritt sie für einige Zeit auch noch ein Podest mitten im Saal, wo sie am Keyboard ohne ihre Bandkolleg:innen aufspielt und singt, was ihre Publikumsnähe noch unterstreicht. Das Ganze ergibt ein gut abgerundetes Programm, das beim zahlreich erschienen Publikum gut ankommt. Anna Buchegger einmal live kennenzulernen war auch für mich diesen Konzertbesuch wert.

Freitag, 23. Januar 2026

Matyas Bartha Trio mit Heinz von Hermann im Cafe Ramsauer, Bad Ischl

"A bissl Bebop bevor ich geh'", könnte das Motto des Abends im gesteckt vollen Cafe Ramsauer in Bad Ischl lauten, gleich dem Buchtitel der Autobiographie des fast 90-jährigen österreichischen Jazzmusikers Heinz von Hermann (Saxophon, Querflöte). Er wird begleitet vom Trio des ungarischen Pianisten Matyas Bartha mit Danny Ziemann am Kontrabass und Christian Salfellner am Schlagzeug. In der Tradition von Bebop und Hardbop stehen dann auch die dargebotenen Stücke, zum Teil Eigenes von Heinz von Hermann (Rosa, liebe Rosa) sowie bekannte und weniger bekannte Jazz-Standards (Nobody Else but Me, Old Folks). Wie üblich gibt es dabei solistische Einlagen von Heinz von Hermann und Matyas Bartha und spannende Dialoge zwischen Kontrabass und Schlagzeug. Heinz von Hermann lässt nicht nur seine Instrumente sprechen, sondern er ist auch ein bemerkenswerter Conferencier, der dem Publikum so einiges über die Herkunft des Gebotenen berichtet. Dass es auch im inneren Salzkammergut (Bad Ischl und Bad Goisern) nun schon seit 1979 eine beachtliche Reihe von Jazzkonzerten gibt, verdanken wir den Jazzfreunden Bad Ischl und deren Obmann Emilian Tantana, dessen freudige Begeisterung für Jazz offensichtlich ist. Natürlich ist auch das Publikum im stilvollen Cafe Ramsauer begeistert und auch ich, besonders vom letzten Stück des Abends, Cole Porter's "You Do Something to Me", dessen wunderbare Interpretation von Bryan Ferry sich in mein musikalisches Gedächtnis eingebrannt hat. Schön, dass es Musiker gibt, die diese Tradition aufrecht erhalten, "bevor sie gehen", und welche nachkommen, die sie weiter pflegen.

 

Sonntag, 18. Januar 2026

Naked Lunch im Kino Ebensee

Schon zweimal hatte ich die Gelegenheit, die österreichische Indie-Rock-Band Naked Lunch live zu sehen und zu hören, zuletzt 2018 im OKH Vöcklabruck. Oliver Welter, Gitarrist und Sänger und das einzige verbliebene Gründungsmitglied, hat Naked Lunch 2025 quasi neu gegründet mit neuem Personal, nämlich Wolfgang Lehmann an der Gitarre, Romana Jakovcic am Bass, Boris Hauf an den Keys und am Saxophon und Alex Jezdinsky am Schlagzeug. Auch vom musikalischen Konzept her ist die Band nun breiter aufgestellt, ist sozusagen modernisiert worden. Die Klangkulissen, vor denen Welters Stimme nun ertönt, werden durch (phasenweise zu penetrante) Synthie-Sounds gebildet, auch Wolfgang Lehmann trägt durch sein schräges Gitarrenspiel und Gehabe zur Irritation bei. Chorgesang wird bei manchen Stücken zum prägenden Element. Das alles lenkt leider von Welters eigentlich wunderbaren sentimentalen Liedern und seiner Vortragskunst ziemlich ab. Weniger Sound-Brimborium wäre für mein Gefühl mehr an musikalischer Botschaft. Die älteren Songs sind ohnehin in etwas nüchterneres Gewand gekleidet und gefallen mir erst einmal besser. Doch auch die neuen haben ihre besondere Qualität, die sich für mich vor allem dann entfaltet, wenn Oliver Welter eines davon fast unbegleitet zum Besten gibt. Dass Naked Lunch einen ihrer Songs in Ekstase und Chaos gipfeln lassen, ist auch ganz okay. Die Band ist experimenteller geworden, kommt dabei jedoch (noch) ziemlich ungeschliffen und für mich zu überladen daher. Dennoch finde ich es wert, diese Neuentwicklung einmal live mitzuerleben.

