Freitag, 30. Januar 2026

Asja Valcic und Sebastian Schneider im Jazzit, Salzburg

Die Cellistin Asja Valcic habe ich erstmals 2009 als Teil des radio.string.quartets kennen gelernt. Später konnte ich sie noch mehrmals zusammen mit Klaus Paier (Akkordeon) hören. Nun stellt sie im Jazzit Salzburg ihr eigenes Solo-Album "Inner Voice" vor: ein musikalisches Selbstportrait und ein Tondokument dafür, was auf einem Cello, ohne elektronische Soundeffekte zu bemühen, klanglich und stilistisch alles möglich ist. Stücke mit klassischen Einflüssen sind ebenso dabei wie solche mit volksmusikalischen Anklängen oder ein Tango, der mich stark an Astor Piazzolla erinnert. Technisch zieht die Cellistin alle Register inklusive dem Spiel von Flageoletttönen. Im zweiten Teil des Konzert ändert sich das Programm. Aus einem Solo wird ein Duo mit dem jungen Pianisten Sebastian Schneider, den ich übrigens auch schon in der Band von Johannes Dickbauer (J.D.Hive) hören konnte. Im Cello-Klavier-Duo erklingen nun Eigenkompsitionen der beiden Musiker:innen, die man auch demnächst auf einer CD nachhören wird können. "Sun and Moon" soll sie heißen, wobei sowohl getragen traurige Stücke als auch beschwingt fröhliche Klänge darauf Platz finden werden. Das Zusammenspiel der Beiden harmoniert vorzüglich und erzeugt wunderbare Klanggemälde. Ein erquicklicher Abend geht damit zu Ende und das Publikum zeigt sich begeistert davon.
 

Montag, 26. Januar 2026

Ted Milton mit Blurt im Rhiz, Wien

Oft werde ich gefragt, wie ich denn von den Veranstaltungen erfahre, die ich dann besuche. Dieses Mal war es ein Beitrag auf Instagram, der mir in die Augen gestochen ist. Ted Milton und Blurt seien auf Europatour. Irgendwas in meinem Hinterkopf hat darauf reagiert. Obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, ob ich diese Band schon einmal (vor langer Zeit) live gesehen habe oder sich in meiner Tonträgersammlung eines ihrer Alben befindet, war mir sofort klar: Diesen über 80-jährigen Londoner will ich (noch einmal) hören. Im Wiener Musiklokal Rhiz bot sich die Gelegenheit. Ein alter Mann mit einem Hauch von Irokesenschnitt setzt sich mit seinem Altsaxophon auf einen Stuhl, ein E-Gitarrist (Steve Eagles) und ein Schlagzeuger (David Aylward) stehen bereit. Vom ersten Takt an ist mir die Musik sofort vertraut. Sie war über die Jahrzehnte in meinem musikalischen Gedächtnis bestens aufgehoben. Ted Milton ist eigentlich Dichter (und Puppenspieler) bringt allerdings seine poetischen Werke in Post-Punk-Manier und mit jazzigen Saxophonklängen sprechgesanglich auf die Bühne. Eindringliche, stakkatoartige Mantras kommen dabei heraus mit starker rhytmischer Betonung, schneidend-schreiender Gitarre und Schlagzeuggewittern. Das Saxophon schnattert und schreit ebenfalls dazu und bisweilen tut es Ted Milton auch mit seiner charakteristischen Stimme. Die Texte sind dem Dadaistisch-Absurden zuzuordnen. Das Konzert ist ein Tour de Force, die nach einer guten Stunde zu Ende geht. Die Emotionen haben ihren längst wieder einmal fälligen Ausbruch gefunden und alle sind geläutert und zufrieden.
 

