Dienstag, 30. Dezember 2025

"Song Sung Blue" im Megaplex PlusCity Pasching

Ein großer Filmfan bin ich ja nicht gerade, dennoch reizt es mich manchmal, ins Kino zu gehen, so wie in diesem Fall. Geht es doch in dem neu erschienenen Spielfilm von Craig Brewer mit Hugh Jackman und Kate Hudson in den Hauptrollen um Songs von Neil Diamond, die ich als Teenager gern gehört habe. Allerdings werden sie im Film nicht von Neil Diamond selbst dargeboten, sondern von einer Neil-Diamond-Cover-Band, deren Geschichte erzählt wird. Die Bandgeschichte, angesiedelt in den 1990ern, ist zugleich eine Liebesgeschichte mit tragikomischen Zügen, die auf einer wahren Geschichte beruht. Trotz schwieriger Verhältnisse und tragischer Schicksalsschläge können "Lightning and Thunder", wie sich die Band nennt, mit den Liedern Neil Diamonds große Erfolge feiern, bis ein neuerlicher Schicksalsschlag dem Ganzen ein Ende setzt. Trotz allen Ungemachs dominiert schließlich in "Song Sung Blue" eine lebensbejahende Stimmung, nicht zuletzt auch hervorgerufen durch die wunderbaren Lieder Neil Diamonds. "Me and you are subjects to the blues now and then, but when you take the blues and make a song, you sing them out again." Musik kann berühren, Trauer zum Ausdruck bringen und sie zugleich überwinden. Dafür schätze ich sie.
 

Sonntag, 28. Dezember 2025

Upper Austrian Jazz Orchestra im Spielraum Gaspoltshofen

Das Upper Austrian Jazz Orchestra (UAJO), das es nun schon seit fast 35 Jahren gibt, überrascht immer wieder mit neuen Projekten. Dieses Mal ist in neuerlicher Zusammenarbeit mit dem schwedischen Arrangeur Mats Holmquist ein Programm entstanden, das sich auf 14 Songs der legendären Beatles bezieht. Dabei werden allerdings die Lieder nicht nachgespielt, sondern eher nachempfunden und umgemodelt zu neuen Kompositionen, die auch alle neue Titel tragen. Die Technik, aus vorhandenem Musikmaterial etwas Neues zu kreieren, ist nicht neu. Derartige Transformationen findet man bereits bei Johann Sebastian Bach. Mats Holmquist ist das sehr gut gelungen. Seine liebevolle, musikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem musikalischen Schaffen der Beatles hat beachtliche Früchte getragen. Meine persönlichen Highlights dabei waren die Bearbeitungen von "Norwegian Wood", "Strawberry Fields Forever", "A Day In The Life", "The Long And Windig Road", "While My Guitar Gently Weeps", "Come Together" und "Hey Jude". Holmquist's Bigband-Arrangements empfinden die Atmosphäre der Beatles-Originale nach, übernehmen deren rhythmische Strukturen und lassen dabei auch reichlich Freiraum für solistische Einlagen der Bandmitglieder. Das dahinter steckende Original zu erkennen, ist dabei allerdings nicht immer ganz einfach. Der Spielraum Gaspoltshofen war bis auf den letzten Platz gefüllt mit begeisterten Zuhörer:innen. Wer hier nicht dabei war, kann später trotzdem in den Genuss von "Beatles upside down" kommen. Das Ganze soll nämlich auch bald auf Tonträger erscheinen und weitere Konzerte sollten dann folgen.
 

Freitag, 26. Dezember 2025

Kollegium Kalksburg im Porgy & Bess, Wien

Wer am Weihnachtstag gute Musik hören will, kann das im Wiener Porgy & Bess tun. Da gibt es auch an Festtagen Programm. Zu hören ist das "Kollegium Kalksburg", ein in der Tradition des Wiener Lieds verwurzeltes Trio, das es mittlerweile auch schon bald 30 Jahre gibt und an dessen Darbietungen ich mich schon mehrmals erfreuen durfte. Skurrile Texte, in denen oft Alkoholsucht und Tod behandelt werden, sind eine Spezialität von Heinz Ditsch (Akkordeon, singende Säge, Gesang), Paul Skrepek (Kontragitarre, Gesang) und Wolfgang Vincenz Wizlsperger (Gesang, Baritonhorn). Neben eingenen Kompositionen covert die Band auch bekannte Lieder, z. B. von Georg Danzer (Vorstadtcasanova) oder von Carlos Puebla (Hasta siempre, commandante, das jetzt "Zwischn d'Finga" heißt, und eine Hymne auf das Leben ergibt). Ganz besonders gefällt mir immer wieder das Medley aus "Wenn der Herrgott net will" mit englischem Text und "I hab die schönen Madln net erfunden". Oft enden Lieder auch im Chaos oder werden einer Kollektivimprovisation unterzogen, wobei Heinz Ditsch und Paul Skrepek einen besonderen Beitrag leisten und ihre Instrumente dabei virtuos beherrschen. Spätestens hier wird auch klar, dass das "Kollegium Kalksburg" genau hierher in den Jazzclub gehört. Am Ende wird Musik dekonstruiert, zugleich jedoch dabei den wunderbaren Songvorlagen gehuldigt, z. B. "Le Moribond" von Jaques Brel oder "Let It Be" von den Beatles. Für mich ist es immer wieder eine Freude, dem "Kollegium" zuzuhören. Schön, dass ich dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk heuer im Porgy genießen durfte.

Montag, 22. Dezember 2025

Yvonne Moriel & Sophie Abraham im Jazzit Salzburg

Die Cellistin Sophie Abraham ist mir schon länger bekannt, und zwar seit sie ihr Soloalbum "Brothers" im Schl8hof Wels im Februar 2022 präsentiert hat, das sich mit dem Unfalltod ihrer zwei Brüder auseinandersetzt. Daraus spielt sie auch dieses Mal wieder Ausschnitte. Das Konzert beginnt allerdings mit einem Solopart der Saxophonistin Yvonne Moriel, die sich mit elektronischen Hilfsmitteln rhythmisch und klanglich weit über den reinen Saxophonsound hinaus begibt. Sie verwendet dazu sowohl Alt- als auch Sopransaxophon. Als Ausklang ihres Soloausflugs kehrt sie noch kurz zur Jazz-Tradition zurück, indem sie mit dem Thema von "Goodbye Pork Pie Hat" sowohl Charles Mingus als auch Lester Young ihre Reverenz erweist. Das Zusammenspiel der beiden Musikerinnen gestaltet sich aufgrund anspruchsvoller Eigenkompsitionen dann recht spannend und abwechslungsreich. Sophie Abraham setzt dabei auch immer wieder ihre Stimme wie auch Elektronik als Zutaten ein. Nach diesem gelungenen Duo-Projekt gibt es natürlich auch weitere Gelegenheiten, die beiden Musikerinnen zu hören. Yvonne Moriel z. B. mit ihrer Band "sweetlife" oder mit "Shake Stew" (schon im Februar im Jazzit) und Sophie Abraham im Frühjahr mit dem "radio.string.quartet", in dem sie fixes Mitglied ist.
 

Freitag, 19. Dezember 2025

Guillaume Tell im Musiktheater Linz

Meine musikalische Sozialisation erfolgte weit abseits der Oper, und dennoch bin ich auch auf dieses Musiktheater-Genre neugierig. Ich ergreife also wieder einmal die niederschwellige Gelegenheit, mir ein fast 200 Jahre altes Stück von Gioachino Rossini im Linzer Musiktheater zu Gemüte zu führen. Noch dazu kenne ich den Regisseur, Georg Schmiedleitner, noch von früher und bin daher gespannt, wie er die Oper in die Gegenwart transponiert hat. Zwei Welten prallen aufeinander: die bunte, natürliche Welt der Schweizer Gemeinschaft und eine technisierte, künstliche Welt moderner Medizin und Artificial Intelligence, ganz in blendendem Weiß gehalten mit allerhand geklonten Wesen. Die Schweiz triumphiert am Ende. Das Wichtigste bleibt für mich natürlich die Musik, die mit einer fulminanten Overtüre beginnt und schöne Chorpassagen und Arien beinhaltet, wobei mich die Stimme der weiblichen Hauptfigur Mathilde (Erica Eloff) am meisten beeindruckt hat. Das Bruckner Orchester Linz, dirigiert von Marc Reibel, harmoniert perfekt mit den Darsteller:innen auf der Bühne. Auch wenn meine musikalischen Schwerpunkte woanders liegen, so wird diese Opernaufführung für mich sicher nicht die letzte gewesen sein.
 

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Mira Lu Kovacs & Clemens Wenger im Schl8hof Wels

Vorweihnachtszeit ist Zeit für Lieder zum Weinen. Das meinen die Sängerin Mira Lu Kovacs und der Pianist Clemens Wenger. So finden zu dieser Zeit schon seit 2022 Konzerte der beiden Musiker:innen statt unter dem Titel "Sad Songs To Cry To". Da ich ein Fan von Mira Lu Kovacs bin, war ich da auch von Anfang an dabei und habe auch bemerkt, dass sich die Songauswahl - meist handelt es sich um Coverversionen - immer wieder leicht verändert hat. Fixpunkte sind die Titel "Wenn ich mir was wünschen dürfte" (Marlene Dietrich), Kalt und kälter (S.T.S), This Women's Work (Kate Bush) und "A Case Of You" (Joni Mitchell). Mira Lu Kovacs interpretiert die dargebotenen Songs auf ihre charakteristische Art mit ihrer unvergleichlichen, nuancierten Stimme und einfühlsamer Klavierbegleitung. Immer wieder betont sie, dass man so manchen großartigen Song gar nicht covern dürfte. Wenn man es allerdings so gut macht wie die Beiden, dann sollte das schon erlaubt sein. Mittlerweile sind auch Kovacs's launige Conférencen ein nicht unwesentlicher Teil des Programms, mit denen sie immer wieder dem altersmäßig recht gut durchmischten Publikum nahe kommt. Stürmischer Beifall ist den Beiden trotz des "traurigen" Anlasses jedenfalls sicher.
 

