Ich war ja schon des Öfteren in der Kunstbox in Seekirchen am Wallersee und habe dort schöne Veranstaltungen erlebt. Dieses Mal hat mich ein neuer, unbekannter Name dort hingelockt, eine gewisse Claire Dos-Reis. Sie ist eine österreichische Sängerin und Gesangslehrerin, die nun ihr erstes eigenes Album herausgebracht hat. Sie präsentiert es mit zwei ihrer Gesangsschülerinnen und leider meist nur mit eingespieltem Playback vor Publikum. Die Songs handeln meist von Liebesbeziehungen, das Programm nennt sich "Femme fatale". Die Eigenkompositionen sind durchaus ansprechend und gelungen, die Stimme von Claire bringt sie auch gut zur Geltung. Dass sich die Künstlerin auch selbst alleine am Klavier begleiten kann, hat sie auch unter Beweis gestellt. Sogar eine ihrer Schülerinnen durfte ein eigenes Lied vortragen. Auf mich wirkte das Ganze etwas unfertig, es fehlt für mich vor allem die Begleitung durch echte Musiker:innen. Ein paar schöne musikalische Momente waren für mich dennoch drin und dem übrigen Publikum dürfte die Darbietung, dem Applaus nach zu schließen, ganz gut gefallen haben.
Sonntag, 27. April 2025
Freitag, 25. April 2025
Oliver Kent im ProDiagonal Lambach
Oliver Kent ist ein bekannter Name im österreichischen Jazz und somit war ich interessiert, was ich bei einem Soloauftritt von ihm im ProDiagonal Lambach zu hören bekommen würde. Es war eine Mischung aus Eigenkompositionen und Stücken anderer Jazzmusiker, von denen mir nicht allzu viele bekannt vorgekommen sind. Herausgestochen sind für mich Stücke wie "Reflections" von Thelonious Monk, das ich besonders liebe, und das "Dat Dere" von Bobby Timmons, das mir durch die wunderbare Interpretation von Ricky Lee Jones ans Herz gewachsen ist. Fats Waller's "The Jitterbug Waltz" war auch dabei und George Gershwin's "I Loves You, Porgy". Und wie hat das Ganze geklungen? Sehr perfekt, sehr elaboriert, gut durchdacht, durchaus eigenwillig und eigenständig und andererseits auch etwas klassisch akademisch, wie es eben zu einen Jazz-Professor passt, der Oliver Kent ja auch ist. Fast mutet es an, man höre einem anspruchsvollen klassischen Klavierkonzert zu, obwohl der Künstler völlig ohne Noten auskommt. So richtig warm ums Herz ist es mir dabei allerdings nicht geworden. Dass hier dennoch höchste pianistische Qualität geboten worden ist, hat das äußerst aufmerksame Publikum mit viel Applaus bedacht.
Mittwoch, 23. April 2025
Al Jarreau Tribute im Jazzit Salzburg
In der Jazzit-Bar findet jeden Dienstag die sogenannte Jazzit Session statt, ein Musiker:innentreff mit freiem Eintritt für alle die zuhören möchten. Dieses Mal haben die beteiligten Musiker dem verstorbenen Sänger Al Jarreau die Ehre erwiesen, indem sie Songs, die auch er interpretiert hat, zum Besten gaben. Robert Schoosleitner, Robert Kainar, Dietmar Kastowsky, Ferdinand Rauchmann, Jay Beitel und Paul Widauer waren dabei. Den Part des Sängers hat Conor Ryan übernommen. Am meisten beeindruckt hat mich dabei die Interpretation des Songs "Spain" von Chick Corea, ein wahres musikalisches Meisterwerk, das von der Band auch gekonnt dargeboten wurde. Auch sonst zeigte sich Conor Ryan als würdiger Interpret des großen Al Jarreau.
Samstag, 19. April 2025
Oiva Haapermäki & friends im Rossstall Lambach
Im Rossstall Lambach finden regelmäßig Jam-Sessions statt, die durch junge Jazz-Studierende eingeleitet werden. Schon zum dritten Mal bringt der Schlagzeuger Simon Kirchner Studienkolleg:innen mit, um gemeinsam zu musizieren. Dieses Mal sind das der Trompeter Oiva Haapermäki, der Pianist Benjamin King und der Bassist Nikola Bugarcic, der auch schon letztes Mal dabei war. In jugendlicher Frische und Unbeschwertheit wird hier aufgespielt, was das Zeug hält. Einiges Material des verstorbenen Cedar Walton war dabei und einige Jazz-Standards wie zum Beispiel "My Ideal", zu dem Oiva Haapermäki ein hochemotionales Solo beisteuerte. Die Qualitäten von Nikola Bugarcic am Kontrabass haben mich zuletzt schon begeistert, so auch dieses Mal wieder. Es macht immer wieder Freude, dem Jazznachwuchs beim Wachsen und Gedeihen zuzuhören.
