Mittwoch, 7. März 2018

Finely Tuned featuring Andrea Motis im Schlachthof Wels

Auch im Jazz gibt es sogenannte "Wunderkinder" - und die mittlerweile 22-jährige Andrea Motis aus Barcelona war so ein Wunderkind. Sowohl was ihren Gesang betrifft als auch ihr Trompetenspiel. Unterwegs in den Gefilden des traditionellen Jazz und vertraut mit dem Great American Songbook hat sie von Kindesbeinen an bewiesen, wie sehr sie sich in dieser musikalischen Welt zu Hause fühlt. Mittlerweile hat sie auch kommerziell Fuß gefasst - die Plattenfirma "Impulse", bekannt geworden durch John Coltrane, hat sie unter Vertrag genommen.
Sie mit dem Quartett von Geiger Christoph Mallinger in der intimen Wohnzimmer-Atmosphäre der Musikwerkstatt Wels im Schlachthof zu erleben, ist ein besonderes Geschenk. Exzellente Musiker bieten ihr den Rahmen, in dem sie ihre ganze Spielfreude entfalten kann, wobei sie auch Ausflüge in die Welt des Samba und Bossa Nova unternimmt. Ganz besonders harmoniert sie mit Christoph Mallinger, dessen Geigenspiel von der Art der "ganz feinen Klinge" ist. Auch er widmet sich dem Gesang und es es entstehen reizvolle Instrumental- und Gesangsduette. "On the Sunny Side of the Street" habe ich bisher nicht in dieser Intensität vernommen. Selbst das alt eingesessene Jazz-Publikum hat es dabei fast vom Hocker gerissen.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Mario Rom's Interzone in der LMS Vöcklabruck

Klassische Jazz-Trio-Formationen mit Trompete, Bass und Schlagzeug gibt es gar nicht so häufig. Dennoch meint Bandleader Mario Rom, dass es die beste Möglichkeit darstelle, sich auf der Trompete umfassend auszudrücken. Und das tut er auch intensiv und exzessiv, wobei ihm seine "Begleiter" in nichts nachstehen. Das ergibt dann ein Gemisch individueller Gestaltung mit vielen Freiheiten, das an Kraft, Intensität und Ausdrucksstärke und Spannung kaum zu übertreffen ist. Die ZuhörerInnen sind gefordert und/oder können sich einfach ganz dem meditativen Sog der Aufführung hingeben. Hier wird eine Qualität geboten, die ganz oben in der Modern-Jazz-Liga anzusiedeln ist. Das Publikum wusste diese zu würdigen.

Mittwoch, 21. Februar 2018

Cisco Pema und Coni Molina im Schlachthof Wels

Wenn sich zwei Argentinier zum Musizieren in Österreich treffen, muss es nicht Tango sein, was erklingt. Bei Cisco Pema aus Buenos Aires handelt es sich um einen Gitarristen, Bassisten und Sänger, der sich seine Lieder selbst schreibt. Diese bringt er im Schlachthof Wels, nur mit seiner Akustikgitarre und den Percussionsinstrumenten von Coni Molina begleitet, dem Publikum zu Gehör. Es ist seine dunkle, angenehme Stimme und der treibende Rhythmus beider Musiker, das die ZuhörerInnen betört und sie innerlich wie äußerlich in Bewegung bringt. Gegen Ende werfen die Beiden noch musikalisch einen Blick über die Grenze nach Braslien und zeigen, dass sie auch den dort herrschenden Samba-Groove drauf haben. So endet der Abend voller guter Gefühle.

Samstag, 10. Februar 2018

Das Andi Haidecker Trio spielt Monk und Metheny im B1 + C1 Mayr

Ja, es gibt sie noch - die dritte Luft - auch wenn hier schon über Jahre nichts zu sehen ist. Besonders in letzter Zeit haben sich die Konzertbesuche wieder gemehrt, und vielleicht sollte auch wieder mehr darüber berichtet werden.
Es gibt ein Café in Vöcklabruck - Café Mayr - in dem immer wieder regionale, aber auch internationale JazzmusikerInnen Auftritte haben. Vor Kurzem war es der Vöcklabrucker Gitarrist Andi Haidecker mit seinen Begleitern Peter Traunmüller (dr) und James Hornsby (b), der hier ein "Heimspiel" hatte. Die Kompositionen, die hier gespielt wurden, stammten zum Großteil von Thelonious Monk und Pat Metheny. Andi Haidecker und seine Band zeigten, wie man diese schon so oft interpretierten Stücke dennoch neu und mit der eigenen Handschrift versehen spielen kann - funky und rockig oder sogar mit unserem traditionellen Marschrythmus gespickt. Die "Hütte" war voll und allen hat es gefallen.

Sonntag, 16. November 2014

Martin Spengler & die foischn Wiener in der LMS Ottnang

Das neu Wienerlied hat Saison. Man merkt es daran, dass laufend junge Bands aus dem Boden schießen, die dieses musikalische Genre auf ihre Weise weiter entwickeln und neu für sich (und das Publikum) erfinden wollen.
Martin Spengler ist so einer, der Themen des Wienerlieds wie Liebe, Tod und Alkoholkonsum aufnimmt und mit dem typischen melancholischen Grundton in Musik fasst. Dabei entstehen bisweilen ansprechende und berührende Lieder. Allerdings versucht er auch vorgefundenes Text- und Liedgut zu verwienern, was recht eigenartige Blüten hervorbringt. So wird unter anderem ein Rilke-Sonett adaptiert oder ein bekannter Manning-Sherwin-Song vom Londoner Berkeley Square zum Wiener Praterstern transferiert, was ihm gar nicht gut bekommt. Das müsste nicht sein - hat doch Martin Spengler durchaus die Fähigkeit, eigene Lieder zu komponieren, die - begleitet von einer tollen Band - wirklich unter die Haut gehen.

Samstag, 19. April 2014

Eleni Mandell im Schlachthof Wels

Mit ihrer Band war sie vor einigen Jahren schon einmal in Wels. Aber auch alleine macht sie eine gute Figur. Die Singer-Songwriterin hat genug Charisma, um nur mit Wandergitarre ausgestattet den Konzertabend zu bestreiten.
Es sind nicht nur die aussagekräftigen Texte, sondern es ist auch die expressive Art, die Songs in Szene zu setzen, die Begeisterung hervorrufen. Dabei reicht die Bandbreite von verhaltenen Tönen bis zu dramatisch aufgeladenen Momenten. So glaubhaft und authentisch wie diese Musikerin aus Kalifornien klingt jedenfalls selten wer.

Samstag, 14. September 2013

Shonen Knife im Kino Ebensee

Zwischen Osaka (Japan) und Ebensee liegen Welten - sollte man meinen. Da aber Musik bekanntlich Welten verbindet, könnten die drei Japanerinnen und das Kino Ebensee gar nicht besser zusammenpassen. Ganz in der Tradition der Ramones, zu der sich das Trio aus der "Rock City" Osaka bekennt, geht da die Post ab mit vollem Einsatz und einer selten gesehenen Spielfreude. Und obwohl die Songs dem Vorbild entsprechend eher "heavy" daherkommen, hat das Ganze auch eine Seite, die man in Japan "Kawaii" nennt: niedlich, süß und liebenswert.