Oft werde ich gefragt, wie ich denn von den Veranstaltungen erfahre, die ich dann besuche. Dieses Mal war es ein Beitrag auf Instagram, der mir in die Augen gestochen ist. Ted Milton und Blurt seien auf Europatour. Irgendwas in meinem Hinterkopf hat darauf reagiert. Obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, ob ich diese Band schon einmal (vor langer Zeit) live gesehen habe oder sich in meiner Tonträgersammlung eines ihrer Alben befindet, war mir sofort klar: Diesen über 80-jährigen Londoner will ich (noch einmal) hören. Im Wiener Musiklokal Rhiz bot sich die Gelegenheit. Ein alter Mann mit einem Hauch von Irokesenschnitt setzt sich mit seinem Altsaxophon auf einen Stuhl, ein E-Gitarrist (Steve Eagles) und ein Schlagzeuger (David Aylward) stehen bereit. Vom ersten Takt an ist mir die Musik sofort vertraut. Sie war über die Jahrzehnte in meinem musikalischen Gedächtnis bestens aufgehoben. Ted Milton ist eigentlich Dichter (und Puppenspieler) bringt allerdings seine poetischen Werke in Post-Punk-Manier und mit jazzigen Saxophonklängen sprechgesanglich auf die Bühne. Eindringliche, stakkatoartige Mantras kommen dabei heraus mit starker rhytmischer Betonung, schneidend-schreiender Gitarre und Schlagzeuggewittern. Das Saxophon schnattert und schreit ebenfalls dazu und bisweilen tut es Ted Milton auch mit seiner charakteristischen Stimme. Die Texte sind dem Dadaistisch-Absurden zuzuordnen. Das Konzert ist ein Tour de Force, die nach einer guten Stunde zu Ende geht. Die Emotionen haben ihren längst wieder einmal fälligen Ausbruch gefunden und alle sind geläutert und zufrieden.
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Immer noch relevant, oder? Ich hoffe, Ted wird hundert Jahre alt.
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