Die Konzertreihe MAERZ_jazz presents hat wieder begonnen (kuratiert von Robert Urmann) und die Veranstaltungen finden, sofern dafür ein Klavier benötigt wird, im Bechstein Centrum Linz statt, wie auch jenes Solo-Konzert des israelischen Pianisten Nitai Hershkovits, der auch schon im Vorjahr hier zu Gast war. Er ist beim renommierten Label ECM unter Vertrag, was für hohe Qualität bürgt. Diese zeigt er auch bei seinem Auftritt, bei dem er ein recht buntes Programm an Stücken zu Gehör bringt. Neben eigenem Material nimmt er sich zum Beispiel einen Song von Molly Drake (der Mutter von Nick Drake) vor, spielt Improviso von Villa-Lobos, ein Stück aus der Queen Suite von Duke Ellington, Ennio-Morricone-Filmmusik und als Zugabe überraschender Weise Elvis Presley's "Love Me Tender". Er zeichnet sich durch einen recht kraftvollen Stil aus. Hart angeschlagen und doch recht locker perlend zaubert er einen wunderbaren Klavierklang aus dem großen Flügel hervor. Er ist einer, dem ich noch viel länger entspannt zuhören könnte, als er sich für sein Konzert Zeit nimmt. Weniger (Instrumente) ist oft mehr. Das war auch mein Eindruck bei diesem Musiker und seinem Klavier.
Freitag, 24. Oktober 2025
Mittwoch, 22. Oktober 2025
Ines Reiger & Hermann Linecker im Schl8hof Wels
Vor 15 Jahren habe ich Ines Reiger zuletzt gesehen im Rossstall Lambach mit Quartett-Besetzung. Nun ergab sich wieder die Gelegenheit, dieser österreichischen Jazz-Sängerin zuzuhören. Der Pianist von damals (Hermann Linecker) ist auch wieder dabei und Ines Reiger greift dieses Mal auch selbst zeitweise in die Tasten. Das Song-Repertoire orientiert sich auch dieses Mal an Jazz-Klassikern und am American Songbook. Neu für mich ist, dass die Sängerin dazu gelegentlich auch die Texte ins Wienerische übertragen hat. Karl Hodina's Liebeslied "I liassat Kirsch'n für die wochsen ohne Kern" passt da auch gut dazu. Hermann Linecker liefert das klare musikalische Fundament für die Gesangsausflüge, die oft auch in wunderbares Scatting übergehen. Zwischen den Musiker:innen herrscht eine lockere Atmosphäre, die mich an das Sprichwort "Was sich liebt, das neckt sich" erinnert. Überhaupt wirkt Ines Reiger viel gelöster, als ich sie noch vom letzten Mal in Erinnerung habe. Musikalisch harmonieren die Beiden perfekt und es ist für mich ein Genuss, diesen mit Leichtigkeit und Nonchalance vorgetragenen Liedern zuzuhören. Dazu passt auch die Botschaft des letzten Lieds: "What A Wonderful World" von Louis Armstrong, zumindest für diesen Abend im Schl8hof Wels.
