Sonntag, 8. Mai 2011

Daniel Kahn & The Painted Bird im Kino Ebensee

Ebensee wird (hoffentlich) ewig verbunden bleiben mit dem Gedenken an das dortige Konzentrationslager des Nazi-Regimes und seine Inhaftierten. Jedes Jahr findet daher eine Gedenk- und Befreiungsfeier an der KZ-Gedenkstätte statt, so auch dieses Jahr am 7. Mai.
Das Kino Ebensee beteiligt sich auf seine Art an den Feierlichkeiten, indem es einen musikalischen Beitrag leistet. Was würde sich besser eignen als Musik der jüdischen Volksgruppe, die der Nazi-Verfolgung am stärksten ausgesetzt war.
So gestaltet der in Berlin lebende Amerikaner Daniel Kahn mit seiner Gruppe The Painted Bird diesen Abend. In der Manier eines wahren Volkssängers mit viel Witz und Humor, aber auch Aggressivität spricht er die Leute an, auf Jiddisch und auf Englisch und auch auf Deutsch, wenn er begleitet mit einer Walzen-Spieldose "Die Internationale" anstimmt und der Saal mitsingt. Akkordeon, Bass, Schlagzeug und Klezmer-Klarinette bilden die Instrumentierung, manchmal greift Daniel Kahn auch zur E-Gitarre. Befreiung ist auch sein Thema, und wenn sie nicht so funktioniert, wie sie sollte, so hilft oft auch der Suff als Trost. Dennoch bleibt am Schluss die heftig akklamierte Botschaft: Die Befreiung muss weiter gehen!

Frank Hoffmann & mg3 im Kino Schwanenstadt

Am 6. Mai 2011 wäre der Schriftsteller Erich Fried 90 Jahre alt geworden. Grund genug, um genau an diesem Tag seinen Geburtstag im Kino Schwanenstadt zu feiern mit seinen Texten, gelesen von Frank Hoffmann und musikalisch begleitet vom Martin Gasselsberger Trio. Der Lyriker Erich Fried war in den frühen 80er Jahren Kult, ebenso wie Frank Hoffmann mit seiner Fernsehsendung "Trailer".
Ein Stück Vergangenheit wird wieder wach und verbindet sich mit der Gegenwart der in ihrer Blüte stehenden Band. Die gleichermaßen intellektuell wie emotional berührenden Gedichte Frieds, gelesen von einer sagenhaften Stimme, werden musikalisch ebenso berührend und einfühlsam untermalt und begleitet. Und für eine Weile erfüllt eine Aura von Wahrhaftigkeit, Schönheit und Liebe den Schwanenstädter Kinosaal, die alle Kritik zum Schweigen bringt - die Zeit steht still ... "Es ist was es ist"

Donnerstag, 7. April 2011

Collegium Vocale Linz in der Kirche St. Josef Steyr

Die Karwoche ist nicht mehr weit, eine künstlerische Beschäftigung mit dem Leiden und Sterben Jesu scheint durchaus angebracht. So sieht es zumindest der Linzer Chor "Collegium Vocale", der in der Pfarrkirche St. Josef auf der Steyrer Ennsleite bereits am 31. März diese Leidensgeschichte musikalisch dargeboten hat.
Stilistisch breit angelegt, werden unter dem Motto "Aus der Tiefe rufe ich ..." sowohl ältere als auch neuere musikalische Statements zum Thema abgegeben. Dass in einem der Stücke die SängerInnen sogar frei improvisieren können, macht die Sache besonders spannend.
Die pure Vielzahl an Stimmen (über 60 Personen), die interessante Architektur der Kirche (Ende der 60er errichtet) und die klangfördernde Raumakustik machen das Konzert zu einem besonderen Erlebnis.

