Der Kärntner Schlagzeuger Klemens Marktl dürfte eine besondere Beziehung zum Rossstall Lambach haben. Er ist hier immer wieder gerne Gast und hat hier im März 2019 mit seinem damaligen Trio sogar ein Livealbum eingespielt ("Live in Austria"). Er pflegt gute Beziehungen zu renommierten New Yorker Jazz-Musikern, von denen er drei zu seinem jüngsten Auftritt im Rossstall mitgebracht hat: Misha Tsiganov am Klavier, Josh Ginsburg am Bass und Tim Armacost am Tenorsax. "New York Xperience" nennt sich diese Band. Klemens Marktl steuert das Gros der Kompositionen bei, die ich durchaus recht originell finde. Nach Schlagzeuger-Manier sind sie vor allem rhythmisch recht interessant und anspruchsvoll. Auch geben sie reichlich Raum für die individuellen Künste der beteiligten Musiker. Tim Armacost hat einen warmen Sound am Tenorsaxophon, und sein Spiel wird trotz hoher Komplexität nie unangenehm aufdringlich. Der russischstämmige Pianist brilliert in einem kraftvollen und zugleich lyrischen Stil. Auch Josh Ginsburg und Klemens Marktl selbst treten solistisch in Erscheinung und zeichnen sich weniger als Haudrauf aus, sondern viel mehr als Stilisten der "feinen Klinge". Insgesamt ergibt sich daraus ein kraftvoller Post-Pop-Jazz, dem zuzuhören es große Freude macht. Nicht zuletzt tragen Marktl's Ansagen und Anekdoten zur angenehmen Atmosphäre im Rossstall Jazz-Club bei.
Montag, 13. Oktober 2025
Freitag, 10. Oktober 2025
Raphael Wressnig & Soul Gift im OKH Vöcklabruck
Eine echte, alte Hammond B3 bekommt man bei Konzerten nicht so oft zu Gesicht und zu Gehör. Daher habe ich die Chance genutzt, mir den Organisten Raphael Wressnig mit seinen italienischen Begleitern, Enrico Crivellaro (Gitarre) und Eric Cisbani (Schlagzeug), im OKH Vöcklabruck im Rahmen von "thursdays4jazz"anzuhören. Die Hammondorgel aus den späten 1950ern ist eine wahre Wucht und wiegt mit der dazu gehörigen Leslie-Box um die 260 kg. Wie eine Kirchenorgel hat sie neben zwei Manualen und den Registern auch die typischen Bass-Pedale. Das Leslie mit den rotierenden Lautsprechern erzeugt den oszillierenden Sound dieses Instruments. Musikalisch ging es gleich ziemlich zur Sache: Soulig-funkige Rhythmen dominierten, dazu gab es auch noch Calypso zu hören. Die Orgel erzeugt einen mächtigen Sound und klingt auch im Bass raumfüllend, ohne dass eine zusätzliche Verstärkung notwendig wäre. Raum für solistische Einlagen an der Orgel und an der Gitarre war reichlich vorhanden. Auch der Drummer durfte blillieren. Insgesamt sorgt diese Formation für mitreißende Rhytmen und Klänge, die aus dem "Wohnzimmer" der OKH-Bar schließlich einen Tanzsaal machten. Wunderbare Unterhaltungsmusik mit dem Flair der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat das Publikum in Begeisterung versetzt.