Sonntag, 25. Januar 2026

The Passing of the Year - Chorwerke von Mendelssohn, Brahms, Britten und Dove an der Uni Mozarteum, Salzburg

Immer wieder zieht es mich in die Gefilde der klassischen Musik und dafür ist die Universität Mozarteum mit dem akustisch perfekten "Solitär" ein guter Ort. Dieses Mal konnte ich in den Genuss des Mozarteum kammerChors kommen, geleitet von Christiane Büttig und begleitet am Klavier von Johannes Wilhelm. Chorwerke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms, Benjamin Britten und Johannes Dove stehen am Programm. Die vertonten Texte stammen von zum Teil recht bekannten Schriftsteller:innen wie zum Beispiel Friedrich Hebbel, Johann Wolfgang von Goethe, William Blake und Emily Dickinson. In all den Texten bestimmen Motive wie Natur, Jahreszeiten, Wachstum und Vergänglichkeit und das Leben der Menschen den Sinngehalt. Ein wunderbar abgestimmter gemischter Chor vermittelt die Botschaften, wobei mich Phrasierung und Dynamikumfang des Gesangs besonders beeindrucken. Dem Chor gelingt es hervorragend, die unterschiedlichen Gefühlslagen der Texte zum Ausdruck zu bringen, sodass nicht nur ich davon gerührt bin. Am Ende sollen positive Gefühle dominieren. Im titelgebenden Stück "The Passing of The Year" des zeitgenössischen britischen Komponisten Jonathan Dove heißt es am Schluss hoffnungvoll: "Ring out the thousand wars of old, ring in the thousand years of peace" und auch die letzte Zugabe "Sure on this shinging night" soll die begeisterte Zuhörerschaft mit einem angenehmen Gefühl auf ihren Heimweg entlassen.
 

Samstag, 24. Januar 2026

Anna Buchegger im Schl8hof Wels

Mir bekannt geworden ist Anna Buchegger, als sie 2021 bei der Starmania-Show gewonnen hat. Dass sie auch mit Jazzern auftritt, hat ebenfalls mein Interesse an der österreichischen Musikerin aus Abtenau geweckt. Nun hat sie schon ihr zweites Album "Soiz" veröffentlicht und stellt es nun live vor. Dass sie eine ausgezeichnete Sängerin ist, war mir schon klar, sie spielt live allerdings auch Hackbrett und E-Piano, mit dem sie sich auch solo begleitet. Unterstützt wird sie sonst von Tobias Wöhrer am Bass, David Raddish am Schlagzeug und Sophia Andlinger am Keyboard. Musikalisch macht sie ihr eigenes Ding, das fest im Pop verankert und rhythmisch recht einfach gestrickt ist, allerdings auch volksmusikalische Einflüsse enthält. Sowohl gesellschaftliche Themen (Engstirnigkeit, Machtmissbrauch und Gewalt) als auch Persönliches (Selbstverständnis und Identität) bestimmen die Songtexte, die im (für mich) gut verständlichen Dialekt verfasst sind. Sie weiß auch, wie man sich auf der Bühne bewegt und wie man das Publikum anspricht. Neben der Hauptbühne betritt sie für einige Zeit auch noch ein Podest mitten im Saal, wo sie am Keyboard ohne ihre Bandkolleg:innen aufspielt und singt, was ihre Publikumsnähe noch unterstreicht. Das Ganze ergibt ein gut abgerundetes Programm, das beim zahlreich erschienen Publikum gut ankommt. Anna Buchegger einmal live kennenzulernen war auch für mich diesen Konzertbesuch wert.