Sonntag, 19. Oktober 2025
Georg Vogel, David Helbock & Julia Hofer, Johanna Summer & Malakoff Kowalski bei Jazz & The City Salzburg
Am letzten Tag von "Jazz & The City" wollte ich noch einmal dabei sein. Drei Acts sollten sich (fast) ausgehen. Und so hat meine Konzert-Roas in der Kollegienkirche begonnen, um den genialen Georg Vogel zu hören. Tatsächlich habe ich ihn nur gehört, denn er saß an der Orgel und schickte seine Klänge in den Kirchenraum. Wunderbare Phantasien sind das, die mir auch schon von seinem Klavier- und Claviton-Spiel her bekannt sind. Lange konnte ich nicht bleiben, denn ich wollte unbedingt das Duo David Helbock (Klavier) und Julia Hofer (E-Bass und Cello) im Marionettentheater sehen. David Helbock ist mir ja hinlänglich bekannt, Julia Hofer sehe ich allerdings zum ersten Mal. Was beide gemeinsam auf die Bühne bringen, ist erstaunlich. Die Beiden verstehen sich musikalisch außerordentlich gut und tragen hauptsächlich Eigenkompositionen vor, die sowohl lyrisch als auch anpackend funky und bluesig daherkommen. Das Publikum zeigte sich begeistert und ich auch. Alle guten Dinge sind drei, und so ergriff ich noch die Gelegenheit, einem weiteren Duo - dieses Mal Gesang mit Klavierbegleitung - wieder in der halligen Kollegienkirche zuzuhören. Die junge, ostdeutsche Pianistin Johanna Summer spielt die Musik zu Liedern, die Malakoff Kowalski (ein Deutscher Sänger mit iranisch-amerikanischen Wurzeln) vorträgt. Die Texte stammen meist von Allen Ginsberg, die Musik von diversen Komponist:innen. Ein paar Jazz-Standards dürfen schließlich auch nicht fehlen. Spezialität von Johanna Summer ist es, über Themen klassischer Musik jazzig zu improvisieren, wovon sie auch eine Kostprobe gibt. Damit geht "Jazz & The City" dieses Jahr für mich zu Ende. Das Festival hätte noch viel mehr geboten, die Fülle hätte mich allerdings maßlos überfordert. Davon etwas genascht zu haben, ist mir eine große Freude.
Samstag, 18. Oktober 2025
Pilmaiquén mit "Ciclos" in der Szene Salzburg
Maria-Pilmaiquén Jenny ist eine Salzburger Sängerin und Tänzerin, mit der ich zum ersten Mal beim heurigen Take-The-A-Train-Festival Bekanntschaft gemacht habe. Sie hat mich mit ihrer Ausdruckskraft als Sängerin mit Gitarrenbegleitung im ARTE-Hotel schwer beeindruckt. Ein deutlich größeres Projekt zeigt sie nun im Rahmen von "Jazz & The Citiy sounds" auf der Bühne der Szene Salzburg. Die Musik und die Songs haben sich nicht stark verändert und sind angesiedelt vor allem im Bereich rhythmischer lateinamerikanischer Musik mit spanischen und englischen Texten. Die Instrumentierung ist allerdings mit E-Gitarre (David Binderberger), E-Bass (Lukas Pamminger), Schlagzeug (Camillo Jenny) und Keyboard (Svilen Angelov) wesentlich reichhaltiger und kraftvoller. Dazu kommt ein weiteres künstlerisches Element, nämlich der Tanz. Eine Tanzinszenierung mit vier Tänzer:innen und der Sängerin selbst als Teil davon ist verwoben mit dem musikalischen Geschehen, sodass sich ein wunderbares Gesamtkunstwerk aus Musik und Bewegung ergibt. Die tänzerischen Stilelemente sind dabei recht vielfältig und reichen von exzessiver Ausgelassenheit über Slow-Motian bis zum Stillstand und vollkommener Ruhe. Die Stimme von Pilmaiquén berührt mich. Sie ist in der Lage, Lebensfreude zu vermitteln wie auch Gefühle von Sehnsucht und Melancholie (Saudade) zum Ausdruck zu bringen. Was sie mit "Ciclos" auf die Bühne gebracht hat, war beeindruckend und wird für mich unvergesslich bleiben.
