Dienstag, 24. Juni 2025

"Armor in Transit" von der Gmundner Keramik zum Rathaus

Ein Künstler wird, in eine selbst gefertigte Rüstung aus Gmundner Keramik gehüllt, von der Gmundner Keramik zum Gmundner Rathaus gehen. Das habe ich über Social Media erfahren, und es hat mich neugierig gemacht. Also war ich zur angekündigten Zeit bei der Gmundner Keramik und habe die Vorbereitungen für die Kunstperformance mitverfolgt. Das Projekt fand im Rahmen der "Academy of Ceramics Gmunden" statt in Kooperation mit der Landes-Kultur GmbH OÖ. Kunststudent:innen der Kunst-Uni Linz erarbeiten dabei Kunstwerke in Zusammenarbeit mit der Gmundner Keramik. Es dauerte einige Zeit, bis Kao Chen Hsiang aus Taiwan seine Rüstung angelegt hatte, dann machte er sich mit klackenden Geräuschen auf den Weg, verfolgt von zwei Kameraleuten, die den beschwerlichen Gang hinunter ins Zentrum dokumentierten. Nach einem Halt vor dem Schleiss-Haus erreichte er schließlich den Rathausplatz, wo es nach einer Minute des Schweigens wieder ans Ablegen der schweren Keramikteile ging. Die Bilder dieses gerüsteten Manns, der durch Gmunden schreitet und das Klacken, das seine Rüstung verursacht, werden mir für immer in Erinnerung bleiben.
 

Montag, 23. Juni 2025

Bop Explosion im Musikpavillon Linz

Nach dem Brucknerhaus im Donaupark Linz liegt der Musikpavillon, der in den Sommermonaten kulturell genutzt wird. Literatur- und Musikveranstaltungen finden hier bei freiem Eintritt statt, auch Jazzkonzerte meist am Sonntagabend. "Bop Explosion" nennt sich eine Gruppe von Musikern unter der Leitung des Pianisten und Komponisten Gerhard Schramke, die sich speziell dem Bebop widmet. Dabei sind der Bassist Uli Langthaler, der Schlagzeuger Dusan Navakov, der Trompeter Johannes Probst und der junge Altsaxophonist Márton Papp. Dabei geht es ziemlich traditionell zu mit Bebop-Themen und den dazugehörigen Soloeinlagen aller Beteiligten. Neben Standards wie z. B. von Thelonious Monk kommen auch einige Eigenkompositionen von Gerhard Schramke zur Aufführung, die den Werken der großen Vorbilder um nichts nachstehen. Vor allem das musikalische Können aller Beteiligten macht die Qualität dieser hörenswerten Aufführung aus. Auch wenn es dabei nicht immer "explosiv" zugeht, bietet die Band einen durchaus vergnüglichen Jazzabend an diesem warmen Sommerabend.
 

Sonntag, 22. Juni 2025

Sodl im OKH Vöcklabruck

Immer wieder tauchen am Pop-Himmel junge Talente auf, die bemerkenswert sind. Die junge Gmundnerin Anja Sodnikar ist eines davon, das ich nun auch einmal live erleben konnte. Am längsten Tag des Jahres auf der Terrasse des OKH Vöcklabruck ist das nun auch für mich ganz einfach möglich. Und mein Eindruck ist: Da steht eine junge, selbstbewusste Frau auf der Bühne, die weiß, was sie kann, und weiß, was sie will. Allein, ganz ohne Band, die ihr freilich etwas abgeht, zeigt sie, wie man Lieder schreiben kann und sie überzeugend auch ohne großes Tamtam, nur mit eigener E-Gitarrenbegleitung dem Publikum vorführen kann. Sodl spielt gut, Sodl singt gut, und manchmal schreit sie auch gut. Das Ganze wirkt lebendig, eindringlich und ziemlich selbstverständlich. Dass Sodl mit ihrer Kunst bereits den FM4-Award bei der heurigen Amadeus-Verleihung errungen hat und bei der Wiener Festwochen-Eröffnung einen Auftritt hatte, verwundert mich nicht. Gerne hätte ich ihr an diesem Sommersonnwendabend noch länger zugehört.
 

Samstag, 21. Juni 2025

The Hooten Hallers im Kino Ebensee

Das Kino Ebensee ist einer der besten Orte, um Rockmusik live zu erleben. Der Kontakt zwischen Band und Publikum ist hier auf ideale Weise gegeben, sodass ein gemeinsames Ganzes entstehen kann. Die Hooten Hallers, amerikanische Blues-Rocker aus Missouri fühlen sich hier richtig wohl und können ihre Kunst voll entfalten. Der Gitarrist und Sänger John Randall, der Schlagzeuger und Sänger Andy Rehm und die Baritonsaxophonistin und Sängerin Kellie Everett entwickeln einen Drive und eine Intensität, die nur wenige ruhig auf ihren Kinositzen verweilen lässt. Mich und viele andere setzt die rhythmische Kraft in Bewegung. Es geht um Ausdruckskraft sowohl rhythmisch als auch gesanglich, egal ob einfache oder komplexere Songstrukturen dargeboten werden. Die von tiefstem Blues geprägten Stücke haben mich persönlich dabei am meisten beeindruckt. Spielfreude und Freude beim Zuhören und sich Mitbewegen finden eine wunderbare Ergänzung. So macht Musikerleben Spaß.
 

