Montag, 3. Februar 2025

Lisa Hofmaninger mit "Es sind Trauben von Blüten ..." im Jazzit Salzburg

 

Poesie und Musik ist ein Genre, das ich schon länger kenne. Ich denke dabei zum Beispiel an Ernst Jandl, der vor vielen Jahren auch in Salzburg seine Lyrik mit Begleitung der Jazzband "The Neighbours" rezitiert hat. Dieses Mal hat Lisa Hofmaninger der vor einem Jahr verstorbenen Schriftstellerin Ilse Helbich ihre Reverenz erwiesen, indem sie sich durch die Lektüre ihrer Werke zu passenden Kompositionen anregen hat lassen. Mit einem Ensemble aus Klavier (Dieter Stemmer), Kontrabass (Helene Glüxam), Gesang (Anna Widauer), Posaune (Alois Eberl), Cello (Anna Lang) und Sopransaxophon sowie Bassklarinette (Lisa Hofmaninger) werden Texte von Ilse Helbich musikalisch verwoben und umrahmt. Lyrische Töne überwiegen, wobei mich der subtile, samtene Posaunenton von Alois Eberl besonders beeindruckt hat. Den eher dramatischen Part hat Lisa Hofmaninger selbst am Saxophon und der Klarinette übernommen. Ein besinnlicher und medidativer Abend wird mit viel Applaus belohnt.

Sonntag, 2. Februar 2025

J.D.Hive im Rossstall Lambach

 

Hinter der Abkürzung J.D. verbirgt sich der Name des Geigers Johannes Dickbauer, der nebenbei auch Imker ist. Daher hat er als Bandname auch "Hive" gewählt, was so viel wie Bienenstock bedeutet. Der klassisch ausgebildete Violinist hat ein Jazz-Quartett auf die Beine gestellt mit Raphael Preuschl am E-Bass, Sebastian Schneider am Klavier und Andras Des am Schlagzeug. Gespielt werden ausschließlich Eigenkompositionen, die sowohl Einflüsse klassischer Musik zeigen, mich aber auch phasenweise an das Mahavishnu Orchestra der 1970er Jahre erinnern. Die Glanzlichter der Aufführung bilden die Improvisationskünste von Johannes Dickbauer und Sebastian Schneider. Die Kompositionen selbst sind sowohl tonal als auch rhythmisch ziemlich komplex. Auch dafür passt das Bild des Bienenstocks als Ort geschäftigen Treibens. Das fachkundige Publikum war jedenfalls begeistert davon.

Samstag, 1. Februar 2025

Dave Douglas Gifts Trio im Schl8hof Wels

 

Der Trompeter Dave Douglas, der mir vor allem in Verbindung mit John Zorn bekannt ist, gastierte mit seinem Gifts Trio, Camila Meza (Gitarre und Gesang) und Kate Gentile (Schlagzeug), in intimer Atmosphäre im Schl8hof Wels. An diesem Abend ging es vor allem darum, dem im Schatten von Duke Ellington stehenden Komponisten und Pianisten Billy Strayhorn die Reverenz zu erweisen. Mit allergrößter interpretatorischer Freiheit wurden einige seiner Stücke zum Besten gegeben, zum Teil auch mit vokaler Unterstützung der Chilenin Camila Meza. Der musikalische Ausdruck reichte von subtilen Tönen bis zu höchster Intensität freier Improvisation. Dazu kommt die herzliche Art der Kommunikation des Bandleaders mit dem Publikum, das schließlich auch beherzt einstimmt in das wunderbare "We Shall Overcome", gesungen von Camila Meza. Das Ganze war ein ein Abend voller Intimität, Wärme und gegenseitiger Zuwendung, der noch lange nachwirken wird. Auf ein baldiges Wiedersehen und Wiederhören von und mit Dave Douglas würde ich mich freuen.

Mittwoch, 29. Januar 2025

Wonderland im Musiktheater Linz

 

Manchmal habe ich auch Lust auf Musicals und daher habe ich mir "Wonderland", eine Neubearbeitung des Alice-im-Wunderland-Stoffs durch den US-Komponisten Frank Wildhorn und den Textbuch-Schreiber Jack Murphy angesehen. Als erste europäische Bühne brachte das Musiktheater Linz dieses Stück zur Aufführung.