Donnerstag, 9. Oktober 2025
Peter Waldner spielt Partiten von Johann Sebastian Bach im ProDiagonal Lambach
Der in Innsbruck lebende Südtiroler Peter Waldner ist bereits Stammgast im Lambacher ProDiagonal, es ist schon sein drittes Konzert, das der Tastenvirtuose und Spezialist für Barockmusik hier gibt. Auch Partiten von Johann Sebastian Bach hat er hier dem Publikum bereits zu Gehör gebracht, und zwar die ersten drei für Cembalo oder Klavier. Dieses Mal sind Nummer vier bis sechs an der Reihe. Er trägt sie auf einem 1988 nachgebauten Cembalo vor, auf dessen Vorbild Bach selbst gespielt hat. Das Instrument hat einen wunderbar vollen Klang und ist weit davon entfernt, steril und blechern zu klingen. Peter Waldner ist ein Meister auf diesem Instrument und es gelingt ihm, den Suiten Leben und Gefühl zu einzuhauchen, sodass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. Außerdem liefert er zwischen den einzelnen Partiten auch Erläuterungen dazu ab, die Bachs Konzepte für diese Stücke begreifbar machen. Das Publikum hat sich mitnehmen lassen auf diese Reise durch den Kosmos durchaus tanzbarer Musik aus den 30ern des 18. Jahrhunderts: Musik, die nach nun fast 300 Jahren noch immer berührt und begeistert.
Donnerstag, 2. Oktober 2025
Duo Saltando in der Landesmusikschule Vöcklabruck
Der Saal der Landesmusikschule Vöcklabruck eignet sich sehr gut für Konzerte mit kleiner Besetzung, so auch für das Duo Saltando, bestehend aus Barbara Wincor (Gesang und Violine) und Katharina Dürrschmid (Tenor- und Basshackbrett), die vom Brucknerbund Vöcklabruck eingeladen worden sind. Die beiden jungen Frauen bringen ein Programm auf die Bühne, das ausschließlich aus Kompositionen und Zitaten von Frauen besteht, wie z. B. Clara Schumann, Alma Mahler-Werfel oder Josefhine Lang. Begleitet von Katharina Dürrschmid trägt Barbara Wincor Lieder dieser Komponistinnen aus dem 19. Jhdt. vor. Dazwischen spielen die Beiden immer wieder Eigenes, das sie als "Phantasien" bezeichnen und das zum Teil improvisiert wirkt. Und nicht zuletzt gibt das Duo auch Textpassagen aus Briefen der vorgestellten Frauen wieder. So ergibt sich ein recht abwechslungsreicher Abend mit unverstärkten Klängen, die den akustisch exzellenten Raum füllen. Somit kann das Publikum einen wunderbaren "romantischen" Abend genießen.
Montag, 29. September 2025
Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna im Schloss Zell an der Pram
"vom Jandl'n zum Ernst" nennt sich das aktuelle Programm des vom Christian Muthspiel geleiteten Orjazztra Vienna, das ich auch schon mit anderen Programmen bewundern durfte. Ernst Jandl ist selbst immer wieder mit Jazzmusikern aufgetreten und hat mit deren Begleitung seine Lyrik rezitiert, z. B. mit den "Neighbours" in den frühen 1980ern, als auch ich einmal live dabei war. Christian Muthspiel gelingt es mit seinem "Orjazztra", den bereits 2000 verstorbenen Lyriker wieder zum Leben zu erwecken, indem er Jandls Originalstimme in die Kompositionen dieses Programms einbaut, oder besser gesagt die Musik mit der Stimme Jandls verwebt. So sind 21 Musik-Minidramen entstanden, wobei den Sprechpart von Ernst Jandl auch bisweilen der Orchesterchef selbst übernimmt. Natürlich dürfen auch die beteiligten Musiker:innen mittels Soli und Duetten ihren musikalischen Glanz versprühen, so u. a. Alois Eberl an der Posaune oder Lorenz Raab an der Trompete bzw. Christina Lachberger an der Bassposaune mit Florian Bauer am Baritonsax sowie Ilse Riedler am Tenorsax mit Patrick Dunst am Altsax. Jandls thematische Vielseitigkeit von der reinen Wortspielerei über biographische Motive bis zu politisch engagierten Aussagen spiegelt sich auch in der Vielseitigkeit der musikalischen Stimmungen wider. Christian Muthspiel gelingt es mit seiner Bigband, dem großen österreichischen Poeten ein würdiges Geschenk zum 100. Geburtstag zu gestalten, an dessen Überreichung das begeisterte Publikum im akustisch ausgezeichneten Freskensaal des Schlosses Zell an Pram teilnehmen durfte.
