Mittwoch, 29. Januar 2025

Wonderland im Musiktheater Linz

 

Manchmal habe ich auch Lust auf Musicals und daher habe ich mir "Wonderland", eine Neubearbeitung des Alice-im-Wunderland-Stoffs durch den US-Komponisten Frank Wildhorn und den Textbuch-Schreiber Jack Murphy angesehen. Als erste europäische Bühne brachte das Musiktheater Linz dieses Stück zur Aufführung.

Fantastisch und farbenfroh geht es im Wunderland zu, eine wahre Augenweide. Musikalisch geht es ebenso bunt zu. Ein Crossover-Mix aus diversen Musikstilen ist zu hören, die gesanglichen Leistungen der Solist:innen und die Chorpassagen beeindrucken. So verlaufen die fast drei Stunden Aufführungsdauer recht kurzweilig. Auf die inhaltlichen Aussagen des Gebotenen sollte es dabei nicht wirklich ankommen. Natürlich kämpfen hier die guten Kräfte gegen die bösen und der Selbstfindungsprozess der Protagonist:innen läuft auf vollen Touren. Ein Happy End ergibt sich schließlich fast zwangsläufig, die Nähe zur Schmonzette ebenso, was den positiven Gesamteindruck jedoch kaum beeinträchtigt.

Sonntag, 26. Januar 2025

Paul Plut im Spielraum Gaspoltshofen

In den letzten Jahren habe ich so viele Kulturveranstaltungen besucht wie noch nie vorher in meinem Leben. Sie sind hier undokumentiert geblieben.

Gestern habe ich zum ersten Mal den österreichischen Liedermacher Paul Plut live und solo im Spielraum Gaspoltshofen gehört. Vom ersten Moment des Auftritts an erlebe ich eine überzeugende Bühnenpräsenz und musikalische und textliche Eigenständigkeit. Mit Hilfe diverser Instrumente wie Gitarren, Klavier


und Akkordeon sowie vorgefertigter Sounds von der Musikkassette entsteht eine Klangdramaturgie, die Pluts stimmgewaltigen Gesang begleitet. Plut ist in einem sehr persönlich gehaltenem Textuniversum unterwegs aus dem er einmal ausschert, als er das berührende Lied von Hildegard Knef "Wo einmal nichts war" mit eigener Klavierbegleitung vorträgt. Ich habe einen Musiker gesehen, dem es gelingt, seine persönliche Eigenart ausdrucksstark dem begeisterten Publikum zu vermitteln.

Sonntag, 19. Juni 2022

Joe McPhee und John Edwards in Desselbrunn


Wer glaubt, mein (musik)kulturelles Interesse wäre erlahmt, weil ich jetzt schon jahrelang nichts mehr über meine Kulturerlebnisse berichtet habe, irrt gewaltig. So dicht wie in der letzten Zeit, wo nach den ärgsten Corona-Wellen der Kulturbetrieb wieder möglich geworden ist, ist mein Kulturterminkalender noch nie gewesen. Ich hatte einfach keine Lust mehr, darüber Buch zu führen. Jetzt kommt die Lust wieder. Wie lange sie anhält, weiß ich nicht.

Der gestrige Abend brachte ein ganz besonderes Erlebnis. In meiner nächsten Umgebung, auf einem stillgelegten Bauernhof in Desselbrunn am Nordrand des Salzkammerguts fand ein Konzert mit improvisierter (Jazz)Musik statt. Joe McPhee, legendärer Vertreter der Free-Jazz-Generation, musizierte gemeinsam mit dem Londoner Bassisten John Edwards im Hof des alten Gebäudes. Eine intimere Atmosphäre ist kaum vorstellbar und ideal für die subtile Kommunikation dieser beiden Musikkünstler. Fasziniert lauschte das Publikum den instrumentalen Zwiegesprächen der Beiden und zeigte sich hingerissen und begeistert. Schöner kann man diese Art von Musik nicht erleben.

