Sonntag, 6. April 2025

Endless Wellness im Kino Ebensee

"Endless Wellness" sollte man gesehen und gehört haben. Dieser Eindruck hat bei mir schon seit einiger Zeit Platz gegriffen, warum auch immer. Jetzt im Kino Ebensee hat sich die Gelegenheit dazu ergeben. Und tatsächlich, die Band ist vom ersten Takt an einnehmend, was vor allem am ausdrucksstarken Gesang von Philipp Auer liegt. Die Poesie der deutschsprachigen Texte und deren Vortrag stehen im Vordergrund, begleitet von einem soliden und einfachen Indie-Rock-Musikgerüst, getragen von Gitarren und Schlagzeug. Viel Dreivierteltakt betont die Harmonie, die diese Band auszustrahlen in der Lage ist. Richtig wild wird es dabei ganz selten, meist wirkt das Ganze recht versöhnlich und ich konnte mir ein leises Mitsummen sanfter Melodiebögen nicht verkneifen. Das Wellness-Konzept der Band geht auf, auch wenn in den Texten der trostlose Zustand unserer Welt nicht verschweigen wird. Der persönliche Umgang und die Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Außenwelt sind die Themen der hochpoetischen Lyrik. Und Sehnsucht nach "Endless Wellness" wird man ja noch haben dürfen.

 

Samstag, 5. April 2025

"Erinnern gegen das Vergessen" im Schloss Wolfsegg

Was eigentlich "nur" eine Abschlussarbeit einer angehenden AHS-Maturantin sein sollte, hat sich zu etwas ziemlich Großem entwickelt: zu einer Ausstellung über die Schicksale von NS-Verfolgten aus der Region um Wolfsegg am Hausruck. Hanna Bauer aus Wolfsegg hat zwölf Personen ausgewählt, die in der NS-Zeit aus unterschiedlichen Gründen verhaftet, in KZs eingeliefert oder ermordet worden sind. Einige haben die Lagerhaft überlebt und ihre Erlebnisse als Zeitzeug:innen auch weitergegeben. Dass ich von desem Projekt persönlich sehr berührt bin, liegt daran, dass einige der Verfolgten enge Verwandte meiner Großeltern mütterlicherseits waren. Somit bin ich ein persönlich recht Betroffener. Der Saal in einem Nebengebäude des Schlosses Wolfsegg war am Eröffnungstag zum Bersten voll. Andrea und Franz Froschauer haben die Veranstaltung musikalisch umrahmt. Als Redner aufgetreten ist u. a. der Schriftsteller Ludwig Laher, der sich ja selbst mit den Schicksalen von NS-Verfolgten literarisch auseindander gesetzt hat. Mitgearbeitet haben das Mauthausen Komitee Vöcklabruck und viele andere Helfer:innen. Auch eine Website dazu ist entstanden. Ein beachtenswertes Stück Gedenkkultur ist somit geleistet worden.
 

Freitag, 4. April 2025

Crucchi Gang im Volkstheater, Wien

Eigentlich hat mich der Name Sven Regener, der mit der Crucchi Gang an Verbindung steht, ins Volkstheater gelockt. Das Musikprojekt besteht darin, deutschsprachige Popsongs diverser Interpreten ins Italienische zu übersetzten und mit einer Band mit Bläserunterstützung zur Aufführung zu bringen. Kopf der Bande ist Francesco Wilking, der wegen seiner italienische Mutter dafür auch prädestiniert erscheint. Dabei kommt es auch zu Auftritten von Gästen, wie zum Beispiel Steiner & Madlaina, die sich wunderbar ins musikalische Geschehen einfügten. Ich hätte mir allerdings auch Sven Regener erwartet, der ja mit "Weißes Papier" auf Italienisch auch einen Beitrag für die Crucchi Gang geleistet hat. So wurden einige Musikstücke zum Besten gegeben, von denen ich kaum welche erkennen konnte. Das Publikum allerdings zeigte sich ziemlich begeistert und lieferte spontane Tanzeinlagen. Wer nicht oder zu spät gekommen ist, war Sven Regener. Denn ich habe nicht ganz bis zum Ende durchgehalten, ich wollte einfach noch eine günstige Zugsverbindung für mich erreichen. Sven Regener allerdings bleibt für mich bis auf Weiteres ziemlich unerreichbar, da auch sein Wien-Konzert mit "Element Of Crime" leider schon ausverkauft ist.
 

