Sonntag, 15. Juni 2025

Anna Katt und We Love Silence im OKH Vöcklabruck

Im OKH Vöcklabruck gibt es nicht nur einen Saal und die Bar für Konzerte, sondern auch eine Terrasse vor der Bar, die dafür genutzt werden kann. Das Wetter hat es zugelassen und somit sind zwei Bands aus dem Genre Singer-Songwriter mit starken Folkeinschlägen dort aufgetreten. We Love Silence ist, wie der Name schon sagt, eine ruhige Angelegenheit. Lukas Staudinger, der Kopf der Gruppe schreibt und singt einfache Songs, die mich etwas an den frühen Bob Dylan oder an Crosby, Stills, Nash und Young erinnern. Frontfrau von Anna Katt ist die schwedischstämmige Kristina Lindberg, die ebenfalls Lieder mit Folk-, Pop- und leichtem Jazz-Einschlag mit Gitarren- und Keyboard-Unterstützung vorträgt. Manches ist auf Englisch, bisweilen ertönen auch schwedische Volkslieder. Die Sänger:innen beider Bands haben stimmlich einiges drauf, hitverdächtige Lieder haben allerdings beide Gruppen nicht in ihrem Repertoire. Der Sound war gut im Freien, die Beleuchtung fand ich suboptimal. Der Gesichtsausdruck von Kristina Lindberg ist für mich völlig im Verborgenen geblieben. Ich würde sie, sollte sie mir einmal begegnen, nicht erkennen. Die Stimmung auf der Terrasse war gut, auch wenn es gegen Ende schon etwas kühl geworden ist.
 

Freitag, 13. Juni 2025

Marianne Mendt im Theater Meggenhofen

Marianne Mendt ist für mich eine lebende Legende. Seit 1970 ist sie mir mit ihrem Hit "Wia a Glock'n" bekannt, später als Schauspielerin vor allem aus der Fernsehserie "Kaisermühlen Blues". Als Jazz-Sängerin hatte ich sie bisher noch nicht live erlebt. Im wunderbaren Rahmen des alten Bauernhofs "Theater Meggenhofen", den ich schon lange kenne und schätze, war das nun möglich. Begleitet von einem Quartett österreichischer Jazzmusiker (Oliver Kent am Klavier, Johannes Strasser am Kontrabass, Thomas Kugi am Tenorsaxophon und Mario Gonzi am Schlagzeug), die Marianne Mendt als "die besten Musiker der Welt" bezeichnet, gibt sie vor allem Jazz-Standards zum Besten. Auch Lieder im Wiener Dialekt werden vorgetragen, wie der "Kaisermühlen Blues" und als Zugabe darf natürlich auch "Wia a Glock'n" nicht fehlen. Den Refrain dürfen dann auch alle mitsingen. Die fast 80-jährige Marianne Mendt ist eine Entertainerin, die sich ihr Temperament, ihren Witz, ihren Humor und auch ihre gesangliche Qualität bis heute erhalten hat, auch wenn das Treppensteigen hinab zur Bühne für sie schon einmal leichter gewesen sein dürfte. Der begeisterte Applaus des vollen Bauernhofs war ihr sicher.

 