Sonntag, 14. Dezember 2025

Fuzzman Go Home im Schl8hof Wels

Fuzzman alias Herwig Zamernik ist mir schon seit den 1990ern als Bassist von "Naked Lunch" bekannt. Vor 20 Jahren hat er dann sein eigenes Projekt gestartet und tritt seither mit seinen "Singin' Rebels" auf. Statt auf Englisch wird auf Deutsch gesungen, Keyboard und Trompete sind als Instrumente dazugekommen, Fuzzman spielt jetzt statt Bass eine zwölfsaitige Gitarre. Mit Indie-Rock ist Schluss und es gibt eingängliche Lieder mit teils recht persönlichen aber auch politischen Inhalten, wobei sich beide Welten durchaus auch vermischen. Was Fuzzman bietet ist Unterhaltungsmusik hoher Qualität, mit der er sich eine gar nicht so kleine Fangemeinde erspielt hat, der er in seinen Konzerten immer wieder seinen "Segen" zuteil werden lässt. Der Kontakt zum Publikum ist ein wesentliches Element seiner Auftritte, die Barriere der Bühnenrampe wird dabei auch gelegentlich überwunden. Fuzzman bietet Musik, die zum Mitmachen animiert, indem seine Fans Melodien und Texte mitsingen, und natürlich auch zum Mittanzen - so ist das Konzert im Schl8hof Wels auch ein Stehkonzert geworden. Fuzzman-Konzerte haben Fest- und Feier-Charakter. Dieses Mal sind Gründe zum Feiern, dass es Fuzzman nun schon 20 Jahre gibt, dass es der letzte Auftritt seiner kleinen 20-Jahres-Tour ist, dass bald Weihnachten kommt und dass es den wunderbaren Welser Schl8hof nach über 40 Jahren immer noch gibt. Fuzzman's Musik ist emotional und kommt so ehrlich rüber, dass sie einen einfach anspricht und vereinnahmt. Spielfreude und Freude beim Zuhören und Mitmachen ergeben einen langen, vergnüglichen Konzertabend.
 

Samstag, 13. Dezember 2025

Nouvelle Cousine im Jazzit Salzburg

Um 1990 herum gab es die "Austria Jazz Tage" in Vöcklabruck, und damals besuchte ich zum ersten Mal ein Konzert der noch blutjungen Bigband "Nouvelle Cousine", die heuer ihr 40-jähriges Bestandsjubiläum feiert. Der Pianist Christoph Cech und der Percussionist Christian Mühlbacher haben die Band gegründet, die sich bis heute in unterschiedlicher Besetzung gehalten hat und ein Sammelbecken exzellenter österreichischer Jazzmusiker:innen bildet. Aktuelle Mitglieder sind neben den Gründervätern z. B. Chris Kronreif, Fabian Rucker, Alois Eberl und Robert Bachner. Das "Neue" steht noch immer im Vordergrund des Bandkonzepts und das Experimentieren sowieso. Die Band will immer noch für Überraschungen gut sein - so nennt sich eine neue Komposition von Christian Mühlbacher auch "Surprise" - und präsentiert Kompositionen auf höchstem musikalischem und vor allem rhythmischem Niveau. Dazu kommen furiose Soloeinlagen vieler Beteiligter. Komplexe Strukturen, die hohe Aufmerksamkeit von den Musikern verlangen, sind die Spezialität dieses Klangkörpers. Dazwischen darf es allerdings (zur Entspannung) auch bisweilen einfach melodiös klingen, ja in Ansätzen sogar etwas schmalzig. Was mich fast immer am meisten an Musik besonders beeindruckt, ist Polyrhythmik, wobei ich beim Hören von "Nouvelle Cousin" voll auf meine Kosten komme. Der wunderbare Sound im intimen Rahmen des Jazzit macht den Genuss vollkommen. Die Begeisterung beim Publikum ist dementsprechen groß.
 

Freitag, 12. Dezember 2025

Lisa Hofmaninger & Helmut Jasbar im ProDiagonal Lambach

"You Promised Me Poems" nennt sich das Duo-Projekt von Lisa Hofmaninger (Sopransax und Bassklarinette) und Helmut Jasbar (E-Gitarre), das es nun schon seit vier Jahren gibt und welches ich nicht zum ersten Mal live erleben durfte. Einen Unterschied zu den vergangenen Aufführungen gab es dieses Mal, da Helmut Jasbar vor und zwischen den musikalischen Darbietungen auch kurze Lesungen auch eigenen Werken veranstaltet hat. Ansonsten gibt es recht frei gestaltete Musik der Beiden, die sowohl auf eigenen Kompositionen (Lisa's Song) als auch auf Kompositionen anderer basiert, wie z. B. Ralph Towner oder Roland Neuwirth. Während Helmut Jasbar auf seiner E-Gitarre mit diversen Sound-Beigaben Atmosphäre erzeugt, spielt Lisa Hofmaninger recht reine, geradlienige, fast klassisch anmutende Tonfolgen auf ihren Instrumenten. Auch Joni Mitchell's Hit "Both Sides Now" hat sich das Duo vorgenommen und zeigt dabei, wie man das bekannte Stück zerlegt und wieder auf eigene Art zusammensetzt zu einer neuen Kreation - ganz nach dem Motto: Es geht nicht in erster Linie darum, was man macht, sondern darum, wie man es macht. Beide Musiker:innen bringen dabei ihre Vorlieben und Eigentümlichkeiten zur Geltung, die sich zu einem harmonischen Miteinander verbinden und beim zahlreich erschienenen Publikum viel Anklang finden.
 

Montag, 8. Dezember 2025

Ethan Iverson & Mark Turner im Jazzit Salzburg

In der Musik-Salon-Reihe im Jazzit Salzburg gibt es immer wieder feine, kammermusikalische Darbietungen. Dieses mal bekam man ein Duo zu hören und zu sehen, bestehend aus den beiden US-amerikanischen Musikern Ethan Iverson am Flügel und Mark Turner am Tenorsaxophon. Die beiden orientieren sich an der subtileren Sorte des Modern Jazz, beeinflusst von Lennie Tristano und Warne Marsh, die Einflüsse aus Bepop, Cool Jazz und freier Improvisation miteinander verbunden haben. Ethan Iverson greift auch noch gerne auf Elemente des Ragtime zurück. Das Repertoire besteht aus Kompositionen des Pianisten und auch aus Stücken bekannter Jazz-Größen, wie Wayne Shorter (JuJu), John Coltrane (Lazy Bird), Billy Strayhorn (A Flower Is A Lovesome Thing) oder Thelonious Monk (Misterioso). Das Duo dekonstruiert dabei die musikalischen Vorlagen auf eigene Art und lässt viel Spielraum für Improvisation sowohl am Klavier und insbesondere am Tenorsaxophon. Mark Turner's Saxophonspiel ist geprägt von fließender, abwechslungsreicher Improvisation, wobei die wunderbare Tonbildung nie ins Aggressive ausufert oder gar in überblasenes Gekreische mündet. Mark Turner erzählt einfach Geschichten auf seinem Instrument, denen ich stundenlang zuhören könnte. Dabei fällt auch das blinde Verständnis auf, das zwischen den beiden Musikern herrscht, die sich immerhin schon seit 30 Jahren kennen. Ein besonderes Highlight war für mich Iverson's Komposition "Showdown", eine Ballade, die zu Tränen rühren kann. Ein später Nachmittag mit zeitlosem Jazz mit hohem ästhetischem Anspruch hat sich ereignet, und ich bin froh, dabei gewesen zu sein.
 

Samstag, 6. Dezember 2025

Lucas Oscar im OKH Vöcklabruck

Schon der Support-Act "Apricity" aus Linz hat in der OKH-Bar in Vöcklabruck für gute Stimmung gesorgt. Mit dem Singer-Songwriter Lucas Oscar ging dann so richtig die Post ab. Die Erscheinung des erst 24-jährigen Steirers sorgt in mancherlei Hinsicht für Aufsehen. Es ist seine schlaksige Figur, die alle möglichen und unmöglichen Verrenkungen auf der Bühne vollführt (und manchmal auch zum Sitzen kommt). Vor allem ist es allerdings seine Stimme, mit der er seine Songs mit einer Leichtigkeit und Lockerheit vorträgt, die mich sofort anspricht. Der junge Künstler ist ein Ausnahme-Gesangstalent, wobei seine Vorliebe dem soulig-funkigen Genre gilt. Seine Band ist die ideale Begleitung für seine gesanglichen Eskapaden. Auch sie zeichnet sich durch eine spielerische Leichtigkeit aus und vermittelt einen soulig-jazzigen Touch. Einen wichtigen Beitrag leistet dazu der Gitarrist Timon Grohs, dem man seine Jazz-Affinität sofort anmerkt. Florian Jauker sorgt für den treibenden Bass und und für elektronische Klänge am Keyboard. Danylo Dmyterko liefert dazu entspannte Rhythmen am Schlagzeug. Dabei geht es in den englischsprachigen Texten durchaus um erste Themen und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Sein erstes Album hat Lukas Oscar bereits veröffentlich, ein zweites wird in Kürze erscheinen. Die österreichische Musikszene hat einen vielversprechenden Künstler mehr.
 