Samstag, 17. Januar 2026

Jam-Session im Rossstall Lambach

Neben den Konzerten namhafter Künstler:innen finden in den Jazz affinen Lokalitäten meiner Umgebung auch regelmäßig sogenannten Jam-Sessions statt, so z. B. dienstags im Jazzit Salzburg sowie in längeren Abständen auch im KiK Ried im Innkreis, im OKH Vöcklabruck und eben auch im Rossstall Lambach. Statt Eintrittsgeld wird freiwillig gespendet (oder auch nicht), eine Musikformation macht den Jam-Session-Opener, gefolgt von der Auftrittsmöglichkeit für jene, die sich musikalisch auf einer Bühne erproben und präsentieren möchten oder einfach die Möglichkeit ergreifen wollen, ungezwungen mit anderen zu musizieren. Die Opener in Lambach sind ein Trio, bestehend aus der Sängerin Maria Rank, dem Pianisten Dieter Stemmer und dem Gitarristen Diz Schrödl. Sie haben sich acht Stücke aus dem großen Topf mit Jazz-Standards ausgesucht, die sie dem Publikum zu Gehör bringen, Solo-Einlagen inklusive. Anschließend bilden sich vom Trio bis zum Sextett unterschiedliche Gruppierungen, die nun ebenfalls Stücke, "die jeder kennt", ambitioniert, und so gut es eben geht, darbieten, wie z. B. Manha de Carnaval, St. Thomas, Body and Soul oder All The Things You Are. Auch dabei versuchen sich die Interpreten beim Solieren. Immer wieder wirken bei solchen Events auch junge Musiker:innen mit, die sich als auffällig talentiert und bereits weit fortgeschritten erweisen, so wie dieses Mal der Mann am Kontrabass, der mir leider namentlich (noch) nicht bekannt ist. Jam-Sessions sind eine gute Gelegenheit, einmal (oder des Öfteren) Bühnenluft zu schnuppern, ohne gleich Mitglied einer fixen Band zu sein. Gut, dass es Veranstalter:innen gibt, die das ermöglichen.

Rodrigo Amado mit The Bridge im Schl8hof Wels

"Beyond the Margins" hat der portugiesische Tenorsaxophonist Rodrigo Amado sein 2023 erschienenes Album mit Alexander von Schlippenbach am Klavier, Ingebrigt Haker Flaten am Kontrabass und Gerry Hemingway am Schlagzeug genannt, und genau in dieser Besetzung ist das Quartett "The Bridge" im Welser Schl8hof zu hören. Schon mit den ersten Tönen wird dem Publikum klar, was es geschlagen hat, denn sie sind der Beginn eines freien Spiels der Kräfte, eines an- und abschwellenden musikalischen Energieflusses, der ohne Unterbrechung über eine Stunde lang andauert. Phasenweise improvisiert das ganze Kollektiv, dazwischen bilden sich immer wieder unterschliedliche Trios oder Duos der virtuos und energisch Musizierenden, die sich verständigen und aufeinander eingehen, sich gegenseitig antreiben und auch wieder beruhigen. Es entstehen musikalische Wellen, die anschwellen und sich ekstatisch auftürmen, ehe sie wieder spektakulär in sich zusammenbrechen und zu einem Hauch von Klang verebben, bis sich die nächste Welle langsam erhebt, ohne der vorigen zu gleichen und so weiter. Aus der Stille der Zwischenräume erhebt sich ein Instrumententon oder Gesang aus der Kehle des Schlagzeugers, das Menschlichste, das uns zu eigen ist. Irgendwann ist dann Schluss mit dem einzigen Stück des Abends, eine kurze Zugabe gibt es noch. Der Älteste unter den Vieren ist der Pianist und Bandleader Alexander von Schlippenbach (Jahrgang 1938), der sich als einer der ersten europäischen Jazzmusiker die absolute Freiheit individueller Kreativität genommen hat, die dieses Quartett auch heute zelebriert. Das Publikum hat den Wellenritt mitgemacht und zeigt sich beeindruckt, teils erstaunt: "So etwas habe ich noch nie gehört", meint ein Zuhörer mit dem Ton der Bewunderung. Wie schön und belebend kann der Blick über den (musikalischen) Tellerrand hinaus sein.