Sonntag, 8. Juni 2025

LoveJoy Gospel Choir im Flößersaal Stadl-Paura

Zeit ist es geworden, dass ich einen Gospel-Chor zum ersten Mal live zu Gesicht und Gehör bekomme, und das bei freiem Eintritt im Mehrzwecksaal der Volksschule Stadl-Paura. Da marschiert ein 40-köpfiger Chor aus Frauen und Männern auf, der von der schwarzen amerikanischen Sängerin Shelia Michellé und vom Pianisten und Organisten Helmut Reiter geleitet und instrumental unterstützt wird. Und gleich zu Beginn geht die Post ab. Der volle Saal ist quasi die Kirchengemeinde, die zum Aufstehen und Mitklatschen aufgefordert wird, wenn der Chor zu rhytmischer Hochform aufläuft. Das wiederholt sich im Laufe des Abends einige Male. Dazwischen gibt es auch langsamere und ruhigere Stücke, bei denen einzelne Chorstimmen in den Vordergrund treten und Solopassagen singen. Auch das für die Gospelmusik typische gesangliche Zwiegespräch zwischen Chor und Solist/in wird reichlich dargeboten. Die Stimmung ist gut, es wird viel stehend geklatscht, und ich bin froh, wenn ich mich zwischendurch auch wieder einmal für einige Zeit auf meinen Stuhl setzen darf. Die langsameren Stücke voller Pathos und Inbrunst waren mir die liebsten und für mich die berührendsten. Übrigens ist jede/r eingeladen, diesen Chor mit seiner/ihrer Stimme zu erweitern. Im Bildungshaus Puchberg finden neun Proben statt bis zum nächsten öffentlichen Auftritt im November.

"Zimmer3" in der Kurdirektion Bad Ischl

"Zimmer3" ist ein Duo bestehend aus Michaela Schausberger (Gesang, Violine, Mini-Piano) und Christian Kapun (Klarinetten). Geteilt haben sie sich früher Zimmer 3 in der Landesmusikschule Gmunden, wo beide unterrichtet haben. Ich habe das Duo auch schon vor längerer Zeit einmal in Gmunden gehört. "Let's Play" nennt sich das Programm, das in der Kurdirektion Bad Ischl zur Aufführung kommt. Das Material, das die beiden interpretieren, stammt aus Pop und Jazz und erhält durch "Zimmer3" eine besondere, eigenwillige Prägung. Ein Lied von Billie Holiday ist dabei, die Beatles werden gecovert und auch Tom Waits dient u. a. als Vorlage. Ganz besonders gelungen habe ich den Barbara-Song aus der Dreigroschenoper von Brecht und Weill gefunden. Beide Musiker:innen gönnen sich dabei weitestgehende Freiheit in der Wahl der musikalischen Mittel, wobei Christian Kapun seinen Improvisationsspielraum auf diversen Klarinetten reichlich nutzt. Ich höre den beiden gerne zu. Was sie machen, finde ich originell und spannend, und so dürfte das auch das sehr aufmerksame Publikum in der Kurdirektion an diesem lauen Sommerabend gesehen haben.
 

Freitag, 6. Juni 2025

Rising Stars im ProDiagonal Lambach

Die Programmmacher des ProDiagonal in Lambach wollen auch immer wieder junge, aufstrebende Künstler:innen präsentieren, sowohl im Genre des Jazz als auch in der Klassik. Die Auserwählten waren dieses Mal Leonie Marie Felbinger, die Stücke auf der Zither zum Besten gab, und Anna-Maria Schnabl, die eigene jazzig-soulige Dialekt-Songs mit Klavierbegleitung vortrug.
Dass die Zither nicht nur ein Volksmusik-Instrument ist, zeigt Leonie Marie Felbinger, indem sie ihr Instrument elektronisch verkabelt hat und somit alle mögichen Effekte damit generieren kann. Das musikalische Material, mit dem sie spielt, stammt allerdings aus längst vergangenen Epochen, wie z. B. Renaissance oder Barock. Es entsteht somit ein interessantes Spannungsverhältnis zwischen Komposition, klanglichen Möglichkeiten und Spieltechnik. So entstehen Kunstwerke, die das Publikum begeistern. Als Zugabe muss es allerdings dann fast zwangsläufig den Klassiker aus "Der dritte Mann" geben, das Zither-Stück, das wohl fast jede/r kennt.
Der starke Konstrast zu dieser Aufführung sind Anna-Maria Schnabls Dialektlieder, wobei sie sich selbst am Klavier begleitet. Es ist eine Mischung aus Pop, Jazz und Soul, die den musikalischen Background für die recht persönlichen, aus dem Leben gegriffenen Songtexte bildet. Und AMS, wie sich die Sängerin und Pianistin auch abgekürzt nennt, ist eine wahre Entertainerin, der es schon mit ihrer ersten Ansage gelingt, den Draht zum Publikum herzustellen. Sie nimmt es mit, indem sie es einlädt, sich zu beteiligen, sei es durch rhythmisches Schnippen oder als umgehend angelernte Backgroudsänger:innen. Das Kunstwerk beschränkt sich nicht mehr nur auf die Bühne, sondern geht dadurch auch darüber hinaus und erfüllt den ganzen Raum. Was will man mehr!
 