Freitag, 23. Januar 2026

Matyas Bartha Trio mit Heinz von Hermann im Cafe Ramsauer, Bad Ischl

"A bissl Bebop bevor ich geh'", könnte das Motto des Abends im gesteckt vollen Cafe Ramsauer in Bad Ischl lauten, gleich dem Buchtitel der Autobiographie des fast 90-jährigen österreichischen Jazzmusikers Heinz von Hermann (Saxophon, Querflöte). Er wird begleitet vom Trio des ungarischen Pianisten Matyas Bartha mit Danny Ziemann am Kontrabass und Christian Salfellner am Schlagzeug. In der Tradition von Bebop und Hardbop stehen dann auch die dargebotenen Stücke, zum Teil Eigenes von Heinz von Hermann (Rosa, liebe Rosa) sowie bekannte und weniger bekannte Jazz-Standards (Nobody Else but Me, Old Folks). Wie üblich gibt es dabei solistische Einlagen von Heinz von Hermann und Matyas Bartha und spannende Dialoge zwischen Kontrabass und Schlagzeug. Heinz von Hermann lässt nicht nur seine Instrumente sprechen, sondern er ist auch ein bemerkenswerter Conferencier, der dem Publikum so einiges über die Herkunft des Gebotenen berichtet. Dass es auch im inneren Salzkammergut (Bad Ischl und Bad Goisern) nun schon seit 1979 eine beachtliche Reihe von Jazzkonzerten gibt, verdanken wir den Jazzfreunden Bad Ischl und deren Obmann Emilian Tantana, dessen freudige Begeisterung für Jazz offensichtlich ist. Natürlich ist auch das Publikum im stilvollen Cafe Ramsauer begeistert und auch ich, besonders vom letzten Stück des Abends, Cole Porter's "You Do Something to Me", dessen wunderbare Interpretation von Bryan Ferry sich in mein musikalisches Gedächtnis eingebrannt hat. Schön, dass es Musiker gibt, die diese Tradition aufrecht erhalten, "bevor sie gehen", und welche nachkommen, die sie weiter pflegen.

 

Sonntag, 18. Januar 2026

Naked Lunch im Kino Ebensee

Schon zweimal hatte ich die Gelegenheit, die österreichische Indie-Rock-Band Naked Lunch live zu sehen und zu hören, zuletzt 2018 im OKH Vöcklabruck. Oliver Welter, Gitarrist und Sänger und das einzige verbliebene Gründungsmitglied, hat Naked Lunch 2025 quasi neu gegründet mit neuem Personal, nämlich Wolfgang Lehmann an der Gitarre, Romana Jakovcic am Bass, Boris Hauf an den Keys und am Saxophon und Alex Jezdinsky am Schlagzeug. Auch vom musikalischen Konzept her ist die Band nun breiter aufgestellt, ist sozusagen modernisiert worden. Die Klangkulissen, vor denen Welters Stimme nun ertönt, werden durch (phasenweise zu penetrante) Synthie-Sounds gebildet, auch Wolfgang Lehmann trägt durch sein schräges Gitarrenspiel und Gehabe zur Irritation bei. Chorgesang wird bei manchen Stücken zum prägenden Element. Das alles lenkt leider von Welters eigentlich wunderbaren sentimentalen Liedern und seiner Vortragskunst ziemlich ab. Weniger Sound-Brimborium wäre für mein Gefühl mehr an musikalischer Botschaft. Die älteren Songs sind ohnehin in etwas nüchterneres Gewand gekleidet und gefallen mir erst einmal besser. Doch auch die neuen haben ihre besondere Qualität, die sich für mich vor allem dann entfaltet, wenn Oliver Welter eines davon fast unbegleitet zum Besten gibt. Dass Naked Lunch einen ihrer Songs in Ekstase und Chaos gipfeln lassen, ist auch ganz okay. Die Band ist experimenteller geworden, kommt dabei jedoch (noch) ziemlich ungeschliffen und für mich zu überladen daher. Dennoch finde ich es wert, diese Neuentwicklung einmal live mitzuerleben.