Freitag, 29. November 2019

Frederic Rzewski im Wiener Konzerthaus

Manchmal hole ich mir Anregungen für Konzertbesuche auch durch die ORF-Sendung "Kulturmontag". So wurde letzten Montag auf einen Auftritt des amerikanischen Komponisten und Pianisten Frederic Rzewski im Wiener Konzerthaus hingewiesen, wo er seine 36 Variationen über das chilenische Revolutionslied "El pueblo unido" zur Aufführung bringen sollte. "The People United Will Never Be Defeated", wie es auf Englisch heißt, kenne ich ja zum Beispiel schon in einer Bearbeitung von Charlie Hadens Liberation Music Orchestra. Von der ersten Reihe im großen Saal des Wiener Konzerthauses sehe ich nun den alten Mann im Pullover sein großartiges Werk intonieren und ich bin fasziniert davon. Alle möglichen Stile werden in diesem über eine Stunde dauernden Stück vereint, Anklänge an andere Revolutionslieder blinken auf. Frederic Rzewski hat hier etwas ganz Großes geschaffen, das sowohl dem höchsten politischen wie auch auch dem höchsten musikalischen Anspruch gerecht wird. Diesen wunderbaren Abend werde ich nie vergessen.
 

Sonntag, 17. März 2019

Schmids Puls im OKH Vöcklabruck


Gehört habe ich ja schon länger von dieser Band, und zwar nur das Beste, nun bot sich die Gelegenheit im OKH Vöcklabruck, sie live zu erleben. Die Kritiker haben nicht zuviel versprochen. Hier steht eine Sängerin und Gitarristin mit subtiler Schlagzeug- und Bassbegleitung, die mich mit ihrer klaren, hellen Stimme und ihrem filigranen Gittarrespiel gefangen nimmt. Sie kann bis ins Innerste berühren, wobei ich Kritikerstimmen wie dieser (Robert Rotifer von FM4) nur zustimmen kann: "Erst noch Mira Lu Kovacs gehört haben, dann möglicherweise sterben." Das musste ich ihr nach dem Konzert auch mitteilen: "Ich finde deine Musik berührend." "Ja, man merkts eh", war ihre lapidare Antwort.

Freitag, 13. April 2018

Bob Dylan in der Salzburgarena


Wer mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden ist, hat sich einen Ehrenplatz in der Kunstgeschichte erworben. Bob Dylan ist der bisher einzige Musiker, dem das aufgrund seiner Texte voller Poesie gelungen ist. Auch ohne diese Auszeichnung ist dieser Mann eine Kultfigur seit meinen Teenagerjahren, in denen ich der Jukebox im örtlichen Wirtshaus so manchen Schilling gespendet habe, um "I want you" zu hören. Nun bot sich die Gelegenheit, diesen musikalischen Helden endlich auch einmal live zu erleben. Natürlich finde ich die Salzburg-Arena als Konzertsaal nicht ideal, in kleineren Sälen spielt eben so eine Berühmtheit nicht mehr. Besonders gefreut hat mich, dass außer vieler alter Nummern aus dem eigenen Repertoire auch ein paar Standards des Great American Songbooks erklungen sind, mit dem sich der große alte Meister ja in letzter Zeit intensiv beschäftigt hat. Die Arena war voll und am Ende stürmten viele nach vorne zur Bühne, um dieser Musikerlegende einmal im Leben möglichst nahe zu sein. 

Mittwoch, 7. März 2018

Finely Tuned featuring Andrea Motis im Schlachthof Wels

Auch im Jazz gibt es sogenannte "Wunderkinder" - und die mittlerweile 22-jährige Andrea Motis aus Barcelona war so ein Wunderkind. Sowohl was ihren Gesang betrifft als auch ihr Trompetenspiel. Unterwegs in den Gefilden des traditionellen Jazz und vertraut mit dem Great American Songbook hat sie von Kindesbeinen an bewiesen, wie sehr sie sich in dieser musikalischen Welt zu Hause fühlt. Mittlerweile hat sie auch kommerziell Fuß gefasst - die Plattenfirma "Impulse", bekannt geworden durch John Coltrane, hat sie unter Vertrag genommen.
Sie mit dem Quartett von Geiger Christoph Mallinger in der intimen Wohnzimmer-Atmosphäre der Musikwerkstatt Wels im Schlachthof zu erleben, ist ein besonderes Geschenk. Exzellente Musiker bieten ihr den Rahmen, in dem sie ihre ganze Spielfreude entfalten kann, wobei sie auch Ausflüge in die Welt des Samba und Bossa Nova unternimmt. Ganz besonders harmoniert sie mit Christoph Mallinger, dessen Geigenspiel von der Art der "ganz feinen Klinge" ist. Auch er widmet sich dem Gesang und es es entstehen reizvolle Instrumental- und Gesangsduette. "On the Sunny Side of the Street" habe ich bisher nicht in dieser Intensität vernommen. Selbst das alt eingesessene Jazz-Publikum hat es dabei fast vom Hocker gerissen.