Dienstag, 13. Januar 2026

Clemens Geißelbrecht Quintet im Schl8hof Wels

Im Rahmen der Dienstag-Konzerte der "Musikwerkstatt Wels" spielen immer wieder junge, regionale Bands im Schl8hof Wels. Dieses Mal ist es ein Jazz-Quintett mit "klassischer" Besetzung, geleitet vom gebürtigen Vöcklabrucker Clemens Geißelbrecht. Neben dem Bandleader an Trompete und Flügelhorn kommen noch zum Einsatz: Jakob Schweitzer an den Saxophonen, Christian Schmid an den Keys, Werner Breitwieser am E-Bass und Jakob Peham am Schlagzeug. Das Ganze erinnert mich gleich einmal an bekannte Jazz-Formationen der 1960er Jahre. Die Eigenkompositionen von Clemens Geißelbrecht strahlen für mich eine angenehme Ruhe aus. Von Exaltiertheit und Nervosität ist nichts zu spüren. Alles bleibt auf "Well Known Terrain" (so der Titel eines Stücks) und die Beteiligten können ihre gekonnten Soli der Reihe nach zelebrieren. Stilistisch ist der Abend allerdings vielfältig mit Romantik-Einflüssen (Schumann's Mondnacht) über Popmusik-Bearbeitung (Ocean Eyes von Billie Eilish) bis zu Latin-Rhythmen (El Gringo Latino) und dem guten alten Blues (Bad Goisern Blues). Nach der Darbietung der eigenen Werke folgt noch als Zugabe ein Stück vom viel zu früh verstorbenen Trompeter Roy Hargrove (Strasbourg/St. Denis). Ein Abend zum Entspannen und ertstaunten Lauschen, was die Nachwuchs-Jazzer denn schon alles drauf haben, geht mit reichlich Publikumsapplaus zu Ende.
 

Montag, 12. Januar 2026

Lisa Hofmaninger & Renate Welsh im Jazzit Salzburg

Die österreichische Jazzmusikerin Lisa Hofmaninger (Sopransaxophon und Bassklarinette) tritt immer wieder als Komponistin hervor. So auch dieses Mal mit einem Programm, das sie mit Texten der bekannten Schriftstellerin Renate Welsh verwebt. Schon vorher haben sie die Werke der 2024 verstorbenen Ilse Helbich zu musikalischen Werken inspiriert. Für die Realisierung ihres neuen Programms hat sie sich ein Ensemble von Musiker:innen (Isa Kargl als Sängerin, Helene Glüxam am Kontrabass, Christoph Lenz an der Bratsche, Florian Sighartner an der Violine)  und Sprecherinnen (Sarah Jung und Martina Spitzer) zusammengeholt. Literarisches Grundthema ist die Lebensbewältigung und zwar besonders in Zeiten der Unterdrückung und Verfolgung während des Nazi-Regimes. Somit ist die Grundstimmung eher die des Blues, der auch die musikalische Klammer des Jazz&Poetry-Abends bildet. Neben rein musikalischen Passagen ist es vor allem das stimmige und gleichermaßen spannungsgeladene Zusammenspiel von Sprache, Gesang und Instrumentalmusik, das die sensibel durchkomponierte Aufführung interessant und packend macht. Die bedrückenden Szenen aus der Nazi-Zeit haben sich konsequenter Weise auch in der Art der Begleitmusik ihren Ausdruck gefunden und ich hätte mir manchmal eine hoffnungsvollere Stimmung gewünscht. Natürlich gibt es auch immer wieder Mut machende Lyrik von Renate Welsh. Der Blues lässt sich damit aber nicht vertreiben. Die wunderbaren Arrangements und die musikalische und sprachliche Qualität des Dargebotenen bleiben als dominierende Eindrücke dieses spannenden Abends zurück. Das Publikum im vollen Saal des Jazzit zeigt sich von der Leistung der Komponistin und der Aufführenden ebenfalls stark begeistert.
 