Samstag, 17. Januar 2026

Jam-Session im Rossstall Lambach

Neben den Konzerten namhafter Künstler:innen finden in den Jazz affinen Lokalitäten meiner Umgebung auch regelmäßig sogenannten Jam-Sessions statt, so z. B. dienstags im Jazzit Salzburg sowie in längeren Abständen auch im KiK Ried im Innkreis, im OKH Vöcklabruck und eben auch im Rossstall Lambach. Statt Eintrittsgeld wird freiwillig gespendet (oder auch nicht), eine Musikformation macht den Jam-Session-Opener, gefolgt von der Auftrittsmöglichkeit für jene, die sich musikalisch auf einer Bühne erproben und präsentieren möchten oder einfach die Möglichkeit ergreifen wollen, ungezwungen mit anderen zu musizieren. Die Opener in Lambach sind ein Trio, bestehend aus der Sängerin Maria Rank, dem Pianisten Dieter Stemmer und dem Gitarristen Diz Schrödl. Sie haben sich acht Stücke aus dem großen Topf mit Jazz-Standards ausgesucht, die sie dem Publikum zu Gehör bringen, Solo-Einlagen inklusive. Anschließend bilden sich vom Trio bis zum Sextett unterschiedliche Gruppierungen, die nun ebenfalls Stücke, "die jeder kennt", ambitioniert, und so gut es eben geht, darbieten, wie z. B. Manha de Carnaval, St. Thomas, Body and Soul oder All The Things You Are. Auch dabei versuchen sich die Interpreten beim Solieren. Immer wieder wirken bei solchen Events auch junge Musiker:innen mit, die sich als auffällig talentiert und bereits weit fortgeschritten erweisen, so wie dieses Mal der Mann am Kontrabass, der mir leider namentlich (noch) nicht bekannt ist. Jam-Sessions sind eine gute Gelegenheit, einmal (oder des Öfteren) Bühnenluft zu schnuppern, ohne gleich Mitglied einer fixen Band zu sein. Gut, dass es Veranstalter:innen gibt, die das ermöglichen.

Rodrigo Amado mit The Bridge im Schl8hof Wels

"Beyond the Margins" hat der portugiesische Tenorsaxophonist Rodrigo Amado sein 2023 erschienenes Album mit Alexander von Schlippenbach am Klavier, Ingebrigt Haker Flaten am Kontrabass und Gerry Hemingway am Schlagzeug genannt, und genau in dieser Besetzung ist das Quartett "The Bridge" im Welser Schl8hof zu hören. Schon mit den ersten Tönen wird dem Publikum klar, was es geschlagen hat, denn sie sind der Beginn eines freien Spiels der Kräfte, eines an- und abschwellenden musikalischen Energieflusses, der ohne Unterbrechung über eine Stunde lang andauert. Phasenweise improvisiert das ganze Kollektiv, dazwischen bilden sich immer wieder unterschliedliche Trios oder Duos der virtuos und energisch Musizierenden, die sich verständigen und aufeinander eingehen, sich gegenseitig antreiben und auch wieder beruhigen. Es entstehen musikalische Wellen, die anschwellen und sich ekstatisch auftürmen, ehe sie wieder spektakulär in sich zusammenbrechen und zu einem Hauch von Klang verebben, bis sich die nächste Welle langsam erhebt, ohne der vorigen zu gleichen und so weiter. Aus der Stille der Zwischenräume erhebt sich ein Instrumententon oder Gesang aus der Kehle des Schlagzeugers, das Menschlichste, das uns zu eigen ist. Irgendwann ist dann Schluss mit dem einzigen Stück des Abends, eine kurze Zugabe gibt es noch. Der Älteste unter den Vieren ist der Pianist und Bandleader Alexander von Schlippenbach (Jahrgang 1938), der sich als einer der ersten europäischen Jazzmusiker die absolute Freiheit individueller Kreativität genommen hat, die dieses Quartett auch heute zelebriert. Das Publikum hat den Wellenritt mitgemacht und zeigt sich beeindruckt, teils erstaunt: "So etwas habe ich noch nie gehört", meint ein Zuhörer mit dem Ton der Bewunderung. Wie schön und belebend kann der Blick über den (musikalischen) Tellerrand hinaus sein.