Fantastisch und farbenfroh geht es im Wunderland zu, eine wahre Augenweide. Musikalisch geht es ebenso bunt zu. Ein Crossover-Mix aus diversen Musikstilen ist zu hören, die gesanglichen Leistungen der Solist:innen und die Chorpassagen beeindrucken. So verlaufen die fast drei Stunden Aufführungsdauer recht kurzweilig. Auf die inhaltlichen Aussagen des Gebotenen sollte es dabei nicht wirklich ankommen. Natürlich kämpfen hier die guten Kräfte gegen die bösen und der Selbstfindungsprozess der Protagonist:innen läuft auf vollen Touren. Ein Happy End ergibt sich schließlich fast zwangsläufig, die Nähe zur Schmonzette ebenso, was den positiven Gesamteindruck jedoch kaum beeinträchtigt.

Sonntag, 26. Januar 2025

Paul Plut im Spielraum Gaspoltshofen

In den letzten Jahren habe ich so viele Kulturveranstaltungen besucht wie noch nie vorher in meinem Leben. Sie sind hier undokumentiert geblieben.

Gestern habe ich zum ersten Mal den österreichischen Liedermacher Paul Plut live und solo im Spielraum Gaspoltshofen gehört. Vom ersten Moment des Auftritts an erlebe ich eine überzeugende Bühnenpräsenz und musikalische und textliche Eigenständigkeit. Mit Hilfe diverser Instrumente wie Gitarren, Klavier


und Akkordeon sowie vorgefertigter Sounds von der Musikkassette entsteht eine Klangdramaturgie, die Pluts stimmgewaltigen Gesang begleitet. Plut ist in einem sehr persönlich gehaltenem Textuniversum unterwegs aus dem er einmal ausschert, als er das berührende Lied von Hildegard Knef "Wo einmal nichts war" mit eigener Klavierbegleitung vorträgt. Ich habe einen Musiker gesehen, dem es gelingt, seine persönliche Eigenart ausdrucksstark dem begeisterten Publikum zu vermitteln.

Sonntag, 19. Juni 2022

Joe McPhee und John Edwards in Desselbrunn


Wer glaubt, mein (musik)kulturelles Interesse wäre erlahmt, weil ich jetzt schon jahrelang nichts mehr über meine Kulturerlebnisse berichtet habe, irrt gewaltig. So dicht wie in der letzten Zeit, wo nach den ärgsten Corona-Wellen der Kulturbetrieb wieder möglich geworden ist, ist mein Kulturterminkalender noch nie gewesen. Ich hatte einfach keine Lust mehr, darüber Buch zu führen. Jetzt kommt die Lust wieder. Wie lange sie anhält, weiß ich nicht.

Der gestrige Abend brachte ein ganz besonderes Erlebnis. In meiner nächsten Umgebung, auf einem stillgelegten Bauernhof in Desselbrunn am Nordrand des Salzkammerguts fand ein Konzert mit improvisierter (Jazz)Musik statt. Joe McPhee, legendärer Vertreter der Free-Jazz-Generation, musizierte gemeinsam mit dem Londoner Bassisten John Edwards im Hof des alten Gebäudes. Eine intimere Atmosphäre ist kaum vorstellbar und ideal für die subtile Kommunikation dieser beiden Musikkünstler. Fasziniert lauschte das Publikum den instrumentalen Zwiegesprächen der Beiden und zeigte sich hingerissen und begeistert. Schöner kann man diese Art von Musik nicht erleben.

Freitag, 29. November 2019

Frederic Rzewski im Wiener Konzerthaus

Manchmal hole ich mir Anregungen für Konzertbesuche auch durch die ORF-Sendung "Kulturmontag". So wurde letzten Montag auf einen Auftritt des amerikanischen Komponisten und Pianisten Frederic Rzewski im Wiener Konzerthaus hingewiesen, wo er seine 36 Variationen über das chilenische Revolutionslied "El pueblo unido" zur Aufführung bringen sollte. "The People United Will Never Be Defeated", wie es auf Englisch heißt, kenne ich ja zum Beispiel schon in einer Bearbeitung von Charlie Hadens Liberation Music Orchestra. Von der ersten Reihe im großen Saal des Wiener Konzerthauses sehe ich nun den alten Mann im Pullover sein großartiges Werk intonieren und ich bin fasziniert davon. Alle möglichen Stile werden in diesem über eine Stunde dauernden Stück vereint, Anklänge an andere Revolutionslieder blinken auf. Frederic Rzewski hat hier etwas ganz Großes geschaffen, das sowohl dem höchsten politischen wie auch auch dem höchsten musikalischen Anspruch gerecht wird. Diesen wunderbaren Abend werde ich nie vergessen.