Freitag, 5. Dezember 2025

Lotus Flower Trio im C. Bechstein Centrum Linz

"The Sound of Rebellion" ist der Titel eines lesenswerten Buchs von Peter Kemper, das die politische Ästhetik des Jazz beleuchtet. Eine offensichtlich politische Dimension zeigen auch die Kompositionen des französischen Pianisten Bruno Angelini, die er mit den Saxophonostinnen Sakina Abdou (ts) und Angelike Niescier (as) als "Lotus Flower Trio" im C. Bechstein Centrum Linz dem Publikum zum Besten gibt. Er widmet sie Menschen, die sich besonders für Freiheit, Menschenrechte und Feminismus eingesetzt haben, wie zum Beispiel der amerikanischen Soziologin Jane Addams, der schwarzen Bürgerrechtsaktivistin Rosa Parks oder dem Kämpfer gegen die Apartheid, Nelson Mandela. Alle diese Stücke haben ein starkes, seriöses Klangfundament, auf dem es den Saxophonistinnen möglich ist, ihre Improvisationseskapaden zu praktizieren. Bisweilen reduziert sich das Trio auf einzelne Duette zwischen Klavier und Saxophon, dann wieder ergehen sich alle drei Musiker:innen in Kollektivimprovisationen der oft recht ausschweifenden Sorte. Somit geht es meist recht expressiv zur Sache, wobei sich jede der Saxophonistinnen mit ihrer eigenen, unverwechselbaren Klangsprache auszudrücken weiß. Die mehrstimmigen Sounds, die Sakina Abdou dabei am Tenorsaxophon bisweilen erzeugt, beeindrucken mich besonders. Der Name des Trios "Lotus Flower" geht auf den Saxophonisten Wayne Shorter zurück, der die Lotusblume, die in Sümpfen gedeiht, als Symbol ansieht für das klärende Licht in einer als "troubled and muddy" wahrgenommenen Welt. In der Persönlichkeit von Bruno Angelini und seiner Musik hat dieses Licht der Lotusblume auch für mich an diesem Abend deutlich aufgeleuchtet.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Sebastian Elias Weiss im Schl8hof Wels

Sebastian Elias Weiss ist ein junger Gitarrist und Komponist mit Grazer Wurzeln, der mit seinem Quartett bereits sein erstes Album "feets" veröffentlicht hat. Das Interessante daran ist, dass neben Kontrabass (Federico Perinelli) und Schlagzeug (Jan Samson Krizanic) auch der junge, deutsche Sänger Tillmann Risse mit seinem Gesangspart eine bedeutende Rolle in der Band spielt. In Weiss's Kompositionen geht es sehr ums Atmosphärische, das hauptsächlich im seriösen Bereich angesiedelt ist und von seinen ausschweifenden Improvisationen an der Gitarre und den stimmlichen Zugaben des Sängers lebt. So wird auch eine beeindruckende, mehrteilige Suite zu Gehör gebracht. Der Gitarrensound kann sehr traditionell klingen, kann allerdings auch recht kreative Züge annehmen. Mit seinem Gitarrenspiel überschreitet Sebastian Elias Weiss so auch bisweilen die Grenzen des Jazz-Genres in Richtung Indie-Rock, wobei ihm Jan Samson Krizanic an den Drums hilfreich zur Seite steht. Was die Band macht, ist eigenständige Musik mit einem weiten Horizont und stilistischer Vielfalt, wobei Gitarrensound und Stimme die Hauptrollen spielen. Mit seinem Bandprojekt hat sich Sebastian Elias Weiss was ganz Eigenes geschaffen, das ihn aus dem herrschenden Mainstream deutlich sichtbar hervorhebt. Sowas bekommt man nicht alle Tage zu hören.
 

Dienstag, 2. Dezember 2025

Jiří Slavik Antrittskonzert an der BrucknerUni Linz

Immer wenn es einen Professoren-Wechsel an der BrucknerUni in Linz gibt, darf sich der Neue in einem Antrittskonzert präsentieren. Dieses Mal ist das der Bassist und Multiinstrumentalist Jiri Slavik, der dem pensionierten Peter Herbert nachgefolgt ist. Dieser hat ein recht abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Zuerst zeigt er, was er solo am 5-saitigen Kontrabass drauf hat, dem ihm der kürzlich verstorbene Barre Phillips vermacht hat. Dann musiziert er mit Chris Kronreif und Mario Rom und schließlich mit Student:innen der Uni, wobei er zum Klavier wechselt und auch noch zeigt, dass er ein guter Saxophonist ist. Vorwiegend Eigenes wird dargeboten, das Einflüsse aus diversen Weltregionen beinhaltet. Der unterhaltsame Einführungsabend findet viel Anklang beim überaus zahlreich erschienenen Publikum.
 

Montag, 24. November 2025

Luciano Biondini, Michel Godard und Lucas Niggli im Jazzit Salzburg

Die Zeit des Jazzit-Musiksalons ist wieder gekommen. Dabei gibt es Konzerte an Sonntagnachmittagen den Winter über. Diesen Sonntag war ein Trio zu Gast, bestehend aus dem italienischen Akkordeonisten Luciano Biondini, dem französischen Bassisten Michel Godard (Tuba, Serpent und E-Bass) und dem Schweizer Schlagzeuger Lucas Niggli. Ich mag Akkordeon und seine Ausdruckskraft, mir gefällen komplexe und zugleich subtile Basslinien, und bei den Schlagzeugern schätze ich jene besonders, die die klanglichen Möglichkeiten des Instruments voll auszuschöpfen wissen. Was das Trio auf dei Bühne bringt, ist einfach Musik, die keine Grenzen kennt. Volksmusikalische Elemente sind ein wichtiger Bestandteil, die Freiheit des Jazz ist garantiert und manchmal klingt es sogar nach barocker Kammermusik, vor allem dann, wenn Michel Godard das alte Barockhorn, den Serpent, einsetzt. Dabei geht es nicht immer ruhig zu und kollektive Energieausbrüche kann es schon ab und zu geben. Was mich allerdings am meisten berührt hat, sind Passagen voller musikalischer Zärtlichkeit und klanglicher Schönheit. Der Band gelingt es mit einfachen Mitteln eine verführerische Klangpoesie zu kreieren, die das Publikum in seinen Bann zieht. Der wunderbare Raum des Jazzit-Saals ist dafür auch der ideale Ort.
 

Samstag, 22. November 2025

Yasmo & die Klangkantine im OKH Vöcklabruck

Die Wiener Rapperin Yasmin Hafedh ist nicht zum ersten Mal Gast im OKH Vöcklabruck und ich habe sie hier schon früher einmal live gehört. Was mir an der Band gefällt, ist ihre große Jazz-Affinität. Eigentlich ist Yasmo's Begleitband fast eine Jazz-Bigband bestehend aus Schlagzeug, Bass, E-Gitarre, Keyboard und einem vierstimmigen Bläsersatz mit zwei Saxophonen, Trompete und Posaune. Hier wird also rhythmischer, funkig-grooviger, orchestraler Jazz geboten, bei dem auch das Improvisieren einzelner Stimmen und auch im Kollektiv möglich ist. "Augen auf und durch" nennt sich das neue Programm der Rapperin und auch das neue Album. Da geht es um Alltagsbewältigung, um Hinschauen statt Wegschauen, um das Wachbleiben trotz aller Krisen wie Leistungsdruck, Klimawandel und Rechtsruck der Gesellschaft. "Das gute Leben" heißt einer der Titel und die Kritik spricht von trotzigem Optimismus, um die Stimmung des neuen Programms auf einen Punkt zu bringen. So habe ich das auch erlebt. Sich nicht unterkriegen lassen: "Bildet Banden" lautet dazu ein Titel des neuen Albums. Yasmo und ihre Band erzeugen eine positive Stimmung, die sich auch stark auf dem Humor begründet, der in den Texten Yasmo's eine große Rolle spielt. Das Publikum im OKH genießt diesen Mut machenden Energieschub und bedankt sich mit großem, begeistertem Beifall.

 

Lizki im OKH Vöcklabruck

Das OKH Vöcklabruck ist ein Ort, an dem ich mich auch immer wieder weiterbilde, was den Bereich Alternative Pop betrifft. Der Name Lizki war mir bisher nicht bekannt, genauso wenig, wie ich eine Lena Britzelmair aus München kannte. Nun weiß ich, dass es hier um eine Band aus dem rockigen Elektro Pop-Genre handelt, die mit Schlagzeut, Bass, E-Gitarre, Keyboard, einer beträchtlichen Menge an Elektronik und eben dieser jungen Sängerin aus München daherkommt, die jetzt in Berlin lebt und auch schon in Wien zuhause war. Der Gitarrist der Band ist mir sofort bekannt vorgekommen, weil es sich um einen jetzt in Berlin lebenden Vöcklabrucker mit Künstlernamen Ant Antic handelt, der auch an der Produktion des neuen Albums der Band beteiligt war. Die hohe, markante und durchdringende Stimme der Sängerin dominiert die Songs, die stark rhythmisch geprägt sind mit elektronisch unterstützten Sounds der verwendeten Instrumente. Auch die Stimme selbst bekommt ein Sound-Tuning verpasst, was sie noch eindringlicher macht. Dass das Ganze keine ruhige Sache ist, zeigt sich auch am Bewegungsumfang der Frontfrau, die oft ihren Standort wechselt. "Loosing Grip in a Chaotic World" nennt sich das aktuelle Album von Lizki, in dem es um die innere Haltung zu sich selbst und der Welt gegenüber geht. Lizky kann damit beeindrucken und das Publikum ansprechen, das sich mit hoher Aufmerksamkeit und reichlich Applaus bedankt.
 