Dienstag, 13. Januar 2026

Clemens Geißelbrecht Quintet im Schl8hof Wels

Im Rahmen der Dienstag-Konzerte der "Musikwerkstatt Wels" spielen immer wieder junge, regionale Bands im Schl8hof Wels. Dieses Mal ist es ein Jazz-Quintett mit "klassischer" Besetzung, geleitet vom gebürtigen Vöcklabrucker Clemens Geißelbrecht. Neben dem Bandleader an Trompete und Flügelhorn kommen noch zum Einsatz: Jakob Schweitzer an den Saxophonen, Christian Schmid an den Keys, Werner Breitwieser am E-Bass und Jakob Peham am Schlagzeug. Das Ganze erinnert mich gleich einmal an bekannte Jazz-Formationen der 1960er Jahre. Die Eigenkompositionen von Clemens Geißelbrecht strahlen für mich eine angenehme Ruhe aus. Von Exaltiertheit und Nervosität ist nichts zu spüren. Alles bleibt auf "Well Known Terrain" (so der Titel eines Stücks) und die Beteiligten können ihre gekonnten Soli der Reihe nach zelebrieren. Stilistisch ist der Abend allerdings vielfältig mit Romantik-Einflüssen (Schumann's Mondnacht) über Popmusik-Bearbeitung (Ocean Eyes von Billie Eilish) bis zu Latin-Rhythmen (El Gringo Latino) und dem guten alten Blues (Bad Goisern Blues). Nach der Darbietung der eigenen Werke folgt noch als Zugabe ein Stück vom viel zu früh verstorbenen Trompeter Roy Hargrove (Strasbourg/St. Denis). Ein Abend zum Entspannen und ertstaunten Lauschen, was die Nachwuchs-Jazzer denn schon alles drauf haben, geht mit reichlich Publikumsapplaus zu Ende.
 

Montag, 12. Januar 2026

Lisa Hofmaninger & Renate Welsh im Jazzit Salzburg

Die österreichische Jazzmusikerin Lisa Hofmaninger (Sopransaxophon und Bassklarinette) tritt immer wieder als Komponistin hervor. So auch dieses Mal mit einem Programm, das sie mit Texten der bekannten Schriftstellerin Renate Welsh verwebt. Schon vorher haben sie die Werke der 2024 verstorbenen Ilse Helbich zu musikalischen Werken inspiriert. Für die Realisierung ihres neuen Programms hat sie sich ein Ensemble von Musiker:innen (Isa Kargl als Sängerin, Helene Glüxam am Kontrabass, Christoph Lenz an der Bratsche, Florian Sighartner an der Violine)  und Sprecherinnen (Sarah Jung und Martina Spitzer) zusammengeholt. Literarisches Grundthema ist die Lebensbewältigung und zwar besonders in Zeiten der Unterdrückung und Verfolgung während des Nazi-Regimes. Somit ist die Grundstimmung eher die des Blues, der auch die musikalische Klammer des Jazz&Poetry-Abends bildet. Neben rein musikalischen Passagen ist es vor allem das stimmige und gleichermaßen spannungsgeladene Zusammenspiel von Sprache, Gesang und Instrumentalmusik, das die sensibel durchkomponierte Aufführung interessant und packend macht. Die bedrückenden Szenen aus der Nazi-Zeit haben sich konsequenter Weise auch in der Art der Begleitmusik ihren Ausdruck gefunden und ich hätte mir manchmal eine hoffnungsvollere Stimmung gewünscht. Natürlich gibt es auch immer wieder Mut machende Lyrik von Renate Welsh. Der Blues lässt sich damit aber nicht vertreiben. Die wunderbaren Arrangements und die musikalische und sprachliche Qualität des Dargebotenen bleiben als dominierende Eindrücke dieses spannenden Abends zurück. Das Publikum im vollen Saal des Jazzit zeigt sich von der Leistung der Komponistin und der Aufführenden ebenfalls stark begeistert.
 