Mittwoch, 4. Juni 2025

Christian Groffner Quartett im Schl8hof Wels

Dienstag ist Jazztag, jedenfalls im Schl8hof Wels, wo die Musikwerkstatt Wels ihre Jazzkonzerte veranstaltet. Christian Groffner (Posaunist, Sänger und Komponist) war zu Gast mit Hubert Gredler am E-Piano, Simon Schmollgruber am E-Bass und Lukas Böhm am Schlagzeug. Die Gruppe hat gerade ihre erste CD aufgenommen, auf der ausschließlich Eigenkompositionen enthalten sind. Interessant ist, dass der Bandleader nicht nur die Posaune spielt, sondern auch selbst komponierte und getextete Lieder im Stil des Modern Jazz singt. Dabei geht es abwechslungsreich zu. Betont rhythmische Stücke wechseln sich ab mit Balladen und auch der Blues darf schließlich nicht fehlen. Groffners Gesang hat mir bei den schnelleren Songs dabei am besten gefallen, seine Posaunen-Soli ebenso. Hubert Gredler ist ein wahrer Tastenvirtuose, der seine Finger in rasendem Tempo am Keyboard hin und her fliegen lässt, aber auch die langsamen Passagen zeigen bei ihm eine berührende emotionale Tiefe. Bass und Schlagzeug sorgen für ein solides rhythmisches Fundament. Bisweilen kommen auch sie solistisch zum Einsatz. Das Publikum quittiert die Gelungene Darbietung am Ende reichlich mit Applaus.
 

Sonntag, 1. Juni 2025

Enji im Jazzit Salzburg

Jazzmusiker:innen haben sich schon immer für Musik aus anderen Kulturkreisen interessiert, haben Einflüsse verarbeitet, haben mit Musiker:innen aus anderen Kulturen zusammengespielt und somit ist eine Symbiose aus Jazz und "Weltmusik" entstanden. Was zuletzt im Jazzit zu hören war, ist ein Beispiel dafür. Die aus der Mongolei stammende und in München lebende Sängerin, die sich Enji nennt, ist mit dem Bassisten River Adomeit und dem Gitarristen Paul Brändle im Jazzit aufgetreten. Vom ersten Gesangston an berührt mich Enji's Stimme angenehm. Sie ist hell und warm und wirkt nie schrill oder aggressiv, auch wenn sie bisweilen etwas lauter werden kann. Sie tut mir gut, ist Balsam für meine Seele. Stilistisch ist sie im traditionellen Jazz verwurzelt und ebenso in der Volksmusik ihres Herkunftslandes und ich vermeine auch Einflüsse aus anderen Weltsphären wahrzunehmen, zum Beispiel auch Südamerikanisches. Ihre musikalischen Partner sind großartige Musiker und das Zusammenspiel des Trios ist genial. Gerade die sparsame Besetzung mit nur zwei Instrumenten (und ohne Schlagzeug) erzeugt eine besonders intime Atmosphäre. Dazu kommt noch, dass Enji auf das Publikum zugeht, sich (in nahezu perfektem Deutsch) erklärt und Erlebnisse schildert. Somit gelingt es ihr, das Anwesenden auf mehreren Ebenen für sich zu gewinnen. Von mir bekommt sie schon einmal den Titel "Publikumsliebling" verliehen.