Freitag, 26. September 2025
Federspiel im Kulturzentrum ALFA, Laakirchen
Die Salzkammergut-Festwochen veranstalten auch immer wieder Konzerte in der Alten Fabrik (ALFA) in Steyrermühl. Nun war die siebenköpfige Bläsergruppe "Federspiel" zu Gast. Die Band hat gerade ihre 20-Jahr-Jubiläumstour abgeschlossen und ein neues Album eingespielt, das nächstes Jahr erscheinen wird. Die Musiker haben vor 20 Jahren in Krems mit reiner Volksmusik begonnen, gefördert vom mittlerweile verstorbenen Volksmusik-Experten und Geiger Rudi Pietsch. Federspiel hat allerdings die Grenzen der heimischen Volksmusik mittlerweile weit überschritten und tritt stilistisch vielfältig in Erscheinung, z. B. mit "Harvest" einer Komposition von Joe Zawinul aus den 1980er Jahren und vielen Eigenkompositionen. Ich habe z. B. auch Einflüsse der Minimal Music eines Philip Glass in einem Stück herausgehört. Dennoch ist die Gruppe stark verwurzelt in der alpenländischen Volksmusik, was vor allem hörbar wird, wenn sie traditionelle Gesänge anstimmt oder zu Paschen beginnt. Der Gesang ist ein wesentliches Stilmerkmal von Federspiel und kommt auch im Stück "Wir haben gefeiert, gelacht, getanzt und geweint" zum Einsatz. Besonders reich an Klangfarben ist der Klangkörper deshalb, weil ein breites Spektrum an Blechblasinstrumenten sowie Klarinetten zum Einsatz kommen. Zusätzlich wird das musikalische Geschehen noch durch perkussive Elemente bereichert. Und es ist vor allem die Spielfreude sowie die Freude an unterhaltsamen Ansagen, mit denen "Federspiel" die Sympathien der Zuhörerschaft gewinnt. Am Ende zeigt sich das Publikum hoch begeistert von der Qualität der Musik und vom Unterhaltungswert des Septetts.
Mittwoch, 24. September 2025
De Strawanzer im Schl8hof Wels
Die vier Musiker:innen, die diesen Dienstagabend im Rahmen der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof bestritten haben, sind kurzfristig als Ersatz eingesprungen. Ihr Metier ist eigentlich nicht der klassische Jazz, sondern sie sind stilistisch eher im Bereich von Swing und Weltmusik unterwegs. Improvisation ist ihnen dennoch nicht fremd. Sowohl Günter Wagner am Klavier, Gerald Harrer am Kontrabass und Mathi Kainz am Tenor- und Sopransaxophon beherrschen diese Kunst. Der Saxophonist greift auch manchmal zur Rhythmusgitarre und Susanne Obereder singt, wobei sie auch einen eigenartigen Schalltrichter einsetzt, der einen Grammophon-Sound erzeugt. Musik z. B. aus Lateinamerika, aus Italien oder auch aus Nordamerika wird dargeboten. Cab Calloway's "Minnie The Moocher" erklingt oder Renato Corosone's "Tu vuò fà l'americano", und auch Sambarhythmen sowie Klezmermusik bekommt man zu hören. Es ist eine bunte Stilmischung, die gekonnt dargeboten wird und die dem Anspruch des versammelten Jazz-Publikums durchaus gerecht wird. Bei Ellingtons "Caravan" merkt man allerdings schon recht deutlich, dass Jazz-Standards nicht das Zuhause der Band sind. Zufrieden mit dem "Ersatz" waren schließlich doch alle, da es laut Louis Armstrong ja bekanntlich nur zwei Arten von Musik gibt: gute und schlechte. An diesem Abend gab es nur die gute zu hören.
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