Dienstag, 18. November 2025

Monday Night Orchestra im Schl8hof Wels

Einmal im Monat an einem Montag spielt das Monday Night Orchestra im Schl8hof Wels auf, und manchmal höre ich mir das an. Die Chefs dieser Bigband mit öfter wechselnder Besetzung sind die beiden Posaunisten Hermann Miesbauer, der auch als Conferencier in Erscheinung tritt, und Manfred Aschauer. Jeder Montag hat sein eigenes Motto. Dieses Mal lautet es "Law and Order", bezogen auf die ungeschriebenen Gesetze, die auch im Jazz gelten. Die dargebotenen Titel des Abends stehen damit in losem Zusammenhang. Das Monday Night Orchestra präsentiert dabei Arrangements berühmter Big-Bands des vergangenen Jahrhunders, speziell aus der Swing-Ära. Dieses Mal war Woody Herman mehrmals dran. Auffällig oft wurden dieses Mal auch Stücke aus der Bebop-Ära gespielt, wie z. B. von Charlie Parker und Thelonious Monk. Die Sängerin Bonnie Sinkowics ist auch fast immer dabei und kam auch dieses Mal für ein paar Lieder zum Einsatz. Die solistischen Beiträge sind eher kurz gehalten. Das Verdienst des Monday Night Orchestras ist es, dass es dem Publikum ein bedeutendes Stück Jazz-Geschichte vermittelt, einerseits durch die Aufführung historischer Big-Band-Arrangements und andererseits durch die von Hermann Miesbauer zwischendurch vorgetragenen, meist witzigen Anekdoten aus dem Leben großer Jazzmusiker-Persönlichkeiten. Die Big-Band schafft es somit, dass auch an Montagen der halbe Saal des Welser Schl8hofs mit aufmerksamen Zuhörer:innen gut gefüllt ist.
 

Samstag, 15. November 2025

Rudi Berger & The Three World Band im Rossstall Lambach

Man merkt dem Wiener Jazz-Geiger mit starker Brasilien-Connection, Rudi Berger, seine 70 Lebensjahre kaum an, wenn er mit großer Intensität seine Geige erklingen lässt. Er ist der Leader einer Band, die international daher kommt mit zwei Österreichern (Rudi Berger und Pepi Kramer als Perkussionist), drei Brasilianern (Ricardo Fiuza an den Keys, Oswaldo Amorim am E-Bass und Mauro Rodrigues an den Querflöten) und dem Italiener Davide Giovannini am Schlagzeug. Es sind in der Hauptsache Eigenkompositionen von Rudi Berger, welche die hervorragenden Musiker interpretieren, wobei ihnen allen tatsächlich eine brasilianische Note innewohnt. Manchmal klingt das Ganze auch ziemlich orchestral, was auch am Einsatz elektronischer Klänge des Keyboarders liegt. Das rhythmische Element kommt natürlich keinesfalls zu kurz, dafür sorgen die beiden Drummer und auch das hervorragende Bassspiel von Oswaldo Amorim, das mich besonders beeindruckt hat. Freiräume für individuelles Improvisieren gibt es genug für alle Beteiligten. Der Violinensound bedient sich elektronischer Hilfsmittel, ebenso jener der Querflöten. Selten erklingt purer Geigenton, den ich besonders schätze. Ein besonders intimer Moment entsteht für mich, als sich die Band für ein Stück zum Duo reduziert: Violine und Bass improvisieren gemeinsam über das wunderbare "Alone Together". Wie sehr die intime Club-Atmosphäre des Rossstalls auch von Musiker-Seite geschätzt wird, merkt man auch an diesem Abend, der mit begeistertem Publikumsapplaus endet.
 

Freitag, 14. November 2025

Homebound Quartett im OKH Vöcklabruck

So "homebound", wie sie sein sollten, waren die beteiligten Musiker dieses Jazzabends im Rahmen von "thursdays4jazz" im OKH Vöcklabruck dann doch wieder nicht, denn es gab mehrere krankheitsbedingte Ausfälle. Somit kommen auch Musiker aus Wels (Andreas See am Tenorsax) und  Bad Ischl (Lukas Aichinger am Schlagzeug) zum Einsatz. Der Pilsbacher Philipp Wallner spielt Gitarre und Thomas Milacher den E-Bass. Eine zeimlich zusammengewürfelte Band also, die anfänglich etwas verhalten, im Laufe des Abends zu großer gemeinsamer Form aufgelaufen ist. Gespielt wird das, was jeder gelernte Jazzer sowieso kennt, nämlich ein Repertoire aus geläufigen Jazz-Standards von "All The Things You Are" angefangen über "Polka Dots And Moonbeams" und dem wunderbaren "Darn That Dream" bis zu Coltrane's "Impressions". Dass das Quartett aus Vollblutmusikern besteht, beweisen auch deren Improvisationskünste, die sie reichlich unter Beweis stellen können. Dabei wird der Jazz nicht neu erfunden, sondern solides Modern-Jazz-Handwerk abgeliefert, welches das Publikum in der gut gefüllten OKH-Bar vollauf begeistern kann, auch wenn es nicht der letzte Schrei ist.
 

Donnerstag, 13. November 2025

Spirit of Musicke im Kardinal-Schwarzenberg-Saal Salzburg

Ich mag Barockmusik aufgrund ihrer scheinbaren Einfachheit, der strengen Form, der Vorhersehbarkeit und auch wegen der rein akustischen Instrumente, mit denen sie gespielt wird. Im Rahmen des Zyklus "Frauenstimmen" hatte ich die Gelegenheit, ein Quartett zu hören, das sich zur Aufgabe gemacht hat, ausschließlich Komponistinnen vor den Vorhang zu holen. Mit dem Programm "Women4Baroque" bringen die vier Musiker:innen, Maria Loos (Blockflöten), Lukas Praxmarer (Barockvioline), Gabriele Ruhland (Barockcello, Viola da Gamba) und Veronika Braß (Cembalo) Kompositionen verschiedener Komponistinnen des 17. und 18. Jhdts. zur Aufführung, wobei mir die Werke einer gewissen "Mrs. Philarmonica" aus London am besten gefallen haben. An der Aufführung schätze ich durch Verzicht auf Elektronik unverfälschten Klang der Instrumente, der sich möglichst nahe am Original der Entstehungszeit orientiert. Großes Können und Einfühlungsvermögen zeichnet die Musizierenden aus, sowohl bei den langsam-getragenen wie auch bei den schnellen Passagen. Und wenn ich bei der von Elisabeth-Jacquet de la Guerre komponierten Sonata Nr. 5 für Violine und Basso continuo genau hinhöre, so taucht plötzlich in der "Courante" der "Walking Bass" aus dem Jazz des 20. Jhdts. auf der gezupften Viola da Gamba auf. So weit liegen musikalische Welten oft gar nicht auseinander. Barockmusik kann auch heute noch begeistern und berühren. Im Kardinal-Schwarzenberg-Saal in Salzburg war es an diesem Abend jedenfalls der Fall.
 

Mittwoch, 12. November 2025

Craig Taborn im Bechstein Centrum Linz

Craig Taborn aus Detroit war mir bisher nicht bekannt, Künstler, mit denen er in Verbindung steht (Dave Douglas, Marty Ehrlich, Roscoe Mitchell und Tim Berne), allerdings schon. Dementsprechend klingt er auch am Klavier - ziemlich avantgardistisch im Sinne des Überschreitens der engeren Jazz-Piano-Grenzen in Richtung großer Offenheit und stilistischer Vielfalt. Schon mit den ersten kräftigen Anschlägen vor allem der linken Hand führt er mich in seine Welt des Klavierspiels ein. Sie ist geprägt von unreinen tiefen und mittleren Akkorden, die sich tranceartig wiederholen, oft schlagartig abbrechen, weil ein anderes Thema Oberhand gewinnt. Seine Anschlagsqualität erinnert mich bisweilen an die eines Hardrock-Gitarristen: Craig Taborn rockt den Flügel im Bechstein Centrum ordentlich, er holt alles heraus, was dieses wunderbare Instrument hergibt. Auch der Einfluss der Minimal Music kommt für mich beim Zuhören zur Geltung. Wiederholung mit allerlei kleinen zeitlich-rhythmischen Verschiebunen prägen manche Stücke. Dazwischen blitzt auch auf, dass er Craig Taborn auch die schnellen, perlenden Läufe in den höheren Lagen virtuos beherscht. Sie sind allerdings nur das schmückende Beiwerk zu seinen Hammerschlägen, die er dem Bechstein-Flügel verpasst. Ja, so gehört ein Klavier behandelt, finde ich in dem Moment, als sich der Künstler am Ende seiner Darbietung vor dem begeistert applaudierenden Publikum verbeugt. Selten noch habe ich einen Pianisten erlebt, der eine derart eigenständige und selbstbewusste musikalische Sprache spricht wie Craig Taborn.
 

Dienstag, 11. November 2025

Gabriel Bianco im Solitär der Uni Mozarteum Salzburg

Die Universität Mozarteum ist für mich als Hörer von Livemusik noch ziemliches Neuland, mit dem ich mich anfreunden will. So habe ich anlässlich des gerade stattfindenden "International Guitar Festival" mit Brasilien-Schwerpunkt nun ein Solo-Gitarrenkonzert des jungen Franzosen Gabriel Bianco besucht. Der Saal im Solitär ist wunderbar, vor allem, wenn man in der ersten Reihe sitzt. Die Musik kommt dabei ohne jegliche elektronische Verstärkung bei mir an, wobei die akustischen Eigenschaften dieses Saales hervorragend sind. Der französische Gitarrenvirtuose trägt Stücke von Komponist:innen aus den letzten zwei Jahrhunderten vor. Erstaunlich für mich ist, wie er das macht. Er verleiht den den Kompositionen Ausdruck und Gefühlsleben, indem er es versteht, Betonungen zu setzen, rhythmisch Spannung zu erzeugen und den Spielraum zwischen laut und leise bis ins Extrem auszuloten. Sogar die Stille erhält in seinem Spiel einen bedeutenden Stellenwert. Bei manchen Stücken dominiert der klassisch-romantische Touch, bei manchen ein spanisch-lateinamerikanisches Feeling. In Erstaunen versetzt hat mich schließlich ein Stück, das mit den klassischen Konventionen bricht und in dem plötzlich Elemente von Popmusik, Jazz und Blues in Andeutung auftauchen. Gabriel Bianco ist ein Gitarrist, der nicht nur durch Technik besticht, sondern ein Künstler, der mich durch sein emotionales Spiel tief drinnen berühren kann. Damit erntet er auch die Sympathie des Saalpublikums, das sich von seiner Performance vollauf begeistert zeigt.