"Fete de la Musique" Gmunden

Die "Fete de la Musique" ist eine Veranstaltung, bei der Amateur- und Berufsmusiker im öffentlichen Raum ohne Gage auftreten. Sie wird in vielen europäischen Staaten zur Sommersonnenwende abgehalten, so auch in Gmunden nun schon zum dritten Mal. Das Stadtzentrum ist ab 17 Uhr bis weit in die Nacht hinein erfüllt von den Klängen unterschiedlichster Musizierender, seien es Soloauftritte, Duette, größere Bands oder Chöre mit vielen Beteiligten. Die Orte liegen alle nicht weit voneinander entfernt im Zentrum Gmundens, sodass man fußläufig nach Belieben von einer Darbietung zur anderen spazieren kann. Wo man dann länger verweilt, hängt ganz allein davon ab, wie groß die individuelle Anziehungskraft der gerade Auftretenden ist. Der Chorus Lacus Felix (am Foto) hat mich zum Beispiel längere Zeit fasziniert wegen seines Potpourris von Liedern aus dem Musical "Jesus Christ Superstar", "Christine und Friends" haben mir gefallen wegen ihres jazzigen Einschlags, die "Silver Spurs", einfach weil sie gut singen und Gitarre spielen können. Bei der "Fete de la Musique" gibt es als niederschwellig viel zu entdecken, die vielen Besucher:innen freut das und die Gmundner Gastronimie auch.
 

Donnerstag, 19. Juni 2025

Eröffnung des Gustav Mahler Festivals in Steinbach am Attersee

Der Komponist und Dirigent Gustav Mahler hat von 1893 bis 1896 mehrere Sommer in Steinbach am Attersee verbracht, wo er zwei seiner Symphonien komponiert hat. Er ließ sich zu diesem Zweck ein kleines Komponierhäuschen direkt am Atterseeufer errichten, das heute als kleines Museum dient. Seit nunmehr neun Jahren wird in Steinbach das Gustav Mahler Festival an mehreren Tagen im Sommer veranstaltet. Es beinhaltet Konzerte, Vortrage, Diskussionen und andere Aktivitäten. Die Eröffnung des heurigen Festivals, das unter dem Motto "Mahler und der Tod" steht, fand am Nachmittag des 19. Juni vor dem Komponierhäuschen statt. Mehrere Festredner:innen gingen dabei auf Mahlers Beziehung zum Tod und zum Sterben ein. Als prominenter Eröffnungsredner war der ehemalige Landeshauptmann von OÖ, Josef Pühringer, eingeladen, der vor allem den hohen Stellenwert der Kultur in unserer Gesellschaft betonte. Dazu gab es auch Klaviermusik, dargeboten von dem jungen Pianisten Tobias Takacs, der Stücke von Schubert, Bach, List, Bruckner und Satie vortrug. Das wunderbare Sommerwetter, der Blick auf den blauen Attersee und den entspannten Badebetrieb machten diese Eröffnung für mich zu einem besonderen Erlebnis. 

Mittwoch, 18. Juni 2025

"Köln 75" im Programmkino Gmunden

Eine der bekanntesten Jazz-Aufnahmen ist wohl das "Köln Konzert" des Pianisten Keith Jarrett. Nun gibt es einen Film über die Entstehung dieser Aufnahme in der Kölner Oper. Die erst 18-jährige Vera Brandes hatte das Konzert damals eingefädelt. Nun zeigt der Film, wie das passiert ist. Ich hätte mir den Film wahrscheinlich nicht angesehen, wären nicht vor der Filmvorführung drei ehemalige Organisatoren von Jazz-Konzerten in Gmunden aufgetreten. Anfang der 1980er Jahre gründeten sie die "Kulturinitiative 08/16", die fast fünf Jahre als Konzertveranstalter Bestand hatte und bis heute als Filmclub weitergeführt wird. Josef Aigner, Johannes Herzog und Christian Gabriel erzählten interessante Anekdoten über die damaligen Tücken der Organisation, an der auch ich als Mitglied der Jazz begeisterten Gruppe am Rande beteiligt war. Was ich an dem Film schätze, ist, dass er das Wesen der auf Improvisation basierenden Musik auch für Nicht-Insider gut beschreibt. Sowohl der Film als auch der Auftritt der drei ehemaligen Veranstalter unterstreichen den Wert kulturellen Engagements, ohne das es die vielen Möglichkeiten, Musikkultur zu genießen, nicht gäbe.