Sonntag, 11. Januar 2026

MoserTrio im Kulturhaus Emailwerk Seekirchen am Wallersee

Klaviertrio ist nicht gleich Klaviertrio. Das mir geläufigere ist das Jazztrio, bestehend aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Weniger musikalische Erfahrung habe ich mit dem klassischen Klaviertrio mit Klavier, Cello und Violine. Im Kulturhaus Emailwerk Seekirchen am Wallersee bietet sich mir nun die Gelegenheit, das"klassische" MoserTrio kennenzulernen, bestehend aus Lukas Moser am Klavier, Florian Moser an der Violine und Sarah Moser am Cello, die dort ihr Heimspiel unter dem Titel "Nachtmusik - eine kleine Lärmbelästigung" absolvieren. Das Konzert beginnt auch so, wie ich mir das vorstelle, mit einem Klaviertrio von W. A. Mozart. Doch ein Blick auf den Programmzettel verrät, dass es nun mit einem Klaviertrio des mir als Jazzmusiker bekannten Werner Pirchner (ich habe ihn in den 1980er selbst live erlebt) weitergeht. Und damit beginnt auch schon die eigentliche "Lärmbelästigung", denn Werner Pirchner ist eher ein exaltierter Vertreter der schrägen, disharmonischen Töne. Auch die folgenden Eigenkompositionen von Lukas Moser stellen Stilelemente von Neuer Musik und Jazz in den Vordergrund, insbesondere im titelgebenden Stück "Eine kleine Lärmbelästigung" in Abwandlung von Mozarts "Eine kleine Nachtmusik". Stücke von Arvo Pärt und Lili Boulanger bringen wieder etwas "Ruhe" ins Programm. Bei den Zugaben komme ich als Jazzliebhaber dann voll auf meine Rechnung. Denn da erklingt zuerst eine erstaunliche Bearbeitung von Joe Zawinuls "Birdland" und zuletzt ein zärtliches "My Funny Valentine" im klassischen Klaviertrio-Gewand. Der Unterschied zwischen klassischem Trio und Jazztrio verschwimmt dabei ganz offenkundig. Die Grenzen zwischen "klassischer" Musik und Musik der Moderne sind aufgehoben und spielen keine Rolle. Meine Freude über die Zusammenführung musikalischer Welten ist groß, ebenso über die künstlerische Qualität der Musizierenden. Das volle Haus des Emailwerks zeigt sich ebenfalls vollauf begeistert.
 

Samstag, 10. Januar 2026

"Stay well!" - Lieder von Kurt Weill im Spielraum Gaspoltshofen

Ja, ich bin ein Bewunderer von Kurt Weill, wie es viele Musiker:innen (auch aus der Welt des Jazz) ebenso sind, was die vielen Bearbeitungen seiner Werke beweisen. Dass ich eine Aufführung von Liedern dieses großen Komponisten nun auch live im intimen Rahmen des Spielraums Gaspoltshofen erleben darf, freut mich ganz besonders. Die beiden Künstlerinnen Kerstin Turnheim (Mezzosopran) und Katia Borissova (Klavier) haben dafür 16 Lieder Weill's aus seiner Zeit ab 1933 im französischen und dann im US-amerikanischen Exil ausgewählt und kommunizieren dazu auch die Umstände ihrer Entstehung. Manche davon sind bekannter (aus Die 7 Todsünden), andere weniger. Alle jedoch zeichnet Weill's unverkennbarer melancholischer Grundton aus, der die Schwierigkeiten menschlicher Existenz im herrschenden Gesellschaftssystem reflektiert, wobei der Komponist nur mit den besten Textautoren kooperiert hat (siehe Bertolt Brecht). Ein Lied ist schöner als das andere. Besonders beeindruckt haben mich das Titelstück "Stay well" aus "Lost in the stars" und "I'm a stranger here myself" aus "One touch of Venus". Die Vortragskunst der beiden Musikerinnen ist beeindruckend, was sowohl den Gesang als auch das Klavierspiel betrifft. Lieder voller Sehnsucht (z. B. Youkali) und zugleich voller Realitätssinn lösen bei mir starke Gefühle aus. Als Zugabe erklingt dann noch Nannas Lied, das Lotte Lenya bekannt gemacht hat. Am Ende gibt es zurecht stürmischen Applaus für einen Komponisten von Weltrang und dessen würdige Interpretinnen.
 