Sonntag, 11. Januar 2026

MoserTrio im Kulturhaus Emailwerk Seekirchen am Wallersee

Klaviertrio ist nicht gleich Klaviertrio. Das mir geläufigere ist das Jazztrio, bestehend aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Weniger musikalische Erfahrung habe ich mit dem klassischen Klaviertrio mit Klavier, Cello und Violine. Im Kulturhaus Emailwerk Seekirchen am Wallersee bietet sich mir nun die Gelegenheit, das"klassische" MoserTrio kennenzulernen, bestehend aus Lukas Moser am Klavier, Florian Moser an der Violine und Sarah Moser am Cello, die dort ihr Heimspiel unter dem Titel "Nachtmusik - eine kleine Lärmbelästigung" absolvieren. Das Konzert beginnt auch so, wie ich mir das vorstelle, mit einem Klaviertrio von W. A. Mozart. Doch ein Blick auf den Programmzettel verrät, dass es nun mit einem Klaviertrio des mir als Jazzmusiker bekannten Werner Pirchner (ich habe ihn in den 1980er selbst live erlebt) weitergeht. Und damit beginnt auch schon die eigentliche "Lärmbelästigung", denn Werner Pirchner ist eher ein exaltierter Vertreter der schrägen, disharmonischen Töne. Auch die folgenden Eigenkompositionen von Lukas Moser stellen Stilelemente von Neuer Musik und Jazz in den Vordergrund, insbesondere im titelgebenden Stück "Eine kleine Lärmbelästigung" in Abwandlung von Mozarts "Eine kleine Nachtmusik". Stücke von Arvo Pärt und Lili Boulanger bringen wieder etwas "Ruhe" ins Programm. Bei den Zugaben komme ich als Jazzliebhaber dann voll auf meine Rechnung. Denn da erklingt zuerst eine erstaunliche Bearbeitung von Joe Zawinuls "Birdland" und zuletzt ein zärtliches "My Funny Valentine" im klassischen Klaviertrio-Gewand. Der Unterschied zwischen klassischem Trio und Jazztrio verschwimmt dabei ganz offenkundig. Die Grenzen zwischen "klassischer" Musik und Musik der Moderne sind aufgehoben und spielen keine Rolle. Meine Freude über die Zusammenführung musikalischer Welten ist groß, ebenso über die künstlerische Qualität der Musizierenden. Das volle Haus des Emailwerks zeigt sich ebenfalls vollauf begeistert.
 

Samstag, 10. Januar 2026

"Stay well!" - Lieder von Kurt Weill im Spielraum Gaspoltshofen

Ja, ich bin ein Bewunderer von Kurt Weill, wie es viele Musiker:innen (auch aus der Welt des Jazz) ebenso sind, was die vielen Bearbeitungen seiner Werke beweisen. Dass ich eine Aufführung von Liedern dieses großen Komponisten nun auch live im intimen Rahmen des Spielraums Gaspoltshofen erleben darf, freut mich ganz besonders. Die beiden Künstlerinnen Kerstin Turnheim (Mezzosopran) und Katia Borissova (Klavier) haben dafür 16 Lieder Weill's aus seiner Zeit ab 1933 im französischen und dann im US-amerikanischen Exil ausgewählt und kommunizieren dazu auch die Umstände ihrer Entstehung. Manche davon sind bekannter (aus Die 7 Todsünden), andere weniger. Alle jedoch zeichnet Weill's unverkennbarer melancholischer Grundton aus, der die Schwierigkeiten menschlicher Existenz im herrschenden Gesellschaftssystem reflektiert, wobei der Komponist nur mit den besten Textautoren kooperiert hat (siehe Bertolt Brecht). Ein Lied ist schöner als das andere. Besonders beeindruckt haben mich das Titelstück "Stay well" aus "Lost in the stars" und "I'm a stranger here myself" aus "One touch of Venus". Die Vortragskunst der beiden Musikerinnen ist beeindruckend, was sowohl den Gesang als auch das Klavierspiel betrifft. Lieder voller Sehnsucht (z. B. Youkali) und zugleich voller Realitätssinn lösen bei mir starke Gefühle aus. Als Zugabe erklingt dann noch Nannas Lied, das Lotte Lenya bekannt gemacht hat. Am Ende gibt es zurecht stürmischen Applaus für einen Komponisten von Weltrang und dessen würdige Interpretinnen.
 