 

Sonntag, 9. November 2025

Unlimited39 im Schloss Puchberg

Ein zweiter (Nachmittags)Besuch beim Music Unlimited-Festival ist sich auch noch ausgegangen. Im neuen Veranstaltungssaal des Schlosses gab es drei Konzerte, ein Solo, ein Duo und ein Trio. Solo aufgetreten ist die französische Saxophonistin Sakina Abdou, zuerst mit dem Tenorsaxophon und anschließend auch noch mit dem Altsaxophon. Beeindruckend für mich ist vor allem ihr Ton am Tenorsax, der alle möglichen Facetten zeigt, die aus diesem Instrument herauszuholen sind. Kraftvoll und bestimmt sind ihre Improvisationen mit Mehrstimmigkeit und Schwebungen angereichert. Dafür erobert sie sich nicht nur die Bühne, sondern zieht ihre Wege durch den ganzen Saal und lotet dabei die unterschiedlichen akustischen Eigenschaften verschiedener Stellen im Raum aus. Anders klingt das Altsax. Es bewegt sich mehr in traditionellen Bahnen improvisierender Kunst. Ein Duo aus den Niederlanden bilden Ig Henneman an der Viola und Ab Baars an Saxophon, Klarinette und Flöte. Auch sie improvisieren auf ihren Instrumenten, wobei mir die leisen Stücke lieber waren als die lauten Ausbrüche. Schließlich kommt noch ein internationales Trio zum Einsatz. Ming Wang, ursprünglich aus Taiwan, spielt ein chinesisches Saiteninstrument, eine Guzheng, die sie sowohl zupft, streicht und schlägt, um ein breites Spektrum an klanglichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Der Trompeter Thomas Berghammer zeigt die Sound-Vielseitigkeit seiner Trompete und die Italienerin Isabella Forciniti bedient einen elektronischen Klangerzeuger, der so ziemlich alles kann, von Gekratze und Gezirpe angefangen über tiefgründige Basswellen bis zu rhytmischen Fähigkeiten. Aus allen diesen Komponenten gelingt es den drei Künstler:innen einen wunderbaren klanglichen Fluss mit allerlei Strudeln und Stromschnellen zu erzeugen, dem ich mich als Zuhörer gerne hingebe. 
 

Charles Lloyd Sky Quartet im Porgy & Bess, Wien

31 Jahre war es her, als mich Charles Lloyd in Bad Goisern zum ersten Mal live beeindruckt hat. Den jetzt 87-Jährigen noch einmal zu hören und zu sehen, war mir ein Bedürfnis. Im "Porgy" gab es nun diese Gelegenheit, dieser Saxophon-Legende aus nächster Nähe in Club-Atmosphäre zu begegnen. Der Saxophonist hat sich mit exzellenten Musikern zusammengetan (Jason Moran am Klavier, Larry Grenadier am Kontrabass und Kweku Sumbry am Schlagzeug), mit denen er ein klassisches Jazz-Quartett bildet. Modern Jazz mit sowohl lyrischer als auch stellenweise sehr kraftvoll-expressiver Note wird geboten, wobei viel Raum für individuelle Improvisationskünste der Beteiligten offen steht. Larry Grenadier kann somit seine Meisterschaft im präzisen und kraftvollen Bassspiel beweisen. Jason Moran hat einen  Anschlag am Klavier wie ein Karate-Meister. Charles Lloyd hat nichts an seinem vollen und zugleich filigranem Ton am Tenor-Sax verloren, beherrscht allerschnellste Läufe und "schreit" mit seinem Instrument noch immer voller Expressivität. Auch seine zarte Seite kommt besonders dann zur Geltung, wenn er zur Querflöte greift. "The Sky Will Still Be There Tomorrow" nennt er sein Album aus 2024, aus dem die meisten Kompositionen stammen. Eine hat mit besonders beeindruckt: "The Ghost of Lady Day", eine Hommage an Billie Holiday, in der Charles Lloyd das todtraurige und zugleich anklagende "Strange Fruit" auf ein eindringliche Weise erklingen lässt, die mich zutiefst ergreift. Mit so einer Musik kann man dem Himmel schon sehr nahe kommen.
 

Samstag, 8. November 2025

Unlimited39 im Schlachthof Wels

"Bei diesem Festival schaut man über den Horizont des Bekannten, weil man das darüber hinaus Mögliche will." (Siegfried A. Fruhauf) Daher hat es mich auch heuer wieder hingezogen zum ersten Abend dieses dreitägigen Events. Großorchestral hat das Ganze am Freitagabend begonnen mit dem "Vienna Improvisers Orchestra", bestehend aus Streichern, Bläsern, Gesang, Schlagzeug und Electronics, das mit mächtigen Kollektivimprovisationen beeindruckt hat. Als Kontrast kommt als nächster Künstler ein Einzelkämpfer auf die Bühne, der Schlagzeuger Frank Rosaly mit seinem Programm "Bimini", ein US-Amerikaner mit lateinamerikanischen Wurzeln. Er erzeugt auf seinem überdimensionierten Schlagzeug Klänge und Rhythmen, die mich ganz in ihren Bann ziehen. Das ist Musik, die tief in mich eindringt. Sie basiert auf "zeremoniellen Praktiken, rituellen Prinzipien und alten Trance-Techniken", wie im Programmheft zu lesen ist. "Torquoise Dream" kommt ganz ohne Schlagzeug aus. Klavier, Cello, Violine und Gitarre kommen hierbei nicht ihren "klassischen" Aufgaben nach, sondern dekonstuieren diese, indem sie der freien Klang- und Rhythmuserzeugung dienen. Den Abschluss des Abends bildete eine neu zusammengestellte Band aus füng Improvisationstalenten, die sich "The New Quintet" nennt. Diese amerikanisch-österreichische Verbindung mit eigentlich klassischer Jazz-Quintett-Besetzung (Klavier, Bass, Bläser, Schlagzeug) huldigt ebenfalls der freien Impfovisation, wobei mich die Expressivität jedes einzelnen Bandmitglieds begeistert hat. Schön, dass es Music Unlimited nun schon zum 39. Mal gibt und somit wieder Musik der unbegrenzten Möglichkeiten.

Freitag, 7. November 2025

Matthias Löscher und J Hoard in der Stadtwerkstatt Linz

In der Stwst Linz war ich bisher noch nie. Doch Matthias Löscher hat mich hingelockt. Ich kenne ja diesen Gitarristen mit Salzburger Wurzeln schon länger, allerdings nicht mit seinem Projekt "Songs of Life", das er gemeinsam mit dem Sänger Jonathan Hoard aus NYC (wo auch Löscher jetzt lebt) bestreitet. Es sind ruhigere Töne, die der Gitarrist hier anschlägt und stilistisch recht unterschiedliche, ohne dass er auch seine zahlreichen "Pedals" dabei verzichtet. Es geht also dieses Mal um Lieder, die Matthias Löscher im Laufe seiner Entwicklung als Musiker geschrieben hat. Gesungen werden sie von J Hoard, der unverkennbar dem Genre Gospel und Soul entstammt. Die Lieder sind eher in der Kultur der Schwarzen in den USA verwurzelt als in der europäischen Liedtradition. Kraftvoll und lebensbejaend wirken die Stücke, auch wenn sie von die Mühen des Lebens handeln. Somit herrscht eine recht erbauliche Stimmung sowohl auf der Bühne als auch im Publikum der Linzer Stadtwerkstatt. Sowas will ich gerne bald wieder hören.
 

Mittwoch, 5. November 2025

Eingang Quintett im Schl8hof Wels

Julian Eingang ist ein junger österreichischer Bassist, der zurzeit in Hamburg lebt. Er leitet ein klassisches Jazz-Quintett mit Balint Banyó am Klavier, Matthäus Schnöll am Schlagezeug und den beiden Bläsern Adonis Athineos (Altsax und Flöten) und Jonas Friesel (Trompete und Flübelhorn). Weniger klassisch sind seine Eigenkompositionen, die Elemente diverser Musikstile enthalten. Das Jazzelement der Improvisation aller Beteiligen kommt allerdings reichlich zum Einsatz. Die Kompositionsgebilde sind ziemlich komplex und recht unterschiedlich, was ihre Expressivität betrifft. Manche tragen auch recht meditative Züge in sich. Am besten gefallen haben mir die Improvisationsausflüge von Jonas Friesel, vor allem wenn er am Flügelhorn unterwegs ist. Die Unaufgeregtheit des Altsaxophonisten hat mit beeindruckt, die Vielseitigkeit des Klavierspiels von Balint Banyó ebenso. Julian Eingangs Bassspiel ist lebendig und kreativ und weit davon entfernt, sich nur aufs Begleiten zu beschrängken, dasselbe gilt auch für den Schlagzeuger. Die Band macht gemeinsam ihr eigenes Ding, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist.
 