Freitag, 9. Januar 2026

Frödl im OKH Vöcklabruck

Ein weiterer Abend der Reihe "thursdays4jazz" ist im OKH Vöcklabruck angebrochen, dieses Mal mit Jazz-Rock und Jazz-Funk von vier österreichischen Musikern, die sich "Frödl" nennen, angelehnt an die Namen des Gitarristen Liz Schrödl und des Bassisten und Saxophonisten Nico Fedrigo. Am Keyboard zu hören ist Dieter Stemmer, und Urge Kirchner spielt das Schlagzeug. Jazz-Rock ist nicht unbedingt meine erste Liebe, allerdings gibt es in diesem Genre, wie sonst auch, gute und schlechte Musik. Frödl zähle ich zu den Vertretern guter Musik. Alle Kompositionen stammen von der Band und sind reich an melodiösen und rhythmischen Einfällen. Sie orientieren sich an Rock- und Funkrhythmen, auch Ska- und Balkan-Beat-Anklänge bekommt man zu hören. Grundelemente sind immer Rhythmus und Rhytmuswechsel mit wechselnder Dynamik und durchaus singbare Melodielinien. Auf Gesang will die Band allerdings verzichten und konzentriert sich ganz im Sinne der Jazz-Philosophie aufs solistische Improvisieren, wobei jeder seinen Beitrag leisten darf. Nico Fedrigo spielt dabei nicht nur den E-Bass, sondern greift auch bei manchen Stücken zum Tenorsaxophon. Die kräftigen Basslinien sind dann die Sache von Dieter Stemmer am Keyboard, der auch seine Freude an originellen synthetischen Klängen hat. Das Ganze ergibt eine stimmige Fusion mit viel Spielfreude und Kontakt zum Publikum, das die Darbietung mit viel Applaus zu würdigen weiß.

Sonntag, 4. Januar 2026

"Der Fremde" im Programmkino Wels

Die Philosophie des Existentialismus von Sartre und Camus interessiert mich schon seit meinen Teenager-Jahren, der französische Filmregisseur François Ozon hat mich zum ersten Mal 2004 mit seinem Film 5x2 beeindruckt. Nun gibt eine Kombination aus Beidem: Ozon hat das bekannteste Werk von Albert Camus "L'Étranger" in seinem neuesten Film verarbeitet. Die Handlung spielt in den 1930er Jahren in Algier und man fühlt sich auch filmtechnisch in diese Zeit zurückversetzt. Das verwendete Schwarz-weiß-Format reduziert die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche, vor allem auf die Mimik und Gestik des Protagonisten Mersault (gespielt von Benjamin Voisin), dessen Haltung der Gesellschaft und des Lebens selbst gegenüber im Mittelpunkt der Textvorlage wie auch des Film steht. Diese "neutrale" Haltung, die ihm den Vorwurf der Gefühllosigkeit einbringt, führt schließlich zum Todesurteil für Mersault, der einen Widersacher erschossen hat. Fremd ist "Der Fremde" vor allem deshalb, weil er den gängigen Moralvorstellungen der Gesellschaft nicht entspricht, sondern dem Leben mit einer offeneren, wertfreien Einstellung entgegen tritt und daher auch mit den Wertvorstellungen der christlichen Religion nichts anfangen kann. Ozon stellt das Geschehen zielstrebig und schnörkellos und mit einem offenen Ende dar. Ganz im Sinn von Bertolt Brecht sieht man als Kinobesucher "den Vorhang zu und alle Fragen offen".