Freitag, 9. Januar 2026

Frödl im OKH Vöcklabruck

Ein weiterer Abend der Reihe "thursdays4jazz" ist im OKH Vöcklabruck angebrochen, dieses Mal mit Jazz-Rock und Jazz-Funk von vier österreichischen Musikern, die sich "Frödl" nennen, angelehnt an die Namen des Gitarristen Liz Schrödl und des Bassisten und Saxophonisten Nico Fedrigo. Am Keyboard zu hören ist Dieter Stemmer, und Urge Kirchner spielt das Schlagzeug. Jazz-Rock ist nicht unbedingt meine erste Liebe, allerdings gibt es in diesem Genre, wie sonst auch, gute und schlechte Musik. Frödl zähle ich zu den Vertretern guter Musik. Alle Kompositionen stammen von der Band und sind reich an melodiösen und rhythmischen Einfällen. Sie orientieren sich an Rock- und Funkrhythmen, auch Ska- und Balkan-Beat-Anklänge bekommt man zu hören. Grundelemente sind immer Rhythmus und Rhytmuswechsel mit wechselnder Dynamik und durchaus singbare Melodielinien. Auf Gesang will die Band allerdings verzichten und konzentriert sich ganz im Sinne der Jazz-Philosophie aufs solistische Improvisieren, wobei jeder seinen Beitrag leisten darf. Nico Fedrigo spielt dabei nicht nur den E-Bass, sondern greift auch bei manchen Stücken zum Tenorsaxophon. Die kräftigen Basslinien sind dann die Sache von Dieter Stemmer am Keyboard, der auch seine Freude an originellen synthetischen Klängen hat. Das Ganze ergibt eine stimmige Fusion mit viel Spielfreude und Kontakt zum Publikum, das die Darbietung mit viel Applaus zu würdigen weiß.

Sonntag, 4. Januar 2026

"Der Fremde" im Programmkino Wels

Die Philosophie des Existentialismus von Sartre und Camus interessiert mich schon seit meinen Teenager-Jahren, der französische Filmregisseur François Ozon hat mich zum ersten Mal 2004 mit seinem Film 5x2 beeindruckt. Nun gibt eine Kombination aus Beidem: Ozon hat das bekannteste Werk von Albert Camus "L'Étranger" in seinem neuesten Film verarbeitet. Die Handlung spielt in den 1930er Jahren in Algier und man fühlt sich auch filmtechnisch in diese Zeit zurückversetzt. Das verwendete Schwarz-weiß-Format reduziert die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche, vor allem auf die Mimik und Gestik des Protagonisten Mersault (gespielt von Benjamin Voisin), dessen Haltung der Gesellschaft und des Lebens selbst gegenüber im Mittelpunkt der Textvorlage wie auch des Film steht. Diese "neutrale" Haltung, die ihm den Vorwurf der Gefühllosigkeit einbringt, führt schließlich zum Todesurteil für Mersault, der einen Widersacher erschossen hat. Fremd ist "Der Fremde" vor allem deshalb, weil er den gängigen Moralvorstellungen der Gesellschaft nicht entspricht, sondern dem Leben mit einer offeneren, wertfreien Einstellung entgegen tritt und daher auch mit den Wertvorstellungen der christlichen Religion nichts anfangen kann. Ozon stellt das Geschehen zielstrebig und schnörkellos und mit einem offenen Ende dar. Ganz im Sinn von Bertolt Brecht sieht man als Kinobesucher "den Vorhang zu und alle Fragen offen".