Freitag, 17. Oktober 2025
Lylit im ProDiagonal Lambach
Lylit hat mich mit ihrer Gesangs- und Ausdruckskraft schon einmal beeindruckt. Sie wieder zu sehen, war mir daher ein Bedürfnis. Im ProDiagonal in Lambach gab es nun die Gelegenheit dazu. Eva Klampfer alias Lylit ist Singer-Songwriterin mit jazzigen Wurzeln, die ihre eigenen, englischsprachigen Texte mit eigener Musik dieses Mal allein am Flügel vorträgt. Sie singt und spielt Lieder aus ihrem neuen Album, ein Konzeptalbum, in dem sie ihre Seele offen legt, von Befreiung, Selbstermächtigung und Hingabe erzählt. Sowohl ihre stimmlichen Qualitäten als auch ihr kraftvolles Klavierspiel begeistern mich wiederum wie auch das Publikum im vollen "Wohnzimmer" des Lambacher Bildungshauses.
Pre-Opening von "Jazz & The City sounds" in Salzburg
"Jazz & The City sounds" ist ein Festival für Musik rund um den Schwerpunkt Jazz in der Innenstadt von Salzburg, das bei freiem Eintritt an unterschiedlichen Schauplätzen stattfindet, und das schon seit dem Jahr 2000. Schon vor dem eigentlichen Start am Donnerstag fanden einige Konzerte bereits am Mittwochabend statt, von denen ich mir drei nicht entgehen lassen wollte. Zuerst war ich im Wirtshaus Metzgersteig am Alten Markt, wo die vier Musiker der "Django Partie" ihren Auftritt hatten. Wie der Bandname bereits verrät, spielt die Band Swingmusik im Stil von Django Reinhardt mit Gesang auf Deutsch. Die gute Stimmung, die sich gleich eingestellt hat, wurde nur getrübt von vielen Gästen, die nicht wegen der Musik gekommen waren. Weiter ging es zwei Häuser weiter im Gehmacher Cafe in der Judengasse, wo eine junge Band, das "Chris Kisielewsky 4 Tett" jazzig-soulige Songs zum Besten gab. Eine große Freude machte mir die Keyboarderin und Sängerin Christine Kisielewsky, indem sie "Sometime Ago" von Chick Corea anstimmte, ein Song, der in meinem ersten erworbenen Jazz-Album von 1972 enthalten ist. Ich hatte noch nicht genug und wollte noch Adi Jüstel mit seinem Latin Swing Express hören. Sein musikalisches Zuhause ist die Stagebar im Kaiviertel. In der gestopft vollen Bar herrschte eine tolle Stimmung, die mich kaum ruhig stehen ließ. Auf weitere Konzerterlebnisse des diesjährigen "Jazz & The City" freue ich mich schon.
Mittwoch, 15. Oktober 2025
Tris Plus feat. Nika Zach im Schl8hof Wels
Monika Dörfler ist Mathematikerin und Pianistin und war mit ihrem Trio mit Josef Wagner (akustische Bassgitarre) und Rainer Deixler (Schlagzeug) in der Dienstagreihe "Musikwerkstatt Wels" im Schl8hof zu Gast. Erweitert hat sich das Trio um die Sängerin Nika Zach, denn es ging um die Darbietung von Musik in Verbindung mit Lyrik zeitgenössischer deutschsprachiger Schriftsteller:innen. Deren Texte wurden von Nika Zach gesprochen und gesungen und sie hat auch darüber improvisiert. Die Band hat sie dabei tatkräftig unterstützt, indem auch die anderen zum Mittel der Improvisation gegriffen haben. Songstrukturen im klassischen Sinn (mit Refrain beispielsweise) sind dabei nicht zu erwarten, sondern literarisch-musikalischen Spannungsbögen und Eruptionen. Es braucht eine Weile, sich in diese Art der Performance hineinzufinden. Im zweiten Set dürfen dann auch die Musiker länger improvisieren, wobei mich vor allem das Klavierspiel von Monika Dörfler begeistert hat. Die Band bewegt sich mit ihrem Programm deutlich abseits des Mainstreams und hat recht Eigenartiges kreiert, das ich als sehr interessant und wertvoll einschätze. Auch dem wunderbaren Publikum im Schl8hof hat's gefallen.
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