Donnerstag, 17. April 2025
N i M and H e a r mit Clemens Salesny im Jazzit Salzburg
N i M and H e a r ist ein Veranstaltungsformat im Jazzit, das monatlich stattfindet. Dabei geht es ums freie Improvisieren, woran sich mehrere Musiker:innen in unterschiedlichen Formationen beteiligen können. Dieses Mal machte der bekannte österreichische Jazzer Clemens Salesny auf der Bassklarinette den Anfang. Als Special Guest beteiligte sich die Zeichnerin Astrid Rieder in einer trans-art-Performance an der Aufführung, indem sie angeregt durch die Improvisation Salesny's und anderer Mitwirkender ein großformatiges, buntes Bild auf weißem Papier kreierte. Im Laufe des Abends bildeten sich, besetzt mit anderen Spielwilligen immer wieder neue Duo- und Trio-Formationen mit diversen Instrumenten wie Kontrabass, Baritonsax, Gitarre, E-Piano und Drumset. Die Zuhörer:innen werden dabei auf spannende musikalische Exkursionen mit einem Happy End mitgenommen. Musik, die nur aus dem Augenblick heraus entsteht, hat sowohl für die Mitwirkenden als auch für die Zuhörenden einen besonderen Reiz.
Eröffnung der Ausstellung von Anton Thiel im Museumspavillon Salzburg
Ich liebe dieses ehemalige Vogelhaus, den kleinen Museumspavillon neben dem Eingangstor zum Mirabellgarten mit seinen gerade einmal drei Ausstellungsräumen. Dieses Mal hat mich jedoch nicht die Ausstellung selbst hingezogen, sondern der Musiker, der bei diesem "Soft Opening" einen Auftritt hatte. Er ist einer meiner Lieblingspianisten: Georg Vogel. Mir ist dann auch klar geworden, wieso Georg Vogel hier zur Eröffnung spielte. Weil nämlich der ausstellende Künstler, Anton Thiel, sein Lehrer am Gymnasium in Salzburg war. Dieser hat fünf Jahre lang Naturwildnismotive mit BIC-Kugelschreibern zu Papier gebracht, inspiriert durch ein prägendes Naturerleben, das er als vierjähriges Kind, auf dem Ast einer Linde sitzend, hatte. Er war durch den überwältigenden Eindruck der Natur buchstäblich weggetreten. Und so ging es auch mir, nachdem Georg Vogel auf seinem Tasteninstrument zu spielen begonnen hatte. Er hat mich mitgenommen auf eine halbstündige Klangreise, die von barocker Kirchenorgel bis zum Modern Jazz eines Bill Evans und darüber hinaus reichte und wahre Glücksmomente in mir hervorrief. Schöner kann für mich eine Ausstellung nicht beginnen.
Mittwoch, 16. April 2025
Joris Dudli Quintett im Schl8hof Wels
Der Name Joris Dudli im Zusammenhang mit Jazz ist mir schon lange bekannt. Kein Wunder, hat er doch mit Leuten wie Art Farmer, Fritz Pauer und Joe Zawinul gespielt. Jetzt bot sich die Gelegenheit, ihn mit eigenem Quintett im Rahmen der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof zu hören. An seiner Seite sind wunderbare Musiker wie Markus Gaudriot am Klavier, den ich übrigens schon einmal mit Andrea Motis im Schl8hof erleben durfte, Clemens Gigacher am Bass und Bernhard Wiesinger am Tenorsaxophon und an der Querflöte. Jordi Roviró spielt Trompete und Flügelhorn und ein Gitarrist ist auch kurzfristig eingesprungen. Es wird eher traditioneller Jazz gespielt, Reverenzen an Art Blakey und Curtis Fuller sind dabei. Und dann kommt Joris Dudli auch noch stimmlich zum Einsatz, indem er ein paar altbekannte Balladen des Great American Songbook intoniert. "I fall in love too easily" singt Joris Dudli, wie es auch schon Chet Baker getan hat - und ich glaube ihm jedes Wort. Er meint, dass das Publikum auch Gesang haben möchte, und ich gebe ihm Recht. Auch sind Männerstimmen im Jazz eher selten. Mit einem der für mich größten Sänger, Mark Murphy, hat Joris Dudli übrigens auch schon zusammen gespielt. Ein Abend mit Herz und großer musikalischer Kunst wird mir in Erinnerung bleiben.
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