Montag, 3. November 2025

Ferdinand Raimund - der ganze! im Schauspielhaus Salzburg

Die Regisseurin und Musikerin Anna Marboe (vulgo Anna Mabo) hat sich gemeinsam mit dem Schauspieler Vincent Sauer mit den Werken Ferdinand Raimunds auseinander gesetzt, um sie zu einem Musical zu verarbeiten. Das Wiener Rabenhoftheater und das Salzburger Schauspielhaus haben das ermöglicht. Zu fünft gelingt es den beteiligten Musiker:innen und Schauspieler:innen, eine bunte, ziemlich atemlos dahingaloppierende Parade an Szenen und Songs auf die Bühne zu bringen. Zusammengehalten wird das Ganze von einer Liebesgeschichte zwischen Ferdinand Raimund (Isabella Knöll) und Anna Mabo (Vincent Sauer), die mithilfe von Motiven aus den Raimund-Stücken durch alle Höhen und Tiefen führt. Raimunds Zauberfeen, seine Allegorien wie Vergänglichkeit oder Zufriedenheit und sogar seine bekanntesten Lieder wie das "Hobellied" und "Brüderlein fein" dürfen dabei nicht fehlen. Dazu kommt eigenes Songmaterial von Anna Mabo, das sie und zwei Musiker (Clemens Sainitzer am Cello und Alexander Yannilos am Schlagzeug) beisteuern. Die Musiker:innen spielen auch unterschiedliche, kleinere Rollen im Stück. Buntheit und Rasanz sind die Eigenschaften, die dieses Musical für mich am besten charakterisieren. Stilistische Anlehnung an das Wiener Volkstheater sowie an die Slapstick-Komödie prägen die Aufführung. Die Raimund-Auseinandersetzung mündet somit bei Anna Mabo in einen regelrechten "Bahö", wienerisch korrekt ausgedrückt. Dem Publikum scheint er gefallen zu haben.
 

Samstag, 1. November 2025

"Wiener Blut" im Musiktheater Linz

Johann "Schani" Strauss hat seinen Denkmalsockel im Wiener Stadtpark verlassen, um bei der ihm zugeschriebenen Operette "Wiener Blut" im Musiktheater Linz mitzuwirken. Der reale Johann Strauss (Sohn) erlebte die Uraufführung 1899 nicht mehr. Eigentlich besteht die Operette aus einer Kompilation früherer Strauss-Werke, die der damalige Kapellmeister des Theaters an der Wien, Adolf Müller, zusammengestellt hat. Verknüft wurde das Ganze mit der Handlung einer seichten amorösen Verwechslungskomödie. Die Linzer Inszenierung lebt vom Bühnenbild, von den gesanglichen und schauspielerischen Leistungen des Ensembles, von der Choreographie und natürlich von der beeindruckend dargebotenen Musik. Anklänge an Nestroy-Figuren und Hans-Moser-Typen finden sich und eine Couplet-Einlage ganz im Stil des Wiener Volkstheaters. Daraus ergibt sich trotz der dreistündigen Dauer eine recht kurzweilige und unterhaltsame Aufführung, die vom Publikum mit viel Applaus goutiert wird. Ich habe mich ebenfalls gut amüsiert.
 

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Dreiviertelblut in der ARGE Kultur Salzburg

Vollblut-Volksmusik ist es keine, was diese Band aus Oberbayern auf die Bühne der ARGE Kultur Salzburg bringt, daher nennt sie sich wahrscheinlich auch "Dreiviertelblut". Mindestens ein Viertel des Stilmix besteht aus Rock, Soul und sogar Jazz. Dafür sorgt einerseits Luke Goetze an der E-Gitarre und andererseits der Bläsersatz bestehend aus dem Klarinettisten Florian Riedl, der auch manchmal zum Synthesizer greift, und Dominik Glöbl an der Trompete. Schlagzeug und Kontrabass halten sich eher im Hintergrund. Es sind hübsche, rhythmische Lieder im bayrischen Dialekt, vorgetragen von der kräftigen, sonoren Stimme von Sebastian Horn. Gerd Baumann spielt akustische Gitarre und singt auch mit. Inhaltlich geht es viel um Lebensgefühl, um Natur und natürlich um die Liebe. Manche Lieder sind so eingänglich, dass sie sich zum Mitsingen geradezu anbieten. Was mir an der Band besonders gefällt, ist, dass sie auch oft richtig in den Schmalztopf greift und das Schmachten drauf hat. Das ruft bei mir dieses wohlige Gefühl der Rührung hervor, das ich mir von guter Musik erwarte. Farben, der Wind, der Kummer und das Herz spielen die Hauptrollen, die Discokugel und sogar der Mond dürfen als Motive ebenfalls mitmachen. Das alles ist nicht verkehrt, sondern passt wunderbar in die bunte Welt dieser sieben "Manna", von denen jeder ein hervorragender Musiker ist. Das Publikum im ausverkauften ARGE-Saal zeigt sich begeistert und mir hat dieser Auftritt auch gefallen.
 

Sonntag, 26. Oktober 2025

Diana Krall im Wiener Konzerthaus

 

Diana Krall ist wahrscheinlich eine der bekanntesten und beliebtesten zeitgenössischen Sängerinnen des traditionellen Jazz-Genres. Ich habe daher auch einige ihrer Alben zu Hause auf Tonträger, sie bis jetzt allerdings noch nie live gehört. Das sollte sich nun ändern mit einem Konzertbesuch im zweimal ausverkauften Wiener Konzerthaus. Die kanadische Sängerin und Pianistin tritt begleitet vom Bassisten Sebastian Steinberg und dem Schlagzeuger Matt Chamberlain im Trio auf. Diana Krall's Repertoire ist vor allem das Great American Songbook, dessen Lieder sie mit ihrer markanten, etwas unterkühlten Stimme und mit einer sehr speziellen Phrasierung vorträgt, die manche Songs stark verfremdet und aufs Erste gar nicht so leicht erkennbar macht. Bass und Schlagzeug unterstützen sie dabei, ohne selbst verstärkt solistisch in Erscheinung zu treten. Auch Krall's Klavierspiel dient vor allem der Begleitung ihres Gesangs. Neben den musikalischen Botschaften wendet sich die Musikerin auch dazwischen immer wieder ans Konzerthaus-Publikum, sichtlich erfreut über den enormen Zuspruch durch den Applaus, den sie erhält. Leider ist das Konzerthaus nicht der ideale Ort, um ein derart intimes Jazz-Trio zu genießen und eignet sich auch akustisch nicht wirklich perfekt für diese Art von Musik. Wer Diana Krall live erleben will, muss das eben in Kauf nehmen.

Freitag, 24. Oktober 2025

Nitai Hershkovits im Bechstein Centrum Linz

Die Konzertreihe MAERZ_jazz presents hat wieder begonnen (kuratiert von Robert Urmann) und die Veranstaltungen finden, sofern dafür ein Klavier benötigt wird, im Bechstein Centrum Linz statt, wie auch jenes Solo-Konzert des israelischen Pianisten Nitai Hershkovits, der auch schon im Vorjahr hier zu Gast war. Er ist beim renommierten Label ECM unter Vertrag, was für hohe Qualität bürgt. Diese zeigt er auch bei seinem Auftritt, bei dem er ein recht buntes Programm an Stücken zu Gehör bringt. Neben eigenem Material nimmt er sich zum Beispiel einen Song von Molly Drake (der Mutter von Nick Drake) vor, spielt Improviso von Villa-Lobos, ein Stück aus der Queen Suite von Duke Ellington, Ennio-Morricone-Filmmusik und als Zugabe überraschender Weise Elvis Presley's "Love Me Tender". Er zeichnet sich durch einen recht kraftvollen Stil aus. Hart angeschlagen und doch recht locker perlend zaubert er einen wunderbaren Klavierklang aus dem großen Flügel hervor. Er ist einer, dem ich noch viel länger entspannt zuhören könnte, als er sich für sein Konzert Zeit nimmt. Weniger (Instrumente) ist oft mehr. Das war auch mein Eindruck bei diesem Musiker und seinem Klavier.  
 

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Ines Reiger & Hermann Linecker im Schl8hof Wels

Vor 15 Jahren habe ich Ines Reiger zuletzt gesehen im Rossstall Lambach mit Quartett-Besetzung. Nun ergab sich wieder die Gelegenheit, dieser österreichischen Jazz-Sängerin zuzuhören. Der Pianist von damals (Hermann Linecker) ist auch wieder dabei und Ines Reiger greift dieses Mal auch selbst zeitweise in die Tasten. Das Song-Repertoire orientiert sich auch dieses Mal an Jazz-Klassikern und am American Songbook. Neu für mich ist, dass die Sängerin dazu gelegentlich auch die Texte ins Wienerische übertragen hat. Karl Hodina's Liebeslied "I liassat Kirsch'n für die wochsen ohne Kern" passt da auch gut dazu. Hermann Linecker liefert das klare musikalische Fundament für die Gesangsausflüge, die oft auch in wunderbares Scatting übergehen. Zwischen den Musiker:innen herrscht eine lockere Atmosphäre, die mich an das Sprichwort "Was sich liebt, das neckt sich" erinnert. Überhaupt wirkt Ines Reiger viel gelöster, als ich sie noch vom letzten Mal in Erinnerung habe. Musikalisch harmonieren die Beiden perfekt und es ist für mich ein Genuss, diesen mit Leichtigkeit und Nonchalance vorgetragenen Liedern zuzuhören. Dazu passt auch die Botschaft des letzten Lieds: "What A Wonderful World" von Louis Armstrong, zumindest für diesen Abend im Schl8hof Wels.
 