Sonntag, 27. März 2011

Giorgio Barbarotta im Spielraum Gaspoltshofen

Dass Italien auch nach Österreich kommen kann, beweist Giorgio Barbarotta und Band mit einer kleinen Österreich-Tournee. Dabei hat es ihn letzten Samstag auch in den Spielraum verschlagen. Uns soll es recht sein, denn was der Cantore hier zum Besten gibt, ist mehr als überzeugend. Mit dem ersten Ton nimmt einen diese volle, facettenreiche Stimme gefangen, ebenso wie die gestischen Ausdrucksmittel, die der italienische Singer-Songwriter einsetzt. Dazu kommt das perfekte Zusammenspiel mit einer glänzenden Band (Gitarre, Bass und Schlagzeug) mit einem ebensolchen Sound. Temporeiche, zupackende Songs wechseln mit ruhigeren, sentimentalen Liedern, und obwohl für nicht Italienisch Sprechende die inhaltliche Botschaft kaum zu entschlüsseln ist, bleibt die Spannung vom Anfang bis zu Schluss erhalten. Das aufmerksame Publikum dankt es den Künstlern mit viel Applaus.

Sonntag, 13. März 2011

Luisa Frego in der Cantina Bentivoglio, Bologna

Wer nach Bologna kommt und Jazz genießen möchte, der besucht am besten die Cantina Bentivoglio, einen geräumigen Jazz-Keller, wo man auch gut essen kann. Hier gibt es täglich ab 22 Uhr Live-Musik. Am 2. März war Luisa Frego mit Brasilian Jazz Classics zu Gast. Die Boznerin, die jetzt in Bologna Musik studiert, trat in kleiner Besetzung mit M. Degaspari am Klavier und A. Taravelli am E-Bass auf. Sehr eigenständig interpretiert sie mit ihrer klaren, präsenten Stimme die Klassiker des brasilianischen Liedguts.

Sonntag, 13. Februar 2011

Romano Sclavis Texier im Jazzit Salzburg

Seit 9 Jahren gibt es nun das Jazzit und vor 30 Jahren hat das erste Konzert der Reihe "Jazz im Theater" stattgefunden - zwei Gründe, um am 11. 2. im Jazzit ausgiebig zu feiern, und das natürlich mit großartiger Musik.
Klarinettist Louis Sclavis, Bassist Henri Texier und Schlagzeuger Aldo Romano bestreiten den Hauptact des Abends und lassen keine Wünsche offen. Perfektion im Zusammenspiel, Abwechslung im dargebotenen Repertoire, Konzentration und Spielfreude zeichnen die drei Routiniers aus. Es ist Jazz der freieren Sorte, der sich nicht so sehr in der Jazz-Tradition verhaftet ist, sondern vor allem volksmusikalische Einflüsse aus unterschiedlichen Weltgegenden verarbeitet. Neben komplexen Kompositionen berührt vor allem auch die Einfachheit hingebungsvoll vorgetragener Melodien. Das begeistert Publikum im vollen Jazzit-Saal zeigte sich daher auch erst nach mehreren Zugaben wirklich zufrieden.

Samstag, 5. Februar 2011

Simon Oberleitner & Band in der LMS Vöcklabruck

Manchmal ist es schön, in klassischen Jazz einzutauchen. Das Trio mit Klavier (Simon Oberleitner), Kontrabass (Andreas Reisinger) und Schlagzeug (Reinhard Mair-Zeininger) bietet dafür die besten Voraussetzungen. Und der Name des Projekts "Swinging the Classics" weist auch in diese Richtung. So bildete, wie nicht anders zu erwarten, eine Auswahl ausgesuchter Jazz-Standards den Großteil des Repertoirs. Vollendet wurde das Ganze noch mit den Kompositionen von Klassikern anderer Herkunft, wie z. B. Bach oder Chopin. Dass das durchaus zusammenpassen kann wie aus einem Guss, haben schon ganz andere Jazz-Größen gezeigt. Und was hier vor allem von Simon Oberleitner geboten wird, ist Ruhe und Gelassenheit, Lockerheit, Treffsicherheit, Bestimmtheit und die Botschaft, dass harmonischer Wohlklang eine Qualität ist, die es zu zelebrieren gilt. Die herrliche Akustik des Saals der Landesmusikschule steigert den Genuss noch: ein berührendes Konzert eines Interpreten, dessen Reife angesichts seiner Jugend erstaunlich ist.