Mittwoch, 2. April 2025

Or Bareket Quartet im Klaviersalon Merta, Linz

 

Wenn der Jazzclub Linz für seine Jazzkonzerte ein Klavier benötigt, wandert er von der Galerie Maerz ins C. Bechstein Centrum (Klaviersalon Merta) aus. So auch an diesem Mittwoch, als das Quartett des israelischen Bassisten Or Bareket hier auftritt. Der mittlerweile in NYC lebende Musiker hat Jeremy Corren am Klavier, Godwin Louis an den Saxophonen und Savannah Harris am Schlagzeug an seiner Seite. Was dabei entsteht, ist ein harmonisches Zusammenspiel mit großer improvisatorischer Freiheit der Mitwirkenden. Die Melodiebögen der Musiker üben eine hypnotische Wirkung auf das Publikum aus, nehmen es mit auf eine musikalische Reise, bei der die Schlagzeugerin ein Geflecht komplexer Rhythmen erzeugt und dynamische Akzente setzt. Den vier Musiker:innen gelingt es, eine Atmosphäre zu erzeugen, die verführt und entführt in den Raum reiner versöhnender Kunst, die so gut tut in einer Welt voller Spannungen und Feindseligkeiten. Die Dankbarkeit darüber war allen sowohl aktiv als auch zuhörend Beteiligten deutlich anzumerken. Hier ist ein wohltuendes musikalisches Friedensfest gefeiert worden.


Dienstag, 1. April 2025

A Love Electric mit Lisa Hofmaninger im OKH Vöcklabruck

 

Wie es dazu kommen konnte, ist mir (noch) nicht ganz klar: Jedenfalls ist hier an einem Montag im OKH Vöcklabruck eine Band von enormer Qualität gelandet. Im Original ist A Love Electric ein amerikanisches Trio mit Gitarre (Todd Clouser), E-Bass (Aaron Cruz) und Schlagzeug (Jorge Servin). Erweitert wurde es für diesen Auftritt um den italienischen Gitarristen Alberto N. A. Turra und Lisa Hofmaninger am Altsax und an der Bassklarinette. Und das Ganze klingt so: Bass und Schlagzeug bilden einen hypnotisierenden Groove mit starkem Latin-Touch über dem die Gitarren ihren betörenden feinen Gesang entwickeln. Die Dynamik hat einen mächtigen Umfang, die Intensität ist berauschend. Die Bläserklänge von Lisa Hofmanninger fügen sich hier gleichberechtigt mit ein, führen Zwiegespräche mit den Gitarren und übernehmen bisweilen auch den Solo-Part. Beschwörender Sprechgesang von Todd Clouser initiiert die musikalischen Trips. Musik-geografisch fühle ich mich ins Grenzgebiet zwischen den USA und Mexico versetzt, TexMex und Calexico lassen grüßen. Ein ausgezeichneter Sound trägt das Übrige zum Musikgenuss bei: Ein wahrer Glücksfall, der sich an diesem verregneten Frühlingsmontag in der OKH-Bar ereignet hat.

Freitag, 28. März 2025

Andreas Thaller im ProDiagonal Lambach

Wer Bach's Goldberg Variationen einmal gehört hat, kann sich der Faszination diese Kunstwerks kaum entziehen. So habe auch ich mir immer wieder Interpretationen dieses Werks durch verschiedene Interpreten auf Musikkonserve angehört. Das Musikstück einmal live zu erleben, war mir schon lange ein Anliegen. Nun hat sich endlich die Möglichkeit im intimen Rahmen von ProDiagonal in Lambach ergeben. Der vielseitige Pianist Andreas Thaller hat das vielschichtige Musikstück dargeboten. Erst so bekommt man einen Eindruck von der Konzentration, der Kraftanstrengung und der Ausdauer, die die Aufführung erfordert. Nach 32 Miniatur-Meisterwerken ist man zwar wieder dort, wo alles musikalisch begonnen hat, man hat dazwischen allerdings alle emotionalen Höhen und Tiefen durchwandert, die es nur gibt. Die Begeisterung der Zuhörerschaft hat sich in lang anhaltendem Applaus entladen.
 

Donnerstag, 27. März 2025

Katrin Huber mit baden, baden im Museumspavillon Salzburg

 

Wenn ich in Salzburg bin und den Mirabellgarten durchquere, statte ich gerne dem Museumspavillon neben dem nördlichen Zugang eine Besuch ab. In drei Räumen wird hier moderne, zeitgenössische Kunst gezeigt und das bei freiem Eintritt. Jetzt gerade sind Installationen von Katrin Huber zum Thema Schwimmbäder zu betrachten. Mittels farbiger und zum Teil fluoreszierender Klebebänder schafft die Künstlerin die Illusion von Hallenbädern. Gerade weil die Galerie so klein und überschaubar ist, macht es mir Spaß, kurz einzutreten und die optischen Reize zu genießen, um dann wieder ins touristische Getriebe des Mirabellgartens einzutauchen.