Sonntag, 19. Oktober 2025

Georg Vogel, David Helbock & Julia Hofer, Johanna Summer & Malakoff Kowalski bei Jazz & The City Salzburg

Am letzten Tag von "Jazz & The City" wollte ich noch einmal dabei sein. Drei Acts sollten sich (fast) ausgehen. Und so hat meine Konzert-Roas in der Kollegienkirche begonnen, um den genialen Georg Vogel zu hören. Tatsächlich habe ich ihn nur gehört, denn er saß an der Orgel und schickte seine Klänge in den Kirchenraum. Wunderbare Phantasien sind das, die mir auch schon von seinem Klavier- und Claviton-Spiel her bekannt sind. Lange konnte ich nicht bleiben, denn ich wollte unbedingt das Duo David Helbock (Klavier) und Julia Hofer (E-Bass und Cello) im Marionettentheater sehen. David Helbock ist mir ja hinlänglich bekannt, Julia Hofer sehe ich allerdings zum ersten Mal. Was beide gemeinsam auf die Bühne bringen, ist erstaunlich. Die Beiden verstehen sich musikalisch außerordentlich gut und tragen hauptsächlich Eigenkompositionen vor, die sowohl lyrisch als auch anpackend funky und bluesig daherkommen. Das Publikum zeigte sich begeistert und ich auch. Alle guten Dinge sind drei, und so ergriff ich noch die Gelegenheit, einem weiteren Duo - dieses Mal Gesang mit Klavierbegleitung - wieder in der halligen Kollegienkirche zuzuhören. Die junge, ostdeutsche Pianistin Johanna Summer spielt die Musik zu Liedern, die Malakoff Kowalski (ein Deutscher Sänger mit iranisch-amerikanischen Wurzeln) vorträgt. Die Texte stammen meist von Allen Ginsberg, die Musik von diversen Komponist:innen. Ein paar Jazz-Standards dürfen schließlich auch nicht fehlen. Spezialität von Johanna Summer ist es, über Themen klassischer Musik jazzig zu improvisieren, wovon sie auch eine Kostprobe gibt. Damit geht "Jazz & The City" dieses Jahr für mich zu Ende. Das Festival hätte noch viel mehr geboten, die Fülle hätte mich allerdings maßlos überfordert. Davon etwas genascht zu haben, ist mir eine große Freude.

Samstag, 18. Oktober 2025

Pilmaiquén mit "Ciclos" in der Szene Salzburg

Maria-Pilmaiquén Jenny ist eine Salzburger Sängerin und Tänzerin, mit der ich zum ersten Mal beim heurigen Take-The-A-Train-Festival Bekanntschaft gemacht habe. Sie hat mich mit ihrer Ausdruckskraft als Sängerin mit Gitarrenbegleitung im ARTE-Hotel schwer beeindruckt. Ein deutlich größeres Projekt zeigt sie nun im Rahmen von "Jazz & The Citiy sounds" auf der Bühne der Szene Salzburg. Die Musik und die Songs haben sich nicht stark verändert und sind angesiedelt vor allem im Bereich rhythmischer lateinamerikanischer Musik mit spanischen und englischen Texten. Die Instrumentierung ist allerdings mit E-Gitarre (David Binderberger), E-Bass (Lukas Pamminger), Schlagzeug (Camillo Jenny) und Keyboard (Svilen Angelov) wesentlich reichhaltiger und kraftvoller. Dazu kommt ein weiteres künstlerisches Element, nämlich der Tanz. Eine Tanzinszenierung mit vier Tänzer:innen und der Sängerin selbst als Teil davon ist verwoben mit dem musikalischen Geschehen, sodass sich ein wunderbares Gesamtkunstwerk aus Musik und Bewegung ergibt. Die tänzerischen Stilelemente sind dabei recht vielfältig und reichen von exzessiver Ausgelassenheit über Slow-Motian bis zum Stillstand und vollkommener Ruhe. Die Stimme von Pilmaiquén berührt mich. Sie ist in der Lage, Lebensfreude zu vermitteln wie auch Gefühle von Sehnsucht und Melancholie (Saudade) zum Ausdruck zu bringen. Was sie mit "Ciclos" auf die Bühne gebracht hat, war beeindruckend und wird für mich unvergesslich bleiben.
 

Freitag, 17. Oktober 2025

Lylit im ProDiagonal Lambach

Lylit hat mich mit ihrer Gesangs- und Ausdruckskraft schon einmal beeindruckt. Sie wieder zu sehen, war mir daher ein Bedürfnis. Im ProDiagonal in Lambach gab es nun die Gelegenheit dazu. Eva Klampfer alias Lylit ist Singer-Songwriterin mit jazzigen Wurzeln, die ihre eigenen, englischsprachigen Texte mit eigener Musik dieses Mal allein am Flügel vorträgt. Sie singt und spielt Lieder aus ihrem neuen Album, ein Konzeptalbum, in dem sie ihre Seele offen legt, von Befreiung, Selbstermächtigung und Hingabe erzählt. Sowohl ihre stimmlichen Qualitäten als auch ihr kraftvolles Klavierspiel begeistern mich wiederum wie auch das Publikum im vollen "Wohnzimmer" des Lambacher Bildungshauses.
 

Pre-Opening von "Jazz & The City sounds" in Salzburg

"Jazz & The City sounds" ist ein Festival für Musik rund um den Schwerpunkt Jazz in der Innenstadt von Salzburg, das bei freiem Eintritt an unterschiedlichen Schauplätzen stattfindet, und das schon seit dem Jahr 2000. Schon vor dem eigentlichen Start am Donnerstag fanden einige Konzerte bereits am Mittwochabend statt, von denen ich mir drei nicht entgehen lassen wollte. Zuerst war ich im Wirtshaus Metzgersteig am Alten Markt, wo die vier Musiker der "Django Partie" ihren Auftritt hatten. Wie der Bandname bereits verrät, spielt die Band Swingmusik im Stil von Django Reinhardt mit Gesang auf Deutsch. Die gute Stimmung, die sich gleich eingestellt hat, wurde nur getrübt von vielen Gästen, die nicht wegen der Musik gekommen waren. Weiter ging es zwei Häuser weiter im Gehmacher Cafe in der Judengasse, wo eine junge Band, das "Chris Kisielewsky 4 Tett" jazzig-soulige Songs zum Besten gab. Eine große Freude machte mir die Keyboarderin und Sängerin Christine Kisielewsky, indem sie "Sometime Ago" von Chick Corea anstimmte, ein Song, der in meinem ersten erworbenen Jazz-Album von 1972 enthalten ist. Ich hatte noch nicht genug und wollte noch Adi Jüstel mit seinem Latin Swing Express hören. Sein musikalisches Zuhause ist die Stagebar im Kaiviertel. In der gestopft vollen Bar herrschte eine tolle Stimmung, die mich kaum ruhig stehen ließ. Auf weitere Konzerterlebnisse des diesjährigen "Jazz & The City" freue ich mich schon. 
 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Tris Plus feat. Nika Zach im Schl8hof Wels

Monika Dörfler ist Mathematikerin und Pianistin und war mit ihrem Trio mit Josef Wagner (akustische Bassgitarre) und Rainer Deixler (Schlagzeug) in der Dienstagreihe "Musikwerkstatt Wels" im Schl8hof zu Gast. Erweitert hat sich das Trio um die Sängerin Nika Zach, denn es ging um die Darbietung von Musik in Verbindung mit Lyrik zeitgenössischer deutschsprachiger Schriftsteller:innen. Deren Texte wurden von Nika Zach gesprochen und gesungen und sie hat auch darüber improvisiert. Die Band hat sie dabei tatkräftig unterstützt, indem auch die anderen zum Mittel der Improvisation gegriffen haben. Songstrukturen im klassischen Sinn (mit Refrain beispielsweise) sind dabei nicht zu erwarten, sondern literarisch-musikalischen Spannungsbögen und Eruptionen. Es braucht eine Weile, sich in diese Art der Performance hineinzufinden. Im zweiten Set dürfen dann auch die Musiker länger improvisieren, wobei mich vor allem das Klavierspiel von Monika Dörfler begeistert hat. Die Band bewegt sich mit ihrem Programm deutlich abseits des Mainstreams und hat recht Eigenartiges kreiert, das ich als sehr interessant und wertvoll einschätze. Auch dem wunderbaren Publikum im Schl8hof hat's gefallen.
 

Montag, 13. Oktober 2025

New York Xperience im Rossstall Lambach

Der Kärntner Schlagzeuger Klemens Marktl dürfte eine besondere Beziehung zum Rossstall Lambach haben. Er ist hier immer wieder gerne Gast und hat hier im März 2019 mit seinem damaligen Trio sogar ein Livealbum eingespielt ("Live in Austria"). Er pflegt gute Beziehungen zu renommierten New Yorker Jazz-Musikern, von denen er drei zu seinem jüngsten Auftritt im Rossstall mitgebracht hat: Misha Tsiganov am Klavier, Josh Ginsburg am Bass und Tim Armacost am Tenorsax. "New York Xperience" nennt sich diese Band. Klemens Marktl steuert das Gros der Kompositionen bei, die ich durchaus recht originell finde. Nach Schlagzeuger-Manier sind sie vor allem rhythmisch recht interessant und anspruchsvoll. Auch geben sie reichlich Raum für die individuellen Künste der beteiligten Musiker. Tim Armacost hat einen warmen Sound am Tenorsaxophon, und sein Spiel wird trotz hoher Komplexität nie unangenehm aufdringlich. Der russischstämmige Pianist brilliert in einem kraftvollen und zugleich lyrischen Stil. Auch Josh Ginsburg und Klemens Marktl selbst treten solistisch in Erscheinung und zeichnen sich weniger als Haudrauf aus, sondern viel mehr als Stilisten der "feinen Klinge". Insgesamt ergibt sich daraus ein kraftvoller Post-Pop-Jazz, dem zuzuhören es große Freude macht. Nicht zuletzt tragen Marktl's Ansagen und Anekdoten zur angenehmen Atmosphäre im Rossstall Jazz-Club bei.
 

Freitag, 10. Oktober 2025

Raphael Wressnig & Soul Gift im OKH Vöcklabruck

Eine echte, alte Hammond B3 bekommt man bei Konzerten nicht so oft zu Gesicht und zu Gehör. Daher habe ich die Chance genutzt, mir den Organisten Raphael Wressnig mit seinen italienischen Begleitern, Enrico Crivellaro (Gitarre) und Eric Cisbani (Schlagzeug), im OKH Vöcklabruck im Rahmen von "thursdays4jazz"anzuhören. Die Hammondorgel aus den späten 1950ern ist eine wahre Wucht und wiegt mit der dazu gehörigen Leslie-Box um die 260 kg. Wie eine Kirchenorgel hat sie neben zwei Manualen und den Registern auch die typischen Bass-Pedale. Das Leslie mit den rotierenden Lautsprechern erzeugt den oszillierenden Sound dieses Instruments. Musikalisch ging es gleich ziemlich zur Sache: Soulig-funkige Rhythmen dominierten, dazu gab es auch noch Calypso zu hören. Die Orgel erzeugt einen mächtigen Sound und klingt auch im Bass raumfüllend, ohne dass eine zusätzliche Verstärkung notwendig wäre. Raum für solistische Einlagen an der Orgel und an der Gitarre war reichlich vorhanden. Auch der Drummer durfte blillieren. Insgesamt sorgt diese Formation für mitreißende Rhytmen und Klänge, die aus dem "Wohnzimmer" der OKH-Bar schließlich einen Tanzsaal machten. Wunderbare Unterhaltungsmusik mit dem Flair der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat das Publikum in Begeisterung versetzt. 
 

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Peter Waldner spielt Partiten von Johann Sebastian Bach im ProDiagonal Lambach

Der in Innsbruck lebende Südtiroler Peter Waldner ist bereits Stammgast im Lambacher ProDiagonal, es ist schon sein drittes Konzert, das der Tastenvirtuose und Spezialist für Barockmusik hier gibt. Auch Partiten von Johann Sebastian Bach hat er hier dem Publikum bereits zu Gehör gebracht, und zwar die ersten drei für Cembalo oder Klavier. Dieses Mal sind Nummer vier bis sechs an der Reihe. Er trägt sie auf einem 1988 nachgebauten Cembalo vor, auf dessen Vorbild Bach selbst gespielt hat. Das Instrument hat einen wunderbar vollen Klang und ist weit davon entfernt, steril und blechern zu klingen. Peter Waldner ist ein Meister auf diesem Instrument und es gelingt ihm, den Suiten Leben und Gefühl zu einzuhauchen, sodass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. Außerdem liefert er zwischen den einzelnen Partiten auch Erläuterungen dazu ab, die Bachs Konzepte für diese Stücke begreifbar machen. Das Publikum hat sich mitnehmen lassen auf diese Reise durch den Kosmos durchaus tanzbarer Musik aus den 30ern des 18. Jahrhunderts: Musik, die nach nun fast 300 Jahren noch immer berührt und begeistert.
 

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Duo Saltando in der Landesmusikschule Vöcklabruck

Der Saal der Landesmusikschule Vöcklabruck eignet sich sehr gut für Konzerte mit kleiner Besetzung, so auch für das Duo Saltando, bestehend aus Barbara Wincor (Gesang und Violine) und Katharina Dürrschmid (Tenor- und Basshackbrett), die vom Brucknerbund Vöcklabruck eingeladen worden sind. Die beiden jungen Frauen bringen ein Programm auf die Bühne, das ausschließlich aus Kompositionen und Zitaten von Frauen besteht, wie z. B. Clara Schumann, Alma Mahler-Werfel oder Josefhine Lang. Begleitet von Katharina Dürrschmid trägt Barbara Wincor Lieder dieser Komponistinnen aus dem 19. Jhdt. vor. Dazwischen spielen die Beiden immer wieder Eigenes, das sie als "Phantasien" bezeichnen und das zum Teil improvisiert wirkt. Und nicht zuletzt gibt das Duo auch Textpassagen aus Briefen der vorgestellten Frauen wieder. So ergibt sich ein recht abwechslungsreicher Abend mit unverstärkten Klängen, die den akustisch exzellenten Raum füllen. Somit kann das Publikum einen wunderbaren "romantischen" Abend genießen.
 

Montag, 29. September 2025

Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna im Schloss Zell an der Pram

"vom Jandl'n zum Ernst" nennt sich das aktuelle Programm des vom Christian Muthspiel geleiteten Orjazztra Vienna, das ich auch schon mit anderen Programmen bewundern durfte. Ernst Jandl ist selbst immer wieder mit Jazzmusikern aufgetreten und hat mit deren Begleitung seine Lyrik rezitiert, z. B. mit den "Neighbours" in den frühen 1980ern, als auch ich einmal live dabei war. Christian Muthspiel gelingt es mit seinem "Orjazztra", den bereits 2000 verstorbenen Lyriker wieder zum Leben zu erwecken, indem er Jandls Originalstimme in die Kompositionen dieses Programms einbaut, oder besser gesagt die Musik mit der Stimme Jandls verwebt. So sind 21 Musik-Minidramen entstanden, wobei den Sprechpart von Ernst Jandl auch bisweilen der Orchesterchef selbst übernimmt. Natürlich dürfen auch die beteiligten Musiker:innen mittels Soli und Duetten ihren musikalischen Glanz versprühen, so u. a. Alois Eberl an der Posaune oder Lorenz Raab an der Trompete bzw. Christina Lachberger an der Bassposaune mit Florian Bauer am Baritonsax sowie Ilse Riedler am Tenorsax mit Patrick Dunst am Altsax. Jandls thematische Vielseitigkeit von der reinen Wortspielerei über biographische Motive bis zu politisch engagierten Aussagen spiegelt sich auch in der Vielseitigkeit der musikalischen Stimmungen wider. Christian Muthspiel gelingt es mit seiner Bigband, dem großen österreichischen Poeten ein würdiges Geschenk zum 100. Geburtstag zu gestalten, an dessen Überreichung das begeisterte Publikum im akustisch ausgezeichneten Freskensaal des Schlosses Zell an Pram teilnehmen durfte.

Freitag, 26. September 2025

Federspiel im Kulturzentrum ALFA, Laakirchen

Die Salzkammergut-Festwochen veranstalten auch immer wieder Konzerte in der Alten Fabrik (ALFA) in Steyrermühl. Nun war die siebenköpfige Bläsergruppe "Federspiel" zu Gast. Die Band hat gerade ihre 20-Jahr-Jubiläumstour abgeschlossen und ein neues Album eingespielt, das nächstes Jahr erscheinen wird. Die Musiker haben vor 20 Jahren in Krems mit reiner Volksmusik begonnen, gefördert vom mittlerweile verstorbenen Volksmusik-Experten und Geiger Rudi Pietsch. Federspiel hat allerdings die Grenzen der heimischen Volksmusik mittlerweile weit überschritten und tritt stilistisch vielfältig in Erscheinung, z. B. mit "Harvest" einer Komposition von Joe Zawinul aus den 1980er Jahren und vielen Eigenkompositionen. Ich habe z. B. auch Einflüsse der Minimal Music eines Philip Glass in einem Stück herausgehört. Dennoch ist die Gruppe stark verwurzelt in der alpenländischen Volksmusik, was vor allem hörbar wird, wenn sie traditionelle Gesänge anstimmt oder zu Paschen beginnt. Der Gesang ist ein wesentliches Stilmerkmal von Federspiel und kommt auch im Stück "Wir haben gefeiert, gelacht, getanzt und geweint" zum Einsatz. Besonders reich an Klangfarben ist der Klangkörper deshalb, weil ein breites Spektrum an Blechblasinstrumenten sowie Klarinetten zum Einsatz kommen. Zusätzlich wird das musikalische Geschehen noch durch perkussive Elemente bereichert. Und es ist vor allem die Spielfreude sowie die Freude an unterhaltsamen Ansagen, mit denen "Federspiel" die Sympathien der Zuhörerschaft gewinnt. Am Ende zeigt sich das Publikum hoch begeistert von der Qualität der Musik und vom Unterhaltungswert des Septetts.

Mittwoch, 24. September 2025

De Strawanzer im Schl8hof Wels

Die vier Musiker:innen, die diesen Dienstagabend im Rahmen der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof bestritten haben, sind kurzfristig als Ersatz eingesprungen. Ihr Metier ist eigentlich nicht der klassische Jazz, sondern sie sind stilistisch eher im Bereich von Swing und Weltmusik unterwegs. Improvisation ist ihnen dennoch nicht fremd. Sowohl Günter Wagner am Klavier, Gerald Harrer am Kontrabass und Mathi Kainz am Tenor- und Sopransaxophon beherrschen diese Kunst. Der Saxophonist greift auch manchmal zur Rhythmusgitarre und Susanne Obereder singt, wobei sie auch einen eigenartigen Schalltrichter einsetzt, der einen Grammophon-Sound erzeugt. Musik z. B. aus Lateinamerika, aus Italien oder auch aus Nordamerika wird dargeboten. Cab Calloway's "Minnie The Moocher" erklingt oder Renato Corosone's "Tu vuò fà l'americano", und auch Sambarhythmen sowie Klezmermusik bekommt man zu hören. Es ist eine bunte Stilmischung, die gekonnt dargeboten wird und die dem Anspruch des versammelten Jazz-Publikums durchaus gerecht wird. Bei Ellingtons "Caravan" merkt man allerdings schon recht deutlich, dass Jazz-Standards nicht das Zuhause der Band sind. Zufrieden mit dem "Ersatz" waren schließlich doch alle, da es laut Louis Armstrong ja bekanntlich nur zwei Arten von Musik gibt: gute und schlechte. An diesem Abend gab es nur die gute zu hören.